Scarpati Restaurant
(9)

Scheffelstr. 41, 42327 Wuppertal
Restaurant Hotel Sternerestaurant Trattoria
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GastroGuide-User: dark_jedi1109
hat Scarpati Restaurant in 42327 Wuppertal bewertet.
vor 4 Jahren
"Hervorragendes Restaurant"
Verifiziert

Geschrieben am 01.02.2015
Besucht am 23.10.2014
Scarpati | 23.10.2014 | 4 Personen | 305,50 € + TG
Diese Kritik wurde ursprünglich für ein anderes Portal geschrieben und nun hierher übertragen. Aus diesem Grund besteht eine Differenz zwischen Besuch und Einstelldatum der Kritik. Da ich mir jedoch sehr sicher bin, dass mein Eindruck heute identisch wäre stelle ich die Kritik auch hier ein.

Das Scarpati
ist ein alteingesessenes Restaurant, welches mittlerweile seit 40 Jahren für seine hervorragende Küche auch außerhalb von Wuppertal bekannt ist. Vor 40 Jahren residierte das Scarpati noch im fürstlichen Schloss Lüntenbeck und wanderte vor rund 30 Jahren in das „Haus Kathie“, eine wunderschöne alt-bergische Villa. Schon bei Ankunft kann man den alten Baumbestand bewundern und wandert von den Restauranteigenen Parkplätzen (oder von der Straße) ins Restaurant.

Zunächst möchte ich das Scarpati ein wenig einordnen – das Scarpati hat einen guten Ruf und gehört seit Jahrzehnten zu den Top-Adressen in Wuppertal. Daher ist mein Anspruch an die Küche sehr hoch, für mich vergleichbar mit Heldmann’s Restaurant (1 Michelinstern) in Remscheid.
Diesen Anspruch scheint das Scarpati auch an sich selbst zu stellen. Die Villa ist wunderschön und schon beim Betreten des Restaurants werden wir von zwei freundlichen Herren im Anzug empfangen, die uns sehr zuvorkommend die Jacken & Mäntel abnehmen. Anschließend werden wir zum Tisch geleitet, den wir zur Feier eines bestandenen Bachelors meiner Schwester im Vorhinein reserviert hatten. Der Restaurantteil ist in einem großen Raum mit spitz zulaufender Decke gelegen. An den Wänden hängen Gemälde in Goldrahmen, die allesamt schöne italienische Motive zeigen. In der Mitte des Raumes triumphiert ein künstlicher Baum von ca. 4m Höhe, gesäumt von großen Keramiklampen & Magnum-Weinflaschen. Auch wenn ich ein ausgesprochener Gegner von Kunstblumen bin, finde ich diesen riesigen Baum vollkommen akzeptabel – er schafft ein wunderbares Ambiente. Die Blumen auf dem edel gedeckten Tisch (Stoffservierten, Silberbesteck, Kerze) sind natürlich frisch, echt und dezent gehalten.

Der Service
Der Service war den ganzen Abend tadellos. Es wurde stets auf Kleinigkeiten geachtet – so wurden die Mäntel abgenommen, fachmännisch von rechts serviert, Speisekarten in der richtigen Reihenfolge ausgegeben, der Stuhl beim setzen herangeschoben und ein Beistelltisch bereitgestellt. Diese klassischen Servicequalitäten werden in vielen Restaurants nicht mehr so genau genommen – hier wird es wunderbarerweise noch praktiziert. Ein weiterer Punkt den ich herausragend finde ist, dass der Service sich optimal auf uns eingestellt hat – zu Beginn klassisch zurückhaltend („steif“ ohne es negativ zu meinen), später etwas lockerer mit einem kecken Spruch – jedoch nie ohne die angemessene Professionalität zu verlieren. Die Aufmerksamkeit war immer gegeben – so wurde vom Service eigenständig bemerkt, dass eine Beilage beim Hauptgang fehlte (Pilze) und sofort, unauffällig & charmant nachgeliefert.
Herr Scarpati, Namensgeber und Patron des Hauses war präsent und schaute ab und an bei den Tischen vorbei – bei uns leider nicht, was wir jetzt aber nicht als dramatisch empfunden haben.
Wenn es servicetechnisch etwas Verbesserungspotenzial gibt, dann bei der Weinberatung. Ich persönlich mag es, wenn man die Weine in Verbindung mit dem Gericht und dessen Aromen bringt (z.B. „Dieser Wein passt mit seinen leichten Kirscharomen herrlich zum Rotkohl und Kirschen – die leichte Barriquenote nimmt die Schärfe der Kirschen gut auf“). Hier wurden uns zwar Weine empfohlen, besonders bei der Vorspeise wurde uns aber eigentlich eine Wahl zwischen allen Weißweinen gelassen. Da die von uns gewählten Weine jedoch ganz in Ordnung waren(unten mehr dazu) ist das hier „meckern auf hohem Niveau“.
Wir starteten den Abend mit einem Aperitif – 3x Aperol-Spritz (9€, perfekt dosiert und mit filetierten Orangen) und für mich einen trockenen Sherry, der schön fruchtig und klassisch ausgebaut war (4,50€). Anschließend erhielten wir die Speisekarten und etwas Brot mit Butter.

