Landhaus Spatzenhof
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Süppelbach 11, 42929 Wermelskirchen
Restaurant Hotel Ausflugsziel
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GastroGuide-User: kgsbus
hat Landhaus Spatzenhof in 42929 Wermelskirchen bewertet.
vor 1 Jahr
"Ordentliches Essen in ansprechendem Ambiente"
Verifiziert

Geschrieben am 26.02.2018 | Aktualisiert am 26.02.2018
Besucht am 25.02.2018 Besuchszeit: Mittagessen 5 Personen Rechnungsbetrag: 382 EUR
Mein letzter Besuch hier ist schon einige Zeit her. Damals war Philipp Wolter noch der Küchenchef. Allerdings war der Michelin-Stern durch eine Änderung des Konzepts durch den Eigentümer des Hauses bereits verschwunden.
 
Bei Herrn Wolter habe ich auch mehrere Kochkurse mitgemacht und konnte dadurch seine Art Gerichte zu gestalten noch besser kennen lernen.
 
Sein damaliger Stellvertreter ist heute der Chefkoch. Damit ist eigentlich sichergestellt, dass das Potenzial vorhanden ist. Denn der Sous-Chef macht ja die eigentliche „Arbeit“ in der Küche, wenn man an Paul Bocuse denkt. Auf die Frage, wer denn koche, wenn er selbst gerade nicht da sei, sagte er: „Derselbe, der kocht, wenn ich da bin.“
 
Eigentlich wollte ich also schon früher dort wieder einmal einkehren; aber es hat sich nicht so recht ergeben.
Daher habe ich jetzt für einen Lunch mit der Familie einfach online reserviert.
 
Ambiente
 
Die Räumlichkeiten habe ich schon früher als sehr gelungen empfunden. Besonders gefällt mir, dass es hier so viele kleine „Zimmer“ gibt.
Heute waren wir in der „Büßerecke“. Genau dort haben sich bei meinem letzten Besuch einige GG-Mitglieder auch getroffen.
Der Raum ist nach Motiven aus dem Buch „Max und Moritz“ ausgestaltet.
 
Sauberkeit 
 
Alles ist gut gepflegt
 
Sanitär
 
Die Toiletten – im Keller gelegen – sind gut gepflegt und großzügig gestaltet.
 
Service
 
Ein junger Mann hat uns überwiegend betreut. Er hat das gut gemacht; denn er zeigte Freude an seiner Arbeit und hat vollen Einsatz bei der Getränkeversorgung an den Tag gelegt.
Beim Servieren der Speisen wurde er von weiteren Kräften unterstützt.
Der Service macht also eine gute Arbeit. 
 
Die Karte(n) 
 
Die Karte besteht aus drei Teilen: Klassiker, Kreativ Menü (3-Gang 55,00 €) und Empfehlung des Küchenchefs (3-Gang ab 62,00 €).
 
Eine interessante Wein- und Getränkekarte gehört ebenfalls zum Angebot.
 
Die verkosteten Speisen 
 
LANDHAUS-MENÜ
aus den Landhaus-Klassikern ein 3-Gang Menü wählen - € 45,00
 
Vorweg gab es einige kleine frische knackige Brötchen und Butter.
 
Dann wurde uns ein Gruß aus der Küche gereicht: Eine kleine Tasse mit einer cremigen Blumenkohlsuppe. Der Kohlgeschmack war am Gaumen gut zu spüren, wurde dann jedoch durch die Sahne in der Brühe abgeschwächt.
Ich habe mich über den kleinen Gruß auf jeden Fall gefreut.
 
Gebeizter Lachs ⏐ Limette ⏐ Koriandersaat ⏐ Reibekuchen ⏐ Kräuter-Crème-Fraîche ⏐ Blattsalate - € 12,00
 
Der Teller war - im Rückblick auf das ganze Menü - optisch eine gelungene Speise. Später waren die Gerichte teilweise etwas spartanischer gestaltet.
 
Die Lachsscheiben waren zu einer Rose zusammen gerollt worden und diese ruhte auf einem Salatnest in der Mitte: Neben etwas Frisée auch Lollo rosso und grüne Blätter. Angemacht mit einer leichten Sahnesauce nach Art des French Dressing.
 
Drei kleine Reibekuchen bilden eine Art Dreieck um das Salat-Nest herum. In den Zwischenräumen befanden sich drei Kräuter-Crème-Fraîche-Kugeln.
 
Mir haben die Reibeküchlein gut geschmeckt. Sie waren fein gewürzt, leicht angebraten und innen angenehm weich.
 
Der Räucherlachs war geschmacklich wie erwartet und passte sowohl zum Salat als auch zum Kartoffelpuffer.
 
Die rahmigen Kräuterkugeln waren recht mächtig durch ihren hohen Fettgehalt und brachten starke Aromen ins Spiel. Sie übertünchten für mich dabei aber eher die anderen Zutaten geschmacklich. Aber man muss sie ja nicht essen bzw. nur probieren.
 
