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GastroGuide-User: kgsbus
hat Em Altertümche in 50670 Köln bewertet.
vor 1 Monat
"Kneipe mit Charme"

Geschrieben am 06.06.2019
Unseren kleinen Stadtrundgang setzen wir – mein Kumpel und ich – durch die Neustadt Nord vom Agnes-Viertel aus weiter fort.
Zuerst gingen wir über die Balthasarstraße zur Kasparstraße vorbei an „Metzger & Marie“ (ein Restaurant mit deftiger deutscher und österreichischer Küche). Dort habe ich einmal ein Jahr gewohnt.
Dann zog es uns zur Krefelder Straße. Dort machten wir einen Stopp an der katholischen Kirche St. Gertrud. Den Niedergang der Volkskirchen läuft einher mit dem Verschwinden der Volksparteien. Es gibt immer weniger Priester und daher werden die Gemeinden von der Quadratmeterzahl immer größer. Hier gehören vier Kirchen zu einer Gemeinde: St. Agnes (die zweitgrößte Kirche in Köln), Sankt Kunibert und Sankt Ursula (zwei große romanische Kirchen im Rang einer Basilika minor) und die kleine St. Gertrud-Kirche. Von Gottfried Böhm erbaut. Dieser moderne Bau wurde im Rahmen der Zusammenlegungen ganz als Pfarrkirche „aufgegeben“; denn es ist ein Ort von „kirche und kultur“ geworden. Sie ist ganz ausgeräumt (also keine Bänke oder Einrichtungsstücke außer Altar und Taufstein). Sicher ist dadurch die Akustik eine besondere. Lautes Sprechen oder Singen führen zu einem Gemisch aus Ton und Hall, das durchaus erstaunliche Klangerlebnisse erzeugt. Aber es zeigt auch, dass wenig Menschen in diesem neu gebildeten Innenstadt-Bereich die Kirchen zu Gottesdiensten aufsuchen: Messen finden kaum statt, die Kirchen sind eher Museen. Aber beim Verhalten der Kirchenoberen auch kein Wunder.

Neben der Kirche sind auf der Krefelder Straße aber auch „Tempel“ der Esskultur zu finden. Zuerst passierten wir die „Baustelle“ vom neuen Lokal von Eric Werner. Es soll „astrein“ heißen und im August 2019 eröffnen. Ich erwarte von diesem ehemaligen Sternekoch schon etwas, wie soll er sich sonst behaupten?
Nur ein paar Meter weiter liegt nämlich das höchst dekorierte Restaurant der Stadt: „Le Moissonnier“.

Wir bogen aber über die Maybachstraße in die Ritterstraße zum Gasthaus „Em Altertümche“.

Ambiente

Das Bier- und Speisehaus ist wirklich noch ein Relikt aus der Zeit der Eckkneipen. Es gibt noch eine Kegelbahn. Draußen vor dem Haus gibt es einige Freiluftplätze. Im Inneren gibt es einen Saal für 50 Gäste (Familienfeiern etc.) und eben den „normalen“ Gastraum.
Die Einrichtung ist recht einfach. An vielen Ecken stehen Einrichtungsstücke herum. Das sah für mich ungeordnet aus, hat aber sicher für die Gastleute einen Sinn.
Im vorderen Bereich waren alle Tische reserviert und es kam dann eine große Gruppe von Damen im besten Alter, die sicher einen Ausflug machten und hier nun ihr „Nachtmahl“ verzehrten.

Sauberkeit 

Alles war ordentlich gepfelgt.

Sanitär

Die Toiletten waren leider wieder einmal im Keller.

Service

Der Wirt und die jungen Damen waren freundlich und versorgten uns mit Kölsch – auch wenn wir keine großen Speisen orderten.

Die Karte(n)

Es gibt eine Tageskarte mit günstigen Preisen und eine Abendkarte mit bürgerlicher Küche.

Die verkosteten Speisen 

Wir haben nur „Halver Hahn“ (4,50 €) für den kleinen Hunger bestellt.

