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GastroGuide-User: stekis
hat Paulsen's in 25853 Bohmstedt bewertet.
vor 1 Woche
"Erstklassige Landhausküche in einem winzigen Ort"
Verifiziert

Geschrieben am 12.10.2017
Besucht am 22.09.2017 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 62 EUR
Zum Ende der Woche wollten wir die Kohltage in Dithmarschen mit einem Besuch auf dem recht bekannten Markt in Husum kombinieren. Um unnötige Fahrerei zu vermeiden hatten wir in der schon weitgehend ausgebuchten Umgebung von Husum ein Zimmer in Paulsen’s Landhotel gebucht. Aufgrund der Lage in dem kleinen Ort Bohmstedt war klar, dass wir zum Essen im Hotel bleiben würden, wollten wir nicht abends noch etliche Kilometer bis in den nächsten größeren Ort fahren. Doch das Angebot auf der Homepage des Hauses las sich gut, positive Kritiken gab es reichlich. Schon beim Einchecken wurden wir gefragt, ob wir im Restaurant essen wollten, und dann wurde auch gleich ein Tisch reserviert.

Am Eingang zum Restaurant wurden wir von einer jungen Bedienung gefragt, ob wir reserviert hätten, und nach Nennung des Namens geleitete sie uns zu einem Zweiertisch direkt an der Fensterfront des vorgebauten Wintergartens.

Nachdem wir Platz genommen hatten, reichte sie uns die Speisekarten und fragte dann, ob wir schon Getränkewünsche hätten. Wir wollten jedoch erst in die Karte schauen und baten um Geduld.

Es dauerte schon eine Weile, bis wir uns in dem überaus interessanten Angebot entschieden hatten, dann bestellten wir gleichzeitig die Speisen und Getränke bei einer anderen Bedienung.

Die vier jungen Damen im Service, alle gleich gekleidet mit weißen Blusen und hell-olivgrünen Schürzen, waren durch die Bank gut geschult. Sie alle waren mit großer Aufmerksamkeit bei der Sache und übersahen z.B. auch im Vorbeieilen geleerte Gläser nicht. Dabei waren sie stets sehr freundlich und konnten aufkommende Fragen über Details des Essens fachlich kompetent beantworten.

Im Restaurant wird nordfriesische Landküche serviert, die mit internationalen Einflüssen verfeinert wird. Die aktuelle Karte ist vollständig auf der Homepage des Restaurants zu finden:

http://www.paulsens-hotel.de/fileadmin/paulsens/user_upload/dokumente/2017-06-SommerkartePaulsens.pdf

ür die Realisierung dieser Landküche verwendet Küchenchef André Schirmag nur erstklassige Zutaten von ausgesuchten regionalen Erzeugern. Es fiel uns bei diesem Angebot wirklich schwer, uns für ein bestimmtes Essen zu entscheiden.

Letztlich wählte Madam ein Fischgericht:  „Rotzunge - im Ganzen gebraten - mit Fenchelsalat und gebratenen Drillingen“ (17,90 €). Ich hatte mehr Lust auf etwas Bodenständiges, und so entschied ich mich für ein Gericht, das in ähnlicher Weise auf vielen Speisekarten zu finden ist: „Bohmstedter Topf, Schweinefiletmedaillon und Husumer Rumpsteak mit saisonalem Gemüse, Bratkartoffeln und Steakbutter“ (19,80 €).

Dazu bestellten Madame ein Glas Gutedel (0,2l für 4,90 €), ich wie üblich ein Hefeweißbier (0,5l für 4,80 €). Die Getränke wurden nach kurzer Zeit serviert und waren erwartungsgemäß gut temperiert.

Nur wenig später wurde ein Korb mit Brotscheiben und zwei Gläser auf einem Tablett gebracht, die einerseits einen offensichtlich selbst gemachten Kräuterquark und weiterhin eine sehr gut gewürzte Currybutter enthielten. Beide mit den Brotscheiben sehr delikat.

Etwas später, nachdem die Brotteller abgeräumt waren, servierten zwei Bedienungen die Hauptgerichte. Der Fisch für Madame kam auf einer ovalen Platte, die er fast komplett bedeckte. Die dazu gehörigen Kartoffeln und natürlich auch der Salat wurden in separaten Schüsseln gebracht.

