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GastroGuide-User: Minitar
hat Restaurant Gaumenfreude in 71032 Böblingen bewertet.
vor 7 Monaten
"Schwäbisch-bürgerliche Küche"
Verifiziert

Geschrieben am 29.11.2019
Besucht am 29.11.2019 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 20 EUR
Das Restaurant Gaumenfreude hat seine Neu-Eröffnung bereits Anfang des Jahres annonciert und mit etlichen Gutscheinaktionen beworben. Zwei Gutscheine aus dem örtlichen Amtsblatt hängen nun schon einige Zeit an meiner Pinnwand und warten auf die Einlösung. Anfänglicher Hinderungsgrund: das Lokal hatte zu Beginn nur eingeschränkte Öffnungszeiten und noch keinen Mittagstisch. Zweiter Hinderungsgrund: die Lage am äussersten Randbezirk von Böblingen, im Gewann Zimmerschlag. Hierhin verschlägt es einen selten, Laufkundschaft dürfte das Restaurant also kaum erwarten. Neben sehr viel Landschaft und nahen Streuobstwiesen befinden sich in der Nachbarschaft noch zwei Firmen (naja, IBM zieht auch ab) und der abgelegene Stadtteil Rauher Kapf. Wieso im Zimmerschlag gut ein halbes Dutzend Gastronomiebetriebe heimisch sind, dürfte ein ungelöstes Rätsel bleiben.

Halt, die hiesige Lokalität wird traditionell mit dem Schäferhundeverein assoziiert – ob der immer noch aktiv ist, lässt sich momentan nicht erkennen. Immerhin werden wir beim heutigen Besuch zu allererst von dem putzigen, neugierigen jungen Mischling Hector begrüsst, der ganz spontan unsere Nähe sucht. Gleich danach grüssen aber auch schon die Inhaber sehr freundlich und verkünden freie Platzwahl. Bis auf einen älteren Gast ist das Lokal kurz vor 12 Uhr auch noch komplett leer. Seit meinem letzten Besuch vor vielen, vielen Jahren (und noch unter anderen Betreibern) hat man sich sichtlich um eine Verschönerung das Gastraumes bemüht. Zwar dominiert immer noch unverwüstliches Gasthausmobiliar und ein rustikaler Fliesenboden im Stile der 1970er-Jahre, doch neu hinzugekommen sind eine moderne Beleuchtung, zahlreiche Bilder, eine neue Wandgestaltung, einige Eye-Catcher wie silbrige Hirschgeweihe und zurückhaltender Blumenschmuck auf jedem Tisch. Was sehr positiv auffällt: eine penible Sauberkeit und Adrettheit – die sich übrigens bis hin zu den properen Toiletten fortsetzt. Allerdings ist es anfänglich in allen Räumen noch bitterkalt. Die Heizung scheint erst um 12 Uhr anzuspringen.

Das Lokal versteht sich als schwäbische Gaststätte mit traditionellem Angebot. Das zeigt auch die Speisekarte. Hier findet man zum Beispiel Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle (10,80 Euro), Geröstete Maulaschen mit Ei (8,80 Euro), Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln (17,80 Euro), etliche deftige Fleischgerichte, diverse Salatvariationen, die drei üblichen Kindergerichte, einige Desserts. Also eher gediegener Mainstream ohne grosse Besonderheiten. Seit Anfang November bietet das Restaurant auch einen wechselnden Mittagstisch an, mit täglich zwei Hauptgerichten zur Auswahl und wahlweise einer Suppe oder einem Beilagensalat. Und das zu günstigen Preisen ab 6,90 Euro und – wie ich es überblicken kann – nie teurer als 11 Euro. Das mag vielleicht neue Kundschaft generieren. Denn im Gegensatz zur Innenstadt gibt es hier draussen auch keine Parkprobleme und keinen Dauerlärm. Und im Sommer kann man ganz angenehm auf der grossen Südterrasse sitzen.

Die beiden Macher legen sich auf jeden Fall gut ins Zeug. Wir werden überaus freundlich und entgegenkommend bedient. Rasch können wir die Bestellung aufgeben, nach weniger als einer Viertelstunde steht auch schon das Essen auf dem Tisch: Hirschgulasch mit Spätzle für 8,90 Euro. Der auf den ersten Blick sehr üppig beladene Teller relativiert sich allerdings etwas, wenn man die Sauce abzieht. Das Gulasch ist erstaunlich zart und sehr würzig zubereitet, die Spätzle schmecken vollmundig und habhaft, dazu gibt es reichlich Petersilie und Preiselbeeren als Topping. Der kleine Beilagensalat ist frisch angemacht, aber in seinem Arrangement aus etwas Blattsalat, drei Streifen Blaukraut, einer Tomatenscheibe und ein paar Maiskörnern eher unspektakulär. Das Hefeweizen (3,20 Euro für 0,5 Liter) stammt vom örtlichen Schönbuchbräu. Heute haben wir zwar schon Freitag, doch an den Vortagen hätte man zum Mittagstisch Gänsekeule, Zanderfilet, Saure Kutteln oder Griechischen Bauernsalat haben könnten. Man ist also um einen guten kulinarischen Querschnitt bemüht.

Wie wir der Karte entnehmen können, scheint Gin ein kleines Hobby der Betreiber zu sein. Etliche Gin-Spezialitäten und Mix-Getränke stehen zur Auswahl – unter anderem der ausgezeichnete Stuttgarter GINSTR. Auch wird seit neuestem ein Sonntagsfrühstück ab 10 Uhr angeboten. Auch für Weihnachts- und Familienfeiern im grösseren Kreise (bis zu 100 Personen) ist der Ort geeignet. Das engagierte Bemühen der noch jungen Betreiber ist eindeutig zu spüren – ob sie jedoch an diesem abgeschiedenen Ort und mit ein paar Rentnern als Gästen über die Runden kommen werden, muss sich noch zeigen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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