Der Teller war klassisch hergerichtet: eine dicke Scheibe mittelalter Gouda, ein halbes Röggelchen, etwas Butter, Zwiebelringe, ein paar frische Salatblätter und ein Tütchen mit Senf (Löwensenf – aus Düsseldorf!).
Das passte zum Kölsch und birgt keine Überraschungen.

Getränke

Hier gibt es das herbe Gaffel Kölsch zu einem Preis von 1,60 € für die normale Stange (im Gaffel am Dom kostet das gleiche Getränk schon 1,80 €).

Fazit

4 – gerne wieder. Man muss sich die Zeit nehmen gelegentlich in solche herrlichen alten Kneipen zu gehen. Das macht aber nur Spaß in geselliger Runde.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Meine Liste Kölscher Kneipen (vorrangig das Ambiente, weniger das Bier):

1. Schreckenskammer (bei St. Ursula -Schreckenskammer Kölsch – gebraut bei Früh)
2. Sünner im Walfisch (Sünner Kölsch Kalk)
3. Päffgen (Friesenplatz) (Päffgen Kölsch)
4. Malzmühle (Heumarkt Mühlen Kölsch)
5. Bierhaus am Rhein (Delfter Haus – Päffgen Kölsch)
6. Lommerzheim (Deutz - Päffgen)
7. Peters Brauhaus (Altstadt – Peters Kölsch – Teil von Haus Kölscher Brautradition – gebraut bei Gilden in Mülheim, jetzt bei Früh)
8. Em Scheffge (Reissdorf Kölsch)
9. Max Stark (Päffgen Kölsch)
10.Severin (Dom Kölsch – Teil von Haus Kölscher Brautradition – gebraut bei Gilden in Mülheim, jetzt bei Früh))
11.Brauhaus Pütz (Mühlen Kölsch)
12. Brauhaus Stüsser (Agnes-Viertel – Sion Kölsch – Teil von Haus Kölscher Brautradition – gebraut bei Gilden in Mülheim, jetzt bei Früh)
13. Em Altertümche (Hansaring - Gaffel Kölsch)
14.Gilden im Zims (Gilden Kölsch – Teil von Haus Kölscher Brautradition – gebraut bei Gilden in Mülheim, jetzt bei Früh)
15.Sion Brauhaus (Altstadt – Sion Kölsch – Teil von Haus Kölscher Brautradition – gebraut bei Gilden in Mülheim, jetzt bei Früh)
16.Pfaffen am Heumarkt (Pfaffen Bier – darf sich nicht Kölsch nennen, weil es aus Lohmar kommt)
17. Salon Schmitz (nähe Rudolfplatz – Schmitz Kölsch – gebraut bei Sünner)
18.Bierhaus en d´r Salzgass (Päffgen Kölsch)
17.Gaffel am Dom (Gaffel Kölsch – Lokal riesig groß und recht laut))
19.Früh am Dom (Früh Kölsch – Lokal riesig aber völlig verwinkelt und unübersichtlich)

Kölsch

Es geht hier nur um Kölsch, das aus einem Fass in der Gaststätte – am besten ohne Leitungen und Kohlensäure, frisch gezapft wurde. Also nicht Flaschenware.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich die Marken, die etwas herber sind grundsätzlich lieber trinke. Kölsch ist ein helles obergäriges leicht bitteres Bier. Es soll eine deutliche Hopfennote haben und nicht zu viel Malzgeschmack aufweisen.

1. Gaffel

Da es für mich die meisten herben Noten hat und harmonisch wirkt, probiere ich es immer wieder gerne. Früher wurde am Eigelstein gebraut, jetzt in Porz.
Im Glas bildet sich ein schönen Schaum, der auch etwas hält (Kölsch wird frisch getrunken und in 0,2 l – Gläsern (die Stange) angeboten. Da ist keine cremige Schaumkrone nötig). Im Antrunk finde ich sogar leichte Süße, aber dann setzt sich die herbere Note durch. Der Abgang ist nicht lang, es bleiben die Töne von feiner Bitterkeit übrig.