Die Speisekarte        
Die Speisekarte ist sehr klein gehalten und kann online eingesehen werden. Neben einem Menü (3 Gänge 50€, 4 Gänge 62€) stehen einem diverse Vorspeisen (16-20€), eine Suppe (8€) und eine kleine Handvoll an Fisch- und Fleischgerichten (um 30€) zur Verfügung. Zusätzlich gab es Tagesangebote mit frischem Alba-Trüffel. Die Tagesangebote waren auf einem leicht abgegriffenen DinA4 Zettel in die sonst edle Speisekarte hineingelegt – das kann man besser machen. Im Zweifelsfall würde ich die Tagesangebote lieber mündlich annoncieren als es so zu lösen.
Wir wählten alle vier das aktuelle Degustationsmenü in 3 Gängen – ich tauschte jedoch den Hauptgang aus, was keinerlei Problem war.
Zeitlich passend ging es dann auch mit dem Essen los.

Das Essen
Amuse Bouche: Kalbfleischbällchen & Thunfisch auf Tramezzini
Das Amuse Bouche ist für mich immer besonders interessant – bietet es der Küche doch die Möglichkeit, etwas gewagtere Kombinationen zu probieren, Kreativität und Liebe zum Detail zu zeigen. Leider war das Amuse hier mein persönliches „Lowlight“. Das Amuse bestand aus einem Kalbfleischbällchen (böse könnte man sagen "Frikadelle") und rohem Thunfisch auf gebuttertem Tramezzini mit einem Hauch Wasabi-Creme. Mir fehlte hier etwas die Kreativität. Die Bällchen waren lecker, aber nichts Besonderes, das Tramezzini trocken und nicht knusprig. Der Thunfisch war sehr lecker und wäre bestimmt auch ein tolles Amuse gewesen, allerdings ist es schade wenn sich Elemente wiederholen – denn als Vorspeise im georderten Menü gab es bereits ein Pescaccio vom Thun mit selbiger Wasabicreme. Das Amuse kann mir daher nur 2,5/5 * abringen, machte einen auf Grund des hochwertigen Thunfischs aber auf die Vorspeise neugierig, die auch sehr zügig serviert wurde.

Die Vorspeise: Pescaccio vom Blauflossen-Thun mit Honzu Gel, Wasabi, Garnele, Sesamknusper und Salat
Auf einem modernen, rechteckigen Teller erreichte uns ein Gemälde von Vorspeise. Dunkelroter Thunfisch mit grünem Wasabi, roter Garnele, grünem Salat und bräunlichem Honzu-Gel. Die Geschmackszusammenstellung ist hervorragend – der milde Geschmack des Thun mit leichtem Wasabi und dem Honzu-Gel erinnert an klassisches Sashimi. Honzu kannte ich bisher nicht – es ist eine leicht dickflüssige Sauce mit feinherben Soja-Aromen und einer ganz leichten süße, die vermutlich durch Mirin hervorgerufen wird. Der Sesamknusper und der Salat ergänzten den Thunfisch gut – der Salat hätte meiner Meinung nach noch einen Hauch Säure vertragen um noch stimmiger zum Thun zu passen. Die Garnele war von bester Qualität und (sodenn mich meine Sinne hier nicht trüben) in Sesamöl angebraten – noch nie habe ich solch eine gute Garnele gegessen. Wirklich hervorragend war auch der grüne Fliegenfischkaviar, der nicht einmal in der Karte stand – diese extrem feinperlige und milde Variante von Kaviar schmeckt sogar mir als „normalem Kaviar“-Verachter. Wenn es mich nicht täuscht, war auch an diesem ein feiner Hauch von Wasabi. Die Vorspeise enthielt jedoch auch einen Fauxpas – so befand sich die Schale der Garnele als Dekoelement auf dem Teller und erweckte den Anschein essbar zu sein (in der Annahme vielleicht stark frittiert zu sein - gemäß dem Motto "nur essbares auf den Teller"). Dem war leider nicht so und der beherzte Biss meines Vaters bedingte eine folgende intensive Zahnreinigung – und ließ uns Andere mit Freude daran teilhaben (Schadenfreude ist doch etwas Schönes ;-)  ). Diesen Fauxpas empfinde ich allerdings nicht so schlimm, als dass ich ihn in die Wertung einfließen lasse. 4,5 / 5*

Als Weinbegleitung wählten wir 2 Bier und 2 offene Weißweine (Pinot Grigio & Arneis), die sehr angenehm trinkbar waren – mich im Zusammenspiel mit dem Gericht allerdings nicht überzeugt haben. (9€ pro 0,2l)
 
