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GastroGuide-User: dark_jedi1109
hat Bremers No 1 im Hölterfelder Hof in 42857 Remscheid bewertet.
vor 4 Jahren
"Günstiges Lokal mit gutbürgerlichem Essen"

Geschrieben am 01.02.2015
Besucht am 31.03.2014
Bremers No. 1  | 31.03.2014 | 3 Personen | 67 € + TG
Diese Kritik wurde ursprünglich für ein anderes Portal geschrieben und nun hierher übertragen. Aus diesem Grund besteht eine Differenz zwischen Besuch und Einstelldatum der Kritik. Da ich mir jedoch sehr sicher bin, dass mein Eindruck heute identisch wäre stelle ich die Kritik auch hier ein.

Zunächst muss man einordnen, um welche Art von Restaurant es sich hier handelt. Beim Bremers No.1 handelt es sich um ein gutbürgerliches Restaurant mit günstigen Preisen - dementsprechend ist meine Sternewertung natürlich nicht mit gehobeneren Restaurants zu vergleichen.

Das Bremers No.1 liegt ziemlich "ab vom Schuss" - für alteingesessene Remscheider ist der Hölterfelder Hof (in dessen Nähe vor rund 25 Jahren ein Jet abstürzte) jedoch ein fester Begriff. Parkplätze sind vorhanden. Das Publikum kann ich nicht bewerten, da wir die einzigen Gäste waren (vermutlich durch den Wochentag und das schöne Wetter).
Wir hatten telefonisch reserviert und trafen um 18.45 Uhr am Restaurant ein. Als wir unser Gefährt geparkt hatten verließ der Gastgeber gerade kurz das Restaurant, begrüßte uns freundlich und meinte "keine Angst - ich bin in 5 Minuten wieder da" (und dem war auch so). Beim Betreten des Restaurants wurden wir freundlich begrüßt. Zum Tisch wurden wir leider nicht gebracht. Das Restaurant ist passend bergisch-rustikal eingerichtet, wenn auch etwas altbacken. Die umlaufende Sitzbankreihe ist zwar eigentlich nicht mehr zeitgemäß - aber gemütlich! (Teilweise zu-)Tief hängende Lampen, Kunstblume (nicht mein Geschmack - und sicherlich gibt es da auch andere Alternativen), Stoffservierten (hier nicht erwartet - sehr gut!). Definitiv kein gehobenes Ambiente, sondern eher der "Charme von gestern".
Nachdem meine Begleitungen kurz die Kegelbahn inspiziert hatten (Kegelclub-Zwang ;-) ) wurden uns die Karten gereicht und die erste Getränkebestellung aufgenommen. 2x Bergisches Landbier (zu empfehlen -0,3l 2,30€), 1x Kölsch (Zunft 0,2l 1,50€). Als Tagesempfehlung gab es Spargel mit Sauce Hollandaise & Drillingen (Fleisch wie gewünscht).  Die Karten an sich könnten mal wieder erneuert werden. Die Karte ist klein gehalten - wobei dies relativ ist. Es gibt eine große Auswahl an Hauptgängen (z.B. Rumpsteaks, Schnitzel, Schweinefilet, Ente) im Preissegment von 11,40€ (Krüstchen) - 18,40€ (Rumpsteaks) mit hausgemachten Beilagen (darauf wird zu Recht wert gelegt). Die Vorspeisen und Nachspeisen sind meiner Meinung nach etwas zu kurz geraten - 3 Suppen (Käse, Kartoffel, Gulasch ) & Baguette bei den Vorspeisen und Eiskugel + Nutellacreme bei den Nachspeisen könnten durchaus interessanter sein.
Der freundliche Service nahm unsere Bestellung entgegen - Holländ. Käsesuppe, Entenbrust, Rumpsteak Bremers No.1 & Zigeunerschnitzel (Details folgen). Der Service war den ganzen Abend über einwandfrei und servierte trotz der schwierigen Sitzbanksituation nicht quer über den Tisch. Ein Amuse Bouche gab es leider nicht - hätte ich in diesem Preissegment aber auch nicht unbedingt erwartet. Nach angemessener Wartezeit kam dann die Vorspeise:

Holländische Käsesuppe mit Croutons (5,40€)
Ich hatte zunächst die Befürchtung mit einer "Schmelzkäse"-Suppe erschlagen zu werden. Dem war glücklicherweise nicht so. Die Suppe kam in einem großen, modernen Teller mit viel Fassungsvermögen. Die Croutons waren schön buttrig & hätten einen Tick krosser sein können. Die Suppe war verhältnismäßig leicht und nicht zu käselastig - den Käse fand man geschmacklich eher im Abgang. Die Suppe war mit Zwiebeln angesetzt - dies gab durch die Zwiebelsäure einen schönen Ausgleich zum Käse. Sehr gut.
Die Suppe wurde abgeräumt & die Biere erneuert. Nach passender Wartezeit standen dann auch die Beilagensalate (zu Rumpsteak & Schnitzel) auf dem Tisch. Normalerweise schenke ich diesen eher weniger Aufmerksamtkeit - dieser wich jedoch von Standard ab. Zweierlei Blattsalate, diverse Gemüse Julienne (Sellerie, Möhre, Gurke, Tomate, Paprika, Frühlingszwiebel etc.), Joghurt-Dressing & ein paar Algen. Sehr lecker für einen Beilagensalat. Nachdem wir die Beilagensalate verputzt hatten kamen die Hauptgänge. Wie üblich kam ich in den den Genuss alle probieren zu dürfen.

