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GastroGuide-User: kgsbus
hat Lohninger in 60594 Frankfurt am Main bewertet.
vor 4 Jahren
"So kann österreichische Küche schmecken und dann macht sie Spaß ohne Ende"
Verifiziert

Geschrieben am 16.11.2015
Besucht am 15.11.2015
Im Großraum Frankfurt und Umgebung gibt es unzählige Speiselokale. Da fällt die Wahl nicht leicht. Aber wenn es ein Sonntag ist und ein Lunch werden soll, wird die Liste schon kürzer. Doch es bleiben noch genug Restaurants übrig.
                 
Innovative Elemente gepaart mit klassischer österreichischer Küche scheinen mir für ein Familienessen gerade recht: Wir buchten daher das „Lohninger“.
 
Die Referenzen klangen hoffnungsvoll:
 
Feinschmecker: 3,5 F (2015/16)
G&M: 17 (+1 für 2016)
Michelin: gelistet
 
Mario Lohninger entstammt einer Gastronomiefamilie: Der Großvater war Bäcker, der Vater ist Koch. Mario Lohninger wurde 2011 von Gault&Millau als Koch des Jahres ausgezeichnet. Bei Michelin hatte er einen Stern mit dem damaligen Lokal „silk“.
Der umtriebige Koch engagierte sich auch bei anderen Projekten wie „micro“ oder „Holbein´s“.
Heute arbeitet er wieder mit Vater Paul zusammen im „Stammhaus“ - im Stil einer österreichischen Gaststätte. Für Service und Weinauswahl ist Mutter Erika verantwortlich.
 
Ambiente 4*
 
Von außen sieht das Lokal recht bescheiden aus. Es liegt fast am Main und ist unter anderem von einigen Museen umgeben. Ein Eckhaus.
Innen ist das Restaurant gediegen eingerichtet. Die Tische stehen so, dass man von den Nachbarn wenig zu hören bekommt.
 
Sauberkeit 5 *
 
Die Räumlichkeiten sind vorbildlich gepflegt.
 
Sanitär 4 *
 
Hinter einer Schwingtür, die mich an einen Saloon erinnerte, befindet sich der Vorraum gemeinsam für Damen und Herren. Daneben sind dann die WC-Räume. Alles ist sauber und ordentlich und bietet genug Platz.
 
Service 5 *
 
Die jungen Damen und Herren beherrschen ihre Aufgaben. Ohne Eile oder Langsamkeit; sondern zügig, freundlich, fachlich geht alles über die Bühne. Jeder Wunsch wird erfüllt, keine Frage bleibt unbeantwortet.
 
Die Karte(n) 
 
Das Angebot ist sehr vielseitig: Menüs und À-la-carte-Gerichte stehen in der Karte verzeichnet.
 
Um Erfahrungen mit der Küche zu machen, erscheint mir ein Menü als Visitenkarte des Lokals am besten geeignet.
 
* Lohninger Mittagstisch - Chefmenü - 5 Gänge  - FÜNFUNDFÜNFZIG EURO
* Lohninger Abendtisch - Chefmenü - 6 Gänge - ACHTUNDACHTZIG EURO
* Radetzkymenü - besteht aus beiden Marktgerichten und Dessert - DREISSIG EURO
 
 
Die verkosteten Speisen 5
 
Wir bestellen also alle das Chefmenü in fünf Gängen. Es handelt sich um ein Überraschungsmenü. Aus den Klassikern der Karte werden die Gänge zusammengefügt. Wir waren fünf Personen und benannten unsere Unverträglichkeiten. Dies führte dann auch zu kleinen Änderungen bei einzelnen Tellern.
 
* Brot und Aufstrich
 
Zwei Sorten Brot und zwei Aufstriche wurden auf den Tisch gebracht. Das eine war dunkel, kräftig im Geschmack mit einer krossen leckeren Kruste. Das andere war eine Art Foccacia, denn es war hell, leicht fettig und hatte Kräuter auf der Oberfläche. Zum Bestreichen gab es Salzbutter und Olivengriebenschmalz.
 
Amuse
 
* Zitronen-Sorbet, Olivenöl, Mandeln
 
Das Eis hatte angenehme süß-saure Noten. Die Kugel schwamm in einem Olivenölsud und war mit gerösteten Mandeln bekrönt. Das kleine Gericht brachte mir einen frischen Geschmack in die Mundhöhle und bereitete den Gaumen auf die eigentlichen Gänge sehr gut vor.
 
* Marinierter Knollensellerie, Vogerlsalat, Granatapfel, Perigord-Trüffel-Remoulade
 
Die Selleriestücke waren weich und hatten noch den erdigen Geschmack, waren aber durch den Sud abgemildert und rund im Aroma. Der Feldsalat war frisch und knackig. Einige Stücke Rote Bete ergänzen die Wurzelgemüsen-Aromatik des Tellers. Die Remoulade gab dem Gericht weitere Geschmacksnuancen; sicher haben die Trüffelstückchen daran einen wichtigen Anteil.
Mir hat diese Vorspeise sehr zugesagt.
 
