Zurück zu Zur Grünen Gurke
GastroGuide-User: besseresser65
hat Zur Grünen Gurke in 06628 Naumburg bewertet.
vor 5 Jahren
"Was für ein Glück"
Verifiziert

Geschrieben am 17.12.2014
Besucht am 22.10.2013
Ei jei jei hab ich ein Glück, dass ich das Lokal nicht ausgesucht habe. Also mal der Reihe nach, wie es zum Fiasko gekommen ist.

Wir waren heute sehr lange mit dem Auto unterwegs und so gegen 19.00 Uhr fragte ich meine bessere Hälfte, was wir so schönes zu Essen zu Hause haben. Da kam die Antwort ,,Eigentlich gar nichts gescheites und Hunger habe ich jetzt". Sie erzählte mir, dass ihre Arbeitskollegin immer in Bad Kösen in die Grüne Gurke fährt Dort isst man bürgerlich gut und viel auf dem Teller, dann ist es auch noch Preiswert. Na das klingt ja gut, weißt du wo das ist. So ungefähr hinter der Saalebrücke abbiegen, dann soll man es gleich sehen. Also alles klar, ab in die Grüne Gurke. Es war nun schon dunkel und die Promenadenstraße nahm kein Ende. Dann sahen wir Lichter an einem Gebäude, das muss es sein. Parkplatz vorhanden gleich vorm Lokal, bis jetzt alles bestens. Also auf geht,s.

Vor dem Eingang stand die Fraktion der Raucher, es handelt sich um 4 Gäste. Sie begrüßten uns mit einem ,,Guten Abend", Gruß zurück und Tür auf, ab jetzt nahmen die Dinge ihren Lauf. Es war sehr dunkel wir standen in einem Vorraum gerade zu, ein Stammtisch mit weiteren 4 Gästen die doch schon ein Bierchen zu viel hatten. Der eine Gast bemerkte uns und riss alle beide Arme nach oben und rief lautstark ,, Hallo". Er schaute schon wie ein Makakenäffchen drein und ich hoffte, dass es nicht der Wirt ist. Rechts in dem Raum war der Tresen und der war verwaist, auch hier nur eine Muschepupu Beleuchtung. Es roch stark nach Frittenfett. Am Stammtisch vorbei geht es in den Gastraum, auch dort war die Beleuchtung auf Sparflamme. Es war nur der halbe Raum beleuchtet. Hier wird also Energíe gespart. Es befanden sich vier Gäste an einem Tisch, wie sich bald rausstellte Kurgäste mit starkem Balzverhalten. Meine Frau schaute mich mit einem Blick an, der sagte mehr wie tausend Worte. Ich wollte gerade was sagen, da kam ganz Schroff,, sag nichts". Oh das hat gesessen. Sie wusste genau was ich sagen wollte ,,du hast es ja ausgesucht".

Wir setzten uns in den hinteren Teil des Gastraumes, wo wenig Licht war. Wir saßen und ich konnte es mir nicht verkneifen zu sagen ,,oh wie romantisch". Da war er wieder der Blick. Dann drehte Madame das Erste mal auf, mit den Worten ,, Keine Blumen, keine Bilder an den Wänden, alles so kalt und kalt ist es ausser dem". Ja, da hat Sie Recht. Nun mal schnell Objektiv was zum Ambiente, bevor der Service kommt. Der Raum ist wirklich sehr nüchtern und man fühlt sich nicht wohl. Es stehen Kerzen auf dem Tisch, eine Karotischdecke, dann ein Reklameschild von der Köstritzer Brauerei und dann hört es schon auf. Die Einrichtung schlicht und einfach. Ich wollte ein Foto machen, leider war der Akku  vom Handy fast alle, so ging es nicht mehr.

