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GastroGuide-User: Huck
hat Rausmühle in 42929 Wermelskirchen bewertet.
vor 5 Jahren
"Kulinarisches im Denkmal - Die Rausmühle überzeugt mit teils kreativer Küche."
Verifiziert

Geschrieben am 04.05.2015
Besucht am 01.05.2015
Maizeit – Wanderzeit! Das Eifgenbachtal ist von drei wandersüchtigen Pärchen abgetippelt worden, von der Rausmühle bis auf Höhe des Wermelskirchener Eifgenstadions auf der einen Seite des Eifgenbaches und wieder zurück auf der anderen Seite. Vorhersehbar meldet sich nach den gut 18 Kilometern herrlichen Wanderweges entlang einem naturbelassenen Tal der Hunger. Wir haben deshalb in der Rausmühle reserviert.


Es ist viel Volk unterwegs an diesem 1. Mai, entsprechend voll ist es in der Rausmühle.

Das Ambiente **** (4 Sterne)
Die Rausmühle ist sehr idyllisch im Eifgenbachtal gelegen am Ende eines gleichnamigen Sträßchens, das in einen großen Parkplatz mündet. Parkplatzprobleme dürfte es an normalen Tagen an der Rausmühle eigentlich nicht geben, aber an diesem Feiertag wurde es schon eng mit Parkplätzen.

Das Restaurantgebäude ist eines von drei Gebäuden an diesem idyllischen Flecken. Es ist ein typisch bergisches Fachwerkhaus, zwei volle Stockwerke und ein Dachgeschoß, die Kopfwand verschiefert. Der Mühlenbetrieb ist längst eingestellt, heute steht die Rausmühle unter Denkmalschutz und gilt als vielbesuchtes Ausflugslokal.

Ein großer Biergarten, in dem ein Mega-Mühlstein als Tisch beeindruckt, liegt vor der Hauptseite des Fachwerkgebäudes. Wer hier sitzt, fühlt sich in alte Zeiten verrückt.

Und der Eindruck alter Zeiten verfestigt sich im Innern des Denkmals. Kräftige dunkelbraune Holzbalken, deren Unebenheiten und Beschaffenheit trotz des Neuanstrichs auf ein erhebliches Alter schließen lassen, stützen die weiße Decke und die weißen Wände. So rustikal wie die Holzbalken sind auch die Tische, Bänke und Stühle, alle dunkelbraun wie die Holzbalken gehalten. Omas Küchenherd, dem Anschein nach aus Kaisers Zeiten, hält in einer Nische die Erinnerung an Holz- und Kohlezeiten wach wie hölzerne Truhen und Anrichten auf dem stellenweise knarzenden dunkelbraunen Holzfußboden.

Es herrscht – zumindest optisch – "Vergangenheit pur" in diesen ehemaligen Müllersstuben.

Der Service **** (4 Sterne)
Wir sechs Wanderlustigen werden von einer freundlichen, jungen Dame begrüßt, die ihrem Wesen nach eine Portion rheinischen Humors mit der Muttermilch aufgesogen hat. Sie bedient uns den Großteil des Abends über, freundlich und zuvorkommend, später ist es eine ihrer Kolleginnen, die uns gleichermaßen freundlich und professionell bedient. Dafür, daß der Laden rappelvoll ist, machen die beiden ihren Job ganz ordentlich. Die etwas längeren Wartezeiten bei den Speisen sind da auch eher der Belastung der Küche geschuldet als den Bedienkräften.

Wir sitzen an einem Sechsertisch, werden schnell mit den Speisekarten versorgt und ordern die ersten Getränke: Dreiviertel-Liter-Flaschen Mineralwasser aus der Eifel (5,90 €), Bergisches Landbier (0,3 l zu 2,90) und Pils aus der Eifel (0,2 l zu 1,90 €). 

Ich werde im Folgenden detailliert über die von meiner Frau und mir verzehrten Gerichte schreiben, weniger detailliert über die von den beiden anderen Pärchen verzehrten Speisen, die sich aber teilweise mit unserem Verzehr decken.

Das Essen **** (4 Sterne)
Die Speisekarte bietet Schnitzel, Steaks und Fisch in etlichen Variationen. Sie wird auf einem Klemmbrett gereicht. Teilweise lassen die Beilagen der Gerichte auf eine kreative Ader des Kochs schließen. Das Preisgefüge ist im üblichen Rahmen. 

Meine Frau entscheidet sich für
> Gebratener Kalbsrücken, Salbeisauce, dünne Bandnudeln, Tomatenpesto nach Saltimbocca-Art (18,20 €). Ich liebäugele mit dem
> Flanksteak, Spargelsalat, Pinienkerne, Cocktailtomaten, Ruccola, Süßkartoffelchips (21,80 €).

Drei unserer Tippelbrüder und -schwestern wählen
> Rausmühlenschnitzel, Champignonsrahmsauce, Pommes frites und Salat und
> Schweinefilet mediterran mit grünem Spargel, Haselnußsauce, Rote-Beete-Kartoffel-Pürree.

Kaum haben wir bestellt, da erscheint ein guter Geist aus der Küche, seine Kleidung verrät ihn als vermutlichen Koch, und präsentiert uns ein Amuse-gueule, das in seiner Zusammensetzung durchaus kreativ erscheint: Lachstartar auf Belugalinsen und Pommery-Senf-Crème. Serviert wird die Komposition in einem kleinen Einmachgläschen. Meine Frau und ich schwärmen über das Geschmackserlebis, auch die andern Vier sind begeistert. Ein wirklich gelungener, unerwarteter Auftakt.

