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GastroGuide-User: x2x
hat Villa Au in 42555 Velbert bewertet.
vor 3 Jahren
"Höhen und Tiefen - Früher und Heute"
Verifiziert

Geschrieben am 17.05.2016 | Aktualisiert am 17.05.2016
Besucht am 30.04.2016 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
* Ja die Villa Au im historischen Langenberg, ein Ortsteil von Velbert. Eine repräsentative, ehemalige Fabrikantenvilla, erbaut vor fast 170 Jahren. Nach Umbau und umfangreichen Renovierungen seit 2003 ein Restaurant. Früher waren wir hier häufiger, wobei die Küche seinerzeit niemals ganz überzeugte. Nun werden jetzt einige aufmerksame Kritiker fragen, warum geht man in ein Restaurant, dessen Küche nicht mehrheitlich überzeugt ? Eine völlig berechtigte Frage. - Das Haus ist repräsentativ und erweckt eine gewisse Erwartungshaltung. Früher wurde diese zwar nicht vollständig erfüllt. Aber an lauen Sommerabenden, draußen im Park der Villa, etwas leichtes Essen, dazu kühle Getränke - schön. Hier herrschte immer ein gewisses Toscana-Flair, drinnen wie draußen. Die Besitzer wechselten mehrfach und es gab Zeiten, wo hier auf dem mit hellem Kies bedeckten hauseigenen Parkplatz zwar parkende Ferrari und Lamborghini nicht die Regel waren, aber durchaus keine Ausnahmen. Häufig flankiert von AMG Mercedes-Limousinen und anderen Fahrzeugen, jenseits von 400 PS. Daraus hätte man u.U. ableiten können, dass das Haus ein "Nobel-Italiener" war. Das war es aber zu keiner Zeit. Gerne feierten damals hier "Famiglia" mit vielen Gästen, ursprünglich beheimatet südlich des Brenner. Aber bitteschön, das war früher. Und heute ? Nun wir waren 2 oder 3 Jahre nicht mehr in der Villa Au und wollten mal schauen was sich verändert hat, egal in welche Richtung.

Leider verhinderte das Wetter den Aufenthalt im Park, schade, schade ! Wir traten ein und stellten mit Befriedigung fest, dass das besondere Flair der Villa Au nicht verändert wurde. Hohe Decken, hohe Fenster, Lüster, ordentlich eingedeckte Tische und ein Holzfußboden, über den sicherlich schon ganz viele Bewohner und Gäste in vielen Jahrzehnten geschritten sind. Damals wie heute ein Ambiente zum wohlfühlen. Platz für mindestens 50 und mehr Gäste im Parterre. In der ersten Etage befinden sich unverändert die Gesellschaftsräume, da wo früher die "Grande Famiglia" feierte. Auch heute noch wird die Villa Au gerne für Hochzeiten etc. genutzt. Ein speziell dafür vorhandenes "Tempelchen" ist im Park vorhanden. - Wir hatten reserviert. Wobei der jugendliche weibliche Service etwas länger dafür brauchte um das festzustellen. Es wurde unter Einbeziehung eines weiteren männlichen Mitglieds der Service-Crew etwas getuschellt, bis man wohl doch feststellte, das wir reserviert hatten. Aber welcher Tisch dafür vorgesehen war, auch da war man offensichtlich unterschiedlicher Meinung. Das live im Abstand von etwa 2 Metern mitzubekommen, amüsiert mich etwas. Hasimausi warf mir bereits einen strafenden Blick zu, doch bitte jetzt keine Anmerkungen zu machen. Zwar lag mir auf der Zunge zu fragen, ob wir bis zu endgültigen Klärung an der netten Bar Platz nehmen könnten, aber ich hatte dann doch meine Ungeduld im Griff. Und dann endlich, die Reservierung war geklärt. "Dahinten in der Ecke am Fenster" - so die unbegleitete Ansage des "Mister Service". Artig bedankte ich mich mit der Aussage, dass wir es bestimmt alleine finden würden. Hasimausi mag diese Süffisanz nicht. Zugegeben ich schon. 