Nach ca. 5 min kam dann der Wirt irgend wo her und ich war froh, dass es nicht der freundliche Hallosager war und begrüßte uns mit den Worten, ,,Na schon was gefunden?" Erstaunt schaute ich Ihn an und fragte Ihn ,, Was sollen wir denn schon gefunden haben?" Da bemerkte er, dass wir noch keine Speisekarte hatten. Da kam eine 180 Grad Drehung und weg war er. Dann bekamen wir die Speisekarte. Bei Madame fiel sie schon ein wenig auseinander und es wurde bei Ihr immer ruhiger, man hörte Sie nur noch in sich rein brummeln, dass ist bei Ihr kein gutes Zeichen. Ich, ein Schelm wie ich bin, genoss dass in vollen Zügen. Denn ich war ja an dieser Misere nicht Schuld. Sie legte die Speisekarte hin und sagte mit einer leicht erhobenen Stimmlage ,, Da brauche ich nicht Essen zugehen, dass kann ich zu Hause kochen." Ja Sie hat ja Recht, aber nun kommt meine Stunde. Ich sagte ,, Ach Schatz schau doch mal, hier sind doch schöne Sachen drin." Der Satz hat gesessen! Liebe Männerwelt aufgepasst!!!! Wenn eine Frau weiß, dass wir Recht haben und Sie weiß, dass wir es wissen, dass wir Recht haben, ab dann wird es Ernst, ab jetzt liegt jedes Wort auf der Goldwaage!!!!

Kurz zur Speisekarte. Es standen wirklich die einfachen Sachen darauf, verschiedene Schnitzel, Soljanka, kurz und knapp, ich fand eine Speisekarte so aus DDR Zeiten vor. Die Preise sehr moderat. Vom Gefühl her wusste ich, dass wir hier auf keinen Fall einen kulinarischen Abend verleben werden. Ich sollte Recht behalten. Wir bestellten dann ein Köstritzer Bier 0,25 l für 1,40 €, eine Apfelsaftschorle 0,25 l für 1,50 €, dann nahm ich als Vorspeise, ja wenn schon, dann das volle Programm, eine Soljanka für 3,00 € ein Steak mit Würzfleisch über backen für 9,00 € und Madame dann doch schnell entschlossen ein Bauernfrühstück für unschlagbare 5,50 €. Die Getränke kamen und da hatte ich mein erstes aha Erlebnis. Mein Bierglas war kalt und das Bier war warm, nun die Frage wie geht das denn? Meine Frau wollte es mir nicht glauben und hat probiert, sie stimmte mir zu. Dann verschwand der Wirt, Servicekraft, Kellner, oder ab jetzt der Allrounder in der Küche. Man hörte Ihn fleissig werkeln.

Nun kam die Wartezeit die überbrückt werden musste. So musste ich mir anhören, wie sich ihre Arbeitskollegin hier nur wohlfühlen kann?  Also ich glaube, dass wird morgen doch ein ernsteres Gespräch geben. In der Zwischenzeit wurde mein freundlicher Hallosager abgeholt, denn ganz alleine wäre er wohl nicht mehr nach Hause gekommen. Lautstark verabschiedete er sich. Die 4 Kurgäste waren voll am Balzen, also langweilig ist es nicht geworden. Das Rahmenprogramm war schon in Ordnung.

Dann kam meine Vorspeise. Solch ein Besteck habe ich schon Jahre nicht mehr in der Hand gehabt. Auch eine Serviette aus einer Art Krepppapier, berührte schon lange nicht mehr meine Lippen. Das Geschirr war schon mal einmalig. Eine grosse Schüssel aus Bürgeler Keramik dunkelblau mit weissen Punkten, mit ein paar Zersplitterungen am Rand. In der Mitte fand ich einen Berg Sahne. Also los gehts. Die Suppe war heiss und im Geschmack nicht so schlecht. Madame fragte mich auch ob es schmeckt. Die Suppe bekommt 3 Sterne. Nach der Suppe begab ich mich nach draussen an die Luft und rauchte eine. Der Aschenbecher der vor der Tür stand war doch schon sehr voll und ich kam auf den Entschluss, entweder wird hier viel geraucht, also sehr viel, oder er ist schon ein paar Tage nicht sauber gemacht wurden. Ich denke mal das letztere trifft zu. Auch schaut das Reklameschild von der Köstritzer nicht sehr gepflegt aus. Ich denke mal noch 2 Wochen, dann ist es voll mit Spinnweben, da hat man dann auch nur 2 Möglichkeiten. Entweder sauber machen, oder eine stärkere Birne ein schrauben, damit dann wieder Licht durchdringt. Die Außenanlage machte schon im Dunkeln kein gepflegten Eindruck.