2. Sünner

Auch Sünner weist Herbe und Struktur auf und ist für mich mein „Aufsteiger“ im Geschmack. Ich habe es selten in eioner Gaststätte probiert, wo es gut läuft. Im Glas bildet sich angemessener Schaum, der auch kurz hält. Der erste Schluck zeigt direkt herbe Noten. In der Nase kommen frische Töne an. Der Abgang zeigt einen ausgewogenen Hopfengeschmack. Süße ist wenig im Spiel.

3. Schreckenskammer

Das Kölsch ist sicher nicht herb, aber es schmeckt mir. Dabei wurde es nach dem 2. Weltkrieg nie mehr selbst gebraut. Die Lohnsudbetriebe wechseln dabei sogar, aber das Familienrezept blieb. Zuerst wurde es bei Giesler in Brühl gebraut. Dann kam es zu Dom und Zunft und jetzt sogar bei Früh.
Es hat etwas mehr Alkohol als üblich und bekommt keine Nachgärung, um mehr Kohlensäure zu bekommen. Die Farbe ist gold-gelb, frischer Geruch, beim Antrunk etwas süß, später leicht bitter, Schaum fällt schnell zusammen, kurzer Abgang: insgesamt rund und zugänglich.

4. Päffgen

Päffgen ist ein sehr solides Bier. Es gibt es nur im Fass. Die Familie braut noch am Stammhaus in der Friesenstraße. Sie behaupten selber, dass ihr Bier nicht immer gleich schmeckt, aber immer gut.
Die Gläser haben keinen Reklameaufdruck. Es sind einfache klare Stangen. Der Schaum ist mittelhoch. Das Aroma ist mild-würzig. Ein aromatisches Kölsch, recht mild aber nicht süßlich und einfach süffig.
Auch die Gasthäuser, die Päffgen im Ausschank haben, sind durch die Bank zu empfehlen.

5. Sion

Hans Sion gilt als Vater des Nachkriegskölsch. Damals waren die kleinen Brauereien in Köln fast alle durch Bomben zerstört worden und die Großen Pils- und Exporthersteller konnten auch in Köln den Markt erobern. Sion erkannte, dass die kölschen Brauer mit ihrem eigenen obergärigen Bier dagegen halten mussten, um sich in Geschäft zu halten. Und es hat geklappt: Kölsch wurde wieder die Nummer eins im Köln-Bonner-Bereich.
Auch Sion braute nicht mehr selber. Heute gehört die Marke sogar zum großen Radeberger-Konzern (Oetker).
Im Glas ist schöner Schaum, der auch etwas länger hält, frischer Geruch, angenehm bitter, kaum süß, mittlerer Abgang.

6. Mühlen

Das Bier aus der Malzmühle ist sicher auch alles andere als herb. Aber es in sich stimmig und schmeckt mir daher. Das kleine Brauhaus am Heumarkt gefällt mir auch gut. Im Glas kommt etwas Schaum auf, der aber nicht lange hält. Der Geruch ist frisch, der Geschmack pikant ohne viele Bitternoten, die leichte Süße ist gut eingebunden; bei einem Besuch merkte ich saure Akzente, die unharmonisch wirkten; beim nächsten Besuch schmeckte das Bier wieder angenehm.

7. Peters

Ursprünglich aus Monheim. Aus Traditionsgründen durften sie auch nach der Kölsch-Konvention (Kölsch muss in Köln gebraut sein) ihr Bier Kölsch nennen.
Aber in der Zwischenzeit gehören zum „Haus Kölscher Brautradition" und sind Teil von der Radeberger Gruppe, die wiederum zum Oetker-Konzern gehört. Gebraut wird das Bier in Köln-Mülheim bei Gilden (genau wie Sion, Sester, Peters, Dom, Küppers etc.).
Im Glas steht der Schaum sehr kurz. In der Nase bemerke ich frische malzige Noten. Der erste Schluck war gefällig, aber ohne besondere Note. Da fehlte mir etwas Charakter. Aber insgesamt war das Kölsch süffig mit entfernt herben Tönen.

