Berghof Weinäcker
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In den Weinäckern, 69251 Gaiberg
Restaurant Landgasthof Biergarten
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GastroGuide-User: Gast im Haus
hat Berghof Weinäcker in 69251 Gaiberg bewertet.
vor 1 Jahr
"Lecker essen - ein guter Platz für einen Familienausflug"
Verifiziert

Geschrieben am 01.04.2018 | Aktualisiert am 01.04.2018
Besucht am 30.03.2018 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 38 EUR
Mein Sohn lädt mich am Karfreitag zum Essen ein – er ist Stroh- ich ohne Stroh. Wir hatten beide keine Lust auf das alljährlich zwar sehr gute „Karfreitagsfischessen“ vom Anglerverein – Zanderfilet in einer wirklich guten Panade, die das Geheimrezept des Mitglieds ist, der sie ansetzt.  Aber dieses Jahr, nein, da die Nachfrage immer immens hoch ist, müsste man zu einer Zeit Mittag essen, zu der wir sonst gerade das Frühstück beenden.

Also auf und Neues entdeckt. Das Wetter bedeckt, nicht eiskalt trotz frostiger Nacht und Betrieb auf den Straßen. Mein Sohn schlägt den Berghof Weinäcker in Gaiberg vor (Heidelberg ist der unbedeutende Gemeindenachbar) – die Internetseite sieht gut aus- beschreibt einen Wirtschaftsbetrieb auf einem Bauernhof, der nicht auf Viehzucht oder Ackerbau spezialisiert ist, sondern mit einer Vielzahl verschiedener Tiere und Pferdepension die Vorstellungen städtischer Familien vom Landleben erfüllt.So reserviere ich vorsorglich zur Öffnungszeit um 15:00 Uhr für 2 Personen.

Die Anfahrt über Leimen klappt trotz Sonntagsfahrern voraus perfekt – Parkplätze im Hof direkt vor dem Haus, sind wir ganz pünktlich dort. Ein junger Mann begrüßt uns freundlich und führt uns zum reservierten Tisch im Wintergarten. Auf dem befinden sich zwei Papiertischsets, bunt geblümte Papierservietten, Gabel und Messer, sowie eine große, doppelseitige Himalaja-Salz/Bunter-Pfeffer-Mühle. Wir erhalten kurz darauf die Speisekarten (siehe http://www.berghof-gaiberg.de/) und haben dann Zeit uns ausführlich damit zu beschäftigen.
 
So nett wir platziert wurden, irgendwie ist die dann für uns im Service zuständige junge Dame noch nicht warm gelaufen. Mein Sohn wusste bereits vorab, dass es das 3 Wochen Dry Aged Rumpsteak mit einem Rohgewicht von ca. 220 g vom Grill mit sautierten Kirschtomaten,  Kräuterbutter und frischen Schmorzwiebeln zu 19.80 € und dazu Bratkartoffeln sein sollen. Mich lockte die auf der Tafel angebotene geschmorte Lamm-Stelze mit Thymiansoße, Zucchini-Paprika-Gemüse mit Bärlauch-Schupfnudeln zu 19,50€  (vlg dazu den Facebook Eintrag vom Berghof-Weinäcker  vom 28. März um 17:09 zum Karfreitag :18,50€) – nur ist die offensichtlich nicht im Handgerät der jungen Dame zu finden – kurze Rücksprache dazu mit Ihrem Kollegen –dann können wir bestellen. Zur unserer Wahl kommen noch ein großer Spezi und ein Rharbarersaftschorle- je 0,5l zu jeweils 4,60€.
 
Die Getränke kommen schnell – schön, dass es diese Halblitergläser überhaupt noch wo gibt, so klammheimlich haben sich ja überall 0,4l und ja, sogar 0,3l als „großes“ verbreitet – indirekte Preiserhöhung – hier zwar saftige 4,60€ aber halber Liter.
 
