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GastroGuide-User: rr_blaubaer
hat Classico Mediterran in 60325 Frankfurt am Main bewertet.
vor 5 Jahren
"Edles Ambiente, anständiges Essen (wenn's nicht grad aus ist), dürftiger Service"
Verifiziert

Geschrieben am 24.04.2015
Besucht am 21.04.2015
Erschöpft von längerer Parkplatzsuche (habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich Herrn Weselsky nicht mag) schleppte ich mich durch das Frankfurter Westend. Zum Mittag gab es nur ein Sandwich, dann darf ich mir was gönnen (sagt das Engelchen auf der Schulter, was das Teufelchen auf der anderen Schulter sagt kann ich hier nicht widergeben).

Das Classico Mediterran war mir bereits früher schon aufgefallen, als warum nicht das schöne Wetter nutzen und versuchen einen Platz im Freien zu ergattern. Außer Gästen ist draußen niemand zu sehen, also gehe ich die Treppe zum Restaurant hoch. Innen sitzen auch ein paar wenige Gäste. Soweit ich das in der kurzen Zeit mitbekomme sieht es ganz nett und einladend aus.
Eine Bedienung kommt mir entgegen begrüßt mich kurz und ich trage ihr mein Anliegen nach einem Tisch für eine Person, möglichst im Freien, vor. Sie bittet mich mit nach draußen, um nachzusehen, ob es noch ein Plätzchen gibt.

Der Außenbereich ist durch Topfpflanzen von der Straße abgetrennt. Große weiße Sonnenschirme mit Brauereiwerbung sind aufgespannt. Die Gartenmöbel sind schwer und bequem, die Tische sind mit weißen Tischdecken, Stoffservietten, Besteck, einer Flasche Olivenöl (kretisches, wie sich später herausstellt) sowie Salz- und Pfeffer-Streuern (keine Mühlen) eingedeckt.
Mir gefällt das ganz gut und ist mir 4,5 Sterne wert.
 
Service:
Wie ich also am Fuße der Treppe stand und darauf hoffte einen Tisch zu ergattern, hat sich die Bedienung (ich nehme übrigens an, die Chefin) einem anderen Tisch zugewand um dort kurz die Teller abzuräumen. Ich stand da nun also etwas verloren rum und wartete bis die Chefin sich wieder mir zuwandte.
Sie bot mir dann einen freien 2er-Tisch an und fragte mich noch auf dem Weg dorthin, ob ich schon etwas zum Trinken wolle. Mir kam, obgleich ich mich etwas überrumpelt fühlte, ein Bitterino in den Sinn. Leider gab es das nicht und die aufgezählten Alternativen (unter anderem Tomatensaft) rissen mich auch nicht gerade vom Hocker (auf dem ich ja noch nicht mal saß), sodass ich erstmal abwehrte.

Außer der Chefin waren noch 2 weitere junge Damen, beide asiatischer Herkunft, im Service tätig. Alle in Schwarz und weiß gekleidet. Zudem kam der Küchenchef (in rosa gehalten) des Öfteren nach draußen um mit Gästen zu plauschen, bzw. Empfehlungen fürs Essen zu geben (was ja eigentlich nicht schlecht wäre, aber sehen wir mal). Die jungen Damen im Service waren durchaus sehr bemüht, es war aber offensichtlich, dass es sich nicht um ausgebildete, bzw. unerfahrene Kräfte handelte (sollte dem nicht so sein, umso schlimmer)
 
Als ich nun endlich an meinem Platz saß, wurde mir von einer der jungen Damen kommentarlos die Speisekarte überreicht. Nach ein paar Minuten kam sie dann wieder zu mir um die Bestellung aufzunehmen. Normalerweise wäre mir das keinen eigenen Abschnitt wert, hier muss ich aber etwas ausholen.

Daher zunächst mal zur Karte:
Sie beinhaltet soweit ich das behalten habe etwa 6-8 Vorspeisen zwischen 12 und 18 Euro. Weiterhin 3 Salate, 2 Pasta-Gerichte und knapp 10 Hauptgerichte (Fisch und Fleisch) zwischen 19 und 28 Euro.
Meine Auswahl fiel für die Vorspeise auf den rosa Kalbsrücken mit Thunfischcreme und Kapern und als Hauptgericht den Loup de Mer mit verschiedenen Gemüsen.

