Luce d'Oro · Schloss Elmau
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In Elmau 2, 82494 Krün
Restaurant Hotel Sternerestaurant
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GastroGuide-User: Obacht!
hat Luce d'Oro · Schloss Elmau in 82494 Krün bewertet.
vor 4 Jahren
"Mein Geheimtipp für einen absolut außergewöhnlichen Abend"
Verifiziert

Geschrieben am 16.07.2015 | Aktualisiert am 16.07.2015
Besucht am 15.07.2015
Man fährt die schmale Mautstraße entlang, bis sich das Tal plötzlich weitet und einen großartigen Blick auf das Schloss Elmau freigibt. Prachtvoll liegt es in der Ferne, irgendwie der Zeit entrückt, und die Vorfreude steigt, je näher man heranfährt. Schnell noch die geschlungene Einfahrt hinauf und frech direkt vor dem Haupteingang geparkt.

Kaum haben wir das Auto verlassen, taucht auch schon der erste gute (Haus)Geist auf, begrüßt uns freundlich, nimmt uns den Autoschlüssel ab und führt uns hinein. Kurz ein Check, dann begleitet uns ein anderer Mitarbeiter zum Ziel unseres Abends: das Luce d’Oro. Auf dem Weg dorthin genießen wir diese einmalige Atmosphäre und den eigenwilligen Einrichtungsstil des Hauses. Wie sagte einst Coco Chanel? „Luxus ist nicht das Gegenteil von Armut, sondern von Gewöhnlichkeit.“

Das Feinschmeckerlokal liegt zwar im Untergeschoß, hat aber dennoch Fenster und eine Tür ins Freie, allerdings keine Terrasse und man guckt auf Gabione. Anhand des Fotos, das ich vom Nebentisch gemacht habe, kann sich jeder selbst einen Eindruck von diesem wohltuend schlicht eingerichtetem Raum verschaffen, der durch die goldenen Lampen eine besonders schöne Beleuchtung erfährt.

Noch bevor wir Wein- oder Speisekarten erhalten, erfrägt die junge Dame einen möglichen Aperitifwunsch und weiß hier auch gleich kompetent zu beraten. Zwei Gläser Frianciacorta brut (€ 13,--) sollen es sein und ein großes Mineralwasser (Gerolsteiner 0,75 l. € 8.50). Wie von Zauberhand steht auch schon hauchdünnes Knusperbrot sowie ein Brotzopf und zwei Schalen mit zweierlei Butter vor uns. Besonders nett finde ich die kleinen Karten, die auf einen Ständer gelehnt werden und verkünden, was es als nächstes zu essen gibt.

Uns erwartet jetzt nämlich die kulinarische Einstimmung:  Reh, Knäckebrot, Bete, Aprikose, Rucola, Sellerie, Himbeere, Reistee, Räucheraal, Eierstich, Sojabohne, Wasabi. All diese Köstlichkeiten sind in zwei Gläser und auf einer Schieferplatte verteilt. Der Reistee wird angegossen. Jede einzelne Komponente der Zutaten ist exzellent herausgearbeitet und bietet dem Gaumen einen vielversprechenden Eindruck von dem außergewöhnlichem Können der Küche.

Erst als die Teller abgeräumt werden und uns „nur“ noch der Rest des eiskalten Frianciacorta bleibt, werden die Speise- und Weinkarte gereicht, sowie eine Weinbegleitung zu den Menüs. Es gibt deren zwei. Ein 6 Gang und ein 7 Gang Menü, welche auch als 3, 4 oder 5 Gänge gewählt werden können.

Ich entscheide mich für das 2. Menü als Dreigang zu € 70,--, Schatzl das erste Menü als Viergang zu € 85,--. In der gut sortierten Weinkarte habe ich uns einen Rosato Toscana IGT, Castello die Ama, Gaiole in Chianti (€ 38,--) ausgesucht.

Als Amuse bouche gab es in einem tiefen Teller (aufgemerkt: der Tellerrand bestand aus lauter Löchern) Jakobsmuschel, Pfirsich, Eisenkraut, Artischocke. Ein Kunstwerk, fast zu schade zum essen.

Bei mir ging es mit Tomate, Muschel, Wiesenkräuter weiter: Tomate; Creme, mariniert, Mousse / Muschel: Vongole, Schwertmuschel / Wiesenkräuter: Fond, Frisch, Öl / Passe Pierre Algen, Focacciabrot.

Für Schatzl: Gänseleber, Rhabarber, Cru de Cacao: Gänseleber: Mousse / Rhabarber: eingelegt, Chip, Gel / Cru de Cacao: Creme, Crumble / Shiso Gelee, gebackener Brioche.