Wenig später werden zwei unserer Wandergesellen die Salate zum Rausmühlenschnitzel serviert, verschiedene Blattsalate, Radieschen und Gurkenscheibenstückchen mit einem augenscheinlichen Joghurt-Dressing. Den Beiden schmeckt es, sie sind zufrieden.

Wir warten wegen des Hochbetriebs im Restaurant ein wenig länger auf unsere Hauptspeisen als vielleicht angemessen, aber dann tischt uns unsere rheinisch-bergische, junge Dame auf. Der Kalbsrücken, ein guter Batzen saftigen Fleisches, aus dessen Poren an einigen Stellen rosafarbener Saft austritt und der schön geröstet ist, liegt in Salbeisauce, umrahmt von einer Rolle Nudeln in Tomatenpesto und darüber gestreuten Parmesanspänen, auf dem Teller, den die junge Dame vor meiner Angetrauten plaziert. 

Meine Frau ist angetan von dem Gericht. Das Fleisch ist schön rosa gebraten und so saftig, wie es die Optik verspricht. Von der leckeren Salbei-Sahne-Sauce hätte es gerne etwas mehr sein dürfen. Die bißfest gegarten Nudeln sind von einem delikaten Tomatenpesto umschlossen, eine äußerst schmackhafte Alternative zu den ansonsten üblichen Pommes frites oder Kartoffelbeilagen.

Bei mir stellt die Servicedame einen Teller mit drei Scheiben eines Steaks ab, das nach der Röstung aufgeschnitten worden ist. Außen sind die Scheiben schön geröstet, innen zwischen medium und medium rare. Die Steakscheiben liegen an einem Spargelsalathügel, auf dessen anderer Seite sich geröstete Süßkartoffelchips aneinanderreihen.

Das Fleisch ist mir im Gargrad recht, die Servicedame hatte anfänglich nicht nach dem gewünschten Gargrad gefragt. Es ist saftig, hat Röstaroma und schmeckt ausgezeichnet. Ein wenig heißer hätte es sein können, wahrscheinlich hatte der Teller bei dem Hochbetrieb in der Servierschlange gestanden. Der Spargelsalat ist mit einer leicht-sauren Note geschmackvoll mariniert, die Spargelstückchen haben Biß. Die Pinienkerne und die Cocktailtomatenstücke lockern die leckere Salatmischung farblich und geschmacklich auf. Die Süßkartoffelchips sind krachig und haben einen Hauch von Süße.

Wir hören auch nur Lob von unseren Wanderkompagnons über das Rausmühlenschnitzel und das Schweinefilet. Beim mediterranen Schweinefilet sind drei Schweinefiletmedaillions auf Spargelstangen gespießt und liegen auf Spargelscheiben. Einen kräftigen farblichen Kontrast hierzu bildet die tiefrote Rote-Beete-Kartoffel-Püree-Halbkugel, die unsere Wandergesellin als sehr lecker qualifiziert. Die Schnitzel werden unisono von zwei Wandersleuten ebenfalls für gut befunden. Alle sind zufrieden. 

Natürlich darf nach solch' wohlschmeckenden Stärkungen der süße Abschluß nicht fehlen. Unsere Dame im Servierdress bietet uns frische Erdbeeren mit Vanilleeis und Sahne an und einen Blumentopf. Wie bitte? Unsere fragenden Blicke lassen sie eine Erklärung preisgeben: Schokotörtchen und Zitronensorbet mit Vanille-Sahne-Espuma und Kakaostreusel.

Meine Frau entscheidet sich spontan für den "Blumentopf", ich erst, als die ersten "Blumentöpfe" schon aufgetischt sind. Ich bestelle also nach. Der Blumentopf stellt sich als eine wunderbare Leckerei heraus. Am Boden einer gläsernen Dessertschale liegt ein Halbkreis von Zitronensorbet neben einem Schokotörtchen, bedeckt mit dem Espuma und obenauf die  Kakaostreusel. Wir sind uns einig: sehr lecker und geschmackvoll und etwas Besonderes.

Unsere Wanderschwestern sind mit dem Eis zufrieden, erwartungsgemäß fehlt den Erdbeeren noch der Sonnenreife-Geschmack.

Ein Espresso (2,20 €) und ein italienischer Kräuterbitter ( 2,50 €) stimmen uns auf den Abschluß des Abends ein.

Meine Frau und ich bewerten unsere Gerichte als gut zubereitet und lecker, deshalb vier Sterne. Die Äußerungen der anderen Tischgenossen passen in diese Wertung.

Die Sauberkeit **** (4 Sterne)
Die Toiletten sind sauber, trotz der großen Betriebsamkeit.  Auch im Gastraum gibt's von uns nichts zu mäkeln. Tische und Geschirr sind appetitlich sauber, deshalb vier Sterne.

Das Preis-/Leistungsverhältnis **** (4 Sterne)
Vier Sterne halten meine Frau und ich  für das Preis-/Leistungsverhältnis für angemessen. Die Gerichte sind gut zubereitet, es schmeckt, die Preise sind angemessen. Dies läßt uns das Preis-/Leistungsverhältnis als "gut" bewerten.

Das Fazit **** (4 Sterne)
Es herrschte Hochbetrieb an diesem 1. Mai in der Rausmühle. Kein Wunder! Dieses Restaurant verdient unsere Empfehlung. Hier kann man gut und lecker essen, vier Sterne!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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