Die Mühlenhelle
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Hohler Str. 1, 51645 Gummersbach
Restaurant Bistro Weinstube Hotel Sternerestaurant
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GastroGuide-User: PetraIO
hat Die Mühlenhelle in 51645 Gummersbach bewertet.
vor 1 Jahr
"DANKE an Familie Quendler und das Mühlenhelle-Team für die hervorragende Entdeckertour!"
Verifiziert

Geschrieben am 04.01.2019 | Aktualisiert am 04.01.2019
Besucht am 01.11.2018 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 383 EUR
Vorab für den schnellen Leser: Alles super!

Jetzt für den interessierten Geniesser:
Anfang 2018 nahm ich im Meisenheimer Hof den JRE Restaurant- & Hotelführer mit. Kurz mal durchgeblättert landete er, immerhin griffbereit, im Regal.

Zum Geburtstag meiner besseren Hälfte  sollte es eigentlich nach Heidelberg gehen. Aber dann stand noch ein netter Termin am 02.11. in Bielefeld an. Also plante ich für den 01.11. einen Stopp möglichst mittig zwischen Idar-Oberstein und Bielefeld.

Ich googlete mich so durch’s Netz. Aber irgendwo war immer ein Haken. Da fiel mir der JRE-Führer ein! Gummersbach lag gar nicht so verkehrt und die Mühlenhelle bot das „Reinschmecker-Arrangement“ wie folgt an:

5-Gänge-Menü im Michelinstern ausgezeichneten Gourmet-Restaurant, inklusive Aperitif, Übernachtung im Doppelzimmer, Frühstück - € 290,00 für 2 Personen.

Ein tolles Angebot und ich gebe zu: Es stimmte mich skeptisch. Und Überraschungsmenüs sind bei uns ja schon schwierig und ich habe schon oft erlebt, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nur für den Gastgeber stimmt. Aber mal positiv an die Mühlenhelle ran!

Ich rief gleich an und hoffte, dass noch Platz für uns ist. Immerhin war der Geburtstag bereits 1 Woche später und noch dazu an einem Feiertag. Am Telefon Frau Wehr, schon gleich so nett, das machte Lust auf unseren Besuch. Als ob es Frau Wehr geahnt hätte, sprach sie das Menü an und fragte nach Unverträglichkeiten / Abneigungen. Um es einfach zu machen, bat ich um ein fleischloses Menü.

Die Vorfreude (nur für mich, mein Mann musste bis zum Geburtstagsmorgen warten) auf diesen Besuch war schon mal geweckt!

Am Nachmittag trafen wir in dem Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert ein.
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Parkplätze stehen im hoteleigenen Hof zur Verfügung. Das Anwesen, bestehend aus mehreren Gebäuden, sehr gepflegt, die Gebäude teils Fachwerk, teils mit Schieferverkleidung.
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Von dem angrenzenden großen Einkaufscenter sieht man in der schönen Gartenanlage nichts.
Im Sommer kann man hier bestimmt sehr schön draußen genießen.

Wir wurden sehr herzlich begrüßt und von der jungen Dame an der Rezeption zu unserem Zimmer „Palermo“ begleitet. Der Zimmername konnte auch nur Gutes verheißen. „Palermo“, so hieß der große Zweibrücker Wallach (meine erste große Pferdeliebe). Beim Blick hinter die Türe wurden nicht enttäuscht. Großes Zimmer, großes Bad, das komplette Wohlfühlpaket in Topausstattung. Schade, nur für 1 Übernachtung.

Unseren Begrüßungssekt nahmen wir dann lieber im Bistro des Hauses statt auf dem Zimmer.
Begrüßungssekt im Bistro
So konnten wir uns ein wenig umsehen, dabei unseren feinperligen Begrüßungssekt genießen. Die Menükarte für unseren Abend wurde uns auch schon gereicht. Falls etwas nicht nach unserem Geschmack sei, sollten wir uns einfach melden. Es las sich alles sehr spannend und nach unserem Geschmack. Das Haus war sich nicht sicher, ob nicht doch etwas Fleisch dabei sein soll. So wurde sogar als aufmerksame Alternative beim Hauptgang Kalbsfilet angeboten. Dies war nicht nötig und so konnte die Küche alles Gänge einheitlich zubereiten.