Als ich der Bedienung meine gewünschte Vorspeise bekannt gab, meinte sie, dass es diese leider nicht mehr gebe. Ich fragte dann nach, ob es ansonsten alles gäbe, worauf sie klare Zustimmung äußerte.  Nach längerem hin und her entschied ich mich schließlich für die gegrillten Babycalamaren auf Tomaten und Frühlingszwiebeln (11,40 €) (was einen rechtgroßen Vertrauensvorschuss meinerseits bedeutetet, da ich die Gattung Kopffüßer ansonsten eher nicht so gerne auf meinem Teller habe).
Als ich dann den Loup dem Mer zum Hauptgang bestellen wollte, druckste die Bedienung wieder rum und meinte, der sei leider auch aus. Hier nun begann ich leicht säuerlich zu werden, wurde mir doch ausdrücklich versichert, dass die anderen Speisen alle da seien.
Nun gut. Die weiteren Gerichte der Karte ließen kein rechtes Glücksgefühl bei mir aufkommen und so tat ich mich etwas schwer mit der Auswahl. Da rief von 2 Tischen weiter der Koch, der gerade an einem anderen Tisch einen Plausch hielt etwas von Kalbskotelette herüber und noch anderes, was ich nicht so verstand. Offensichtlich aktuelle Tagesgerichte, die mir bis dahin noch niemand präsentiert hatte. Die Bedienung griff das nun auf und versuchte mir neben dem Kalbskotelette noch ein anderes Teil dieses Tieres schmackhaft zu machen, was sich kommunikativ aber als schwierig erwies.

Daher zurück zum Kalbskotelette. Ich wollte wissen, was es denn als Beilage dazu gäbe. "Äh Tagesgemüse glaube ich". Ok, Kalbskotelette ist ohnehin einer meiner Favoriten, wenn es um fleischliche Genüsse geht, also nehme ich das. Ich hätte vorher vielleicht nach dem Preis fragen sollen, da dieser letztendlich mit 35,- € durchaus signifikant höher lag als das höchst bepreiste Hauptgericht der Karte.

Bei meiner Frage nach offenen Weißweinen konnte sie mir zu den beiden verfügbaren Varianten leider auch nicht mehr sagen, als die Karte. Also wählte ich auf gut Glück einen Foloi Rhoditis (0,2l 5,90€), der sich aber leider als recht nichtssagend herausstellte.
Dazu ein kleines Mineralwasser (0,25l 2,50 €) Es kam dann aber nicht als kleine Flasche (war auch alle) sondern als Glas (0,4 l zum Preis der kleinen Flasche).
 
Im Nachhinein habe ich bei anderen Gästen dann noch Spargel gesehen, den ich mir durchaus hätte als gute Alternative vorstellen können, nur leider wurde mir dieser nicht angeboten. Witzig war übrigens noch, dass der jungen Bedienung wohl durchaus klar war, dass es leichte Verständigungsprobleme gab. Zumindest hat sie nach meiner Bestellung mit dem Chef getuschelt und mir dann ein rohes Kalbskotelette mit den Worten "Das ist ein Kalbskotelette" präsentiert. Ich musste zwar innerlich etwas grinsen, habe aber brav genickt und meine Zustimmung geäußert "JA, DAS IST EIN KALBSKOTELETTE".

Kaum war die Kellnerin mit dem rohen Fleisch wieder nach Innen verschwunden, kam übrigens die Chefin an meinen Tisch, brachte mir die Karte und wollte meine Bestellung aufnehmen :-)

Das Servieren der Speisen Getränke erfolgte dann relativ entspannt, mit den üblichen Wünschen. Annonciert wurden die Speisen allerdings nicht. Kurz bevor ich die Vorspeise beendet hatte, fragte dann die Bedienung noch ob alles OK sei.

Die Chefin, die, während ich den Hauptgang zu mir nahm, am Nebentisch kassierte, nach Dessert oder Kaffeewünschen fragte und einen Digestiv aufs Haus anbot, wünschte mir auch noch einen Guten Appetit, die Gelegenheit zur Nachfrage, ob alles OK sein hat auch sie aber ungenützt verstreichen lassen.

Als ich bei der jungen Kellnerin dann den Wunsch zu Zahlen äußerte, blieb Sie an meinem Tisch stehen und "Flüsterte" sehr laut zu ihrer Chefin rüber, dass ich zahlen wolle.
Die junge Bedienung brachte dann etwas später die Rechnung und nahm nach sehr, sehr, sehr langer Wartezeit auch das Geld in Empfang. Eine Nachfrage wegen eines Kaffees oder eines Digestives gab es bei mir übrigens nicht (Vielleicht sollte ich nächste Mal eine Krawatte umbinden. Bitte versteht das nicht falsch, ich suche mir meine Restaurants nicht danach aus, ob es am Schluss was aufs Haus gibt oder nicht. Was ich jedoch nicht mag, ist eine solch offensichtliche Ungleichbehandlung, da fühle ich mich dann als Gast 2. oder 3. Klasse)
Beim Hinausgehen gab noch eine flüchtig zugerufene Verabschiedung, die konnte das Gesamtbild aber leider auch nicht mehr retten.

