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GastroGuide-User: stekis
hat Tum Stüürmann in 25761 Büsum bewertet.
vor 7 Monaten
"Tum Stüürmann – traditionelles Hotel und Restaurant unter rockiger Leitung"
Verifiziert

Geschrieben am 18.12.2019
Besucht am 09.12.2019 2 Personen
Wir hatten für dieses Hotel ein Arrangement gebucht: Zwei Übernachtungen mit Frühstück und zweimal Abendessen als Dreigang-Menü. Schon in den Unterlagen zu diesem Arrangement war der Hotelier mit seinen zahlreichen Tattoos zu sehen. Er tauchte dann im November in einer Sendung über Büsumer Hotels auf N3 auf, vorgestellt als „der Älteste der jungen Büsumer Hoteliers“.



Bei unserer Ankunft war der Chef nicht im Hause, wir wurden von seinem Vertreter freundlich empfangen, der ebenfalls reichlich tätowiert war. Um es vorwegzunehmen: Das gesamte Personal, soweit wir es zu sehen bekamen, war mehr oder weniger reichlich tätowiert und trug teilweise einige Gramm Stahl im Gesicht. Dabei waren sie alle ausnahmslos sehr freundlich und zuvorkommend, das „Du“ gegenüber allen Gästen war Programm. Das aus dem Mund einer mir bis dato völlig unbekannten sehr jungen Bedienung, die problemlos meine Enkelin hätte sein können, war für mich schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Alle Mitarbeiter des Hauses waren mit einem einheitlichen T-Shirt bekleidet, das das Logo des Hauses zeigte:


 
Doch nun zum kulinarischen Teil. Wir hatten am ersten Abend für die zweite Schicht um 19:30 reserviert, was angesichts der zu diesem Zeitpunkt nur geringen Touristenzahlen in Büsum nicht wirklich nötig war. Eine Bedienung wies uns an den Tisch und brachte uns dann eine einlaminierte Karte, von der wir uns die versprochenen drei Gänge aussuchen konnten. Dann fragte sie nach unseren Getränkewünschen. Madame bestellte ein Mineralwasser Medium (0,25l für 2,30 €), ich ein großes Pils (Holsten 0,4l für 3,70 €).



Bei den Vorspeisen waren wir uns schnell einig, es sollte der kleine Salat sein. Beim Hauptgang wählte Madame „Rotbarsch in Käse-Ei-Hülle gebraten, dazu Spaghetti, Tomatensoße und Parmesan“. Ich hatte mir ziemlich schnell den „Matjes Hausfrau mit Apfel-Zwiebel-Schmand und Bratkartoffeln“ ausgesucht. Einigkeit herrschte wieder beim Nachtisch, es sollte die „Rote Grütze mit Sahne“ sein.



Nach nur wenigen Minuten Wartezeit brachte die Bedienung dann zwei Schüsseln mit Salat, die die Bezeichnung „klein“ doch nicht so ganz verdienten. Der Salat war schon deutlich mittelgroß, bestand aus verschiedenen Blattsalaten, Tomatenhälften und einem Bündel Rucola obenauf, das Ganze verziert mit einer selbstgerührten Cocktailsauce. Sehr frisch und sehr delikat, ein schöner Einstieg.

Bald nachdem die geleerten Salatschüsseln abgeräumt waren, brachte ein junger Kellner die Teller mit den Hauptgerichten. Bei Madame ein großer Präsentationsteller, in dessen Vertiefung sich eine ordentliche Portion Spaghetti mit Tomatensauce befand, darauf lagen zwei Stücke Fisch in Eihülle. Die waren auch nicht ganz klein und wurden von einem Häuflein anscheinend frisch gehobeltem Parmesan gekrönt.