* Wir namen Platz. Zeitgleich wurden die Karten - nein nicht gereicht - auf dem Tisch abgelegt. Dann folgte die hochdeutsche-gastronomische sehr kurze Fragestellung: "Schon was trinken ?" Meine Dame war zu diesem Zeitpunkt noch unschlüssig, ich dagegen orderte erst mal ein Pils. Die Wartezeit auf den Tisch hatte mich durstig gemacht. Obwohl wir mit Befriedigung festgestellt hatten, dass das angenehme Ambiente weiterhin vorhanden war, überzeugte uns die Karte (mal wieder) nicht. Was möchte dieses Haus sein ? Sicherlich kein Durchschnittsitaliener und auch keine Pizzeria, denn man spricht von "kulinarischen Köstlichkeiten". Aber bitteschön, dass spiegelt die Karte nicht wieder. Alles ordentliche Pizza, Pasta und Salate. Dazu 4 Fleischgerichte, die so (mehr oder weniger) jeder Standard-Italiener anbietet. Alles völlig okay, wenn es sich hier um den "normalen" Italiener irgendwo in der City einer deutschen Großstadt handeln würde. Aber dieses Haus erhebt für sich einen anderen Anspruch, den man mit dieser Karte nur in Teilen erfüllt.  - Nun gut, mein Pils wurde serviert, es war gezapft. Was auch sonst. Sie vermissen die Aussage frisch gezapft ? Stimmt ! Sagen wir es mal so, dass Pils wurde vor einigen Minuten gezapft, der Schaum befand sich bereits im Zustand der Auflösung. - Hasimausi orderte einen Prosecco, der auch ganz schnell serviert wurde. Inzwischen hatten wir unsere Wahl getroffen: Formaggio de Capra (Ziegenkäse), Carpaccio die Manzo (vom Rind), ein Rinderfilet mit Pasta und Saltimbocca a la Romana. "Mister Service" notierte es, eine Frage zur Garstufe erfolgte zunächst nicht. Er verschand zunächst, kehrte aber schnell wieder zurück mit der Fragestellung, wie denn das Steak (er meinte das Rinderfilet) gebraten werden sollte. "Medium bitte", so meine knappe Antwort. "Ach so" - so seine Feststellung. Bis heute frage ich mich immer noch, wie man eine solche relativ klare Anforderung mit "Ach so" beantworten kann. 

* Kurze Zeit später erschien er erneut und servierte ein Körbchen mit Pizzabrötchen. Nein eigentlich hatte ich nichts kreativeres erwartet, aber sollte ich (pardon wir) wirklich diese (Pizza) Brötchen jetzt so wie serviert trocken konsumieren ? Selbst ein Pils stand dafür nicht mehr zur Verfügung, denn das leere Glas wurde inzwischen 2 x übersehen. Ein kurzer Wink reichte allerdings und schon erschien unser Servicemeister. Höflich fragte ich nach, ob die Pizza-Brötchen vielleicht noch z.B. mit einer Knoblauchcreme etc. ergänzt würden oder was ich dazu noch bestellen könnte. "Ach so - kommt noch" - so seine Antwort. Na gut dachte ich, obwohl er die 100% Luft im Pilsglas nun zum 3 x übersehen hatte. Kurz danach wurde etwas serviert, dass man als Aioli bezeichnen konnte. Offensichtlich Prodotta in Fabbrica. Überraschend schnell dann die Vorspeisen. Serviert wurde mir auf einem schön angerichteten Teller das Carpaccio vom Rind und das genau so, wie ich es erwartet hatte, mit etwas Olivenöl und gehobeltem Parmesan. Lecker ! Noch viel leckerer wäre es allerdings gewesen, wenn dazu ordentlich frisches Brot serviert worden wäre. Hasimausi lobte den Ziegenkäse und ganz besonders die Honig-Senfkruste. Weniger überzeugten sie die karamellisierten Birnen-Stückchen. Karamellisieren muss nicht zwingend bedeuten, dass es süß schmeckt. Da war leider hier der Fall. Und warum man das alles noch mit Balsamico-Malereien aufhübschen muss, ich weiß es nicht. Erstes Fazit der Vorspeisen: Ganz ordentlich, irgendwo angesiedelt mit den Schulnote 2,5 bis 3. 

