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GastroGuide-User: Carsten1972
hat Ichiban in 49074 Osnabrück bewertet.
vor 3 Jahren
"Ist das jetzt japanisches Essen?"
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Geschrieben am 15.11.2016 | Aktualisiert am 15.11.2016
Besucht am 14.11.2016 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 58 EUR
Meine Frau und ich mussten am Montagabend nach Osnabrück, etwas abholen. Und weil wir ein bisschen Zeit brauchen dorthin und um wieder nach Hause zu kommen, hatten wir vor, nach Erledigung der Abholung noch etwas in Osnabrück zu essen. Zum selber kochen zu Hause wäre es zu spät geworden.

Jetzt ist es auch in Osnabrück nicht ganz so einfach, an einem Montagabend ein geöffnetes Restaurant zu finden. Vor allen Dingen die nicht dem Franchise und der Systemgastronomie angehörenden Betriebe sind geschlossen. Wir überlegten worauf wir Lust hatten und was mit dem PKW auch erreichbar war. Am Innenstadtring erblickten wir in der Nähe des Heger Tores das Ichiban, erleuchtet und geöffnet. Japanisch? Sushi? Lust? Nicken bei uns beiden.......okay, und man kann gut parken dort.

Wir betraten also den fernöstlichen Speisesaal (das Ichiban ist eine Systemgastrokette mit NL in HH, H, BS und eben OS)........anders kann man den Raum nicht beschreiben. Etwa 50 bis 60 Tische für geschätzt 200 bis 300 Personen ohne Probleme geeignet. Und ein Gutteil davon war besetzt. Gutes oder schlechtes Zeichen? Ich war gespannt. Wir fragten nach einem Tisch und wurden informiert, alles frei, wo kein Schild drauf steht? Okay...dann man los! Wir fanden in der Mitte des Raumes einen Tisch für uns und konnten Richtung Theke, Anrichtebereich und halboffene Küche schauen.

Die moderne Interpretation der japanischen Gastronomie, kombiniert mit den Handfertigkeiten der Vergangenheit um Sushi für heute neu zu kreieren. Im japanischen Grill-Restaurant IchiBan bieten wir nicht nur klassische Gerichte wie Sushi und Tempura, sondern auch schmackhafte Variationen neuer Richtungen, um japanischen Geschmack und Aromen unseren Gästen näher zu bringen. Größten Wert legen wir auf Hochwertigkeit und Qualität der Gerichte. Frische Zutaten und sorfältige Zubereitung sind bei uns obligatorisch. IchiBan bedeutet „der Erste, der Beste“ – das ist uns Anspruch und Ansporn.

So beschreibt sich das Ichiban auf seiner HP und will "der Erste und Beste" sein bei der offerierten japanischen Küche. Nun denn, ich bin kein Kenner der japanischen Küche, aber ich weiß, was mir schmeckt. Und ich erwarte von japanischer Küche den für den mitteleuropäischen Gaumen immer etwas fremden Geschmack, tadellos frische und möglichst roh zubereitete Produkte.

Der Service fragte ob wir das "System Ichiban" kennen, was wir verneinten. Es gab die Möglichkeit a la Carte von der gedruckten bebilderten Karte zu essen oder ein AYCE Angebot für etwas über 23 EUR pro Person. Jetzt bin ich nicht der große AYCE Fan, aber ich hatte vor von allem ein bisschen zu kosten, und da kam mir das Angebot entgegen. Zumal das AYCE Angebot nicht bedeutet das man sich an ein zerfledderndes Buffet anstellen muss, es wird am Tisch bedient. Ein Tablet wird einem an den Tisch gebracht, dort sind alle Speisen in kleinen Portionen bebildert angegeben. Maximal 10 kleine Portionen markiert man und sendet es dann per WLAN zur Küche. Dann ist das System für 10 Minuten gesperrt, man kann zwar markieren, aber erst nach Ablauf dieser Zeit neu bestellen. Das Ganze endet dann, wenn ich es richtig verstanden habe, bis entweder Minimum 4 Portionen liegen bleiben oder 2 Stunden vergangen sind.

