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GastroGuide-User: kgsbus
hat JOSEPH'S in 50678 Köln bewertet.
vor 4 Jahren
"Die Küche hat uns zugesagt"
Verifiziert

Geschrieben am 11.08.2016 | Aktualisiert am 12.08.2016
Besucht am 10.08.2016 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 157 EUR
Mehrmals im Jahr treffe ich mich mit einem guten Bekannten zum gemeinsamen Schlemmen (und Quatschen). Meistens in Köln. Möglichst eine neue Adresse, die wir noch nicht begessen haben. Und gute Getränke sollten im Spiel sein! – Weil keine schöne Geschichte mit einem Salat beginnen kann.
 
außen

Die Wahl fiel diesmal auf das „Joseph's“. - Vielleicht gab ein Artikel vom 1. August 2016 im Stadtanzeiger über den neuen Chefkoch und die Philosophie des Hauses den Ausschlag für den Besuch.
 
Wie klappt wohl „locker und zwanglos“ als Konzept?
 
Jedenfalls werden die Zutaten, die Köche und der Service auf der Homepage wie folgt beschrieben: „Feinste Produkte sachkundig veredelt, ohne zu verfälschen. Ohne anstrengend zu sein. … Nach unserem Verständnis ist ein freundlicher, aufmerksamer und persönlicher Service der Schlüssel zu einem gelungenen Abend.“
 
Seit fünf Jahren wird das Lokal bereits betrieben und hat sich einen Namen mit vorwiegend süddeutschen und österreichischen Spezialitäten gemacht. Unter anderem zählte 2013 Helmut Gote deswegen das Lokal zu seinen Lieblingsrestaurants in Köln.
 
Aber im „Joseph's“ will man sich nun in Zukunft von der ausschließlichen Fokussierung auf diese Küche lösen. Man will sich auch für eine junge und mediterran angehauchte Küche öffnen.
 
Dafür soll (auch) der neue Küchenchef sorgen.
 
Sascha Kossmann wurde in Bilbao geboren, wuchs aber in Leverkusen auf. Er absolvierte seine Ausbildung im Hyatt Regency (Graugans) in Köln. Danach zog es ihn nach Spanien ins weltbekannte Restaurant El Bulli. Anschließend machte er zwei Jahre Station in der Schwarzwaldstube  in Baiersbronn und für ein Jahr im Fat Duck in London. Auch im Münchner Tantris war er tätig. Nur eine kurze Episode war ein eigenes Lokal in Leverkusen. Dann wurde er Küchenchef der „Brasserie La Vie“ im Mercure Hotel in Düsseldorf.
 
In Köln möchte er auf Sterneniveau kochen und strebt auch eine entsprechende Anerkennungen in Restaurantführern an.
 
Den Betreibern reicht eine gute Küche, sie wollen einen Stern nicht um jeden Preis. Eine widersprüchliche Aussage für mich; aber genau im Zeitgeist liegend: Kein Druck in der Küche und Lockerheit im Service; denn Michelin oder GaultMillau engen ja ein oder verschrecken Gäste - möglicherweise.
Nun ja, wenn das denn so ist! Ich bin da wohl in der Schublade „Old School“.
Doch am Ende zählt für mich nur, was auf dem Teller und im Glas ist.
 
Ambiente
 
Der Name „Joseph's“ hat wohl nichts mit Kaisernamen (Österreich) oder der Bibel (AT - Genesis) zu tun, sondern bezieht sich auf einen Hund, einen Dackel.
Dieses Tier ist überall gegenwärtig: Er schmückt das Firmen-Logo, die Speisenkarte und die Papier-Sets auf den Tischen.
 
Thekenbereich

Doch damit ist auch Ende der Romantik. Bei der Architektur ist Industrie- Design angesagt: Sicht- Beton-Pfeiler stehen im Raum und nackte Glühbirnen beleuchten die Bistro-Tische, die mit Gläsern, Brottellern und Stoffservietten eingedeckt sind.
 
Decke
 
An der Decke deuten Silo-Schüttvorrichtungen an, dass hier früher einmal ein Getreidespeicher war.
 
Weinregal
 
Europaletten dienen als Weinlager. Aber auch ein dunkler Fliesenboden und holzvertäfelte Nischen erzeugen eine noble Atmosphäre.
 
Teilraum
 
Ein Stil-Mix eben, der in New York seine Ursprünge hat und Weltflair nach Köln bringen soll.  
 
Teilansicht innen

Im Übrigen ist die Lage direkt am Rhein (mit Außenterrasse) wahnsinnig schön.
 
Sauberkeit 
 
Das Haus ist gut gepflegt.
 
Sanitär
 
Alles ist sauber und ordentlich. Doch gibt es keine besonderen Stücke oder architektonische Überraschungen; außer vielleicht das der Waschtisch in der Raummitte ist.
 
Handwaschbecken
 
Service
 
Für uns war eine junge Kellnerin zuständig. Sie war freundlich und kommunikativ. Sie konnte uns die Gerichte gut erklären und beraten. Beim Wein waren die Kenntnisse etwas geringer. Das Haus hat aber wohl einen Sommelier, der uns aber nicht aufgefallen ist oder nur abends vor Ort ist.
 
Die Karte(n) 
 
Der Ruf des Lokals gründete sich auf „Alpenküche“. Doch nun sollen auch andere Einflüsse zum Zuge kommen.
Die Karte weist also jetzt Klassiker und Zuckerbäckerei (Österreich) sowie  Vorspeisen, Suppen, Salate und Hauptspeisen (mediterran) aus dem erweiterten Angebot aus.
Auf einer Tafel werden noch die Tagesgerichte gezeigt.
Die Karte ist ein einfaches Blatt Papier auf einem Klemmbrett.
 