Nun kommt der Hauptgang. Also unser Allrounder betrat wieder die Bühne und servierte die beiden Speisen. Er nahm dann meine leicht lädierte Suppenschüssel mit und beim weggehen bestellte ich noch ein Bier. Da standen nun die beiden Prachtteller, voll mit Inspiration, Hingabe und Kreativität angerichtet. Ich finde da nur ein Wort ,, WOW". Meine bessere Hälfte hatte wieder Recht, dass hätten wir zu Hause nun wirklich besser hinbekommen. Na gut, die tolle Bürgeler Keramik haben wir nicht. Zuerst haben wir die Macken am Tellerrand gezählt. Ich habe gewonnen, bei mir waren es 4 und bei meiner Frau nur 2 Macken, oder besser gesagt, Fehler in der Keramik. Nun zum Essen. Was fanden wir wirklich vor. Bei mir Bratkartoffeln, die schön glänzten vor Fett, teilweise verbrannt, Zwiebel waren nicht dabei, dann der Salat, aber wirklich wie zu DDR Zeiten, die üblichen Verdächtigen,  geraspelte Möhren, Weißkraut und 2 dicke Scheiben Gurken. Dann sah ich noch ein Berg Käse, darunter befand sich das Würzfleisch und dann kam das Steak. Bei meiner Frau war es ganz anders mit dem Salat, da sah man dann die hohe Kunst des Allrounders. Hier waren keine dicken Gurkenscheiben zu finden, sondern es lag eine ganze Gewürzgurke darauf! Das Kapitel mit dem Essen kann ich hier abschliessen. Es war wirklich ernüchternd, Pfad und ohne jeglichen Geschmack. Meine Frau bekam den Salat von mir und ich bekam die Gewürzgurke, so haben eben wir beide mal von jedem Gericht gekostet. Man sieht auch auf der Homepage noch die gleichen Gerichte, nur noch ein wenig billiger. Also wird es in den Jahren mal eine Preiserhöhung gegeben haben. Für das Essen gibt es  nur 2 Sterne. Aufgegessen haben wir beide fast alles, bis auf die verbrannten Kartoffeln, denn Hunger hatten wir doch schon.

Nach dem Essen griff meine Frau noch einmal zur ihre lädierten Speisekarte, da ergriff ich noch einmal das Wort. ,,Schatz du möchtest wohl noch ein Dessert?" Das war dann doch zu viel für Sie, ich wurde mit einem Blick gestraft, der kein einziges Wort bedurfte. Der Allrounder kam an den Tisch, fragte nicht ob es geschmeckt hat, meine Frau gleich  ,,Bitte die Rechnung". Die Rechnung habe ich mit nach Hause genommen, damit ich wenigstens ein Foto habe. Solche Rechnung sieht man wirklich nicht mehr so oft. Der Betrag war 21,80 €, ich glaube meine Frau bezahlte 22,00 € mit den Worten ,, Stimmt so". Die Heimfahrt verlief sehr ruhig und ich habe mich auch nicht getraut Sie noch einmal anzusprechen.

Mein Fazit:
Ich kann nur von Glück sagen, dass es nicht meine Entscheidung war in das Lokal zu fahren. Die Grüne Gurke kann ich nun beim besten Willen nicht weiterempfehlen. Das Essen bekomme ich an jeder guten Imbissbude genauso serviert, vielleicht nicht mit Bürgeler Keramik, aber von der Qualität auf jeden Fall. Service gibt es an der Imbissbude auch nicht und in der Grünen Gurke habe ich nichts davon mitbekommen. Meiner Frau muss ich sofern in Schutz nehmen, dass auch für mich völlig unverständlich ist, wie so ein Lokal zum Liebling werden kann. Ich werde das Lokal auf keinen Fall wieder besuchen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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