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GastroGuide-User: simba47533
hat Riegele WirtsHaus in 86150 Augsburg bewertet.
vor 5 Jahren
"In der Gruppe gerne einmal wieder, alleine bzw. mit meiner Frau zusammen wohl eher nicht ins Riegele WirtsHaus zu Augsburg"
Verifiziert

Geschrieben am 22.02.2016 | Aktualisiert am 22.02.2016
Besucht am 19.02.2016
Gerne habe ich den Bericht meines Freundes Daueresser gelesen und dabei wie bei fast bei jedem seiner Berichte einmal mehr still vor mich hingelächelt; als "typische Touristenfalle" (so bezeichnet er das "Riegele WirtsHaus") sehe ich dieses Etablissement allerdings nicht unbedingt.

Anlässlich einer WR-Weiterbildungsveranstaltung zum Thema "Kriminalprävention" mit Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus dem gesamte Bundesgebiet war ich über das Wochenende nach Augsburg gekommen; das Seminar fand im "Hotel am alten Park", wo wir auch untergebracht waren und überraschend gut verköstigt wurden, statt. Von meinem Zimmer aus hatte ich einen direkten Blick auf den Komplex der Brauerei Riegele und somit auch auf das dortige "Riegele WirtsHaus". Da sich die SeminarteilnehmerInnen bis auf wenige Ausnahmen nicht persönlich kannten, regte die Seminarleitung am frühen Freitagabend an, gemeinsam nach dem Abendessen hinüber um "WirtsHaus" zu gehen, um sich dort beim Bier privat etwas näher zu kommen und sich auch fachlich auszutauschen. Aus langjähriger Teilnehmer an alle möglichen Weiterbildungsveranstaltungen weiß ich, dass solche Gespräche nach Feierabend oft mehr bringen als das eigentliche Seminarprogramm:-)))

Mit vierzehn Personen am Freitagabend und fünfzehn Personen am darauffolgenden Samstagabend sind wir im "Riegele WirtsHaus" aufgeschlagen. Es als Gruppe, selbst als kleine, dort ohne vorhergegangene Reservierung zu versuchen ist zwecklos; wir haben das Haus an beiden Abenden als voll bzw. sehr voll erlebt und das in sämtlichen Räumlichkeiten. Allerdings hatten wir den Eindruck, als "Touristen" eher unterrepräsentiert zu sein; das Gros der Besucher und Besucherinnen waren, aus Gesprächsfetzen, die von anderen Tischen herüberwehen, wohl eher  Einheimische (Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn, Vereinsmitgliedern, Mitschülern etc.).

 Unter www.riegele-wirtshaus.de kann man viel über den Betrieb und seine Geschichte erfahren; Einzelheiten darüber wie auch über die Speise- und die Getränkekarte können dort nachgelesen werden. Ab und an wäre sicher ein Update der Angaben erforderlich; so besteht etwa die "Bierprobe" nicht mehr aus acht verschiedenen Bieren wie angegeben sondern derzeit sind es neun! Das Schwergewicht des Hauses liegt ganz eindeutig beim Thema Bier; die Speiseangebote sind ganz offensichtlich eher von nachrangiger Bedeutung. Außerdem   erschließt sich dem kundigen Betrachter beim Studium der Speisekarte eines sofort: nur bei der Bereitung der wenigsten Speisen dürften frische Produkte zum Einsatz kommen. TK-Ware, Convenience Products und Vorgegartes feiern fröhliche Urständ! Da wir im Hotel unser Essen hatten, tangierte uns das allerdings nicht; soweit ich es sehen konnte kam es an unseren Tischen an beide Abenden insgesamt höchstens zu zwei oder drei Essensbestellungen. Wem als Gast das Bier vor Ort nicht reicht der/die kann im hauseigenen Shop alles Flüssige zum Nachhausenehmen erwerben und darüber hinaus noch jede Menge an "Devotionalien" wie Biergläser, T-Shirts, Baseball-Caps, Schürzen, Bierdeckel etc. 

Wir haben uns zumindest am ersten Abend fast alle zunächst an der "Riegele Bierprobe" versucht: "Neun verschiedene Biere vom Fass, in Gläsern zu je 0,1 auf einer Faßdaube serviert zum Preis von EUR 9,90" (Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir dies bei sehr großem Geschäftsaufkommen nicht anbieten können). Da möchte ich doch zu gerne einmal wissen, was hier als sehr großes Geschäftsaufkommen interpretiert wird; uns schien der Laden vor allem am Samstagabend fast aus alle Nähten zu platzen. Trotzdem kamen die geordeten "Bierproben" recht zügig; es ist ausschließlich Jugend im Service am Start und dieser Service rennt sich vor allem am Abend schwer die Hacken ab. Unfreundlichkeit und Schroffheit (wird ja vor allem den Köbessen in Köln bzw. in der verbotenen Stadt nachgesagt) haben wir nur einmal bei einer gewissen Kathi erlebt, ansonsten war der Service bei uns durchaus und durchgängig  freundlich. Beim Befüllen der Bierprobengläschen geht wohl ziemlich viel daneben; ehe das Thekenteam die Fassdaube mit den Gläschen darauf an die Servicekräfte sprich Kellnerinnen übergibt, sollten die Gläschen vielleicht eben mal mit Papier von der Haushaltsrolle kurz abgewischt werden. Dies ist leider nicht der Fall; fast alle Bierproben-Gläschen, so haben wir es an beiden Abenden erlebt, gelangen klebrig an den Gast. Wohl dem der wie ich immer reichlich Tempotaschentücher einstecken hat; ansonsten kleben die Finger den ganzen Abend über oder man sucht in kurzen Abständen immer wieder mal zwecks Waschung die sehr hübsch gestalteten Nassräume auf.  