Die verkosteten Speisen 
 
Da wir gerne von vielen Gerichten probieren wollten, empfahl uns die Kellnerin, eine Vorspeisen-Etagere für vier Personen als Hauptgericht zu wählen (17 Euro pro Person – 68,00 €). Das war ein guter Tipp; denn sie war reichlich und abwechslungsreich gestaltet: Drei Etagen Fleisch, Fisch, Gemüse und eine Hähnchen-Platte.
 
Etagere
 
Backhendl
 
Vorweg wurde lediglich Weißbrot mit Olivenöl gereicht. Es war frisch und – Brot.
 
Brotscheiben und Öl
 
Dann kamen die vier Teller auf den Tisch und wir probierten uns durch.
 
Oben waren die Frikadellen und der Kartoffelsalat – auf der Karte heißt das: Kalbfleischpflanzerl, Kartoffel, Endivien-Salat.
 
Pflanzerl
 
Die Frikadellen waren locker und sanft gewürzt (zu Hause hätten wir Senf dazu probiert). Der Kartoffelsalat war sehr schmackhaft und schmeckte zusammen mit dem Salt ausgezeichnet.
 
In der Mitte waren die Bete untergebracht. In der Karte steht: Carpaccio „Gelbe und Rote Bete“, Ziegenfrischkäse-Törtchen, Himbeervinaigrette
 
Bete
 
Dieser „Gang“ war für mich wirklich gelungen. Zwar wird ja oft geschrieben, dass die „Mode“ Bete zu verarbeiten eigentlich zu Ende sei. Aber ich muss sagen, Gelbe Bete erfreuen mich noch. Die Küche hatte die Scheiben dünn geschnitten und genau richtig gegart mit leichtem Biss. Der Frischkäse war sehr sahnig und passte vorzüglich. Feldsalat und Blutampfer passten auch gut. Die Vinaigrette war für mich der Höhepunkt: fruchtig, süß und pikant im Aromenspiel. Ich hätte vielleicht die Himbeerkerne nicht in der Sauce gelassen.
 
Unten war ein asiatischer „Ausflug“. Die Karte verheißt: Sashimi und Tatar vom Yellow Fin Thunfisch, gebeizter Rettich, Avocadocreme, Zitronen-Minz-Vinaigrette
 
Thun
 
Wir finden, dass der Koch diese Linie ruhig weiter verfolgen kann. Der Thunfisch war herrlich mariniert und angenehm gewürzt. Die dünnen Rettichscheiben ergänzten mit der sanften Schärfe den Geschmack. Die verschiedenen Saucen ergaben feine Überraschungen im Mund. Die unterschiedlichen Blattsalate schmeckten mit den unterschiedlichen Marinaden ebenfalls.
 
Auf dem Extra-Teller waren die Bruststücke vom Hähnchen angeordnet. In der Kartensprache: Backhendl „Eifler Freilandhuhn“, grüner Kräuter Dip, Erdapfel/Vogerlsalat.
 
Hendl
 
Das Hähnchen war saftig im Fleisch und zart im Biss. Die Kruste war wirklich knusprig gelungen und wie eine Schutzschicht um die Brust gelegt. Sie bestand wohl aus Kürbismehl und groben Brotbröseln. Also auch ein gelungener Teil. Der Salat und der Dip rundeten den Gang ab.
 
Natürlich sollte der süße Abschluss nicht fehlen: Topfenschmarren mit Pflaumenröster (12 € pro Person)
 
Topfenschmarren
 
Wenn man so sagen darf, war es ein Kaiserschmarren aus cremigem, buttrigem Voll-Quark. Die Konsistenz ist fester als beim Eierkuchen, aber nicht unangenehm – ganz im Gegenteil. Der Geschmack ist intensiver. Auch Rosinen waren im Teig zu finden. Ummantelt waren die Stücke mit einer Karamell-Kruste. In einem Schälchen waren leicht geköchelte Pflaumenhälften mit Sternanis und Saft.
Ein mächtiger aber leckerer Abschluss.
 
Getränke 
 
Viel Wert wird auch auf die Getränke gelegt und ein Sommelier gehört auch zum Team. Aber auch Bier vom Fass ist kein Stilbruch, verkündet die Homepage.
 
Daher haben wir von den offenen Weinen drei probiert (zu den Weinen konnte der Service nur wenig aussagen). Die Weine waren gut temperiert aber es wurde nicht aus der Flasche eingeschenkt, sondern das volle Glas serviert.
 
Grüner Veltliner von Bründlmayer (0,15 l – 7,50 €)
Chardonnay Löwengang von Lageder (0,15 l – 12,50 €)
Auslese von Kracher (0,1 l – 4,90 €)
 
Der Veltliner passte gut zu den Speisen. Der Edelsüße war ebenso ein guter Begleiter der Nachspeise. Den „Löwengang“ haben wir eigentlich nur zum Vergnügen bestellt. Er war vielleicht noch zu jung, um seine Möglichkeiten voll zu zeigen. Ich habe vor einiger Zeit einmal einen gereiften Lageder verkostet und war sehr angetan.
 
Die Flasche Selters Classic kostet 7,70 €.
 
Fazit
 
4 – gerne wieder. Die Gerichte sind schmackhaft und nicht extravagant, sondern ehrlich und gut.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
 
Datum des Besuchs: 10.08.2016 – mittags – zwei Personen
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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