Zurück zu Spitzner im Oerschen Hof
GastroGuide-User: Carsten1972
hat Spitzner im Oerschen Hof in 48143 Münster bewertet.
vor 5 Jahren
"Herr Spitzner kocht sich in die kulinarische Oberliga Münsters........."
Verifiziert

Geschrieben am 06.04.2015 | Aktualisiert am 06.04.2015
Besucht am 04.04.2015
Ostern 2015, in diesem Jahr bedeutete das volle vier Tage ohne familiäre Verpflichtungen und sonstige Angelegenheiten. Einfach ausspannen. Für den Samstag hatte ich mir vorgenommen, meine Frau mit einem Restaurantbesuch zu überraschen. Nicht ganz ohne eigene Interessen, denn somit hatte ich den perfekten Grund, endlich einmal in den Oerschen Höfen einen Tisch zu reservieren.

Küchenchef Karl-Nikolaus Spitzner hat sich in den vergangenen Jahren hier aktuell 15 Punkte im Gault Millaut erkocht. Und ich wollte immer einmal diesen wunderschönen historsichen Adelshof von innen sehen.

Die Oerschen Höfe haben den Bombenkrieg als einziger Prachtbau an der Königstraße unbeschadet überstanden. Somit zählen sie zu den wenigen Bauten von Schlaun, die in Münster im Original erhalten sind. 1976 übernahm der münsterische Verleger Wolfgang Hölker das Gebäude und ließ es restaurieren. Seitdem gehört der Oersche Hof zu den prominenten Restaurants in der münsterischen Altstadt.

Soviel zu den grundlegenden Fakten und Vorabinformationen über Koch und Örtlichkeit (mehr auf der Homepage http://www.oerschenhof.ms), mit der wir das Restaurant Samstagabend um 19:00 Uhr betraten. Man betritt das Restaurant und ist gleich von echter Münsterländer Klassik eingefangen. Sehr alt, sehr rustikal, teilweise sehr tiefe Decken, alt, aber nicht ungemütlich. Wir bekamen einen Tisch in der „Upkamer“ ein paar Stufen aufwärts zugewiesen. Das Restaurant ist in 5 Räume gegliedert, wenn ich richtig gezählt habe. Die einzelnen Räume sind recht klein, 5 bis 6 Tische finden in ihnen Platz.

Nachdem wir Platz genommen hatten fragte uns der Service nach unseren Wünschen und wir studierten die Karte bei einem Winzersekt von der Nahe und einem Cremant. Die Karte enthält inklusive des Menüs eine wohltuend kleine Anzahl von Gerichten. Die aktuelle Karte enthielt mehr Fisch wie Fleischgerichte und ein Menü. Betrachtet man die Preise, läßt sich schon ablesen, dass Herr Spitzner sehr ambitioniert ans Werk geht. Erstaunlich günstig im Vergleich zu den a la Carte Preisen das angebotene Viergangmenü, das inklusive Weinbegleitung und Kaffee für unter 80 EUR angeboten wird. Uns beiden stand der Sinn nach Fisch, und so wandten wir uns vom Menü ab und den Einzelgerichten zu.

Nach der Bestellung brachte uns der Service zusammen mit einem in einer Karaffe servierten Medium Wasser ein wohlschmeckendes frisches Baguette Brot und gesalzene Butter Butter.

Der Gruß aus der Küche bestand aus einem Schinken a la corned beef (so würde ich es bezeichnen, ich habe den Namen des Gerichts leider vergessen) mit gerösteten Kartoffeln. Das Schinkenfleisch war in einer Art Terrine zubereitet. Die Terrine selber wohlschmeckend, etwas kräftiger im Geschmack durch den gesalzenen Schinken, mit einer arg scharfen Petersilie-Knoblauch-Decke. Die Kartoffeln mit einer Remoulade waren gut zubereitet. Ein guter Start in unser Essen.

Vorspeisen

Warm geräucherter Färöer Lachs, Brunnenkresse, Stampf von Bamberger Hörnchen und Meerrettich aus der Region, junge rote Rübchen für meine Frau. Ich durfte ein wenig naschen und befand das Gericht als sehr gut. Der Lachs perfekt auf den Punkt, leicht glasig. Ein gut abgeschmeckter Stampf, mit einer Brunnenkressesauce hervorragend ergänzt. Schön frisches knackiges Gemüse. Optisch äußerst ansprechend serviert, wie alle folgenden Gänge auch.