Nach angenehmer Pause folgt der Hauptgang. St. Pierre, Paprika, Kichererbse: St. Pierre; gebraten / Paprika: Sud, geschmortes Püree / Kicherebse: Hummus / Gurkenröllchen, Joghurt Dip …..Schatzl freut sich auf ein Irisches Short Rib, Erbse, Süßkartoffel: Irisches Short Rib: gepökelt und geschmort, BBQ Jus / Erbse: Püree, gepuhlt, Erbsenspargel / Süßkartoffel:  gebratene Taler, Chip, Relish / Johannisbeere, Sour Creme.

Für andere mag Fisch und Fleisch das Highlight eines Menüs sein, meine Stunde schlägt jetzt. Auf dem Kärtchen vor mir steht nun Pre Dessert: Holunder, Karamell, Karotte. In einem bauchigen Glas bettet sich auf einem Granité aus Holunder (der mit einem Schlückchen Champagner angegossen wird) ein kleines Küchlein mit frittierten Karotten und davor liegt auf den ersten Blick völlig harmlos ein Karamelleis-Lolli, der mich als Dessert-Junkie in den siebten Himmel katapultiert.

Und wie schön, daß noch was Süßes folgen wird. Leider mit Pause, denn Schatzls Zusatzgang ist eine Käseauswahl vom Wagen:  Man dürfte wahrscheinlich von der gesamten Auswahl nehmen, aber Schatzl entscheidet sich für vier besonders verlockende Vertreter der französischen Käsezunft, dazu wird Chutney von Aprikosen- und Stachelbeeren gereicht.

Ich warte auf Kirsche, Roggen, Schwedenmilch: Kirsche: Sorbet, Gel, Mousse Kirsche, Ragout / Roggen: Keks, Milchreis / Schwedenmilch: Mousse, geeiste Perlen, und Schatzl wird eine Maulwurfshügel vor die Nase gestellt: Waldbeeren: Parfait mit Kern, frische Früchte, Erdbeergelee / Buckelwiesentee: Espuma, Gel / Grüner Spargel: mariniert / Schokoladencrumble, Weizengras Blüten.

Keine Frage, auch diese Kreation ist in Vollendung zubereitet, wobei ich Milchreis eher zum Frühstück essen würde, aber in Erinnerung an den unverschämt guten Karamell-Lolli ist eine Steigerung der Begeisterung einfach nicht mehr möglich.

Beenden wir das schöne Essen mit zwei Espressi (war im Preis inbegriffen). Gibt es hier vielleicht noch kleine Nettigkeiten aus der Pâtisserie dazu?? Ja, aber wie spektakulär ist das denn?! Auf einer kleinen Wäscheleine aufgehängt baumeln da die Süßigkeiten, und unter der „Leine“ ein Potpourri der feinsten Leckereien.

Zu unserer großen Freude fand der Küchenchef, Mario Paecke, den Weg an unseren Tisch und fragte nach unserer Zufriedenheit. Sehr sympathisch und bescheiden und bei all dem Können und Wissen noch so jung. Großer Respekt!!

Ich verliere hier kein Wort über Sauberkeit, außerdem ist das Restaurant auch für Gäste mit Handycap geeignet, weil Aufzug.

Fazit: Man muß es erlebt haben, weil es selbst für mich schwer in Worte zu fassen ist. Es ist ja nicht nur das perfekte Essen, das gibt es ab und an woanders auch, nicht nur das erstklassig geschulte Personal (JEDER mit natürlicher Freundlichkeit ausgestattet), nicht nur das ausgezeichnete PLV, nein, es ist dieser Zauber, der einen unwillkürlich einfängt, wenn man dieses märchenhafte Schloß betritt.

Der Hausherr erhält dieses einzigartiges Flair dadurch, daß das Schloß nur für Hotelgäste geöffnet ist. Man kann also nicht einfach mal so auf einen Kaffee und Kuchen vorbeikommen. Das erklärt auch, warum es sich hier im Landkreis noch nicht herumgesprochen hat, daß man im Luce d’ Oro auch als Nicht-Hotelgast einen Tisch reservieren kann, vorausgesetzt, die Hotelgäste haben nicht alle Tische in Beschlag genommen.

Und zum guten Schluß: das Restaurant ist mit einem Stern absolut unterbewertet!! Liegt das Schloß für die Tester zu abgelegen? Man weiß es nicht. Der zweite Stern ist auf alle Fälle überfällig!
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DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


kgsbus und 29 andere finden diese Bewertung hilfreich.

gourmailer und 30 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.