8. Gilden

Das Bier wurde schon immer in Mülheim gebraut. Heute ist es neben Sion die Premium-Marke vom Haus Kölscher Brautradition.
Im Glas war deutlich Schaum, der aber schnell vergeht. Der erste Schluck war ausgeglichen in herb und süß. Aber die Aromen sind sehr zurückhaltend. Im Abgang auch mild.

9. Reissdorf

Reissdorf ist der Marktführer in Köln. In der Innenstadt haben sie weniger Gaststätten, aber im Severinsviertel sind sie zu Hause.
Im Glas bildete sich frischer feiner Schaum, der sich schnell abbaute. Der Geruch ist frisch, aber auch eher unauffällig. Keine besondere Süße oder herbe Töne. Etwas langweilig, aber durchaus süffig.

10. Dom

Dom Kölsch war lange Zeit sehr geschickt im Marketing. Im Ausland und in der gehobenen Gastronomie in Deutschland war – wenn überhaupt – oft Dom zu bekommen. Aber geschmeckt hat es mir nie. Die Etikett-Farbe war grün. Seit der Übernahme durch das Haus Kölscher Brautradition wechselte man zu „rot“ - vielleicht soll es an Früh erinnern. Ob die Rezeptur auch verändert wurde weiß ich nicht, aber es schmeckte mir beim Besuch im Brauhaus etwas besser als früher.
Im Mund zeigen sich keine besonderen Noten (etwas Süße und mehr herbe Noten, beim Abgang zeigen sich insgesamt etwas fremde, ungewohnte Hopfentöne. Diese leichte Eigenwilligkeit macht es weniger süffig als Früh oder Reissdorf zum Beispiel.

11. Schmitz Kölsch

Das Szene-Lokal hat sich für ein eigenes Bier entschieden. Es wird bei Sünner gebraut. Natürlich hat es eine eigene Rezeptur. Aber es hat mich nicht völlig überzeugt. Die Bitternoten sind schwächer als beim Sünner.

12. Früh

Früh und Gaffel sind etwas gleich stark in Köln vertreten und bilden damit Platz zwei und drei in der Menge beim Ausstoß. Gaffel ist meine Nummer eins und Früh schmeckt mir nur, wenn ich viel Durst habe und vorher kein anderes Kölsch probiert habe.
Im Glas steht Schaum, der schnell zerfällt. Der Antrunk zeigt weder Süße noch herbe Akzente. Weitere Schlucke zeigen keine Tiefe aber auch nichts Störendes. Im Abgang finde ich kaum Nachhall von Kölsch-Noten. Der Geschmack ist schnell weg – was bleibt? - Nichts. Also noch ein Glas, oder doch nicht?

13. Pfaffen

Früher verkauften die Brüder Päffgen in ihren Gaststätten nur Päffgen Kölsch (es waren anfangs nur drei Häuser: Friesenstraße, Heumarkt und Lommerzheim in Deutz).
Aber es gab Streit Max kündigte den Vertrag und sein Sohn braute ein eigenes Bier in Lohmar. Damit durfte es nicht Kölsch heißen. Selbst über den Namen gab es Diskussionen. Schließlich hieß es Original Pfaffen Bier. Als Antwort gründete der Bruder direkt neben dem Haus einen Ausschank mit Päffgen Kölsch ( Bierhaus en d´r Salzgass).
Im Geschmack erinnert es mich etwas an ein Craft-beer. Es ist obergärig und hell, aber es schmeckt irgendwie auch säuerlich. Bei den ersten Schlucken finde ich leicht herbe und würzige Noten, auch etwas Süße. Aber dann stören mich die sauren Töne mehr als die Freude an den anderen Aromen.

Datum des Besuchs: 31.05.2019 – früher Abend

Meine Genießer-Erlebnisse stehen auch bei http://kgsbus.beepworld.de/archiv.htm


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