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GastroGuide-User: x2x
hat Mimmo e Co in 80337 München bewertet.
vor 3 Jahren
"Einfach nur eine Pizzeria, aber mit einem hohen Wohlfühlfaktor."
Verifiziert

Geschrieben am 26.04.2016 | Aktualisiert am 20.05.2016
Besucht am 28.03.2016
* Ein schicker Italiener, eine kreative Trattoria, eine Osteria mit italienischer Küche, dass alles ist die Pizzeria Mimmo e Co in München nicht. Man erhebt denn Anspruch nur eine Pizzeria zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Relativ nahe an der City, in der Nähe der Münchner Markthallen, nicht weit weg vom Sendlinger Tor. Fast schon unscheinbar in einer Seitenstraße gelegen, vor dem Haus eine kleine Außengastronomie. Wir hatten online reserviert und erhielten umgehend eine Rückantwort mit Bestätigung. Immer noch bin ich erfreut, wenn man auf Online-Reservierungen eine Antwort bekommt, denn das ist in unserer multimedialen 2.0 Welt längst noch kein Standard. 

* Die Pizzeria ist klein, vielleicht gute 30 Plätze. Die Einrichtung ist nett, Hochlehner, blanke Tische, das ein oder andere Bild an den Wänden. Man präsentiert sich solide, aber bescheiden. Ingesamt jedoch eine Wohlfühlatmosphäre. Die (wie sich später heraustellte) Chefin begrüßte uns herzlich ohne zu überziehen, wie man es häufig beim Volk südlich der Alpen erlebt. Sie führte uns an den offensichtlich noch letzten freien Tisch. Nett, in einer Ecke am Fenster. Die Karten wurden gereicht, zeitgleich die Frage nach einem Aperitif. Wir (Hausimausi) entschieden uns für Aperol Spritz, während ich lieber ein Produkt aus dem Hause Augustiner bevorzugte. Der Aperitivo wurde rasch serviert, ebenso das Augustiner Hell. Wir studierten die Karten. Die üblichen italienischen Vorspeisen, Salate, etwa 10 Pasta-Gerichte, ganz viele Pizzen und (Achtung) ein ganzes Fleischgericht und einmal Meeresfrüchte in Form vom Scampis. Man hatte uns das Mimmo e Co empfohlen, aber ausdrücklich für Pizza + Pasta, weil Fisch und Fleisch hier fast bedeutungslos ist. Insofern waren wir nicht überrascht. Der Laden war voll, es herrschte fast schon eine fröhliche und ausgelassene Stimmung, denn etwa die Hälfte der Gäste kamen aus dem Land zwischen Brenner und Sizilien. Sicherlich ein gutes Zeichen. Hasimausi meinte das der Prosecco-Anteil im Aperol Spritz recht hoch sei. Ein Umstand den sie durchaus positiv wertete. Ich konnte ihr gegenüber leider keine Angaben machen, über den Anteil von Hopfen und Gerste in meinem halben Liter.

* Und dann erschien er, der männliche, junge Service an unserem Tisch. In Restaurant-Bewertungen spricht man gerne vom "jungendlichen" Service. Der sehr junge Mann der hier strahlend an unserem Tisch stand, gehörte allerdings der Gruppierung "U 16" (nicht Ü 16) an. Seine Service-Outfit ist einfach zu beschreiben. Jeans und ein T-Shirt, fertig ! Das T-Shirt war makellos weiß, die Form erinnerte allerdings an die Shirts, die Pizzabäcker im Normalfall tragen. Freundlich fragte er nach, ob wir schon gewählt hätten - ja wir hatten. Als Vorspeisen Salat mit gegrilltem Scamorza und Antipasto Misto. Als Hauptgerichte die Pizza Fumo mit Südtiroler Schinken und Spaghetti mit Scampi. Dazu noch ein Augustiner und für mein Dame einen offenen Lugana docg Ottela. Während ich die Order abgab, nickte der junge Mann freundlich zustimmend, inklusive mehrfacher Nennung von "si, si, si". Notiert hat er nichts ! Er bedankte sich sehr höflich und verschwand. "Das kann der niemals behalten", so das (Vor) Urteil meiner Dame, "Oder" - so meinte sie, "wir erhalten bestimmt nicht das was wir bestellt haben". Es dauerte weniger als 30 Sekunden und Pasquale (Name geändert, nennen wir ihn einfach so) stand wieder vor uns. In Hasimausis Gesicht war erkennbar der Triumph zu sehen, denn man umgangssprachlich mit "Siehste sag ich doch" beschreiben kann. Tja, (leider) Fehlanzeige. Freund "Pasquale" wollte sich nur versichern, ob es tatsächlich nur ein Glas Wein sein sollte, oder doch besser "una bottiglia". Ich liebe das Verkaufstalent der Italiener. Kurz danach servierte er die Getränke, beim Wein mit der deutlichen Ansage "Vetro Vino Rosso". Dazu frisches Brot und eine Knoblauchcreme - lecker. Im Restaurant tobte inzwischen das italienische Leben. Die Padrona und der junge Mann im Service, der Padrone wohl in der Küche.

