Zurück zu Restaurant "Brust oder Keule"
GastroGuide-User: Carsten1972
hat Restaurant "Brust oder Keule" in 48149 Münster bewertet.
vor 4 Jahren
"Münsters kulinarische Oberklasse"
Verifiziert

Geschrieben am 25.01.2016 | Aktualisiert am 25.01.2016
Besucht am 23.01.2016
Mittwoch hatten wir in Recke ein PreisLeistungsVerhältnis Erlebnis der sehr freudigen Art! Samstagabend wusste ich schon vorher, der Restaurantbesuch würde monetär etwas aufwendiger werden. Aber wie immer der Reihe nach. Meine Frau und ich mussten ein Weihnachtsgeschenk einlösen. Der „gute Geist“ unseres Hauses, Melli, hatte wieder einmal sehr viel unbezahlte Extraarbeit für uns geleistet, vor allen Dingen „house keeping“ während unserer Urlaube, und dies führte dazu, dass wir Melli zu Weihnachten eine Einladung zu einem Menü in einem Restaurant der gehobenen Klasse schenkten, um unsere „Schuld“ ein wenig wieder auszugleichen.

Wir überlegten lange, wohin wir mit ihr gehen könnten, und kamen dann zu dem Schluss, mal wieder nach längerer Zeit in das Restaurant „Brust oder Keule“ zu gehen. Interessanterweise hat dieses Restaurant trotz seiner Qualität und Beliebtheit (es ist quasi unmöglich, ohne Reservierung dort zu speisen) noch keinen Eingang in die beiden großen Gastroführer erhalten. Ich persönlich genieße neben der guten Küche im „BoK“ vor allen Dingen eine spektakulär gut sortierte Weinkarte, die das Herz jedes Weinliebhabers höher schlagen lässt (und leider auch ganz schön ins Geld gehen kann).

Meine Frau hatte mit 3 Wochen Vorlauf einen Tisch für den 23.01. ergattert. Und so holten wir Melli ab und fuhren mit ihr per Bahn nach Münster. Vom Bahnhof ins Kreuzviertel von Münster nimmt man dann besser, wenn die beiden Damen sich mit höheren Absätzen für den Abend präpariert haben, ein Taxi.

Das Restaurant liegt in einem Eckhaus zwischen Melchersstraße und Finkenstraße im Souterrain, man betritt das Restaurant über eine „Kellertreppe“ und gelangt von dort in den Gastraum. Für Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer dürfte es problematisch werden, zumindest habe ich keinen behindertengerechten Zugang erblicken können.
Der Gastraum selber ist in warmen Tönen gehalten, und strahlt eine große Behaglichkeit aus. Den Weinfreund erfreut eine große, mit hunderten von Weinflaschen vollgestellte Theke. Der Weinkeller ist der Gastraum. Die Vorräte sind über den Thekenbereich und den Flur zu den Toiletten gestapelt, und es sind wirklich viele Flaschen und Kartons. Ich könnte wahrscheinlich einen Abend ohne Langeweile damit verbringen, mich durch alle Flaschen und Kartons zu wühlen. Ich frage mich, wie der Service und der Chef (verantwortlich für die angebotenen Weine den Überblick) behält.

Wir wurden begrüßt und unsere Garderobe wurde in Empfang genommen, dann leitete uns eine junge, sehr freundliche Dame zum Tisch. Im vorderen Bereich des Gastraums gibt es einen langen Tisch für 12 bis 14 Personen, im hinteren Bereich, durch eingezogene Raumteiler durchbrochen, bestimmen 2 und 4 Personen Tische den Raum. Meine Frau hatte bei der Reservierung einen der letzten Plätze erhalten, bei der Reservierung fragte man, ob es okay sei, das wir zu dritt an einem Ende des großen Tisches Platz nehmen würden. Wir hatten nichts dagegen, im Gegenteil, so konnten wir uns zu dritt um das eine Tischende gruppieren und hatten einen schönen Sitzplatz.
Wir konsultierten noch die Karten, aber es stand sehr schnell fest, dass wir das Menü wie angeboten ordern würden. Dazu dürfte ich zu meiner Freude den Wein ordern. Es wird eine Weinbegleitung angeboten, aber ich hatte schon vorher auf der HP gestöbert und wollte Weine der Karte als Flaschenweine testen. Zu den erwählten Weinen nach dem Menü noch mehr Informationen.