Argentinisches Rumpsteak 200 Gramm ⏐ hausgemachte Pommes ⏐ Madagaskar-Pfeffer ⏐ knackiger Salat mit Sprossen - € 26,00
 
Auf dem Teller lag eine wirklich große Portion Pommes. Daneben wirkte das Fleisch in der Proportion etwas klein. Das wurde noch unterstützt, weil auf dem Teller noch Platz war und keine Dekoration das Bild „störte“. Aber es wirkte auf mich eher schnörkellos oder  spartanisch.
 
Dass Björn Westeppe auch filigran kann, habe ich bei der Eröffnung der Filiale von Früchte-Krings in Wermelskirchen gesehen und geschmeckt. Als er mit Spargel, Kresse und Sprossen kleine Kunstwerke produzierte, war das für mich sehr gelungen.
 
Zurück zum heutigen Hauptgang! Es mag dafür gute Gründe geben, den Teller an machen Stellen kahl zu lassen: So konnte man dort die Sauce bei Bedarf unterbringen, die in einer Extra-Schüssel gereicht wurde. Oder auch den Salat hinfügen, der ebenfalls separat gereicht wurde.
Dass diese beiden Komponenten also nicht auf dem Hauptteller lagen, war eine gute Lösung, so kann der Gast damit selbst umgehen.
Ich „hasse“ es – nebenbei gesagt-, wenn Saucen oder Dressings auf Tellern verlaufen und  Pommes aufweichen oder das Fleisch ertränken.
 
Am Fleisch war klassisch der Fettrand bzw. die Sehne nicht entfernt worden, sondern mitgebraten worden. Nach der Entfernung durch mich, sah das Fleischstück dann etwas kleiner aus. Aber es war immer noch eine ordentliche Menge, die durchaus angemessen war.
Der Kellner hatte uns vorab gefragt, wie das Steak sein sollte und wir hatten „medium“ oder „medium-rare“ gewünscht.
Es war dann bei allen fünf Stücken eher über dem gewünschten Punkt; etwas rosa war es aber schon noch.
Auf jeden Fall waren alle Steaks saftig und weich und angenehm im Geschmack.
Das habe ich bei argentinischem Fleisch schon oft beobachtet, dass es „kleine Sünden“ beim Braten nicht bestraft, sondern abmildert. Daher bin ich froh, dass viele Gasthäuser dieses Fleisch einkaufen. Es mag auch daran liegen, dass die Preise dafür eher nicht so hoch liegen. Aber einige Stücke aus USA oder Irland zum Beispiel werden schneller trocken und zäh bei zuviel Wärme.
 
Der Salat hatte einige Komponenten, die bei der Vorspeise schon vorkamen, aber dazu kamen noch einige Spinatblätter und eben saftige Sprossen. Das Dressing war auch nur leicht abgewandelt.
 
Die Sauce zum Fleisch war eine Pfeffer-Sahne-Sauce. Den besonderen Pfeffer habe ich kaum geschmeckt, weil wiederum die Sahne die Oberhand übernommen hatte. Sie war dadurch cremig und mild – aber sie war ja (Gott sei Dank) nicht auf dem Teller, sondern in einer Sauciere.
 
Die Pommes frites waren offensichtlich handgemacht. Schön dick, leicht kross außen und innen saftig und weich. Es gab von den leckeren Kartoffeln auch reichlich.
 
Französischer Rohmilchkäse vom Käse-Affineur Waltmann ⏐ Chili-Pfirsich Marmelade ⏐ Trauben ⏐ Orangensenf - klein / groß - € 9,00 / € 14,00
Petit Vinageais, St. Paulin Fermier, Soignon, Comte Reserve, Bleu de Gex, Munster
 
Rohmilchkäsesorten gehören zu meinen Lieblingsspeisen. An der Spitze der „Epoisses de Bourgogne“ bei den weichen Sorten. Der war nicht im Angebot. Aber auch die vorhandenen sechs Käse wollte ich gerne probieren. Waltmann gehört als Veredler auf jeden Fall zu den Lieferanten, die ich sehr schätze.
 
So habe ich die Käse-Happen mit großem Vergnügen als Extra-Gang zum Menü genommen – und auch im Nachhinein nicht bereut.
 
Es war eine schmackhafte und abwechslungsreiche Auswahl auf dem Teller – selbst „Munster“ hat mir zugesagt. Aber am besten haben mir der Ziegencamembert, der Comte und der Blaumilchkäse zugesagt.
 
Warmer Schokoladenkuchen ⏐ belgische Schokolade ⏐ eingelegte Pflaumen ⏐ Joghurt-Eis € - 12,00
Der warme Schokoladenkuchen hatte auch einen feinen flüssigen Kern und war tadellos zubereitet. Obenauf war Puderzucker gestreut. Die Pflaumen und deren Saft bedeckten den Teller, einige Kirschen waren auch noch dabei.
Das frische, cremige Eis hatte als Bekrönung das obligatorische Minzeblattpaar. Der Geschmack der Minze passte jedoch sehr gut zum Joghurteis. Unter dem Eis waren noch einige Plättchen aus Gebäck wohl wie grobe helle Erde verteilt.
 
