Anh & Em
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Robert-Koch-Straße 18, 42781 Haan
Restaurant Lieferdienst Take Away
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GastroGuide-User: Shaneymac
hat Anh & Em in 42781 Haan bewertet.
vor 4 Jahren
"Ein kleines Juwel, nach dem ganz Haan krähen sollte…"
Verifiziert

Geschrieben am 10.01.2016 | Aktualisiert am 10.01.2016
Es existiert eine neue Bewertung von diesem User zu Anh & Em
Besucht am 07.01.2016
Besser spät als nie: Zunächst mal der gesamten Community ein frohes neues Jahr, hoffe Ihr hattet alle schöne und auch kulinarisch erfreuliche Feiertage!

Für mich persönlich begann 2016 in eben jenem Zusammenhang genauso positiv wie das vergangene Jahr endete. Dies nicht zuletzt wegen dieser Neuentdeckung in Haan, einem Städtchen, das eine gewisse Bekanntheit durch seine Nennung in fast jedem NRW Verkehrsbericht erreichte – der A46 und ihrer bemitleidenswerten Düsseldorf-Pendler sei Dank.

Eigentlich hatte ich nach einem Termin in Solingen Gräfrath schon ein Mittagessen am Gräfrather Markt geplant, folgte jedoch gerne einer spontanen Einladung meiner Kunden bzw. genauer der hymnenhaften Empfehlung von meinem lieben Freund und Sushi-Fanatiker Paul.

Letzterer ist auch für einen gemeinsamen Berlin-Besuch vor einigen Jahren und einem fulminanten Gelage bei „Mr. Hai“ in Steglitz verantwortlich – bis heute ist dieser legendäre Berliner Sushi Tempel meine persönliche Sushi Benchmark und der Grund dafür, dass ich in 80% der hiesigen Lokale entweder todunglücklich bin oder schon vorher verächtlich abwinke, wenn ich die 08/15-Lachs-Maki-Nigiri-Karte sehe.

Das 08/15 auf das Anh & Em nicht zutrifft, kann man schon der vielfältigen, momentan unter
http://www.anh-em.de/download/Take_Away_Karte_online.pdf verfügbaren Karte entnehmen.

Dort finden sich neben einer großen (und ich meine wirklich großen!) Vielfalt an Sushi Varianten auch Teppanyaki, Wok und Curry Gerichte sowie Ausflüge nach Vietnam und in die Thai-Küche. Eine preiswerte Mittagskarte rundet das Ganze auch budget-technisch für die Lunch-Stammgäste ab, wobei das Preisniveau bei Hauptgerichten bis maximal 14 Euro ohnehin als moderat bezeichnet werden kann, zumal bei der gebotenen Qualität.

Zu dritt kamen wir bester Dinge gegen 13 Uhr an, einen Tisch hatten wir kurz vorher reserviert, was angesichts der überschaubaren Größe des Lokals mehr als Sinn machte wie ich vor Ort feststellte.

Apropos vor Ort: Die Lage könnte versteckter nicht sein, in der Nähe des Industriegebietes, mitten in einem Wohnviertel liegt es, das kleine, schmucklose Gebäude das anmutet, als ob es früher ohne weiteres auch eine Reinigung oder eine Lottoannahmestelle beherbergt haben könnte.

Aber der erfahrene Vielfraß weiß: Nicht nur in Südeuropa verbergen sich hinter den unscheinbarsten Fassaden oft die erfreulichsten lukullischen Erfahrungen, ganz im Gegensatz zu polierten Innenstadt-Tiefschlägen von der Sorte Vapiano oder Alex.

Der blitzblanke Innenraum des Anh & Em gefällt dann auch mit einigen netten Deko-Details, ansonsten herrscht eine gewisse stereotypische „Loungigkeit“, Gastro-Mainstream-Zeitgeist eben, aber warum auch nicht wenn es nicht allzu plastiklastig wirkt und Farben wie Materialien ansprechen. Nettes Detail: Das längliche Sichtfenster, das einen Blick in die gepflegte Küche ermöglicht.

