Zurück zu Henri-Philippe · Gourmet-Restaurant · Romantik Hotel Waxenstein
GastroGuide-User: Obacht!
hat Henri-Philippe · Gourmet-Restaurant · Romantik Hotel Waxenstein in 82491 Grainau bewertet.
vor 5 Jahren
"den Sternen sehr nah...."

Geschrieben am 11.11.2014
Besucht am 03.06.2014
Auf der Durchgangsstraße von Grainau zum Eibsee fällt einem unwillkürlich kurz nach dem unteren Dorfplatz rechts das große Hinweisschild „Waxenstein – Gourmet Wellness Hotel“ ins Auge. Das „Gourmet“ reizte mich schon lange, und es wurde allmählich Zeit, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Die HP klang vielversprechend, die Speisekarte und die Menüs sind online einsehbar, und so reservierte ich einen Tisch für Schatzl und mich.

Das Hotel liegt auf einer kleinen Anhöhe, die Auffahrt ist dementsprechend steil. Parkplätze waren ausreichend vor dem Eingang frei, wir sahen auch eine Tiefgarageneinfahrt. Kaum eingetreten, wurden wir auch schon per Handschlag von Herrn Erhard begrüßt, der sich gleich persönlich vorstellte und uns zum Tisch im Restaurant geleitete.

Herr E. brachte die Speisekarte sowie einen dicken Wälzer, der sich als umfangreiche Weinkarte entpuppte, und fragte nach einem Aperitifwunsch oder zumindest ein Mineralwasser? Letzteres ja, und ersteres schaun wir erst einmal, was wir essen möchten.
Von der HP her wußte ich noch, daß Frau Erhard das Zepter in der Küche schwingt und eine beachtliche Vita vorzuweisen hat. Dementsprechend verheißungsvoll klangen die Speisen, und die Wahl fiel echt schwer.

Zur Auswahl stand das Markt-Menü (3 Gänge zu € 32,--) alternativ das Romantik Menü (5 Gänge zu € 49,--, man kann es auch als 4- und 3-Gang Menü bestellen). Daneben eine A-la-Carte Seite. Ich fragte Herr E., ob ich vielleicht ein bißchen durchmischen darf? Ein mit einem Lächeln hervorgebrachtes „Selbstverständlich“ ließ mich mein Essen wie folgt zusammenstellen:

Aus der A-la-carte-Seite von den Hauptgängen Erbsen-Risotto mit grünen und weißem Spargel und gehobeltem Parmesan bitte als Vorspeisenportion; vom Marktmenü bitte den Hauptgang Ragout vom Grainauer Rehbock mit Bärlauchspätzle, Spargel und Preiselbeeren und den Nachtisch vom Romantik-Menü. Schatzl war nicht so kompliziert wie ich und bestellte gleich das ganze Romantik-Menü:

Gebratene Gänsestopfleber mit Rhabarber-Relish und Früchtebrot
*
Essenz von Tomaten mit Ricotta-Quarknockerln
*
Sorbet
*
Rinderfilet unter der Korianderkruste mit zweierlei Spargel und Gnocchi
*
Quarkkrapfen mit frischen Beeren und Bourbon-Vanilleeis
(Wobei wir gerne zwei, drei Euro mehr gezahlt hätten, wäre die Gänseleber dafür nicht gestopft gewesen.)

Bei der Weinkarte ging die Entscheidung dagegen sehr schnell vonstatten: Bitte eine Flasche Roederer brut (€ 70,--). Kleine Anmerkung, sehr viele Weine kann man sowohl als Viertel als auch Glasweise bekommen.

Zeit, das Ambiente auf uns wirken zu lassen. Die Einrichtung ist nicht modern, aber stilvoll (siehe Foto), der Tisch schön gedeckt mit Silberbesteck, kunstvoll gefalteter Serviette, Platzteller von Villeroy & Boch, frische Blümelchen und Kerzenschein, dazu der prachtvolle Blick aus den Panoramafenstern auf den Waxenstein und die Zugspitze – wir fühlten uns sofort sehr wohl.

Da kam auch schon das Mineralwasser (Adelholzener 0,75 l. € 5,50) in einem Kühler, dazu dreierlei Brot und zwei Dips, Frischkäse mit Curry und Orange sowie Butter mit Hawaiisalz (wurde beides unaufgefordert nachgereicht, als das Körbchen und die Dipschälchen leer waren).

