Zurück zu Wirtshaus Leopolt
GastroGuide-User: rr_blaubaer
hat Wirtshaus Leopolt in 63303 Dreieich bewertet.
vor 6 Jahren
"Das koch‘ ich zuhause besser..."
Verifiziert

Geschrieben am 17.04.2015 | Aktualisiert am 18.04.2015
Besucht am 14.04.2015
Es ist Musikmesse, was mich zur Übernachtung in den Speckgürtel Frankfurts treibt. Dreieich Sprendlingen um genau zu sein.
Und so durchstreife ich auf der Suche nach Essbarem Südhessische Wohngebiete. Auf meinem Weg sehe ich mehrere Einkehrmöglichkeiten. Italienisch hatte ich in letzter Zeit des Öfteren, also soll es dieses Mal etwas anderes sein.

Ich entscheide mich für das Wirtshaus Leopolt direkt an der Sprendlinger Hauptstraße.
Von außen sticht die weiße Fachwerk-Fassade mit der Fensterfront positiv aus dem restlichen Straßenbild hervor. Es gibt auch einen Biergarten im Hof, da es aber schon wieder etwas frischer wird, entscheide ich mich für den Innenraum.
Das Gasthaus betritt man über ein paar Stufen, der Biergarten wäre, soweit ich das sehen konnte, auch ebenerdig erreichbar. Der Innenraum ist in zwei Bereiche links und rechts des Eingangs bzw. der Theke (die dem Eingang gegenüber steht) unterteilt.
Es gibt einfache Holztische und Stühle mit aufgelegtem Polster. An der Wand keine Stühle sondern Bänke. Insgesamt ein einigermaßen gemütliches Gasthausfeeling. Nicht zu viel Deko, kein dunkler Wirtshaus-Stil. Auf den Tischen keine Tischdecken, aber Krüge mit dem Besteck sowie Salz und Pfeffer.
3,5 Sterne halte ich für das Ambiente passend.
 
Service:
2 junge Damen schmeißen heute den Laden. Ob eine davon die Chefin ist, kann ich nicht sagen, entsprechend verhalten hat sich keine der beiden (weder im positiven noch im negativen Sinne).
Es gibt keine Aufteilung nach Aufgaben oder Tischen, beide machen alles.

Die Begrüßung ist einigermaßen in Ordnung, ich kann mich setzend wo ich will und nehme einen der beiden freien 2er-Tische.
Die Karte wird zügig gebracht und gleich nach etwas zu trinken gefragt. Dass ich kurz warten will bis ich die Karte gelesen habe ist OK. Kurz darauf wird meine Bestellung aufgenommen.
Getränke und Essen kommen sehr schnell, das Hauptgericht nach dem Salat für meinen Geschmack etwas zu schnell, sprich nach etwa halbem Salat-Verzehr. Es wird noch schnell ein guter Appetit gewünscht und weg.

Das Abräumen geht auch sehr zügig. Teilweise werden leere Komponenten noch während des Essens abgeräumt. Auf die rhetorische Frage "das darf ich doch schon abräumen" kann ich nur erstaunt schauen. Widerworte mit vollem Mund hätten nur für eine gesprenkelte Tischplatte gesort.
Auch mein leeres Bierglas wird abgeräumt, da hatte ich praktisch noch nicht mal runter geschluckt.
Beim Abräumen des letzten Tellers wird dann aber wenigstens noch gefragt ob es geschmeckt hat.
Der Zahlvorgang geht schwupps, vorrüber, nach einem richtigen Beleg (es gab mal wieder nur eine Zwischenrechnung) wollte ich heute nicht fragen, die beiden waren mit einer Gruppe frischer Gäste recht gut auf Trab.
Richtige Wohlfühlatmosphäre kam nicht auf. 3 Sterne
 
Karte:
Es gibt eine Standardkarte mit verschiedenen, ich sag mal typischen Gerichten wie Schnitzel-Varianten und Salaten. Außerdem gibt es eine Tageskarte von der ich den Senf-Krusten-Braten mit Salat und Semmelknödeln (12,80 €) bestellte.
Zum Trinken gab es ein Radler (0,5l 3,60 €).
 
Essen:
Der Salat, der vorab (ohne Brot) an den Tisch kam, war eindeutig ein besserer seiner Zunft. Auf einem, für einen Beilagen-Salat relativ großen Glasteller serviert beinhaltete er verschiedene Blattsalate, ein Tomatenviertel, eine ungeschälte Gurkenscheiben, Karottensalat und Krautsalat. Karotten und Krautsalat waren recht grob und leicht säuerlich angemacht. Die restliche Salatsoße war außerordentlich gut. Leichte Säure, die mit etwas Zucker gemildert war, sehr würzig und mit leichter Paprikanote (es schien, als wären kleine Paprikastückchen in der Salatsoße).
 
Nach diesem Start war ich sehr guter Hoffnung für den kommenden Senf-Krustenbraten.
Dieser kam in Form von 2 recht dicken Scheiben eines Schweinenackenbratens daher. Dazu gab es zwei vollständig ausgewachsene Semmelknödel und eine akzeptable Menge (ich bin ein Nassesser) dunkler Soße.
Das Fleisch war entsprechend seiner Art leicht durchwachsen, war aber nicht zu fettig.
Es war anständig gewürzt, wobei ich von der Senfkruste einen etwas kräftigeren Geschmack erwartet hätte. Leider war das Fleisch durch den Warmhalte/Aufwärmvorgang etwas trocken-zäh geworden (was bei Nackenbraten eigentlich eher selten vorkommt).

Die Knödel waren offensichtlich selbst gemacht und recht gut gelungen. Die Konsistenz nicht zu fest und nicht zu weich. Geschmacklich waren die Knödel gut, mit etwas eingearbeiteter Petersilie (etwas mehr davon wäre noch besser gewesen).
Die Soße war auch gut und tendenziell ohne Hilfsmittelchen gekocht (zumindest ist mir kein Fertiggeschmack aufgefallen).
Die Portion war mehr als ausreichend, sodass ich bei der Hälfte des zweiten Knödels kapitulieren musste.
Salat, Knödel und Soße waren gut, das Fleisch dagegen gerade mal OK.
Somit komme ich auf gut meinte 3,5 Sterne.
 
Sauberkeit:
Was ich gesehen habe war in Ordnung, ich denke 4 Sterne passen hier gut.
 
Preis-Leistungs-Verhältnis:
Angesichts der noch akzeptablen Küchenleistung, der aber recht rustikalen Portionsgröße und des
Gegendtypischen Bierpreises halte ich 3,5 Sterne (besser als OK, aber nicht wirklich gut) für angemessen.
 
Fazit:
Leider gab es aus der Küche nichts, was ich nicht selber besser hinbekommen hätte.
Der Service hat mich auch nicht wirklich vom Hocker gerissen.

Einzig der wirklich gute Beilagen-Salat blieb mir positiv im Gedächtnis kleben.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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