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GastroGuide-User: stekis
hat Gasthof Zum grünen Kranze in 34474 Diemelstadt bewertet.
vor 12 Monaten
"In diesem Gasthof scheint die Zeit stehen geblieben zu sein - aber das Essen ist gut"
Verifiziert

Geschrieben am 07.09.2018
Besucht am 28.08.2018 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 25 EUR
Wir hatten in einem Hotel in Diemelstadt Quartier bezogen, das kein eigenes Restaurant hat. Schon bei der Ankunft wurden wir informiert, dass die nahegelegene Pizzeria derzeit für vier Wochen wegen Urlaub geschlossen sei. Unser Versuch beim Gasthof „Zum Krug“ im Ortsteil Rhoden endete vor einer geschlossenen Tür ohne irgendeine Information über Öffnungszeiten, auch der Kasten für die Speisekarte war leer. Auf „Martins Grillstube“ direkt gegenüber hatten wir keine Lust, nach kurzer Diskussion beschlossen wir, nach Marsberg zu fahren und dort unser Glück zu versuchen.

Auf dem Weg dorthin kamen wir durch mehrere Ortsteile von Diemelstadt, das ja nicht wirklich eine Stadt ist, sondern ein Konglomerat von verstreuten Dörfern. In Helmighausen fanden wir schließlich einen Gasthof, der anscheinend geöffnet war. Direkt vor der Tür fanden wir einen Parkplatz und stellten das Auto dort ab.

Beim Eintreten fanden wir auf der inneren Schwingtür des Windfangs ein Schild „Tresenraum Nichtraucher“. Als wir dann durch diese Tür in den Tresenraum traten, konnten wir durch eine enorme Wolke von blauem Dunst vier Gestalten erkennen, die sich am Tresen herumlümmelten, der Wirt als fünfter tat bei der Luftveränderung kräftig mit. Unsere Frage, ob wir etwas zu essen bekommen könnten, wurde bejaht, der Wirt bot uns dann an, in den Nebenraum umzuziehen, der als „Raucherraum“ bezeichnet war. Dort war aber kein Gast zu sehen, und die Luft war deutlich besser als im Tresenbereich.

Wir nahmen dort an einem Tisch am Fenster Platz und bekamen gleich darauf die Speisekarten. Wie üblich wurden wir auch gleich gefragt, ob wir schon Getränkewünsche hätten. Diesmal bestellte Madame auch gleich ein Mineralwasser (0,25l für 1,40 €), ich fragte nach alkoholfreien Bieren im Angebot und bestellte dann ein Hefeweißbier (0,5l für 3,00 €).


Auszug Speisekarte

Die Karte bietet neben einigen Suppen und Salaten zwei Seiten mit Hauptgerichten aus der regionalen bürgerlichen Küche. Dementsprechend brauchten wir nicht lange für unsere Entscheidung. Als der Wirt kurz darauf wieder an den Tisch kam und die bestellten Getränke servierte, bestellte Madame „Holzfällersteak mit Schmorzwiebeln, dazu Bratkartoffeln und ein kleiner Salat“ (8,90 €), ich konnte mich für die „‘Landsknechtspfanne‘, in der Pfanne serviert, Medaillons vom Schwein mit Pfefferrahmsauce, dazu Bratkartoffeln“ (11,90 €) interessieren. Der Wirt nahm die Bestellung auf und verschwand in Richtung Tresen.


Impressionen aus dem "Raucherraum"

Nun schauten wir uns in diesem ‚Raucherraum‘ um, und wir erlebten eine Zeitreise. Die Einrichtung war blitzsauber, in Ordnung und gepflegt, die Gardinen frisch gewaschen, gebügelt und in Falten gelegt, dass jede ehrbare Hausfrau neidisch werden könnte. Aber die gesamte Einrichtung dieses Raumes schien seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrtausends keine Veränderung erfahren zu haben. Auf den Fensterbänken standen mehrere Keramikkrüge mit zugehörigen Bechersets mit außergewöhnlichen Dekoren. Solche Sets gab es früher in der DDR, sie waren teuer, aber fanden bei der Verwandtschaft im Westen nicht unbedingt die erwartete Gegenliebe.


Teil der Keramikausstellung

Die Tische hatten blanke Tischplatten mit diagonal aufgelegten Mitteldecken, darauf jeweils ein Keramikaschenbecher in unterschiedlichen Formen. Die Bänke hatten dunkel gemusterte Sitz- und Rückenpolster, die Stühle jeweils rote Sitzpolster. Ansonsten war deutlich erkennbar, dass der große Raum auch für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt wurde.



Es dauerte über eine halbe Stunde, während derer wir verschiedene Küchengeräusche aus dem Hintergrund hören konnten, bis der Wirt zunächst den Salat für Madame brachte. Der sah an sich gut aus – mit Tomatenachteln, Weißkraut, Blattsalaten etc. - wenn er nur mit dem Joghurtdressing, nicht aber auch mit reichlich kalten Röstzwiebeln aus der Dose bestreut gewesen wäre.


Salat mit Röstzwiebeln

Madame schob die Röstzwiebeln so gut es ging zur Seite und konzentrierte sich auf die eigentlichen Salatbestandteile. Als sie dann den unter den Blattsalaten versteckten Farmersalat mit reichlich Mayonaise fand, war das Thema erledigt, der Salat wurde zur Seite geschoben.

Praktisch zur gleichen Zeit brachte der Wirt den Teller und die Pfanne mit unseren Hauptgerichten. Auf dem Teller von Madame war zunächst ein enormer Haufen von gerösteten Zwiebeln erkennbar, für den mindestens drei normale Küchenzwiebeln ihr Leben hatten lassen müssen.  Darunter versteckten sich zwei Stücke Fleisch, daneben gab es einen auch nicht ganz kleinen Haufen Bratkartoffeln. Die waren in dünne Scheiben gehobelt worden, wohl um die Garzeit etwas abzukürzen.


Holzfällersteak

Auch in der Pfanne, die an meinen Platz gestellt worden war, gab es reichlich Bratkartoffeln. Die Bratkartoffeln konzentrierten sich auf die eine Seite der Pfanne, auf der anderen Seite lagen vier schöne Stücke Schweinefilet, die mit reichlich Pfeffersauce versehen waren.


Landsknechtspfanne

Madame war schon etwas erstaunt als sie feststellte, dass es sich bei den Fleischstücken um Schweinerückensteaks handelte, die butterzart waren. Die Bratkartoffeln schmeckten uns beiden gut, sie waren gut gewürzt und mit reichlich Speck und Zwiebeln versehen. Die Pfeffersauce in der Pfanne schmeckte nicht nach einem Fertigprodukt, sie war gut abgeschmeckt und enthielt zahlreiche grüne Pfefferkörner.

Beide Hauptgerichte waren zu unserer vollen Zufriedenheit, einen kleinen Punktabzug gibt es lediglich für den etwas abenteuerlich angerichteten Salat. Wie üblich gab Madame nach zwei Dritteln ihrer Portion auf, so dass ich auch noch in den Genuss ihres zweiten Fleischstücks kam.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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