* Das Restaurant war inzwischen unübersehbar ordentlich gefüllt. Leider auch unüberhörbar. Der Service agierte etwas unkoordiniert und überfordert. Die Personaldecke arbeitet erkennbar am Limit. Es dauerte dann auch gute 45 Minuten, zwischen dem abräumen der Vorspeisenteller und dem servieren der Hauptgerichte. Dazwischen erhielten wir unsere Getränke, aber nur auf Anforderung. Dann endlich, nach einer gefühlten Stunde - die Hauptgerichte. Mein Filetsteak badete in einer viel zu dünnen Pfeffersauce. Die Fleischqualität überzeugte gänzlich, ebenso die auf den Punkt erreichte Garstufe. Dazu dekorative Rocula-Blättchen und wie bestellt, begleitende Pasta mit Sahnesauce. Alles ordentlich handwerklich zubereitet ohne Chi Chi. Wobei ich die ausgelobten "kulinarischen Köstlichkeiten" suchte, ohne fündig zu werden. - Mein lieber Schatz war mit dem Kalbsschnitzel (Saltimbocca a la Romana) relativ zufrieden. Sie merkte allerdings an, dass der verwendete Parmaschinken sehr salzlastig war, was dann zu einer leichten Überwürzung des Fleisches führte. - Fazit der Hauptgerichte: Schulnote 3. Was uns dann aber noch überraschte, war eine Schiefertafel mit Tagesgerichten. Diese hatte man uns nicht gezeigt. Sollte ich das jetzt reklamieren und was hätte ich davon ? Vielleicht ein sprachlose "Ach so". Nein wir neigen eher selten zu Reklamationen, es sei denn das Essen ist nicht genießbar. Aber das war hier nicht der Fall. Es war durchschnittlich mit dem ein oder anderen Lapsus. Zum Dessert hätten wir gerne noch etwas Formaggio mit frischem Brot verzehrt, anstatt etwas Süßes. Wir forderten nochmals die Karte an. Als diese dann nach 5 oder 10 Minuten nicht gebracht wurde, hatten wir keine Lust mehr. Auch nicht mehr auf einen Digestif und Espresso. Wir waren nicht richtig unzufrieden, aber auch ein Stück weit weg davon kulinarisch erfüllt worden zu sein. Schade, dass Haus gibt soviel her !

Fazit: Uns gefällt dieses Ambiente immer noch, eben weil man so etwas nicht so häufig antrifft. Dafür gute 4 Sterne. Das Essen beinhaltete Höhen und Tiefen. Manches war fast untadelig. Aber das ein oder andere hätte so nicht serviert werden dürfen. Daher gerade mal 3 Sterne dafür und vor allem weil das Haus eine höhere Erwartungshaltung weckt. Tja und der Service - leider nur 2 Sterne. Man stelle sich vor, dass Essen wäre vorzüglich gewesen, dann hätte man dem Service den ein oder anderen Schnitzer verziehen und der Gesamteindruck hätte sich noch positiv ergeben. Aber so ? Einiges stimmte eben nicht. Von daher auch als Gesamteindruck nur 3 Sterne, trotz des schönen Flair.

Man könnte aus diesem Haus noch mehr machen. Selbst die Küche lieferte gute Ansätze, die man noch sehr gut ausbauen könnte.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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