* Gegrillter Miso-Lachs, Shiitake-Pilze, Orangen-Ingwer-Marinade
 
Ich freue mich stets auf Fischgänge. Auch hier wurde ich nicht enttäuscht; nein, es war sogar ein Hochgenuss. Der Lachs war perfekt gewürzt und hatte eine schöne Krüste und innen war er hervorragend gegart. Die Lamellen lösten sich locker und waren angenehm glasig in der Konsistenz. Der Geschmack wurde durch die asiatischen Noten der weiteren Zutaten in eine für mich etwas ungewohnte aber delikate Richtung gelenkt. Die Kombination Orange-Ingwer schmeckte mir gut. So konnte mich auch dieser Gang überzeugen.
 
* Hochgebirgskäse-Ravioli "Kärntner Schlutzkrapfen", Birne, Haselnuss
 
Auf die Ravioli war ich äußerst gespannt. Zur Zeit bekommen ich fast in jedem Restaurant einige Exemplare dieser Pastaart serviert. Und ich muss sagen, heute waren es die besten der letzten Wochen. Davon hätte ich mehrere Portionen essen können (aber das wäre dann doch schade für die anderen Gänge gewesen). Der Teig hatte eine optimale Dicke, die Festigkeit war für mich ebenfalls gerade richtig. Die Käsefüllung zeigte Cremigkeit und Würze.
 
* K u K Ochsenbackerlgulasch, Buchweizenspätzle, Essiggemüse, Majoran 
 
Bäckchen stehen seit einigen Jahren auf vielen Speisekarten. Oft haben sie mir gar nicht zugesagt. Manchmal waren sie sogar auch für mich überraschend gut. Schon einen österreichischen Gulasch aus „normalen“ Rindfleischwürfeln finde ich fast immer lecker, weil er ein herrliches Schmorgericht darstellt. Es muss nicht immer ein Kurzbratgericht sein. Und es entsteht in der Regel eine herrliche Saft-Brühe.
Auch dieses Bäckchen fand meine Zustimmung. Die Sauce war herrlich sämig. Die Spätzle, die separat gereicht wurden, passten gut zum legierten Jus.
 
Für Menschen, die Paprika nicht vertragen, gab es als Alternative einen anderen Klassiker:
 
Wiener Schnitzel, Gurkensalat, Pinzgauer Preiselbeeren
 
Schmackhaft und vorbildlich (wie ich mir habe sagen lassen).
 
 
Pre Dessert
 
* Quitten-Tee, Zimtschaum
 
Vor dem Abschluss gab es ein Tässchen mit den pürierten Früchten als sämigem Getränk. Zimt ist nicht jedermanns Sache. Aber uns schmeckte diese Vorbereitung auf die Nachspeise.
 
* Lohningers Kaiserschmarn, Steirischer Royal Gala Apfelmus, Bourbon-Vanille-Eis
 
Drei Pfannen voll Schmarn wurden auf den Tisch gestellt. Das war eine Hausnummer! Dann folgten die Töpfchen mit Apfelmus. Zuletzt bekam jeder einen Teller mit dem Eis vor sich positioniert. Dann konnte jeder nach Herzenslust zulangen und sich mit den Köstlichkeiten versorgen. Der zerrupfte Pfannekuchen – da waren wir uns alle einig – war ungemein cremig und fluffig-locker zugleich. Ein Geschmackserlebnis eben. Das Apfelkompott passte natürlich wunderbar dazu. Und wer mag schon kein sahniges Vanille-Eis?
 
Getränke 
 
Sprudel – Pellegrino 0,75 l – 7,50 €
 
Doppelter Espresso – 6,00 €
 
Doppelter Espresso machiato – 6,50 €
 
Ott - Grüner Veltliner 2014 Fass 4 – 0,1l – 6,00 €
Wieninger - Chardonnay Select 2014 – 0,1l – 5,50 €
Kauer – Riesling trocken Felsenberg 2014 – 0,1l – 6,00 €
Tschida – Zweigelt Fuchsloch 2013 – 0,1l – 8,00 €
Tschida Sauvignon Blanc Beerenauslese 2010 0,05l – 8,00 €
 
Für die Weine muss ich das Haus ebenfalls loben. Jedes Glas passte zu den Speisen und war ein Genuss. Ott und Wieninger waren mir bekannt, die anderen Winzer konnte ich nun kennen lernen. Eine sehr erfreuliche Erfahrung bei Restaurantbesuchen.
 
Fazit
 
5 – unbedingt wieder; denn wir haben noch nicht die ganze Karte probieren können.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
 
Datum des Besuchs: 15.11.2015 – mittags – 5 Personen
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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