Wir hatten kaum den ersten Bissen verschlungen, da brachte Herr E. den Champagner nebst silbernen Louis-Roederer-Eiskübel. So stießen wir erst einmal auf den schönen Abend an.

Als nächstes servierte uns die freundliche und überaus kompetente Service-Dame (im feschen Dirndl) den Gruß aus der Küche: Kalbfleischpflanzl mit Schwarzwurzeln. Ich liebe Schwarzwurzeln und finde es sehr schade, daß sie völlig aus der Mode gekommen sind.

Mein darauf folgendes Risotto war perfekt zubereitet, eine leichte Schlotzigkeit, der Parmesan hauchdünn in Flocken, die Erbsen in ausgewogener Menge zum noch bißfesten Spargel – prima und bitte weiter so!! Das Gleiche galt auch für Schatzl Gänseleber, die warm serviert wurde und das Süßsaure des Rhabarber-Relishs gut vertragen konnte. Das Früchtebrot ein willkommener Kontrast dazu.

Bei Schatzls Suppe schaute ich noch zu, doch als die Bedienung danach ein verführerisch aussehendes Mango-Sorbet mit einem frittierten Minzblatt servierte, konnte ich wohl meinen neidvollen Blick nur schlecht kaschieren, denn sie fragte mich verständnisvoll, ob ich auch eines möchte? Aber gerne doch. Es stellte sich heraus, dass Mango aus war, aber es gäbe Erdbeer oder Rhabarber. Bitte Rhabarber. Und was soll ich sagen, es war ein phänomenaler Gaumenschmeichler! Himmlisch fluffig und überhaupt nicht säuerlich oder wässrig. Da hätte ich echt was verpaßt gehabt…

Nach angenehmer Wartezeit kamen die Hauptgänge, beide gleichermaßen ein Augenweide. Geschmacklich gibt es selbst bei kritischer Betrachtung überhaupt nix auszusetzen. Besonders hervorheben möchte ich deshalb nur die kräftige, gehaltvolle Wildsoße, die mir zu den Spätzle ausgezeichnet gefallen hat. Auch Schatzls Filet fand seine Anerkennung, die Korianderkruste gab dem toll gebratenen Fleisch richtig Pep.

Aber das Highlight war doch der Nachtisch. Wie gut, daß auch ich die Quarkkrapfen bestellt hatte. Die knusprige Hülle war in Zimt-Zucker gewälzt, die unglaublich lockere Quarkfüllung dampfte noch beim Essen. Selbstredend ist da das kühle erstklassige Vanilleieis eine harmonische Begleitung.

Glücklich und zufrieden lehnten wir uns zurück und ließen uns nochmal die Weinkarte bringen, hatte ich doch dort eine üppige Auswahl an Degistifs in Erinnerung behalten. Schatzl wählte einen Amaretto di Saronne (4 cl € 6,40) und für mich eine Mirabelle der Rosenhut Brennerei „Zur Schwane“ (großzügig eingeschenkt € 5,60) sowie einen Nespresso (€ 2,50).

Zu den – sehr gepflegten – Toiletten geht es eine Treppe tiefer, es gibt aber auch einen Aufzug.

Als wir um die Rechnung baten (diese wurde hübsch in einem Holzherz überreicht), fiel meinem geübten Auge sofort auf, daß mein Sorbet nicht auf der Rechnung stand. Die Bedienung schüttelte bei meiner Nachfrage lächelnd den Kopf und meinte, das sei schon ok so. Neben dieser angenehmen Überraschung war die zweite, daß meine selbst zusammengestellte Speisenfolge nicht einzeln berechnet wurde, sondern als Menüpreis zu € 32,-- auf der Rechnung stand. Das finde ich mehr wie anständig. Sowieso sind hier die Preise – bis auf den Espresso – geradezu sensationell günstig anzusehen. Da habe ich für schlechteres Essen schon wesentlich mehr bezahlt.

Fazit: Wir sind mit hohen Erwartungen hergekommen, und diese wurden locker übertroffen. Perfektion kommt hier in einer spielerischen Leichtigkeit daher, die man sonst so schwer findet. Herr Erhard erwies sich als ausgesprochen charmanter Gastgeber, dem seine Servicedame in nichts nachstand. Selten habe ich für alle Bereiche so sicher fünf Sterne gegeben. Chapeau – und bis bald!!
*
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


kgsbus und 4 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Siebecko und eine andere Person finden diese Bewertung gut geschrieben.