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GastroGuide-User: Lodda
hat Weinhaus Becker in 63762 Großostheim bewertet.
vor 4 Jahren
"Gutes Essen und auch schöner Sommergarten zum Wohlfühlen unter Kastanien!"
Verifiziert

Geschrieben am 27.04.2015
Es existiert eine neue Bewertung von diesem User zu Weinhaus Becker
Besucht am 26.04.2015
Allgemeines
 
Der Mann unserer ältesten Tochter hatte Geburtstag. Da sie in Großostheim wohnen und fußläufig das Weinhaus Becker nur ca. 5 Minuten entfernt liegt, bot es sich an, dass die ganze Familie sich nach dem nachmittäglichen Kaffeetrinken bei denen zu Hause zum Abendessen in das Weinhaus Becker begab. Soll heißen: Wir wurden vom Schwiegersohn selbstredend eingeladen.
 
Da Großostheim im Altortbereich mit vielen alten Fachwerkhäusern, engen Straßen, teils mit Kopfsteinpflaster sowie verhältnismäßig wenigen Parkplätzen bestückt ist, sind hier Radfahrer oder Fußgänger im Vorteil. Am nicht weit entfernten Marktplatz gibt es allerdings etliche Parkplätze, die aber meist schon belegt sind.
 
Ob im romantischen Sommergarten, mit Blick auf das alte Fachwerk oder in den rustikalen fränkischen Gasträumen ­‑ Sie werden sich wohlfühlen und können nach Herzenslust genießen.
 
Das Weinhaus Becker wurde im Jahre 1927 von Emma und Jakob Seitz, den Großeltern der Familie Robert und Edith Becker, gegründet. Ein alter Torbogen aus Sandstein, mit der Jahreszahl 1712, der stilvoll zwischen den beiden Gasträumen integriert wurde, gibt Rechenschaft über das ehrwürdige Alter des Gasthauses.
 
Seit vielen Jahren sorgt nun die Winzerfamilie Gisela und Peter Höflich mit ihrem Team dafür, dass sich die Gäste aus nah und fern beim „Becker“ wie zu Hause fühlen können.
 
Mit Räumlichkeiten für bis zu 120 Personen ist das Traditionshaus der richtige Ort für gepflegte Feste.
 
So steht es auf der Homepage sowie der Speisekarte des Weinhauses geschrieben. Und ich darf hinzufügen, dass aus diesem Haus der mehrmalige deutsche Meister und spätere Bundestrainer der Springreiter, Otto Becker, entstammt. So ist auch die Wanddekoration sehr pferdelastig. In den Gasträumen und auch im Treppenhaus zu den Toiletten hängen jede Menge Bilder von einzelnen Pferden jeglicher Rasse, die jeweils schriftlich angegeben ist. Wer von uns Laien kann schon einen Hannoveraner von einem Mecklenburger unterscheiden?
 
Meiner besseren Hälfte und mir ist das Weinhaus noch aus etlichen Besuchen in früheren Jahren bekannt, als noch nicht der heutige Inhaber Peter Höflich das sagen hatte. Da gab es überwiegend guten und preiswerten Wein sowie eine schöne Vesperkarte, die besonders die vielen Gäste aus dem nahen Hessen glücklich machte, da der Bachgau zu den preiswertesten Regionen am Untermain gehörte.
 
Auch heute hat das Weinhaus Becker unter dem Inhaber Peter Höflich einen guten Ruf und ist eigentlich immer gut besucht. Über das vielfältige Angebot kann man sich auf der Homepage des Hauses ein gutes Bild machen. Die aktuelle Wochenkarte mit saisonalen Spezialitäten ist dort auch einzusehen.
 
 
Der Service
 
Um 17.30 Uhr begaben wir uns durch den hinter dem Hause liegenden Sommergarten von der Rückseite aus in den Gastraum, in dem für uns 9 Personen ein Tisch reserviert war. Wir überlegten noch kurz, ob wir unseren Aufenthalt nicht wie einige andere Gäste ins Freie verlegen sollten, entschieden uns aber letztendlich wegen des unbeständigen Wetters, kein Risiko einzugehen und platzierten uns an dem für uns vorgesehenen Tisch.
 
Zwei weibliche Bedienungen mittleren Alters, sofort erkennbar an der einheitlichen Kleidung, waren für den Service zuständig. Nachdem ein jeder von uns seine Jacke an einen der vielen Kleiderhaken an den Wänden zischen den einzelnen Tischen gehängt hatte und sich gesetzt hatte, kam eine an den Tisch, begrüßte uns freundlich und gab jedem eine Speisekarte in die Hand.
Nach angenehmer Wartezeit nahm sie dann die Getränkewünsche auf und ließ uns noch genug Zeit, das Essen auszusuchen.
 