* Nach einer angenehmen Wartezeit  wurden die Vorspeisen serviert. Beides optisch sehr überzeugend. Die Antipasto glänzte mit viel Schinken, noch mehr Salame, etwas Formaggio und wenig Gemüse. Lecker, gute Produkte, eine überzeugende Leistung. Mächtig der Salat meiner Dame. Ausdrücklich lobte sie den gegrillten Scamorza, wobei sie den Salat-Anteil qualitativ als normalen Durchschnitt bezeichnete. Bevor ich noch etwas Brot ordern konnte, war unser junger Service schon mit dem Bäckerprodukt am Tisch. Seinen Service erlebten wir inzwischen als flott, aufmerksam und charmant. Wir fühlten uns nach dem Verzehr der Vorspeisen wohl und schauten dem emsigen Treiben zu. Fallweise fühlten wir uns wie in Neapel und nicht wie in München. 

* Allora - das Essen. Für mich die Pizza mit dem Schinken aus Südtirol. Auch dieser erste (visuelle) Eindruck überzeugte bereits. Der Teig war gut ausgebacken, zwar ein Rand an der Pizza (eher nicht mein Fall), aber dieser hielt sich in Grenzen. Auf der Pizza guter Mozarella und sehr ordentlicher Schinken aus dem südlichsten deutschen Bundesland (Südtirol). Alles fein gewürzt. Prima ! Obwohl ich nicht gerade zu den Pizza-Freaks gehöre, hier hat mich der italienische Mafiakuchen überzeugt. Und meine Dame ? Nun sie brachte es kurz auf den Punkt. Wunderbare - al dente - Spaghetti mit Scampis. Für meine liebe Dame etwas zuviel. Selber Schuld. Wer vorher bereits seinen Hunger mit dem Verzehr von Grünfutter reduziert, hat eben später etwas weniger Appetit. Hasimausi hatte keine Reserven mehr für ein Dessert, mir ging es ähnlich. Wobei für einen Grappa immer noch Platz ist. - Unser ganz persönliches Fazit: Es muss nicht immer der bessere oder sogar Edelitaliener sein. Hier wurde handwerklich und solide gekocht, hier gab es keine kulinarischen oder ausschweifenden Versprechungen. Wir fühlten uns einfach wohl und gut aufgehoben. Küche und Service harmonierten.

Fazit: Das Essen überzeugte und verdient ohne wenn und aber 4 Sterne. Für "Pasquale" - unserem jugendlichen Service -  der bestimmt noch die Schulbank drückte, völlig überzeugte 4,5 Sterne. Ebenso für die herzliche Padrona. Fast unschlagbar das PLV. Die Pizza- und Pasta Gerichte lagen alle bei mehr oder weniger 10,- Euro, gleiches gilt für die Getränke. Auch diese Preisstellungen sensationell günstig und das am Rande der Münchener City. Wir werden wiederkommen, wenn wir in der Gegend sind. Aber nicht weil es günstig ist, sondern weil hier handwerklich solide und ehrlich gekocht wird.

tante grazie
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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