Barbarie-Entenbrust mit Portweinsauce, Gemüse & Kroketten (17,90€)
Wie bei allen Portionen kam ein sehr voller Teller zu uns (siehe unten: Verbesserungspotential). Die Entenbrust war gut gebraten - die Haut hätte krosser sein können. Die Sauce war sehr lecker, jedoch zu viel. Das Gemüse bestand aus vielen Julienne, die in der Pfanne gedünstet wurden. Die Kroketten waren hervorragend - sehr gut gewürzt, locker in der Konsistenz, außen herrlich knusprig.

Zigeunerschnitzel mit hausgemachten Pommes und Beilagensalat (13,90€)
Die Pommes waren hervorragend - das Frittierfett war geschmacklich gut, die Pommes goldgelb, knusprig, gut gesalzen. Bei dem Rest gab es deutliches Verbesserungspotential. Das Schnitzel hätte knuspriger sein können (Bratfett nicht heiß genug?), die Sauce war über dem Schnitzel. Für mich ein Fauxpas! Da brät man ein Schnitzel schön knusprig (im Idealfall) und macht es mit der Sauce wieder zu nichte. Die Sauce selbst war zwar hausgemacht (Gemüse mit Biss & frisch), jedoch hat Sahne für mich nichts in einer Zigeunersauce zu suchen.

Rumpsteak Bremers No1 mit Bratkartoffeln Drillingen & Sauce auf Sauerkrautbasis (18,40€)
Auf meinen Wunsch hin wurden die Bratkartoffeln durch Drillinge ersetzt. Sauce auf Sauerkrautbasis - hört sich interessant an und ist es auch. Ich glaube, dass dies eine stark polarisierende Sauce ist. Mir persönlich hat sie geschmeckt. Das Rumpsteak war mit geschätzten 250+ gr. sehr üppig dimensioniert und auf den Punkt (Medium-Rare) gegart (ohne grauen Rand - vermutlich angebraten und dann im Ofen ruhen lassen). Das Fleisch war jetzt kein "Dry aged American Beef", aber lecker - hätte noch etwas Salz vertragen. Die Drillinge waren lecker.

Verbesserungspotential beim Essen:
Ich finde, dass man hier noch einiges deutlich besser machen kann - ohne großen Aufwand zu betreiben.
- Dimensionierung der Saucen: Es gab vieeeeel zu vieeeel Sauce (und das sage ich als Saucenfan). Die Gerichte schwammen in Sauce. Hier könnte man entweder ein Drittel der Sauce geben, oder die Sauce seprat in einer Sauciere reichen. Mein Vater sagte später den Satz (sinngemäß) "Normalerweise wird mit zu viel Sauce immer schlechtes Essen versteckt - das war hier nicht der Fall, aber man denkt es erst einmal wenn man den Teller bekommt". Dies trifft den Nagel auf den Kopf und führt zum nächsten Punkt...
- ... Anrichteweise: Durch die viele Sauce war das Tellerbild einfach nicht schön. Besonders beim Rumpsteak - hier war die "sahnig-lachsfarbige"-Sauce sogar über das Fleisch gegeben. Gibt man das Fleisch auf die Sauce, sähe es schon ganz anders aus. Kleine Farbtupfer durch ein Tomätchen, Petersilie in der Sauce könnten Wunder bewirken. Auch das Gemüse bei der Ente hätte ein wenig in Form gebracht werden können. Ente schräg aufschneiden und leicht auseinanderfächern.
- Die Sauce des Zigeunerschnitzels ohne Sahne zubereiten, ein bisschen schärfer mit Tomate abschmecken und nicht über das Schnitzel geben.
- Portionen nicht zu groß Dimensioneren. Ich bin ein sehr guter Esser, aber selbst ich habe Essen zurückgeschickt, weil es zu viel war. Solch große Portionen führen unweigerlich dazu, dass man sich "überisst", weil man Essen nicht in die Tonne geben will - und dann bleibt einem nicht so ein gutes Gefühl, wie das Essen eigentlich verdient. Außerdem bleibt so kein Platz mehr für Nachtisch (was vermutlich auch der Grund für die überschaubare Anzahl an Desserts ist).

Fazit:
Das Bremers No.1 bietet gute, (zu) reichliche rustikale Küche mit guten, hausgemachten Spezialitäten. Das Essen ist günstig, der Service freundlich.
Bedienung: 4* - Gäste zum Tisch führen & Jacken abnehmen wäre gut
Sauberkeit: 5* tadellos - Papierhandtücher & Stoffhandtücher zur Wahl
Ambiente: 3,5* (gerundet 3*) - recht altbacken, Lampen zu tief, Blumen nicht echt, Speisekarten sehr abgegriffen
Essen: 3,75* (gerundet 4*) - deutliches Verbesserungspotential beim Anrichten, geschmacklich weitgehend überzeugend (für gutbürgerliche, rustikale Kühe)
Preis/Leistung: 5* Hier wird man für sein Geld (3 Personen 67€ inkl. Getränke) nicht nur sehr gut satt, sondern bekommt auch noch hausgemachte Beilagen, die in dem Preissegment sonst nicht geboten werden.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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