Begrüßt wurden wir von einer netten jungen Dame hinter einer kleinen Bar, die sich vielleicht nach dem Abi ein paar Mark dazu verdient - bedient wurden wir von einer etwas wortkargen, aber dennoch zuvorkommenden männlichen Hipster-Variante in recht adretten Kellnerklamotten im Restaurant-Design.

Die große Auswahl macht einem die Entscheidung wahrlich nicht leicht, zumal meine beiden Mitstreiter sich gegenseitig mit unschlagbaren Empfehlungen überboten, von links hörte ich „Nimm auf jeden Fall Tom Kha Gai und Sushi“, mein Gegenüber lobpreiste ausdrücklich die witzig klingende „Verführerische Ente“ und die Currys.

Meine mir angeborene Langweiligkeit ließ mich dann spontan

„Knackige Garnele“ 3 Stk. Knusprig gebackene Garnelen in Tempuramantel – 4 €

für die Vorspeise wählen, erst im Nachhinein entdeckte ich so einige schöne Möglichkeiten auf der Karte, sich kleine, interessante Kombinationen zu gönnen, die „„Freundschaftsplatte“ für 2 Personen zu 9 € sei hier beispielhaft genannt.
 
Zu den Garnelen wird normalerweise Cocktailsauce serviert, auf meinen Wunsch wurde diese gerne mit Sweet-Chili Sauce ersetzt, das schien mir heute passender.

Rein optisch eine nette Sache, und auch der Geruch ließ hoffen, appetitlich einen ganz zarten Hauch fischig und ansonsten nach frischem Öl und warmen Teig duftend wurde das erste der ansehnlichen Exemplar in der Dipsauce versenkt um dem gierigen Autor hernach ordentlich die Schnute zu versengen.

Das sehr empfehlenswerte, gut gekühlte Bitter Lemon von Thomas Henry (das Fläschchen zu 2,30 €) half mir diese Szene halbwegs würdevoll zu überspielen und ich freute mich an der saftigen, aromatischen Garnele, dem ideal-knusprigen Teig und einer gut abgeschmeckten Sweet-Chili Sauce, der ich aber beim besten Willen nicht attestieren kann, ob sie im Hause entstanden ist oder aus einer - brauchbaren -Flasche kam.

Zu meiner Linken wurde begeistert die hochgelobte Tom Kha Gai inhaliert und diese sah wirklich verführerisch aus, dieses helle Orange, das die Kokosmilch mit den weiteren Zutaten formte, kombiniert mit einer Garnitur aus Koriander und Chili machte schon beim Hinschauen Spaß.

Leider lehnte ich das Angebot diese zu probieren ab, ich denke immer das könnte jemandem insgeheim doch unangenehm sein, ich bereute es jedenfalls schon in diesem Moment…

„Die verführerische Ente“ - gegrilltes Entenbrustfilet mit Wokgemüse in pikanter BBQ Soße – 10,50 € (plus 1,50 € für die gebratenen Eiernudeln als Beilagenänderung)

Dieses Gericht wurde mir wärmstens empfohlen, die BBQ Sauce sei hausgemacht und natürlich eine Asia-Variante, die Ente rösch gegrillt und alleine die Haut eine Sensation - klang gut, wurde bestellt, die Beilagenänderung in gebratene Nudeln statt Reis kein Problem.

Tja, wo fange ich an? „The alluring duck“ enttäuschte nicht, wenn ich mich schon weiter oben über die olfaktorischen Vorzüge von drei frittierten Garnelen auslasse, sollte dieser Teller in dieser Beziehung Anlass zu einer halben Seite Hosianna (@First: Nein, das ist kein Boney M. Song…) geben.

Der vorgewärmte Teller beherbergte himmlisch duftende Speisen, die Wok und Grill erst vor Sekunden verlassen hatten, die Anrichtung geschah appetitlich ohne prätentiöse Kunstgriffe.