Insgesamt war der Service eher ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Anspruch und Realität klaffen hier deutlich auseinander. Alleine das "Zurufen der Tagesgerichte durch den Koch über mehrere Tische hinweg empfand ich schon fast als Zumutung. 2 Sterne
 
Das Essen
Zunächst kam ein Körbchen mit Weißbrot und ein Schälchen mit Oliven. Dazu noch das bereits am Tisch befindliche Oliven-Öl.
Das Brot, welches mit Mohn und Sesam bestreut war, schmeckte auch sehr stark nach dem Mohn, für mich etwas zu sehr (fast wie bei Mohnkuchen). Die Oliven (grün mit Stein) waren dagegen köstlich, von wirklich sehr guter Qualität.
 
Gegrillte Baby-Calamaris auf Tomaten-Bett
Optisch war dieses Gericht ein echter Hingucker (sorry, dass es keine Fotos gibt, aber die Tische standen so eng, da trau' ich mich irgendwie nicht).
Unten die Tomatenscheiben mit den Frühlingszwiebel-Stücken und darüber 4 Tuben und die zugehörigen separat drapierten Ärmchen. Die Calamare waren bis auf eine Tube, die etwas sehr bleich war schön gegrillt, leicht mit Thymian aromatisiert und auch recht zart (die eine etwas bleiche war allerdings auch etwas zäh). Außerdem war noch sehr grob gemahlener rosa Pfeffer (eigentlich ja rosa Beeren) auf dem Teller verteilt. Den hätte man gerne weglassen dürfen, passte er meiner Meinung nach doch so gar nicht dazu. Ich war sehr positiv überrascht, da ich wie schon erwähnt sonst kein Fan dieser Gattung Meeresbewohner bin.

Etwas enttäuschender dagegen der Rest. Die Tomatenscheiben mit den Schlotten sahen zwar nett aus, waren aber eher Langeweile pur.
Da hätte ich mir ein wenig mehr Einfallsreichtum gewünscht.
 
Milchkalbskotelette
Das Milchkalbskotelette was optisch sehr beeindruckend. Ein Kalbskotelette habe ich ja durchaus schon öfters gesehen, hier hing jedoch noch etwa 40 cm Rippenknochen mit dran. D.h. auf dem Tisch war Platz machen angesagt. Leider hat der weit über den Tellerrand herausschauende Knochen beim Abstellen des Tellers auf dem Tisch mein Buch eingesaut (hat Bedienung übrigens nicht mal bemerkt als ich dieses schnell wegzog und abgeputzt habe). So ein Knochen macht zwar Eindruck, aber ich sag‘s mal so: ich will ja beim einem Hirschrücken auch kein Geweih auf dem Teller haben. Etwas kürzer hätte es schon sein dürfen. Leider war der Knochen auch noch im originalen Zustand, d.h. er war nicht freigeschält. Auch das hätte er ruhig sein dürfen. Steinzeitartiges Abnagen halber Kühe passt irgendwie generell weder in diese Zeit noch im Besonderen in dieses Lokal.
 
Das Fleisch selbst hatte ein schickes Grillmuster, roch aber leicht nach Rauch (vom Grill). Das mag ich nicht so gerne. Es war auch leider ein wenig zu stark durch gegart, d.h. es war zwar noch nicht durch, aber medium war es nur noch direkt am Knochen. Es war dennoch wunderbar Zart und geschmacklich (bis auf den Rauch) ohne Fehl.

Das angekündigte Gemüse bestand aus Kartoffeln, Paprika, Zucchini, roter Zwiebel und Aubergine. Alles zusammen mittels eines Rings in Form gebracht als "Pampsberg" neben dem Kotelette auf dem Teller. Es sollte wohl so eine Art Ratatouille darstellen. Zwar geschmacklich gut getroffen und schön abgeschmeckt, von der Konsistenz aber jenseits von Gut und Böse. Mag sein, dass das so gewollt war. Schöner wäre es für mich aber in etwas weniger zahnschonender Konsistenz gewesen.
 
Für das Essen in Gänze würde ich tendenziell 3,5 Sterne sehen.
 
Sauberkeit
Bis auf einen paar Krümelchen auf dem Tisch war alles Sauber: 4,5 Sterne
 
Preis-Leistungs-Verhältnis.
Vorspeise, und Getränke würde ich als passend bepreist ansehen, das Kalbskotelette als sehr ambitioniert (insbesondere ohne Ankündigung). Daher, und auch wegen der eher sehr anspruchslosen Beilage, 3,5 Sterne
 
Fazit:
Trotz anständigem Essen hat mich das Lokal nicht überzeugt. Ich hatte das Gefühl kein willkommener Gast zu sein sondern eher Bittsteller, der gefälligst froh sein soll, dass er hier essen darf. Daher wird es wohl trotz des recht guten Essens nicht so schnell zu einer Wiederholung kommen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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