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GastroGuide-User: hbeermann
hat Altes Jagdhaus in 30519 Hannover bewertet.
vor 2 Jahren
"Nun wird es wohl ein Fixstern - wiederum ohne Fehl und Tadel"
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Geschrieben am 22.10.2017 | Aktualisiert am 23.10.2017
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Besucht am 20.10.2017 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 203 EUR
Wir reisten per Taxi an und hatten den wohl schlechtesten Fahrer bisher. Dazu kam ein Stau wegen eines Konzertes in der TUI-Arena.
Trotzdem waren wir pünktlich um 19:00 Uhr im Restaurant. Gewohnt charmant und freundlich begrüßte uns Frau Mönkedieck, die Lebensgefährtin Herrn Sterns. Sie wischte sich einen letzten Schweißtropfen von der Stirn, weil gerade eine richtig große Hochzeitsgesellschaft hinter ihr lag. Den Service macht sie mit ihrer angenehmen Art allein. Die beiden tun sich gegenseitig enorm gut. Herr Stern hat wieder seinen verschmitzten Humor, seine enorme Kreativität und Freude am Einkauf von Besonderheiten wie in vergangenen Zeiten. Frau Mönkedieck wirkt entspannt und souverän. So macht es einfach Spaß, hier zu Gast zu sein.

Wir eröffneten mit einem Glas Champagner rosé zu 14 Euro. Das ist nicht billig, aber ich weiß ja, dass die beiden immer ein Produkt jenseits der 40-Euro-Klasse wählen. So bekamen wir den auch einen fabelhaften Aperitif, perfekt temperiert, voller Saft und Kraft. Mittelperliges Wasser landete wie immer in der wunderschönen Entenkaraffe auf unserem Tisch. Das dicke Bleikristall speichert die Kälte bis zum Schluss.
Die Dahliendekoration
Dekoriert war diesmal mit Dahlien und Gladiolen (ich glaube, dass sind Herrn Sterns Lieblingsblumen).
Vernünftig ist es, dass Herr Stern nicht selbst backt. Das Brot von Gaues ist schwer zu toppen. Es kam reichlich und gut aufgewärmt mit fünf Röschen leicht gekräuterter Butter in der tollen Silberschale mit doppeltem Boden, die so fabelhaft zum Jagdhaus passt. Frischgemüse fehlt nie. Diesmal waren es erstaunlich milde Radieschen.  Es schmeckte so, dass wir alles verputzt haben.

Als Wein suchte ich den badischen Spätburgunder von Huber für 54 Euro aus, eine sehr gute Wahl. Bei einem Einkaufspreis von ca. 35 Euro sehr fair bepreist.
Eichelmastschinken
Die Vorspeise meiner Frau bestand aus Sülze von der Oldenburger Freilandente mit Linsensalat und geschlagener Vinaigrette zu 14 Euro. Meine Frau hatte bereits angekündigt, sie werde den "Glibber" bei mir abladen. Oh Wunder, die Sülze war glibberfrei und wurde mit Stumpf und Stiel vernichtet. Ich nahm den Nacken vom Eichelmastschwein aus der eigenen Salzkammer mit Salat und kleinen Pfifferlingen zu 16 Euro. Eicheliger schmeckt ein guter Pata Negra auch nicht. Die Aromen der sehr schönen Vinaigrette ergänzten sich mit der Süße des Schinkens und den Röstaromen der Pfifferlinge perfekt. Brot wurde nachgereicht, nachdem wir das Angebot Herrn Sterns abgelehnt und erst nach dem charmanten Augenaufschlag von Frau Mönkedieck angenommen hatten. "Sie nehmen wohl nicht von jedem ein Stück Brot" stellte Herr Stern dann treffend fest.
Hirschrücken
Unsere Hauptspeisen waren Hirschrücken mit Gemüse und Kartoffelstampf zu je 34 Euro. Dies war kein Gericht von der Karte. Wir hatten es bei der Tischreservierung erbettelt (Fasan oder Rebhuhn oder schönes Wild). An Gemüse gab es Kohlrabi, Rübe, Karotte und Erbskartoffelpürée. Das Fleisch war in Scheiben geschnitten und überzogen mit einer exzellenten süßfruchtigen Soße. Auch der Spiegel auf dem Teller war so reichlich bemessen, dass das gesamte Kartoffelpüree damit veredelt werden konnte. Es wurde separat in einer Silberschale serviert, war leicht stückig und hervorragend buttrig abgeschmeckt. Das Fleisch war tief rosa und butterzart. Es gab keinerlei Abfälle. Die Soßenreduktionen Herrn Sterns suchen Ihresgleichen. Mit dem letzten Rest des Kartoffelstampfs bekam ich meinen Teller recht blank.

Nun kamen zwei hausgemachte Grappa-Trüffel. Patisserie kann er also auch.
Hirsch im Anschnitt
Ein Dessert musste auch noch sein. Im schnellen Angebot (unsere Katzen warten) war weißer Pfirsich mit Champagnerzabaglione und Pistazieneis zu je 12 Euro. Das Klappern der geübten Achterschläge aus der Küche weckte die Vorfreude. Was dann auf den Tisch kam, zeigte, dass diese berechtigt war. Herr Stern hatte wirklich den teuren Champagner, den wir als Aperitif hatten in das Ei gekippt (man hat es ja). Das war ein Knüller gegenüber der üblichen Marsala-Beimengung. Die hervorragend marinierten Pfirsichspelten harmonierten perfekt mit der reichlich vorhandenen Zabaglione und der stückigen Pistazieneiszubereitung.
Mit Frau Mönkedieck legten wir noch eine Trauerminute wegen des ums Leben gekommenen langjährigen und nie lästigen Restaurantkaters Leo ein.
Pfirsich/Zabaglione/Eis
Über das unverwechselbare und einzigartige Ambiente habe ich oft genug berichtet. Dass alles blitzsauber ist und Frau Mönkedieck einen tollen Job macht, versteht sich fast von selbst. Die Toiletten sind ebenerdig erreichbar.
Nach gut zwei Stunden baten wir um eine Taxibestellung. Der Abschied war extrem herzlich, und wir verließen das Jagdhaus mit einem richtig guten Bauchgefühl. Unser Taxifahrer war zum Glück ein Eingeborener (Aangeborner).
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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