Das Fleisch war genauso knusprig gegrillt, wie es auf dem Foto den Anschein macht, jedoch ohne einen Hauch trocken zu sein, gewürzt war sie eher zurückhaltend, was angesichts der wuchtigen Sauce und geschmacklich nicht minder filigranen Nudeln ein Segen wahr.

Die asiatische BBQ Sauce war eine schöne Komposition aus Noten von Hoisin- und Soja Sauce (denke Ketjap Manis), dazu brauner Zucker, Ingwer, Galgant, Mirin, Fischsauce und etwas frischem Gemüse. In der Konsistenz gottlob nicht so dickflüssig wie eine „amerikanische“ BBQ Sauce auf Melasse Basis, gefiel aber ebenso wie diese durch die verlässliche Balance von Süße, Säure und einer hintergründigen leichten Schärfe - „ein echt lecker Sössken“ würde Horst Lichter womöglich urteilen.

Oft eine lieblose, geschmacklose Sache diese „gebratenen“ Nudeln in Asia Lokalen: Abteilung Spaghetti andünsten, Ei und Zwiebel rein, vielleicht noch laffe Sojasauce drauf und fertig ist die Laube.

Weit weg davon dieser duftende Haufen asiatischer Nudel-Frohsinn neben meiner Ente. Was ich bei Wok-Gerichten mit am meisten schätze ist dieser unverwechselbare „Hitze Geschmack“, den man in dieser Form eigentlich nur in einem Wok herstellen kann, glaubt man einigen prominenten Köchen.

Dieser Geschmack war sehr präsent und es war gut so: Zwiebeln, grüne Bohnen, Mungbohnen-Keimlinge, Streifen roter Paprika und ein großzügiger Spritzer einer guten Sojasauce sorgten für eine überaus schmackhafte Beilage, wie ich sie für viele asiatische Gerichte liebe.

Satt und zufrieden plauderten wir noch ein wenig, vergaßen etwas die Zeit und hatten es gegen Ende dann doch etwas eilig, die Bezahlung erledigten wir der Einfachheit halber direkt vorne an der Bar, die Verabschiedung geschah genauso nett und ungekünstelt wie die Begrüßung, man merkt dass man die Stadtgrenze zu Düsseldorf noch nicht überschritten hat.

Fazit

Für alle Freunde von Sushi & Co. eine eindeutige Empfehlung und die beruhigende Erkenntnis, dass auch alle „Nicht-Fisch-Esser“ oder Vegetarier hier eine frische und aromatische Küche genießen können.

Über das Ambiente und die Platzverhältnisse geben meine Bilder sicher mehr Aufschluss als meine persönliche Meinung. Ich habe mich beim Mittagessen zu dritt sehr wohlgefühlt, ob man hier abends mit 8 Personen gemütlich dinieren kann und will, möge jeder selbst entscheiden, das Lokal liefert übrigens auch. Zur Sauberkeit habe ich mich in der Kritik schon geäußert, alles OK, die Toiletten habe ich nicht aufgesucht.

Der Service hat gut funktioniert, auch wenn es eher zweckdienlich war und nichts mit klassischer Gastronomie zu tun hat. Junge, ungelernte Kräfte eben aber zuvorkommend und freundlich und das sind wiederum Attribute, die man leider nicht unbedingt jeder „klassischen, gelernten Kraft“ attestieren kann. Mir ist Freundlichkeit wichtiger als ein eisig gegrunztes „Sie sind zufrieden?“ alle 10 Minuten. Allenfalls, dass man die preisliche Auswirkung meiner Beilagenänderung mit keiner Silbe erwähnte, könnte man anmerken, auch wenn ich es nicht anders erwartet habe.

Das PLV möchte ich ebenfalls als gut bezeichnen, angesichts der frischen Zubereitung, guter Zutaten und nicht zuletzt der mehr als anständigen Portionen kann man bei Wettbewerbern sehr leicht das gleiche oder mehr für weniger ausgeben.

Auch wenn ich nicht in allen Disziplinen inflationäre Höchstnoten vergeben habe, gebe ich nach Küchenreise eine knappe 5, denn hier in der Gegend sind gute Asia-Optionen mehr als rar.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt, wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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