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GastroGuide-User: orcagna
hat Porto Elia in 70374 Stuttgart bewertet.
vor 6 Jahren
"Das Essen hält nicht, was das Ambiente verspricht"

Geschrieben am 01.02.2015
Besucht am 07.02.2014
Allgemein

Je grauer der Schmuddelwinter, desto größer die Sehnsucht nach Mediterranem – für uns ein Grund für einen Ausflug in griechische Gefilde, diesmal ins Porto Eliá, gelegen in einem Cannstadter Wohngebiet unweit der S-Bahn-Station Nürnberger Straße.  Wir betreten das Restaurant an einem Freitagabend durch einen Windfang, es ist es um acht Uhr schon recht voll, aber wir haben reserviert und bekommen einen Tisch am Ende des L-förmigen Raumes. Kurze Zeit darauf auch die Speisekarte, die mit der auf der Webseite identisch ist.
 
Ein Blick umher überrascht uns ausgesprochen positiv, das nicht besonders große Restaurant ist außergewöhnlich schön gestaltet, es dominiert die Farbe Weiß (Wände, Stofftischdecken, weißgestrichene Holzstühle mit Strohsitz) unterbrochen von lindgrünen Akzenten, dekoriert sind die Wände mit elegant ausgeleuchteten Regalen mit Öl- und Weinflaschen, es fehlt jeglicher Folklorekitsch. Die Beleuchtung durch die Regale, dezente Deckenleuchten aus Weidengeflecht und Kerzen ist ungeheuer angenehm, nicht zu hell, nicht zu dunkel, blendfrei und harmonisch.
 
Wir entspannen also beim Blick in die Karten und entscheiden uns vorneweg für die Mezedes Zesta, die gemischte Vorspeisenplatte (€ 12,40), danach möchte mein Mann die Platte Porto Eliá (Souvlaki, Hähnchenbrustspieß, Lammkotelett, Bauernbratwurst, € 16,90) und ich den Tintenfisch vom Grill, gefüllt mit Paprika und getrockneten Tomaten aus Santorini (€ 14,40), dazu griechische Backofenkartoffeln und gemischtes Gemüse (auf der Karte ausgewiesen zu je € 3,50, wurde aber nicht berechnet).  An Getränken möchten wir einen Sauvignon blanc (€ 5,30), einen Ampeloeis Silver (Cabernet Sauvignon und Merlot, € 6,30) und ein großes Wasser (€ 4,40). Als nach einiger Zeit der freundliche Kellner kommt, um die Bestellung aufzunehmen, läßt mein Mann sich noch einen Aperitif des Hauses empfehlen. Bei der Vorspeisenplatte, so der weitere Rat, reicht die Version für eine Person, wenn man anschließend noch ein Hauptgereicht essen möchte. Dankeschön, so machen wir das – mit einer Ausnahme: Eingedenk der Erfahrung, daß das Essen in den meisten mediterranen Lokalen kommt, bevor man den Apertif ausgetrunken hat, bleibe ich lieber nur beim Wein.
 
Meine Entscheidung entpuppt sich als mehr als weise, denn ein paar Minuten später kommt das Essen vor den Getränken. Vor uns aufgebaut werden vier schöne rechteckige Schälchen, darauf befinden sich nett angerichtet vier Scheiben Auberginen im Backteig mit Tsatsiki, Kartoffelcreme, verschiedene Joghurt-Feta-Cremes, eine mit Fetacreme gefüllte dünne lange Paprika und drei gefüllte Weinblätter mit Tsatsiki. Kurz darauf kommen dann auch die Getränke, der Spezial-Aperitif schmeckt recht fruchtig, mein Sauvignon gut. Das Mineralwasser ist ein griechischer Import in einer schönen dunkelblauen Flasche.
 
Wir haben Hunger und greifen zu, ganz einfach ist das allerdings nicht, denn wir haben nur unsere Messer und Gabeln, Servierlöffel oder ähnliches ist nicht vorgesehen. Geschmacklich ist es nicht schlecht, aber wenig abwechslungsreich und ein bißchen fad, die Auberginen sehr fettig. Für das, was griechische Restaurants in dieser Kategorie gewöhnlich auffahren, bleibt das Gebotene sehr blaß.
 
Blaß bleibt auch der Service, denn der läßt uns jetzt vor den leeren Tellern sitzen. Und sitzen und sitzen. Irgendwann gelingt es uns, den offenbar nur zum Auf- und Abtragen engagierten Hilfskellner zu kapern, der dann auch freundlich die Servierplatten abräumt und die Teller stehenläßt. Auf erneute Aufforderung beim nächsten Vorbeikommen werden sie dann endlich mitgenommen. Und wir warten weiter, mein Mann nicht nur auf das Essen sondern auch auf seinen Rotwein. Leider kann der Hilfskellner nur wenig deutsch und deshalb diesem Wunsch nicht entsprechen, immerhin zeigt sich dann auch wieder der Kellner vom Anfang, und so kommt der Wein dann praktisch zeitgleich mit dem Essen.
 
Vor meinem Mann türmt sich eine ansprechend aufeinandergestapelte Fleischpyramide, daneben die Kartoffeln, vor mir erscheint ein großer Sepia mit deutlichen Röstspuren, umgeben von Paprika- und Zucchiniwürfeln. Ich beginne mit Nachdruck zu säbeln, denn der Tintenfisch ist hart am Gummitier  und die Flügel verbrannt. Das Beilagengemüse hätte auch noch einen Tacken länger gegart werden können. Geschmacklich ist alles sehr mittelprächtig, die Füllung aus Fetacreme mit Paprika und Tomaten wirkt, als hätte man die Paprika von der Vorspeisenplatte im Tintenfisch untergebracht. Irgendwann wird es mir zu mühsam und ich lasse ein Drittel liegen.
 
Mein Mann kämpft noch tapfer mit seinem Fleischberg, während ich noch seine Kartoffeln probiere. Die sind unverständlicherweise matschig (wie kriegt man Backofenkartoffeln matschig?) und schmecken auch nicht berauschend. Wir werfen neidische Blicke zu der gutgelaunten griechischen Herrenrunde am Nebentisch, die mit ihrem Essen sehr viel zufriedener scheint.
 
Nun tritt aber dafür der Kellner wieder auf und bietet uns noch etwas aufs Haus an, als wir um die Rechnung bitten, wahlweise Joghurt mit Walnüssen und Honig, alternativ Ouzo oder „wie Ouzo ohne Chemie“. In einem letzten Aufbäumen von Abenteuerlust entscheiden wir uns für letzteres, serviert in geeisten Gläsern.
 
Mein Mann hielt sich das Glas unter die Nase und meinte „riecht wie Pattex.“ Ich versuchte einen Schluck und ergänzte „schmeckt auch so“.
 
Vorhang bitte.


Bedienung


Sehr freundlich, aber nicht abgestimmt und daher insgesamt planlos.



Das Essen


Die Zutaten waren frisch und nett angerichtet, alles andere - Würzung, Geschmack, Auswahl - war eher enttäuschend.



Das Ambiente


Wirklich sehr schönes Ambiente, mit Abstand das schönste griechische Restaurant in Stuttgart. Ein Jammer, daß das Essen nicht dazu paßt.



Sauberkeit

Alles in Ordnung.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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