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GastroGuide-User: Minitar
hat Goldener Adler in 72160 Horb am Neckar bewertet.
vor 1 Jahr
"Gelungene Streifzüge durch die schwäbische Küche"
Verifiziert

Geschrieben am 10.05.2018
Besucht am 10.05.2018 Besuchszeit: Mittagessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 52 EUR
Ein Krankenbesuch führt mich heute in das malerische Städtchen Horb am Neckar, das schon immer sehr putzig war, durch eine Landesgartenschau vor etlichen Jahren und durch einen neuen Standort der Dualen Hochschule Baden-Württemberg aber eindeutig an Präsenz gewonnen hat. Die meisten meiner kulinarischen Erfahrungen basieren auf Kindheits- und Jugenderlebnissen – also gilt es wieder einiges zu entdecken!

Der Goldene Adler ist eine Empfehlung meiner Tante, die selbst früher in der Gastronomie gearbeitet hat. Wie mir Einheimische berichten, ist das Traditionshaus (mit 600jähriger Geschichte!) vor einigen Jahren durch einen technischen Defekt abgebrannt. Dass es geschmackvoll und ansprechend wieder aufgebaut und hergerichtet wurde, davon kann ich mich heute überzeugen. Mit seinem hohen Giebel und den freundlichen roten Fensterläden passt es sich sehr harmonisch an die Architektur der Horber Innenstadt an. Zu Fuss erreicht man das Gasthaus in wenigen Minuten vom Bahnhof aus. Bei der Parkplatzsuche muss man schon etwas erfinderisch sein – am heutigen Vatertag ist das aber eher kein Problem. Ansonsten tut man gut daran, dass grosse Parkhaus auf der Strassenseite gegenüber zu nutzen.

Seit 1872 ist der Goldene Adler in der Hand der Metzgerfamilie Bareis (nicht zu wechseln mit dem Baiersbronner Gourmettempel Bareiss). Das Metzgerhandwerk schlägt sich noch heute erfolgreich in der besonderen Ausprägung der Speisekarte nieder – sei es bei Sauren Nierle, Wildbret oder einem Zwiebelrostbraten. Zudem gehört das Restaurant der Schmeck-den-Süden-Vereinigung an und ist dort mit zwei Löwen zertifiziert (die stehen für regionale Rohstoffe und Produkte). Während andernorts nur Heimatliebe vorgegaukelt wird, scheint sie mir hier wirklich praktiziert zu werden.

Unbedingt probieren sollte man hier den Most aus eigenem, heimischem Anbau (die Patronin erläutert gern die Lage der Streuobstwiesen), den man natürlich leicht gekühlt bestellen sollte. 3 Euro für einen Viertelliter und 3,50 Euro für einen Halbliter Mostschorle (in einer formschönen Glaskaraffe serviert) sind sensationell günstig. Ein angenehmes Gleichgewicht von Fruchtigkeit, leichter Süße und bizzelnder Säure täuscht darüber hinweg, dass man nach allzu bedenkenlosem Genuss schnell mal einen im Tee haben kann. Dafür erscheint uns das Weinschorle vom Gutedel (3,00 Euro für das Viertele) etwas allzu wässrig. Überraschend kräftig dafür der Trollinger mit Lemberger (4,20 Euro für das Viertele).

Der Goldene Adler bietet günstige wechselnde Mittagsgerichte von hoher Qualität an. Leider kann man die aktuelle Karte nicht im Internet ersehen. Wir sind erstaunt, dass auch am heutigen Feiertag der Mittagstisch Anwendung findet. Wirklich grandios ist das heutige Gericht für unglaubliche 8,80 Euro: eine riesige Portion Gulasch vom Maibock mit sämiger, würziger Soße – dazu habhafte, herzhaft angeröstete Buabaspitzle und ein vielseitiger kleiner Beilagensalat. Die Deko wird sparsam eingesetzt, wirkt jedoch durch farbliche Kontraste in Orange und Weinrot: eine Physalis, zwei Orangenachtel, Preiselbeeren. Geschmacklich ein Gedicht, von der Menge her kaum zu bewältigen. Ebenfalls grossartig, preislich jedoch in einer anderen Kategorie, da von der Hauptkarte stammend: der Rehbraten mit Spätzle und Beilagensalat für 17,90 Euro. Der Rehbraten eine Offenbarung, die sicherlich stundenlang eingekochte Soße lässt sich nur mit reichlich Beilagen aufsaugen. Die Spätzle sind ganz augenscheinlich hausgemacht, können etwas Nachwürzen mit Pfeffer und Salz jedoch gut vertragen.

Wir werden freundlich und  zuvorkommend bedient. Beide Damen im Service tragen ganz selbstverständlich ein dirndlähnliches Gewand, ohne damit anbiedernd oder folkloristisch zu wirken. Lange Wartezeiten gibt es hier nicht, man wird jedoch auch nicht alle paar Minuten gefragt, ob alles okay sei (was mir manchmal lästig wird). Eine Kreditkartenbezahlung am Tisch ist natürlich unproblematisch möglich.

Das Lokal verfügt über zwei Gasträume, wobei wir einen Tisch im unteren Bereich gewählt haben. Das Interieur ist hier klar strukturiert, reduziert, durch nichts überladen. An der Wand eine grosse Stadtansicht von Horb und viele Radierungen und Miniaturen. Kleine Oberlichter bieten Durchblicke in den oberen Gastraum. Grosse Fenster gen Süden verweisen auf einen herrlich verwunschenen Garten und eine schöne Terrasse. Die Toiletten sind barrierefrei per Aufzug zu erreichen. Der Gasthof verfügt ausserdem über 4 Einzel- und 12 Doppelzimmer. Sicherlich sehr angenehm, hier zu übernachten.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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