Uns fiel zunächst gar nicht auf, dass wir im Bistrobereich saßen. Der Raum geräumig und hell dank vieler Fenster. Angenehme Beleuchtung und Farbgestaltung.

Der beliebteste Platz hier sicherlich der Erker mit großem runden Tisch und modernem Kronleuchter.
Erkerplatz im Bistro
Sehr bequeme Bestuhlung. Am nächsten Morgen durften wir hier unser Frühstück einnehmen.

Es waren noch zwei Stunden Pause bevor wir zum Abendessen im edlen und sehr fein gestalteten Gourmetrestaurant eintrafen. Das Bistro sehr gut besucht, im Restaurant hatten wir das Reich für uns an diesem Abend alleine! Von unserem Tisch hatte ich den besten Blick durch die Glastür in Richtung der offenen Küche.
Blick in die offene Küche
Hier konnte ich immer mal wieder dem lebhaften Werken zusehen.

Und obwohl wir hier die einzigen Gäste waren, ließ der Service uns zu keiner Zeit im Stich. Präsent an diesem Abend die Chefin Brigitta Quendler. Sie überzeugte durch ihre natürliche Freundlichkeit, konnte perfekt Auskunft geben. Die beiden jungen Damen im Service waren ebenfalls sehr aufmerksam, freundlich-zuvorkommend und in keiner Weise aufgesetzt.

Wir haben uns sehr wohl und umsorgt gefühlt. Wein und Wasser wurden immer sofort nachgeschenkt. Perfekte Abstände zwischen den Speisen. Wir sagten auch vorab, dass wir uns gerne mit dem Menü Zeit lassen möchten.

Als Auftakt durften es nochmals 2 Gläser mit gut gekühltem Vaux Cuvée-Sekt sein, 0,1 l  - € 7,00.
Aperitif
Wir bestellten auch noch eine Flasche Wasser. Frau Quendler bot daraufhin alternativ die „Wasser-Flatrate“ an. Dieses Angebot nahmen wir gerne an, denn es war klar, dass wir an diesem Abend sicherlich reichlich Wasser zum Menü trinken würden. Das Wasser wurde in einer großen Glaskaraffe gereicht und sicherlich 2 – 3 Mal aufgefüllt.
Für € 8,00 ein ganz hervorragendes Angebot. Ich hasse nichts mehr, als wenn Wasser in der Gastronomie zu immer unverschämteren Preisen an den Gast gebracht wird.

Unsere Menükarte stand an unserem fein eingedeckten Tisch bereit, samt passender Weinbegleitung.
Unser Menü
Diese sicherlich stimmig, aber der ständige Wechsel der Weine ist nicht so ganz unsere Überzeugung. Wir konzentrieren uns da lieber auf die wechselnden Speisen.

Als Teil unseres Arrangements starteten die ersten Grüße von Michael Quendler und seiner Küchencrew.

Eine Trilogie aus dem Meer:
Ravioli mit Krustentierfüllung - Gebeizte Lachsforelle mit Honig–Senf-Sauce -  Krokette  vom Bacalau.
Ravioli mit Krustentierfüllung - Gebeizte Lachsforelle mit Honig–Senf-Sauce - Krokette vom Bacalau
An den Bacalau (Stockfisch) traute  ich mich noch nicht einmal während eines Portugalurlaubes. Nun war ich erfreut, hier eine Kostprobe zu bekommen. Nun, die Kostprobe war gut. Aber Freunde des getrockneten und zu fragwürdigem Leben „auferweichtem“ Fisches werden weder mein Mann noch ich. Im Zeitalter gut funktionierender Kühlketten kann ich gut ohne ihn leben. Geschmacksache, sicherlich hat er auch seine Liebhaber.