In dem Fassdaubenabschnitt ruhen die neun Gläschen in entsprechenden Vertiefungen; diese sind beidseitig durchnumeriert (1 - 9)  und zur Daube gibt es eine DINA4-Seite mit einer Legende zu jeder Nummer. 

Beispiel: 3. Speziator Dunkel   Augsburgs Stärkster  Wuchtig und dunkel mit alkohol-malzaromatischer Note und süffig im Geschmack mit ausgeprägten Röstaromen. 19° Plato  /  7,5% Vol. alc

Man merkt hier schon sehr deutlich, dass der Begleittext vom angeblich Weltbesten der Vereinigung Bier-Sommeliers verfasst worden ist. Sehr blumig und gerne ein wenig über das Ziel hinausschießend.  Die Gruppe an meinem Tisch (unsere Kollegen und Kolleginnen an den Nachbartischen sicherlich auch) haben unseren "Favoriten des Abends " anhand der Bierprobe gekürt; die Kandidaten waren Augsburger Herren Pils, Commerzienrat Riegele Privat, Speziator Dunkel, Riegele Kellerbier, Speziator Hell, Ein Riegele Aechtes Dunkel, Sebastian Riegel s Weisse, Riegeles Feines Urhell und Riegele Golden Pale Ale. Als unangefochtener Sieger an unserem Tisch ging die Nr.2 hervor; ausgerechnet die Sorte, die mein Freund und Kollege Daueresser "in Grund und Boden geschmäht hat. "Commerzienrat Riegele Privat" : Begleittext: "Europas bestes Festbier und Deutschlands Bier des Jahrzehnts. Das würzig milde Festbier, dasDank der sehr aufwendigen Spelzentrennung und dem Riegele Schrotmaischverfahren durch seine einzigartige Harmonie und Balance von Hopfen und Malzaromen besticht. 12,8° Plato / 5,2% Vol.Alc.  Das Siegerbier wurde anschließend gebührend mit 0,5l -Gläsern gefeiert. Im zweiten Lauf der Bierprobe am Samstagabend verlor CRP massiv an Boden; mit mehreren Längen Vorsprung ging diesmal Riegele Golden Pale Ale durchs Ziel. Der neue Favorit: "Unser erstes Craft Bier vom Fass! Der heimische Hopfen Hallertauer Mittelfrüh und die amerikanischen Hopfensorten Citra, Cascade und Simco (etwa genmanipuliert?) machen aus dem Riegele Pale Ale eine obergärige Brauspezialitätmit deutlichen Zitrus- und Steinobstnoten sowie erfrischenden Anklängen von Limette und Grapefruit. Unfiltriert und naturtrüb ist es ein hopfiger Traum für alle Bierkenner. 11,2° Plato / 4,7% Vol.Alc." Natürlich wurden auch diesem Sieger mit etlichen 0,5l-Gläsern gehuldigt und die Referenz erwiesen.

Ambiente: mehrere verschieden große Räume sowie im Sommer eine Terrasse. Ein Brauhaus wie man sie  in deutschen Landen nicht nur in Bayern antreffen kann. Die für uns an beiden Abenden reservierten Hochtische mit den dazugehörigen hohen Bänken fand ich nur bedingt bequem. Zu den Garderoben hatten wir alle nur wenig bis kein Zutrauen; bei dem Gewusel in allen Räumen ist der teure Mantel schnell weg (siehe auch das Couplet "Der Überzieher" vom seligen Fritz Reutter). Wir haben unsere Mäntel und Jacken lieber bei uns auf den Bänken behalten, was am ersten Abend zu dem etwas unfreundlichen und ruppigen Verhalten von Kellnerin Kathi (siehe oben) führte.  Bei so vielen Leuten hilft auch die beste Schallisolierung nicht viel; es ist einfach laut! Für das Ambiente drei Sterne; ich habe mich trotz der sehr netten Gesellschaft deshalb und wegen der Hochtische/Hochbänke auch nur bedingt wohlgefühlt.

Sauberkeit: Trotz des großen Besucheraufkommens erstaunlich sauber, auch noch nach Mitternacht: vier Sterne.

Service: wegen der klebrigen Probiergläschen nur drei Sterne.

Trinken (über Essen kann ich ja nichts schreiben): Für jeden von uns gab es bei den Bierproben Kandidaten, die nicht überzeugt haben, so natürlich auch für mich. Bei mit fielen Nr.6 (Aechtes Dunkel) und Nr. 7. (Weisse) sowie Nr. 1 (Herren Pils) komplett durch. Ich vergebe hier sehr gut gemeinte dreieinhalb Sterne.

Preis-/Leistungsverhältnis: Die Preise sind bis auf einen üblen Ausreißer brauhausüblich und angemessen; würden die Gerichte  mit frischen Zutaten zubereitet, wären die Preise sogar sympatisch. Für das Golden Pale im 0,5l-Glas EUR 6,20 zu verlangen ist mehr als dreist. Deshalb auch nur zweieinhalb Sterne.

Persönliches Fazit: Ich könnte mir durchaus vorstellen, der Gaudi wegen  mit einer Gruppe erneut Gast im "Riegele WirtsHaus"  zu sein; privat käme ich wohl kaum wieder. Es ist mir dort zu viel Gerüsel, es ist mir zu laut und auch nicht bequem genug.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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