Recht flott kamen dann auch schon unsere gut gekühlten bzw. temperierten (Rotwein) Getränke.
 
Bei dieser Gelegenheit wurden auch gleich unsere jeweiligen Essenswünsche in ein Handgerät eingetippt und dabei auch Änderungswünsche bei Dressing oder Beilagen notiert. Alles klappte wie am Schnürchen. Beim Servieren waren beide Bedienungen aktiv. Die Suppe für meine kleine Enkelin wurde zusammen mit meiner Suppe vorab gebracht. Dann kamen die Beilagensalate. Und zum Schluss die Hauptgerichte. So wie es sich gehört, jeweils in angenehmen Abständen. Man fühlte sich nicht gehetzt.
 
Nachfragen zu unserer Zufriedenheit oder ob es denn geschmeckt hat, waren eine Selbstverständlichkeit. Getränkenachschub wurde erfragt und auch prompt erledigt. Leere Teller oder Gläser wurden auch schnell abgeräumt und standen nicht unnötig lange auf dem Tisch herum. Obwohl die Räumlichkeiten mittlerweile bis auf den letzten Platz besetzt waren, strahlten die Servicekräfte eine gewisse Gelassenheit aus und machten keinen gestressten Eindruck. Im Gegenteil: Jederzeit freundlich.
 
4 Sterne von uns sind ihnen gewiss.
 
 
Das Essen
 
„Wir sind immer bemüht, alles möglichst frisch zuzubereiten. Dabei achten wir besonders auf die Qualität regionaler und saisonaler Produkte. Bitte haben sie Verständnis, wenn es deshalb vielleicht mal ein bisschen länger dauert.“ So steht es in der Speisekarte. Die Wahrheit gestern ist: Es hat alles genau gepasst, was Zubereitungs- und Wartezeit betraf. So sollte es eigentlich immer sein. Gut so.
 
Nun zu den einzelnen Speisen:
 
Mich hat doch tatsächlich eine Forelle (11,90 €) angelacht, die als Müllerin Art ohne Gräten mit Mandelsplittern und Petersilienkartoffeln in der Speisekarte angepriesen wurde. Wiewohl, mir fehlte der Glaube bezüglich der Gräten. „Ja, es ist eine ganze Forelle mit Kopf und Schwanz“, bestätigte mir die Bedienung. „Da bin ich mal gespannt“, meine skeptische Antwort. Auf einem schönen Teller wurde dann später die Forelle, aufgeschnitten am Bauch, serviert. Oben drauf die Mandelsplitte, die Haut schön knusprig gebraten, der Gargrad exzellent getroffen, innendrin 2 halbe Zitronenscheiben, obendrauf auch, aber das Beste waren noch die innen mit verarbeiteten Rosmarinzweiglein, die dem ganzen Ensemble einen wunderbaren mediterranen Touch gaben. Mit einem Wort: köstlich. Schon lange nicht mehr einen so geschmacklich intensiven Fisch gegessen. Dazu genehmigte ich mir einen Silvaner vom Großostheimer Heiligenthal (0,25 l, 3,60 €). Schmeckte nicht schlecht. Wird aber nicht in Zukunft mein Favorit sein. Obwohl trocken, hatte er mir etwas zu viel Säure und ich fand ihn etwas flach. Ich bin halt doch mehr der Rotweintrinker, wollte aber zum Fisch mal wieder einen Weißen probieren.
 
Vor der Forelle hatte ich noch eine Leberknödelsuppe (3,50 €). Die wurde in einer Suppentasse serviert. Eine kräftige, gut gewürzte Brühe, darin zwei mittelgroße Leberknödel von guter Konsistenz und gutem Geschmack. Ein bisschen Grünzeug schwamm noch obendrauf und schön heiß war sie auch. Sehr gut.
 
Auch unserer Kleinen mundete die Suppe, nachdem sie ein Weile abgekühlt war und das Grünzeug von ihrer Mutter abgeschöpft wurde.
 
