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GastroGuide-User: kgsbus
hat Bier-Esel in 50667 Köln bewertet.
vor 5 Jahren
"Das Muschelhaus in einem zünftigen Brauhaus"
Verifiziert

Geschrieben am 24.01.2015
Besucht am 24.10.2014
Nach über 30 Jahren hat sich Jürgen Dannewald Ende April 2014 zur Ruhe gesetzt. Natürlich wird ein Lokal in solch guter Lage mit viel Laufkundschaft und Stammgästen nicht aufgegeben. Die Art des Hauses sollte also erhalten bleiben. Ein neuer Geschäftsführer hat nach einer Sanierungsphase den Bier-Esel wiedereröffnet.
 
Bei Einkäufen in der Innenstadt habe ich den Bier-Esel unregelmäßig aber immer wieder besucht.
 
Vor allem habe ich hier stets Sünner Kölsch getrunken. Dieses relativ herbe Kölsch wird in Kalk gebraut. Die Firma hat eine lange Tradition in Köln. Mir schmeckt dieses Bier gar nicht so schlecht. Es erinnert leicht an Pils – vielleicht ist nur noch Gaffel Kölsch ähnlich herb.

Die anderen Kölsch-Marken haben wesentlich mildere Noten wie zum Beispiel Früh Kölsch, Reissdorf Kölsch oder auch Malzmühlen Kölsch und Päffgen Kölsch.

Der Begriff „Kölsch“ ist gesetzlich geschützt (anders als das Bier aus Düsseldorf, welches überall gebraut werden kann). Jedes Bier, das sich so nennen will, muss grundsätzlich auf dem Stadtgebiet gebraut sein und auch weitere Kriterien erfüllen.
Es darf zum Beispiel nicht naturtrüb sein. Die genaue Definition vom Geschmack lautet: ein helles, blankes (gefiltertes) und obergäriges Vollbier mit einer durchschnittlichen Stammwürze von 11,3 % und einem Alkoholgehalt von durchschnittlich 4,8 %.
Das, nun noch viel mehr (zum Beispiel die "Stange") regelt die Kölsch-Konvention von 1985.

Wie streng das ist, musste schon vor langer Zeit die Wicküler Brauerei in Wuppertal erfahren. Sie nannte ein Bier Küppers Kölsch und wurde schnell abgemahnt. Sie umging dann das Problem und braute in Köln das Bier. Schon war alles gut.
Heute gehört der Name Küppers jedoch zum Portfolio des "Oetker-Konzerns". Unter der "Radeberger Gruppe" werden die Biere geführt. In der Unterabteilung „Haus Kölscher Brautradition" werden unter anderem die Marken: Gilden Kölsch, Küppers Kölsch, Kurfürsten Kölsch, Sester Kölsch, Peters Kölsch, Sion Kölsch und Dom Kölsch gehalten.

Aber es gibt auch Ausnahmen von den Regeln, wenn eine lange Brau-Tradition schon vor 1960 etwa bestand: So darf Zunft Kölsch in Wiehl sich so nennen, Bischoff Kölsch in Brühl (Giesler durfte auch), Stecken Kölsch in Frechen, Garde Kölsch in Dormagen (gibt es nicht mehr), Kurfürsten Kölsch in Bonn (eingestellt), Rats Kölsch in Frechen, Ganser Kölsch in Leverkusen, Severins Kölsch in Bedburg (eingestellt), Römer Kölsch in Bergheim (eingestellt).

Trotz all dieser Einschränkungen, Vorschriften und Firmenaufgaben gibt es noch viele Sorten auf dem Markt: in Flaschen und vom Fass.
 
Ambiente ***

Im Eingangsbereich und an der Theke ist das Haus immer noch wie ein Brauhaus eingerichtet und urgemütlich – in den größeren Saal dahinter ist es bereits nüchternen. Die alten  Ausstellungsstücke sind entfernt worden und durch große „saubere“ Bilder ersetzt worden. Hier sind viele Sitzplätze. Und die Belegung ist enorm. Bei meinem Besuch war die Hütte rappelvoll: Einzelpersonen, Familien und kleine Gruppen.
Fast alle aßen Muscheln.
 
Sauberkeit ****
 
Für den Betrieb mit viel schnell wechselnder Kundschaft war es ordentlich gepflegt.
 
Sanitär ****
 
Auch hier herrschte ziemliche Ordnung. Die Herren-Abteilung in manchen Brauhäusern sieht schrecklich aus, weil die Kunden wenig auf Sauberkeit achten. Am besten scheint mir das in der Malzmühle gelöst: Hier gibt es Klo-Personal.
 
Service ***
 
Selbst bei großem Andrang waren die Kellner freundlich. Für große Konversation war natürlich kein Raum. Die Zeit der „originalen“ Köbesse (Köbes ist die Bezeichnung für den Kellner in Köln: blaue Schürze aus Leinen mit einer ledernen umgeschnallten Geldtasche) ist jedoch auch in Köln im Aussterben begriffen; denn dafür müsste er Kölsch nicht nur bringen, sondern auch reden können und „frech-heitere“ Sprüche auf Lager haben (in der Schreckenskammer zum Beispiel gibt es sie meiner Meinung nach noch)
 
Die Karte
 
Alles, was man in einem Brauhaus erwarten darf (Schweinefleisch, Bratkartoffen, Schnitzel, etc.), gibt es hier – und eben die wirklich umfangreiche Muschel-Karte mit vielen Variationen.
 
Die Gerichte müssen fix fertig sein, weil die Gäste beim Kölsch trinken immer Hunger haben und schnell befriedigt werden wollen. Und groß müssen die Portionen sein.
 
Ich esse hier die bekannten Kleinigkeiten: Halver Hahn, Mettbrötchen oder auch eine Eierspeise wie Strammer Max oder Pfannekuchen. Da werde ich auch nicht enttäuscht.
 
Essen ***
 
An diesem Tag habe ich einen Speckpfannekuchen gegessen und der war in Ordnung. Ich erwarte keine liebevolle Küche, sondern eine Grundlage für das Kölsch. Der Anteil vom Speck war richtig. Der Eierkuchen war richtig gewürzt. Die Größe war angemessen und sättigte mich durchaus.
 
Getränke ****
 
Wer in einem kölschen Brauhaus Wein bestellt oder ein Glas Milch haben möchte, hat irgendetwas missverstanden. Hier gibt es Bier und zwar Kölsch. Und das schmeckt dann auch gut.
 
Der Preis von 1,80 € für ein 0,2l-Glas ist aber schon eine Hausnummer in diesem Haus (aber auch die Mitbewerber nehmen meist schon 1,70€).
 
Fazit
 
3 – wenn es sich ergibt – ich werde hier immer wieder einmal einkehren, weil es ein schönes Haus ist (im Bereich an der Theke und vorne an der Straße) und ein Kölsch trinken und eine Kleinigkeit essen – aber nicht mehr.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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