Für mich gab es eine ovale Schüssel mit einem höheren Rand, die im unteren Bereich jeweils bis zur Mitte mit Bratkartoffeln und sautiertem Gemüse gefüllt waren, darauf lagen die beiden Fleischstücke.

Die Bratkartoffeln waren sehr gut, mit Röststellen an jedem Stück und mit der richtigen Portion Speck und Zwiebeln versehen, wie man es eben in einer Landhausküche erwarten kann. Ganz hervorragend fand ich das bunt gemischte Gemüse, das unter anderem Paprikastücke, grünen Spargel, Möhren, Zucchini und Bohnen enthielt. Ebenfalls sehr gut waren die beiden Fleischstücke, die mit ein paar Kräuterschnipseln und zwei essbaren Blüten garniert waren, praktisch perfekt gebraten, schmackhaft und zart. Lediglich die Steakbutter war deutlich zu kalt und wollte auch nach einiger Wartezeit nicht richtig schmelzen.

Von Madame kamen ebenfalls sehr positive Kommentare, die Rotzunge war wirklich ausgezeichnet (ich durfte probieren). Die deklarierten Drillinge, die wohl im Ganzen gebraten werden sollten, waren aber anscheinend nicht (mehr) in ausreichender Menge verfügbar, so waren es kleine halbierte Kartoffeln, die gut gebraten und mit Rosmarin gewürzt gut mit dem Fisch harmonierten.

Der lauwarme Fenchelsalat entlockte Madame dann regelrechte Begeisterung; er war mit Pinien- und Kürbiskernen bestreut und mit essbaren Blüten dekoriert. Erst bei genauerem Hinsehen fand man dann auch die rote Shiso-Kresse, von der etliche Blättchen enthalten waren.

Von diesen Gerichten waren wir schon sehr gut gesättigt, jedoch regte sich einige Zeit nach dem Abschluss und als die Teller abgeräumt waren noch die Lust auf ein Dessert. Wir ließen uns noch einmal die Karte geben und einigten uns nach kurzer Debatte auf „Heiße grüne Feigen in Pfeffer-Karamellsoße mit Vanilleeis und gerösteten Mandeln“ (5,50 €). Die Portion wollten wir uns teilen, da wir die Größe der Desserts schon an den Nachbartischen gesehen hatten.

Es dauerte auch nicht lange, bis das Dessert gebracht wurde. Eine wirklich sehr gute Komposition mit verschiedenen, gut harmonierenden Aromen, süße Karamellsoße mit leichter Pfeffernote mit dem zart schmelzenden Vanilleeis und den knusprigen Mandelstückchen. Wir waren davon sehr angetan und anschließend auch sehr gut satt.

Der größere Gastraum befindet sich in einem Wintergarten vor dem Haus, es gibt wohl noch einen weiteren, kleineren, von dem ich aber praktisch nichts gesehen habe. Die Einrichtung ist rustikal, aber nicht altbacken, sondern hell und luftig. Auf einem mit großformatigen Fliesen belegten Boden standen stabile, quadratische Tische aus hellem Holz, die in verschiedenen Konstellationen gestellt waren, mal für zwei und mal für sechs Personen. Entlang der Hauswand zog sich eine gepolsterte Bank, ansonsten gab es Korbstühle als Sitzgelegenheiten.

Auf den Tischen lag jeweils ein Tischläufer aus Kunstleder in hellem Umbraton, darauf standen kleine Vasen mit einer Blüte, zum Teil auch mit kompakten kleinen Gestecken. Die Plätze waren mit Besteck und quer gefalteten grünen Papierservietten mit dem Logo des Hauses eingedeckt, außerdem mit Brottellern und Buttermessern. Auf einigen offensichtlich reservierten Tischen standen auch schon Wein- und Wassergläser.

Der gesamte Gastraum war gut gepflegt und sehr sauber, auf dem dunklen Fliesenboden war kein Stäubchen zu sehen. Auch Teller, Gläser und Besteck waren einwandfrei sauber.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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