Das Menü:
Hausaperitif: Rieslingsekt von Bürgermeister Willi Schweinhardt, Nahe mit Drambuie und Limette, dazu als Gruß der Küche ein Stück Merguez mit einem Weizensalat. Die scharfe, würzige Merguez passte gut zum milden Getreidesalat. Die Körner erinnerten entfernt an Graupen. Zusätzlich servierte der Service hausgebackenes Brot mit Buttervariationen.

Bretonische Makrele mit Sesam-Mousse und fermentiertem Rosenkohl war der erste Gang in unserem Menü. Das Makrelenfilet war mit Haut roh serviert und wurde auf der Hautseite vor dem servieren nur ganz kurz flambiert von außen. Diese fast rohe Zubereitung war sehr gut, ich bin nicht sicher, ob der Fisch vorher noch kurz in irgendeiner Art mariniert oder gewürzt wurde, er schmeckte sehr frisch. Der Rosenkohl war eine geschmackliche Überraschung, Rosenkohl in Sauerkrautart, so schmeckte er auch, er hatte bei festem Biss eine säuerliche Note, das paßte aber in der Dosierung gut zum Fisch.

Der zweite Gang war eine Maronenschaumsuppe mit geschmortem Lauch und gebackenen Wan-Tan von der Ente. Das war eine typische „Keschdesupp“, ich mag das Aroma, aber die Konsistenz finde ich immer noch etwas befremdlich mit deutlich wahrnehmbaren mehligen Anteilen der pürierten Kastanien. Die Tasche war schmackhaft! Eine gut abgeschmeckte Suppe.

Entrecôte vom Kalb mit Selleriepüree, gebratenen Mandelpilzen und Senfkohl war der mittlere Hauptgang. Das Kalbfleisch war mir persönlich schon fast zu sanft und zart. Ich ziehe ein gut gereiftes Stück Rindfleisch mit Eigengeschmack Kalb vor. Handwerklich war es aber perfekt zubereitet. Das Püree gut, der Senfkohl schmackhaft. Eine geschmackliche Neuheit für mich die Mandelpilze. Den Namen des Pilzes erfragte ich nach dem servieren, nachdem ich über den wirklich vorhandenen Mandelgeschmack „gestolpert“ war. Lecker!

Munster mit eingeweckten Stachelbeeren als 4. Gang. Die sehr sauren Stachelbeeren passten hervorragend in ihrer herben Fruchtigkeit zum Munsterkas.

Kaffeeparfait mit Butterkeks, Kaffeecrème und Blutorangen. Mit einem Wort, gut! Mich verlocken Desserts ja meist eher durch ihre Optik, denn durch die Lust süßes zu essen.

Zwischenfazit Essen: Für den aufgerufenen Menüpreis von 65,- EUR eine gute Leistung. Der Aperitif ging für 7,50 EUR extra. Mit den Speisen waren wir alle drei sehr zufrieden.

Zu den Weinen:
Wir begannen die ersten Gänge mit einem 2011 Riesling „Graacher Domprobst“ Spätlese trocken vom Weingut Markus Molitor in Bernkastel-Wehlen.
Es folgte eine Flasche von Philip Kuhn aus der Pfalz: 2009 Spätburgunder „Vom Kalksteinfels" trocken
Zum Dessert noch Süßwein, eine Beerenauslese aus Rheinhessen von 2003, leider weiß in den Winzer nicht mehr.
Und weil wir so schön zusammen saßen und einen wundervollen Abend hatten und noch keine Lust verspürten, den Abend im BoK zu beenden nahmen wir noch eine Grauburgunder vom WG Theo Minges aus der Pfalz: 2012 Grauburgunder „Muschelkalk“ Spätlese VDP Gutswein

Wir genossen hervorragende Weine, die allerdings ihren Preis hatten. Alles in allem zahlten wir 175 EUR für Weine und sonstige Getränke. Aber es war den Preis wert. Mehr hätten wir allerdings auch nicht geschafft, meine beiden Begleiterinnen waren in erheitertem Zustand nach dem leeren aller Weinflaschen.

Der Service agierte perfekt über den Abend. Betreuung der Gäste, Kenntnis der Speisen und Getränke, zeitgenaues servieren von Gängen, nachfüllen der Gläser, alles ohne Fehl und Tadel. Eine Freude nach einigen Ausfällen in den letzten Wochen in anderen Restaurants, die auch in der "Oberliga" spielen wollen.

Alle einsehbaren Bereiche präsentierten sich sauber und gepflegt.

Das BoK gehört ganz sicher zu den besten kulinarischen Adressen in Münster und ist immer einen Ausflug ins Kreuzviertel wert! Wenn man rechtzeitig reserviert! Wir kommen ganz sicher wieder.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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