Unsere Speise dauern etwas. Doch dann kommen Rumpsteak und auch meine Lammstelze zeitgleeich an den Tisch. Beide Gerichte haben ein spezielles Messer mit auf dem Teller. Optisch schon mal imposant (Steigerungsformen unterlass ich mal) das Zucchini-Paprikagemüse sieht derart verlockend und frisch aus – ich meine das könnte TK-Ware sein, betrachte ich die halbierten kleinen Zucchini-Scheiben, die fast roh wirken, die aber auf den Punkt gegart sind. In der Mitte liegt die mächtige Stelze, rechts davon etwas künstlich wirkend die knallgrünen Bärlauch-Schupfnudeln, die im ersten flüchtigen Überblick in ihrer Gleichförmigkeit zunächst wie Erbsenschoten wirkten. Unter der Stelze etwas braune Soße – für mich genau die richtige Menge – kein Soßen-Pool wie oft in badisch-württembergischen Wirtschaften (früher) von Gästen gefordert. Thymian dürfte dran sein, hebt sich aber nicht deutlich heraus. Ein vorsichtiger Schnitt in die Stelze – Butter ist da fast fester- das Fleisch ist richtig zart - aber nicht schwabbelig oder labbrig wie manchmal bei Lamm. Der volle Geschmack zarten Lamms füllt den Mund, gutes zartes saftiges Fleisch, bei dem man die gute Zucht wirklich schmeckt. Das Gemüse ist knackig aber nicht hart, die Mischung ist zart gesalzen, könnte durchaus eine etwas stärkere Würzung vertragen, aber es ist nicht fade. Die Schupfnudeln sind wohl Industrieware – in Gleichförmigkeit und Konsistenz lässt mich das durchgängige Grün fast einen Bärlauchschock erwarten (wer schon mal eine tatsächlich frische Bärlauchsuppe kosten durfte kennt den starken Geschmack der Blätter) – der aber bleibt völlig aus –gerade eine leichte Note nicht aufdringlich, doch schmeckbar, kein unangenehmer Knofipowergeschmack bleibt im Mund, doch ein Hauch Bärlauch würzt den folgenden Lammbissen. Sehr gelungene Kombi habe ich da auf dem Teller. Die Größe und Qualität der Stelze rechtfertigt den Preis, die Beilagen passen.
Mir gegenüber hat mein Sohn das Rumpsteak – mit Zwiebeln und Kräuterbutter hatte mein Sohn gewählt, als es um die Auswahl von / oder  ging, was anstandslos ging. Die Bratkartoffeln wirken etwas blass – doch ich darf probieren, eine hervorragende Kartoffel ist da mit wenig Fett und wenig Salz gebraten worden, das entwickelt einen sehr guten Kartoffelgeschmack – und nicht so nach „Bratkartoffeln“ wie man es gewohnt ist. Fünf Cocktailtomaten wurden geschmort auf dem Teller drapiert- dazu fritierte Möhrenjulienne - unter einem Berg Schmorzwiebeln findet sich das gut geschnittene Steak – es wäre ein toller Teller, hätte man nicht das Balsamico-Geschmiere da auf den Teller platziert – völlig unnötig, völlig unsinnig – völlig daneben. Doch das ist nicht die Hauptsache. Hauptsache das Steak passt – der Anschnitt zeigt perfektes Medium – und mein Sohn schwärmt von der Qualität des Steakfleischs. Die drei Wochen ablagern als „Dry aged“ zu deklarieren soll vermutlich besonders aufwertend wirken, das zeitgenössische Marketing-Sonder-Etikett hätte das Fleisch nicht nötig – (ein gutes Rindfleisch sollte nach dem Schlachten diese Zeit zum Reifen bekommen- wie früher beim guten Metzger allgemein üblich – aber bekanntlich ist Zeit ja Geld, da muss alles fix gehen).
 
Wir haben angenehm lange Zeit zum Essen, bevor sich der Service wieder meldet, der an den Tischen nebenbei wohl für eine größere Gesellschaft eindeckt.  Das Rhabarbersaftschorle ist erfreulicher Weise nicht übertrieben gezuckert oder mit zu hohem Saftanteil – dadurch sehr erfrischend. Die junge Servicedame kommt, fragt, ob alles okay war und ob sie abdecken könne – mein Sohn verschwindet kurz um die Rechnung zu zahlen – und ich schwelge wohlig gesättigt aber nicht „überfüllt“ in Gedanken an die zarte Lammstelze.
 
Fazit des Besuchs: 4 - nach Küchenreise sehr gerne wieder. Bodenständige Küche mit guter Fleischqualität.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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