Die gebeizte Lachsforelle dann wunderbar zart, gut gebeizt, der Eigengeschmack nicht überlagert. Die Honig-Senf-Sauce passte natürlich gut.

Das Beste kommt zum Schluss: Feiner Pastateig mit intensiver und saftiger Krustentierfüllung.

Inzwischen hatten wir uns durch das riesige Weinangebot durchgearbeitet. Da klar war, dass wir einen deutschen Weißwein wünschen, ging es etwas einfacher.

Wir blieben heimatlich an der Nahe. 2009er Dorsheim Burgberg Riesling, Großes Gewächs, trocken, Schlossgut Diel - € 69,00 / 0,75 l. Dieser Wein erwies sich als guter Begleiter zu unseren Speisen.

Eine vielfältige Brotauswahl wurde gereicht.
Brotauswahl
Wir entschieden uns jeweils für ein Walnussbrötchen. Bestes Olivenöl stand am Tisch bereit. Schade um die restliche Auswahl, im Nachhinein aber eine kluge Entscheidung.

Es folgte als Amuse Bouche:
Parmesanmousse, knuspriger Parmesanchip, gerösteter Kürbis, kleine Oliven, Pesto, marinierte Zwiebeln.
Parmesanmousse, knuspriger Parmesanchip, gerösteter Kürbis
Das luftige Mousse mit feiner Parmesannote. Als Gegenpart die starken Aromen des Kürbis, der Oliven und Zwiebeln. Interessant die unterschiedlichen Texturen.

So konnte es weitergehen! Ging es auch mit unserem eigentlichen Menü.
Thunfisch / Karotte / Ziegensahne
Farbenfroh , frisch und fast verspielt angerichtet!
Thunfisch / Karotte / Ziegensahne
Zwei Thunfischscheiben, roh wie erhofft. Beste Qualität, unverfälscht, ohne störende Fasern. Mein Mann ist gar kein Freund von Ziegen- / Schafproduktion. Aber diese luftige Kreation der Ziegensahne mit zartem Aroma überzeugte auch ihn vollkommen. Auch Karotte kann begeistern! Hier als Kugel und als Röllchen serviert, zeigte sich im intensiven Karottenaroma die gute Produktqualität. Farbtupfer brachte Friséesalat und für den Crunch gab es Tapokia-Chips.

Darauf folgte
Kürbis / Ingwer / Purple Curry
Das würzige Aroma dieses Ganges kündigte einen intensiven Gang an! Sehr schön angerichtet.
Kürbis / Ingwer / Purple Curry
Der Kürbis in verschiedenen Texturen. Stückig geröstet, als Püree, als  Füllung in einem Ravioli und einer Art Canelloni, als Knödel mit Kürbiskernstücken, als Chip. Aromatisches Curry rundete das Gericht perfekt ab. Nicht zu vergessen der Ingwer, als Geltupfen angerichtet. Geschmacklich pur, scharf-würzig dank seines ätherischen Öles. Es hat mich so beeindruckt, ich habe es bereits nachgekocht.

Pulpo / pikante Bohne / Tomate
Der kräftigste Gang des Abends!
Pulpo / pikante Bohne / Tomate
Das Pulpogericht, fast wie ein kleiner Urlaub in einer spanischen Bodega. Das Gericht, fast würde ich es als rustikal bezeichnen. Dies in keiner Weise abwertend gemeint, im Gegenteil! Pulpo / Tintenfisch / Krake / Oktopus – viele Namen hat der Kopffüßler und genauso vielfältig lässt er sich zubereiten. Hier die Fangarme kräftig angebraten, innen butterzart. Kleine weiße Bohnen mit Kapern und Karottenstücken als saftiges Ragout würzig abgeschmeckt, ergänzt von einer geschmolzenen Tomate und karamellisierter Orangenscheibe.
Ein deftiges Urlaubskino ¡Vamos de fiesta!