Der Beginn war etwas sperrig, gefühlt über 100 Möglichkeiten zur Auswahl in 4 Untermenüs wurden angeboten. Aber wir markierten uns fröhlich durch die erste Runde. Es sei vorweg genommen, es wurden zum Schluss 4 Orderrunden, dann waren wir ausreichend gefühlt fernöstlich gesättigt.

Ich stelle hier einen Auszug der verkosteten Positionen ein. Wir begannen mit einer Sushiauswahl.

Das war eine Auswahl von Maki, gefüllt mit Lachs und Thunfisch, sowie ein Tako Nigiri mit Oktopus. Diese Startrunde war gut. Schmackhafter Sushireis gefüllt mit kritikfreiem rohen Fisch. Das ganze dann japantypisch relativ neutral gewürzt, nur die natürlichen Geschmäcker von Reis, Alge und Füllung waren heraus zu schmecken. Auch der Goma Wakame Algensalat war lecker, perfekt dosiert der Sesam im Salat. Diese Runde hat gefallen.

Nächste Runde:

Tuna Kushi und Mussels Spicy, also gegriller Thun und Muscheln mit pikantem Sud. Der Thunfisch war fast roh, wieder von guter Qualität, mit Sesam gegrillt und wohlschmeckend. Das konnte ich mir noch japanisch vorstellen, schwieriger waren dann die Grünschalmuscheln für mich. Gekocht waren die, und dann war über Muscheln und in der Schale ein heftig mit Chili geschärfter Sud gegeben worden, der außer brennen im Mund nichts übrig ließ vom Gericht. War das noch japanisch? Ich weiß es nicht, mir war es zu scharf für ein japanisches Gericht.

Dritte Runde:

Zurück zu den besseren Basics, Spicy Tuna Temaki, Shake Temaki, Tobiko Gunkan Green, Negishake Gunkan, Negitoro Gunkan und noch einmal der gute Tako Nigiri mit Oktopus. Die Eiswaffelförmigen Temaki waren Fingerfood, es war nicht möglich diese per Stäbchen zu verzehren. Der Lachs war wieder roh, kombiniert mit Acocado, war das eine gute Kombination. Auch der scharf marinierte Thun mit Avocado gefiel als Temaki Füllung. Die Gunkan waren auch von guter Qualität. Sehr interessant der mit Wasabi versehene giftgrüne Fischrogen, dass war ein Geschmack und eine Textur, die ich so vorher noch nie geschmeckt habe.  

Vierte und letzte Runde:

Spicy Tuna Roll, Insideout Maguro Roll, Kimchi, Ika Chuka Senzai. Der Maki mit Thunfisch wie die vorherigen lecker, ebenso die nun außen mit Lachs umhüllte Maguro Rolle. Beide Sorten Fischfleisch wieder in guter Sushiqualtät serviert. Der koreanische Chinakohl lecker, dezent vorhandene Fischsauce und gut dosierter Chili ließen ihn gut schmecken. Nicht so gut der Sepiasalat, die Tubenstücke waren zu fest, nicht weich genug gekocht. Das Mundgefühl war eher in Richtung Radiergummi als in Richtung Kalmar.

Der Service agierte aufmerksam. Die in der jeweiligen Runde bestellten Speisen kamen nach kurzer Wartezeit.

Dazu tranken wir beide alkoholfreies Pilsener. Und können zum Fazit kommen. Ich kann das nur subjektiv auf Authenzität in Sachen japanische Küche beurteilen. Da wir uns auf Fisch und Meeresfrüchte beschränkten, war mein Eindruck ganz gut. Die servierten Gerichte waren zumindest japanisch inspiriert in Hinblick auf Zutaten und Zubereitung. wenn ich aber in die Karte blickte und in Augenschein nahm, was an anderen Tischen an frittierten und gegrillten Gerichten gereicht wurde, habe ich meine Zweifel, ob der Japaner dass so als einheimisch durchgehen lassen würde. Mit unseren Gerichten waren wir zufrieden, das PLV stimmte. Man kann hier unkompliziert essen, allerdings bin ich der Meinung dass die Betreiber vom Acacia in Münster oder einige japanische Gastronomen in Düsseldorf Bauchgrimmen bekommen würden ob der angebotenen Speisen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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