Crème Brûlée von der Tonkabohne ⏐ Himbeersorbet ⏐ Minze - € 12,00
 
Sorbet je Kugel € 3,00
 
Eine Creme brulee und etwas vom Sorbet haben wir auch verkostet (als Teil unserer Menüs). Auch diese Nachspeise wurde durchaus gelobt.
 
Getränke 
 
Mineralwasser (0,75l) – 6,50 €
 
Monin-Bitter alkoholfrei mit Tonic-Wasser – 6,00 €
 
Negroni-Cocktail – 9,00 €
Der Aperitif war gut gemixt und erfrischend.
 
Sekt-Cocktail – 8,00 €
 
Weinbegleitung 0,15l – 21,00 € (drei Glas)
 
2014 Château Grand Jean Bordeaux Blanc (Sémillon-Sauvignon Blanc Blend)
Ordentlicher einfacher Weißwein, der vielleicht nach meinem Eindruck etwas zu sanft für Lachs und Reibekuchen war.
 
2013 Martin Waßmer Spätburgunder Schlatter Baden/Markgräflerland
Dieser feine Rotwein hat mir zugesagt. Er hatte seine Tannine sanft eingebunden, eine angenehme Säure und gereifte Würze.
 
2007 Carmes de Rieussec Sauternes (Zweitwein des Gutes) Cuvee aus Semillion 83%,
Muscadelle 9% und Sauvignon blanc 8%
Für mich ein guter Begleiter zu Käse.
 
2003 L'Etoile Banyuls Grand Cru, Languedoc-Roussillon, France
Halbsüß und leicht fruchtig passte er recht angenehm zum Schokoladenkuchen.
 
Saftbegleitung aus dem Hause van Nahmen 0,25l-Fläschen (3 Sorten) – 15,00 €

Rhabarber-Nektar

Weißer-Pfirsich-Nektar
Apfelsaft von der Streuobstwiese
 
Ich schätze die van Namen Apfelsäfte sehr. Die Streuobstwiese ist reiner Saft ohne Zusätze. Die Säfte nach reinen Apfelsorten finde ich besonders gelungen wie zum Beispiel Jonagold oder Elstar.

 
Plantation Rum Panama 2004 Vintage (0,02l) – 6,00 €
Der Rum wurde in Bourbon- und Cognacfässer veredelt und 2015 auf Flaschen gezogen. Die feinen Noten von Süße und Vanille rundeten das Menü angenehm ab.
 
Ron Quorhum QRM (0,02l) – 8,00 €
Dieser Rum kommt aus der Dominikanische Republik. Er reift im traditionellen Soleraverfahren in ehemaligen Bourbon-, Sherry- und Portweinfässern. Auch dieses Exemplar mundete mir. Beide Rum schmeckten schon unterschiedlich, aber ich könnte sie wohl kaum in einer Blindprobe auseinander halten.
 
Espresso – 2,50 €
Der Kaffee hatte relativ stark geröstete Bohnen als Grundlage.
 
Preis-Leistungs-Verhältnis
 
Die Zutaten der Speisen erscheinen mir ordentlich in der Qualität - aber auch nicht besonders kostenaufwendig im Einkauf (zum Beispiel Lachs oder argentinisches Rind). Somit denke ich, dass die Preise am Ende etwas zu hoch ausfallen. Ich trete dem Haus hoffentlich nicht zu nahe, wenn ich es zum Beispiel mit der Postschänke (BIP) in Odenthal vergleiche; dort kosten drei Gänge 35 Euro. Oder das Mittagsmenü im WeinAmRhein (1 Stern) fällt  für drei Gänge mit 22 Euro zu Buche. Auch maiBeck in Köln (1 Stern) nimmt nur 46 € für sogar vier Gänge.
Aber ich will mit diesen Überlegungen nicht die Leistung des Spatzenhofs schmälern oder deren Konzept in Frage stellen. Besonders die Getränke sehe ich auch wesentlich kundengünstiger kalkuliert. Und der Rohmilchkäse ist auch allemal den Preis wert.
 
Fazit
 
Ich tue mich schwer mit einer Gesamt-Bewertung: Die Getränke und der Käse haben mir auf jeden Fall zugesagt. Auch die Gerichte waren handwerklich gut gemacht und auch schmackhaft. Aber es fehlte mir etwas Raffinesse, etwas Überraschendes oder eine ansprechende Dekoration. Das Essen war also einfach zubereitet, mit wenigen Komponenten und schlicht arrangiert. Vielleicht eben bürgerlich deftig, sättigend und ohne Experimente.
 
Für mich: 3 – wenn es sich ergibt; für andere vielleicht auch „4“: Lage im Grünen, angenehmes Haus und ordentliches Essen.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
 
Datum des Besuchs: 25.02.2018 – Familienmenü mittags – 5 Personen
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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