Ich bekam einen flachen Teller, der vom Aufbau ungefähr gedrittelt wurde mit zwei schönen Matjesfilets, einer guten Portion Bratkartoffeln und dem Apfel-Zwiebel-Schmand, der „Hausfrauensauce“. Die war wirklich gut, das kann Madame auch nicht besser, und ihre ist im Kieler Raum schon bekannt. Die Bratkartoffeln hatten alle mindestens kleine Röststellen und waren gut mit Speck und Zwiebeln angerichtet. Und letztlich die Matjesfilets – ein Gedicht, zart wie Marzipan, etwas Besseres habe ich auch nicht im Hafenimbiss in Maasholm bekommen.



Madame war ebenfalls sehr zufrieden. Der Fisch war zwar nicht mehr glasig, aber Lichtjahre weit von „totgebraten“ entfernt, er schmeckte mit der Eihülle hervorragend (ich durfte wie üblich probieren).

Eigentlich waren wir schon satt, doch jetzt kam noch die Rote Grütze in einem Schälchen mit enormer Kapazität, darauf ein auch nicht kleiner Klecks Sahne – sehr lecker und eine große Portion, die Grütze offensichtlich selbst hergestellt, wir waren zum Schluss regelrecht genudelt.



Für den zweiten Abend hatten wir den Tisch in der ersten Schicht um 18:00 Uhr bestellt. Als wir um fünf Minuten nach 18:00 Uhr das Lokal betraten, waren schon etliche Tische besetzt, wir gingen in den Nebenraum zwei Stufen tiefer.
Die Karte war die gleiche wie am Vorabend, doch es werkelte erkennbar ein anderer Koch in der Küche. Die Salate fielen etwas kleiner aus als am Vorabend, waren aber trotzdem genauso gut.

Madame wählte als Hauptgang „Seelachsfilet auf gestovtem Weißkohl mit Drillingen“, ich hatte aber weder Lust auf den gestovten Weißkohl noch auf die Spaghetti zum Rotbarsch. So entschied ich mich für das simple „Schnitzel mit Pommes“.

Zwei Stücke mehliertes Fischfilet lagen auf dem Teller, der dann vor Madame hingestellt wurde, vier Kartoffeln in Schale, von denen mindestens eine keinesfalls die Größe eines Drillings hatte. Dazu ein Haufen Weißkohl, bei dem der Anteil der Mehlschwitze doch erfreulich zurückhaltend war.



Auf meinem Teller wurde gut eine Hälfte von einem Haufen Pommes frites eingenommen, daneben lag ein gut handgroßes Schnitzel, das zudem nicht flachgeklopft war, mit einer Zitronenschnitze obenauf. Die Pommes frites waren frisch, heiß und knusprig, das Schnitzel gut fingerdick, zart und saftig und mit sich eben ablösender Panierung. Simpel, aber gut gemacht.



Weniger zufrieden war Madame. Kohl und Kartoffeln waren gut und schmackhaft, aber der Fisch hatte deutlich zu lange Zeit in der Bratpfanne verbracht und war dementsprechend sehr fest, knapp an der Konsistenz einer Schuhsohle vorbei. Das wurde der Bedienung auch mitgeteilt, als die an den Tisch kam, um die Teller abzuräumen und sie dabei fragte, ob alles in Ordnung gewesen sei. Sie versprach dann, in der Küche Bescheid zu sagen.



Dann kam der nächste Hinweis auf den anderen Koch in der Küche: Die Sahnekleckse auf der Grütze waren deutlich kleiner als am Vortag, die Grütze selbst aber wieder sehr gut. Schließlich kam dann die Bedienung an den Tisch und bot uns als Kompensation für den missratenen Fisch einen Schnaps oder einen Espresso an, was wir gerne akzeptierten.

Fazit, auch nach den Blicken auf die Teller an den Nachbartischen, wo a la carte gegessen wurde: Im Stüürmann wird eine prinzipiell sehr gute, bürgerliche Küche gepflegt, ohne Überraschungen, aber deutlich schmackhaft und mit Portionen zum Sattwerden.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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