Deutlich dezenter und zurückgenommener unser Hauptgang.
Heilbutt / Bunte Beete / Meerrettich
Hauptdarsteller ohne Zweifel das großzügige und dicke Stück Heilbuttfilet.
Heilbutt / Bunte Beete / Meerrettich
Verhalten gewürzt, aber mehr brauchte es nicht um seiner Rolle gerecht zu werden. Ein zartes Meerrettich-Sahneschäumchen gesellte sich dazu. Der Fisch umringt von bunter Beete, wieder in verschiedenen Darreichungsformen, sehr strukturiert die unterschiedlichen Aromen. Sehr Fein und stimmig!

Gespannt war ich natürlich auf das Dessert. Kräuter liebe ich! Die Gradwanderung, Salbei in ein Dessert, ohne Assoziation an Halsweh, einzubinden, interessierte mich sehr.
Apfel / Salbei / Milch
In einer Knusperkeksschnitte war Salbei eingearbeitet. Die Milch als Mousse obenauf, zusätzlich als cremige Eisnocke.
Apfel / Salbei / Milch
Vielfältig auch wiederum der Apfel eingebracht. Ein nicht zu süßes und sehr herbstliches Dessert. Fabelhaft, kein Gedanke an Halsweh.

Es folgte der süßere Abschluss:
Hausgemachte Pralinen. 5 Stück, diese sicherlich sehr abwechslungsreich.
Hausgemachte Pralinen
Bis auf 1 Praline überließ ich dieses Feld meinem Mann. Leider, aber ich fand keinen Platz mehr.

Ein gut erkennbarer Küchenstil im Menü: Das Arbeiten mit verschiedenen Texturen, (ein Crunch durfte auf dem Teller nicht fehlen). Beste Produkte, regional und saisonal ergänzt bzw. abgestimmt. Der Mut zu Aromen und Würze hat uns sehr gefallen. Langweilig war hier nichts.

Mein Mann bestellte sich noch einen Espresso - € 2,30 und dann ging der Abend tatsächlich noch mit einem Feuerwerk zu Ende.

Mit dem Espresso wurde eine Minitorte mit Wunderkerze serviert.
Geburtstagstorte
Frau Quendler blieb nicht verborgen, dass wir den Geburtstag meines Mannes feierten. Diese Überraschung bewies nun wirklich: Hier ist der Gast König! Das war absolute Spitze. Verständnis wurde auch gezeigt, als wir darum baten, das Törtchen am nächsten Tag mitnehmen zu können.
Gut verpackt, kühl genug war es ja auch, begleitete es uns über Bielefeld nach Düsseldorf und dort ließen wir es uns gemeinsam mit meinem Bruder schmecken!

Am nächsten Morgen wurden wir im Bistro mit einem ausgiebigen Frühstück am Tisch verwöhnt.
Auch schön, wenn mal keine Unruhe und Gerenne um das Buffet gibt.
Frühstück im Bistro
Hier blieben auch keine Wünsche offen. Frisch gepresster Orangensaft, guter Kaffee, Obstsalat, Bircher Müsli, Lachs, Käse, Schinken, Tomate-Mozzarella, Brötchen und Croissants, Marmeladen, aufgeschlagene Butter…
Obstsalat und Bircher Müsli
Backwaren zum Frühstück
Feines Frühstück
Als ob es am Vorabend nichts gegeben hätte!

Brigitta und Michael Quendler und ihr Team waren für uns perfekte und sehr sympathische Gastgeber!
Nach dem Frühstück durften wir auch noch kurz den gebürtigen Österreicher Herrn Quendler kennenlernen.

Ich kann wirklich nicht sagen, welches das spannenste oder beste Gericht des Menüs war.
Es hat Spaß gemacht und wir werden uns bis zum nächsten Besuch (vielleicht mit ein paar Feunden) gerne daran erinnern!

Meine Bedenken im Vorfeld hat die Mühlenhelle verworfen.

Ich entschuldige mich bei den Lesern für diesen Umfang – aber das war ich diesem Besuch schuldig.
Ich hoffe, mir alles über die vergangenen 2 Monate richtig gemerkt zu haben!
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Bitte beachten: Der Gesamtpreis bezieht sich auf den kompletten Aufenthalt mit Übernachtung.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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