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GastroGuide-User: simba47533
hat Weinstube Fürst in 88149 Nonnenhorn bewertet.
vor 5 Jahren
""Wolf im Schafspelz" bzw. "Vietnam in Altdeutscher Weinstube"; für uns war das in Ordnung!"
Verifiziert

Geschrieben am 20.06.2016 | Aktualisiert am 24.06.2016
Besucht am 15.06.2016 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 56 EUR
Wer hätte das gedacht? Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben: an der Vorderfront des alten Gebäudes, flankiert von einer kleinen Kapelle und dem Restaurant "Zur Kapelle" steht in ganz großen Buchstaben  "Gaststätte Altdeutsche Weinstube Fürst" und nur auf zwei Pflanzkübeln links und rechts des Eingangsbereiches weist je ein goldfarbenes Schildchen auf "Vietnam House" hin, Dass es sich hier nicht (mehr) um eine Weinstube sondern um ein vietnamesisches Restaurant handelt, wussten wir bereits im vergangenen Jahr, hatten es damals aber nicht geschafft, den Fuß über die Schwelle des "Vietnam House" zu setzen. Diesmal, am Tag Vier unseres Bodenseeurlaubs, musste es nun wirklich sein. Natürlich hatten wir einen Tisch bestellt; ohne Reservieren geht hier fast nirgendwo etwas, am Abend noch weniger als zur Mittagszeit.

Die Räume des "Vietnam House in Weinstube Fürst", so die offizielle Firmierungdes Gastrobetriebes, sind klein; wir wurden in den hinteren Raum geführt. Bereits im vorderen Raum erinnert so gut wie nichts mehr an die vormalige Weinstube. Weinrote Tapeten mit goldfarbenen Schnörkeln an den Wänden, Schwarzweissfotos vom alten Vietnam, der ein und andere Buddha, eine Art "Hausaltar" mit Bildern der Familie und/oder des Freundeskreises, das ein und andere Wandrelief. All dies setzt sich im hinteren Raum fort, lediglich Tische und Stühle sowie ein Teil der Lampen dürften noch zum letzten Weinstuben-Mobiliar gehört haben. Wir haben uns wohlgefühlt; für das Ambiente, weil es in sich stimmig ist, vergebe ich vier Sterne.

Sauberkeit: alles fein sauber, vier Sterne.

Service: Den Service versehen zwei junge Frauen aus dem Dorf; ab und an hakt es ein bisschen, aber im großen Ganzen fühlten wir uns gut betreut und es hat uns an nichts gefehlt. Die vietnamesische Chefin führt lediglich die Gäste an den Platz, agiert ansonsten unsichtbar hinter den Kulissen und erscheint erst wieder zum Handaufhalten sprich um die Rechnung zu präsentieren und das Salär entgegenzunehmen. Gutgemeinte vier Sterne.