Hauptgänge:
- Steak vom US-Beef, gebratene Waldpilze, Knollenwurzelgemüse & Bratensaft
- Gebratener Hirschrücken, fruchtiger Rotkohl, Pfefferkirschen & glacierte Kartoffelklöße
Ich kam mal wieder in den Genuss beide Gerichte zu probieren. Das Steak war butterzart auf den Punkt gegart (2x medium-rare, 1x medium), das Selleriepüree sehr samtig und fein (vermutlich 100% Sellerie in Sahne gekocht und durchs Feinsieb gestrichen), die verschiedenen Gemüse (Karotte, Petersilienwurzel, Brokkoli) auf den Punkt gegart, die Pilze mit Kräutern versehen. Die Sauce als simplen „Bratensaft“ zu betiteln wird ihr nicht gerecht. Herrlich in Geschmack und Konsistenz stellte sie mit einer ganz feinen edel-bitteren Note genau den Bezug zur Jahreszeit her und perfektionierte dieses Gericht – 5 / 5*. Die Sauce wurde auf Nachfrage in einer Sauciere noch einmal nachgereicht.
Ich selbst hatte mich für den Hirschrücken entschieden. Er war wunderbar rosa (für mich hätte es sogar noch einen Tick roher sein können) und sehr zart – ein Hauch von Wachholder hätte ihn perfektioniert. Die Pfefferkirschen waren wunderbar pfeffrig (schwarzer Pfeffer – kein grüner oder rote Pfefferbeeren) und harmonierten in absoluter Perfektion mit Rotkohl & Wein (s. unten). Der Rotkohl war mein persönliches Highlight an diesem Tag, da dieser seine extreme Fruchtigkeit nicht wie üblich von Kirschen, Äpfeln oder Himbeeren erhält, sondern von schwarzen Johannisbeeren. Herrlich, vor allem da die feinherbe Cassisnote sich optimal mit dem Pfeffer und den sehr milden Wildaromen des Hirschs verbinden. Die Klöße waren klassisch und gut, allerdings fehlte mir hier noch ein wenig Innovation – hätte man sie mit in Wachholder-Butter knusprig gebratenen Croutons gefüllt, wäre das Gericht für mich absolut perfekt (zumal man so noch etwas knuspriges als Textur gehabt hätte). So gibt es aber trotzdem noch sehr stolze 4,5 / 5 *
Als Weinbegleitung erfreuten wir uns an einem „Marina Cvetic 2009“ aus Montepulciano vom Weingut Masciarelli (35€). Ein toller, kräftiger Rotwein mit herrlichen Kirscharomen und leichter Barriquenote. Diese passten wunderbar zum kräftigen Steak - absolut perfekt jedoch zu meinem Hirsch und der Fruchtigkeit von Rotkohl & Kirschen. Rein geschmacklich hätte ich diesen Wein als höherpreisiger eingeschätzt – ist daher, wie ich finde, eine Empfehlung wert.

Das Dessert: Orangen-Schoko-Ganache zweierlei Schokocreme & Pumpernickel-Kakaoerde
Schon leicht angesättigt freuten wir uns bereits auf das Dessert – Schokolade satt. Wie auch alle Teller zuvor hätte man sich dieses Dessert auch als Gemälde an die Wand hängen können. Kleinigkeiten wie ein Muscovado-Zucker-Segel und ein Schokogitter-Röllchen zeigen die Liebe zum Detail. Die Ganache war von herrlich wachs-/butterartigen Konsistenz, die Mousse schön luftig. Hier wurde eindeutig eine hochwertige Valrhona Schokolade verwandt. Ankandierte Orangen verleihen eine leichte Edelbitter-Note gepaart mit Fruchtigkeit. Die Pumpernickel-Kakao-Erde gab Textur und Optik, wusste geschmacklich aber nicht zu überzeugen. Ein Hauch Säure hätte den Nachtisch für mich noch besser gemacht. 4,75/5*
Zum Abschluss und zur Rechnung orderten wir noch zwei Espressi, die uns sehr heiss mit kleinem Gebäck serviert wurden. Der stolze Preis von 4€ pro Espresso ist mir persönlich aber trotzdem zu hoch. Schade fand ich auch, dass es bei einem Verzehr von über 300€ nicht das Angebot eines Grappas / Espressos auf Kosten des Hauses gab – dies bekommt man bei Italienern in einer günstigeren Preisklasse auch schon. Das trübte den Abend für uns allerdings in keinster Weise.

Fazit:

Das Scarpati gehört zu Recht zu den Top-Adressen in Wuppertal. Seit 40 Jahren wird mit Qualität bei Essen und Service überzeugt. Absolut zu empfehlen.
Bedienung: 4,75 / 5 * (Weinberatung könnte etwas besser sein – gerundet 5*)
Essen: 4,5 / 5 * (leichter Abzug für Amuse & Klöße – gerundet 5*)
Ambiente: 5 / 5 * (herrliche Villa, toller Außenbereich, edles Interieur)
Sauberkeit: 5 / 5 * (makellos, Stoffhandtücher auf den Toiletten)
Preis-Leistungsverhältnis: 4,5 / 5* (stolze Preise für gutes Essen – gerundet 5*)
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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