Meine Gattin und das Geburtstagskind entschieden sich für das Hirschgulasch (15,90 €). Eine schöne Portion Gulasch, zwei selbstgemachte Knödel mit Semmelbröseln auf dem Kopf, viel schmackhafte Soße. Dazu Preiselbeeren mit einem Klecks Sahne obendrauf. Das mag nicht jeder, wenn die Preiselbeeren in der Soße liegen, aber den beiden hat es hervorragend geschmeckt und mit der Sahne wurde die Soße noch etwas verfeinert. Eine sehr gute Qualität wies das Fleisch auf. Wunderbar zart und schön im Biss, was bei Hirschgulasch manchmal nicht selbstverständlich ist. Sie waren jedenfalls äußerst zufrieden.
 
Auch der Rotwein, den meine Gattin dazu trank, passte sehr gut dazu. Ein Großostheimer Vinum Rubrum (0,25 l, 3,80 €). Mir bisher völlig unbekannt.
 
Das gilt auch für den Schweinebraten (9,90 €), den sich meine Tochter einverleibte. Die Knödel von der gleichen Sorte wie beim Hirschgulasch, dazu zwei schöne Scheiben äußerst zarten Schweinebratens mit ausreichend Soße der selbstgenmachten Art. Dazu gab es einen Großostheimer Heiligenthal Müller-Thurgau halbtrocken (0,25 l, 3,30), der ihr sehr gut schmeckte und nach einem Probeschluck für mich auch die bessere Wahl gewesen wäre.
 
Zu den meisten Gerichten gab es noch einen Beilagensalat (Foto), der nach den Suppen serviert wurde. Der war okay, aber jetzt nichts Besonderes. Kleingeschnittene Blattsalate (was ich gut fand, denn da spritzt das Dressing nicht so in der Gegend rum, wenn man mit der Gabel reinsticht), Karottenschnitze, einige kleine ungeschälte Gurkenscheiben, Tomatenachtel, rote und grüne Paprikaschnitze, nicht zu viel vom Joghurtdressing und ein paar Sprossen darüber.
 
Ich will hier nicht den Rahmen sprengen und habe deshalb hier nur die Speisen und Getränke beschrieben, die ich auch fotografiert habe. Die anderen Gerichte wurden jeweils von ihren Essern sehr gelobt. Sowohl was Präsentation, Geschmack und auch Menge betraf, gab es nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Alle waren sich einig, dass das Weinhaus Becker eine gute Wahl war.
 
Die weiteren von uns eingenommenen Speisen, auf die ich jetzt nicht im Einzelnen eingehe, wurden allesamt von ihren Essern als gut schmeckend und gut sättigend empfunden.
Schweinelendenteller, !4,00 €, Salat mit Garnelen-Spieß, 10,90 €, Schnitzel-Wiener Art mit Pommes, 9,90 €, Portion Spargel (mindestens 10 Stangen, eher mehr) mit Kartoffeln, Sauce Hollandaise und einem kleinen Schweineschnitzel, 19,-€).
 
Ich komme nicht umhin, und gebe dem Essen 4 Sterne. Hier werden die eigenen Ansprüche, die das Weinhaus an sich selber stellt, auch wirklich in die Tat umgesetzt. Nicht gehoben, aber über dem sogenannten gutbürgerlichen Durchschnitt auf alle Fälle.
 
 
Ambiente
 
Innen das Sitz-Mobiliar schon etwas in die Jahre gekommen. Die massiven Holztische mit Viereck-Tischecke, darauf eine Glasvase mit Blümchen, Pfeffer-und Salzstreuer. Die Wände mit dunklem Holz verkleidet, wie oben schon geschrieben mit Kleiderhaken versehen. Die Räumlichkeiten mit einem etwas schummrigen Licht.
 
Sowohl Gaststätte als auch der Sommergarten können ebenerdig betreten werden. Allerdings muss man zu den Toiletten etliche Treppen nach unten steigen, sodass ein Aufsuchen derselben für Gehandicapte wohl nicht so einfach möglich ist.
 
 
Sauberkeit
 
Auf den ersten Blick nichts ins Auge gefallen, was einen an der Sauberkeit hätte stören können. Auch die Toiletten machten einen sauberen, ordentlichen Eindruck.
 
 
Mein Fazit:
 
Ich zitiere aus der Homepage: „Mitten im Ortskern von Großostheim, neben unserer Weinstube, sitzen Sie gemütlich unter Kastanien wie in einer grünen Oase.“
 
Nachdem wir gestern drinnen saßen, werden mein Schätzchen und ich wohl demnächst bei schönem Wetter allein oder mit Freunden im Rahmen einer Radtour oder auch zum Schoppen und Essen auf alle Fälle im Sommergarten einkehren. Und das darf man durchaus als Empfehlung betrachten.
 
 
Gesamteindruck:
(nach „Küchenreise“)
 
4 – gerne wieder
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt, wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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