Essen und Trinken: Es gibt fast ausschliesslich vietnamesische Küche und diese wird , ich kann es beurteilen, so gut wie authentisch praktiziert; lediglich bei einem meiner Gerichte, dazu später, wurde mit Chili ziemlich geaast. Die Speisekarte ist nicht zu groß (und damit ein Zeichen, dass hier, von Schalentieren abgesehen, vorwiegend mit frischen Zutaten gekocht wird), nach Themenkreisen geordnet gut strukturiert und deshalb auch sehr übersichtlich. Der Gast wird nicht mit zig Angeboten überschüttet und findet zu jedem einzelnen Gericht neben der  vietnamesischen Bezeichnung auch die zugehörigen deutschen Erklärungen. Sollte wirklich einmal alle Stricke reissen wäre die fast akzentfrei deutschsprechende Chefin sicher zu weiterreichenden Erklärungen bereit, denn da fehlt es den beiden Servicedamen doch ein bisschen an Hintergrundwissen. Neben Vorspeisen, Salaten, Hauptgerichten und Desserts werden auch zwei Menüs zu je fünf Gängen für jeweils EUR 28,00 angeboten; wie ich finde ein aüsserst  fairer Preis. Vorab tranken meine Frau und ich   je ein kleines Tettnanger Pils (0,3l für EUR 2,50) und zum Essen bestellte ich, der Teufel mag mich geritten haben, nach den bisherigen weinlichen Enttäuschungen ein Sauvignon blanc "Ibice" (Nardeja, Castilla y Leon, Spanien).Ich zitiere aus der Karte. "Fruchtiger Weißwein für jeden Tag, leicht und bekömmlich kann man ihn als Aperitiv geniessen, aber auch zu Fisch, Meeresfrüchten und Geflügel". Leicht war er; er war sogar so wässrig-leicht, dass ich ihn kaum wahrgenommen habe. Schwamm drüber!
Meine Frau bestellte sich als Vorspeise "Egg-Rolls Vietnam" (EUR 5,00) und als Hauptgericht "Sam-Sien" (EUR13,50).
Die "Egg-Rolls waren gefüllt mit Gemüse und Glasnudeln; sie schmeckten ihr besser als das Sam-Sien. "Mit einer anderen als der Pfeffersoße wäre es für mich ein erstklassiges Gericht gewesen" so ihre Aussage. Sam-Sien ist gebratenes Hühnerfleisch mit Hummerkraben, Tintenfisch, grünen Muscheln und Sellerie; das Ganze eben in der erwähnten Pfeffersoße. Im Gegensatz zu ihr war ich mit meiner Wahl, dem Menu 2, hochzufrieden; ich hatte es in erster Linie wegen des ersten Ganges "Pho Bo" bestellt. "Pho Bo", quasi die vietnamesische "Nationalsuppe", weltberühmt und meine persönliche asiatische Lieblingssuppe, wird im Land schon zur Frühstückszeit oder über den Tag verteilt gegessen; man kann sie am Strassenrand, in kleinen Garküchen  oder im Restaurant bekommen. Sie ist sehr aromatisch, gut gewürzt, besteht aus Brühe mit Rinderfiletscheiben, Ingwer, feingehackten frischen Gemüsen, Glasnudeln und Sojasprossen. Ist sie total authentisch, bekommt der Gast Schüsselchen mit den gehackten Gemüsen und eines mit nuoc mam-Sosse hingestellt und würzt bzw., streut nach Belieben selber nach . Hier war natürlich die Suppe fertig serviert, es stand aber auch ein Kännchen bzw. Töpfchen mit nuoc mam auf dem Tisch bereit. Die Suppe war ganz vorzüglich. Als zweiter Gang folgte für mich eine frittierte Sommerrolle (ähnlich einer Frühlingsrolle aber mit weicherer Hülle) gefüllt mit Glasnudeln und Gemüse und schon vorgewürzt mit nuoc mam, ich habe ein wenig nachgewürzt und anschliessend war dieser Gang für mich sehr lecker. Es folgten "Felchenfiletspiesschen knusprig gebraten; eine Spezialität aus Hanoi, wird serviert mit Reisnudeln und aromatischen Kräutern" Da man sich hier eine vietnamesische Bezeichnung sparte, wurde wenigstens im Speisekartentext hervorgehoben, dass es sich um eine "Spezialität aus Hanoi" handelt. Sollte es dort tatsächlich Felchen geben? In Südvietnam gibt es zwar im Bereich der Küste sowie in Teichen Fisch satt; Felchen sind mir dort allerdings nicht und nirgends untergekommen. Egal, ob die Legende zu dieser Speise nun stimmt oder nicht; der Gang war einwandfrei. Als vierten Gang bekam ich "Roastbeef mit Chili und Zitronengras. Gebraten in Karamell mit Chili und Zitronengras ergibt eine besonders aromatische Note". Fleisch einwandfrei und wunderbar karamelisiert, Zitronengras in Ordnung, mit dem Chili wurde hier allerdings ziemlich übertrieben; so scharf ist dieses Gericht in Vietnam beileibe nicht. Antwort auf meine entsprechende Bemerkung beim Service:"Das kennen wir, beim vierten Gang vom Menü Zwei gibt er (der Koch) gerne richtig Gas!" Na ja, ob das wohl alle Gäste mögen?  Abschliessend als Dessert bekam ich "Apfeltorte aus der Pfanne an Orangensoße". Sehr stimmig; ausser Orangensoße war noch viel Honig dran. Und hier mal kein nuoc mam! Wäre beim Hauptgericht meiner Frau die Pfeffersoße nicht so dominant gewesen, hätte ich für das Genossene insgesamt fünf Sterne vergeben; so werden es   immerhin stolze viereinhalb. Und wir kommen wieder; diese authentische Küche hat gut gefallen zumal das Preis-/Leistungsverhältnis ebenfalls stimmig ist.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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Carsten1972 und 28 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.