Dänischer Glattbutt, gratinierte Schwarzwurzeln, Lorbeer-Hollandaise, Parmentier vom Rindsbäckchen, Rotweinschalotten war die von mir bestellte Vorspeise. Ein ganz andere Eindruck auf meinem Teller, sehr sparsam dekoriert, alle Elemente für sich präsentiert. Der Butt gut, besonders im Zusammenspiel mit Rindsbäckchenparmentier. Gute Fisch-Fleisch Kombination. Die Schalotten sehr gut mariniert in Rotwein. Aber alles blieb zurück hinter den leckeren gratinierten Schwarzwurzeln. Sowieso eines meiner Lieblingsgemüse habe ich es noch nie mit Käse gratiniert gegessen. Die Schwarzwurzeln werden sicher auch in meiner Küche noch einmal so zubereitet.

Hauptspeisen:

Gratinierter Färöer Lachs, Rieslingsauce, Rahmspinat, gebackene Wachteleier und Kroketten hatte ich mir als Hauptspeise erwählt. Auch hier ein auf den Punkt glasig servierter Fisch mit einer leckeren Kruste und einer sehr gut abgeschmeckten Sauce. Besonders zusammen mit dem frischen Spinat (Frühlingsbote!) ein Gedicht. Die Wachteleier sind nicht so meines, störten aber auch nicht weiter. Gute Kroketten, definitiv kein Convinienceprodukt rundeten das ganze aufs Feinste ab.

Ostsee Schnäpel, Petersilien-Senf-Creme, Stielmus, Perlzwiebeln, Kartoffelstampf, Bauernspeck ward er Favorit meiner Frau und es muss hervorragend gewesen sein, denn ich durfte nicht naschen, sondern den immer zufriedeneren Gesichtsausdruck meiner Frau begutachten. Der Daumen meiner Frau ging in die Höhe! Bon!

Dessert:

In Rotwein sautierte Blaubeeren, Mascarponecreme, Rosmarin-Krokant-Eis für meine Frau. Sie hatte keine Klage.

Mit Schinken vom Alverskirchener Landschwein karamelisierter St. Maure, Rhabarber Rosmarin Chutney für mich. Der Ziegenmilchweichkäse aus Frankreich kam daher leicht süßlich karamellisiert, hervorragend ergänzt durch salzige, krosse Schinkenspeckscheiben. Mit einem treffend auf das Gericht hin ausgewählten Chutney! Top Abschluss für uns Beide.

Wir beendeten das Essen mit einem Espresso serviert mit Trüffel. Gutes Patissier Handwerk.

Durch die ersten beiden Gänge begleitete uns ein 2011er Riesling GG „Juffer Sonnenuhr“ vom WG Schloss Lieser/ Thomas Haag. Exzellent, ein sehr harmonischer, reifer Riesling, der sich einen angenehmen Rest von Säure bewahrt hatte. Nicht ganz so glücklich die Wahl des Service für den Begleitwein zum Dessert, hier ein kleiner Minuspunkt am ansonsten sehr guten Serviceteam, wo uns ein Riesling Kabinett trocken 2014 des gleichen WG serviert wurde. Das passte gar nicht. Sowohl in sich war der Wein noch völlig unfertig und grün, als auch im Zusammenspiel mit dem Dessert nicht harmonisch.

Der Service agierte durch den Abend beeindruckend professionell und leistete sich bis auf die Wahl des Dessertweines keinerlei Schwächen. Seine Bestellung konnte man nach dem Mitteilen an den Service noch einmal checken, weil die Ansagen des Herren Spitzner aus der Küche zumindest in der Upkamer klar und deutlich zu vernehmen waren. Wir waren sicher, wir bekamen das Georderte.

Sauberkeit in allen einsehbaren Bereichen perfekt.
Fazit:

Ein wirklich sehr schöner, angenehmer Abend mit Oberklasseservice, hervorragender Küche und einem wunderschönen Ambiente. Der Abend war die 238 EUR in jedem Fall wert! Empfehlung ohne Einschränkung. Münster Restaurantoberliga wird immer bunter und umfangreicher! Volle Punktzahl für diesen Abend.
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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