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GastroGuide-User: DerSilberneLoeffel
hat Maximilians · Kurhotel in 96476 Bad Rodach bewertet.
vor 4 Jahren
"Gehoben Essen gehen. Und so."
Verifiziert

Geschrieben am 05.06.2016
Es existiert eine neue Bewertung von diesem User zu Maximilians · Kurhotel
Besucht am 04.06.2016 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 63 EUR
Den Tag haben wir in der prallen Sonne auf einem Reitturnier verbracht. Kulinarisch hätten wir wählen können zwischen selbstgemachtem Kuchen (weiß ich, wer da die Finger drin/dran hatte?) und einer Pasta aus der Tüte. Na dankeschön. Der Bratwurst- und Steakwagen - sonst obligatorisch - war nicht verfügbar, weil sich kein Personal für die Reinigung im Nachgang fand. Na prima. Also durften es Wurstbrötchen sein. Nicht so der Bringer, aber etwas, was uns veranlasste, einfach in die nähere Umgebung zu fahren und zu schauen, welches Lokal wir schon länger nicht mehr besucht hatten.

Der erste Anlauf war in Roßfeld. Das Wetter lud aber nicht zum draußen Sitzen ein, somit war das passèe. Nächste Station - geschlossen. Und da war der Blick auf das Kurbad in Bad Rodach. War da nicht mal was?

Ja, da war was. Das Maximilians, das Hausrestaurant des Kurhotels, direkt an der Therme. Parkplätze vor der Tür, schon da der tolle Ausblick auf die Auen vor Bad Rodach und natürlich der Blick auf die Stadt.

Der Zugang ist natürlich wie alles in diesem Hotel speziell auch auf Menschen mit Gebrechen ausgelegt, die Türen breit genug, die Tische nicht zu eng, die Toiletten groß und ebenfalls barrierefrei.

Das Restaurant wurde, wie auch das Hotel, erst kürzlich einer Gesamtrenovierung unterzogen. Helle, warme Farben, dezente Bilder an der Wand, viel Holz und eine komplette Front aus Glas. Mit Klimaanlage, so lässt es sich dann auch hier aushalten, wenn die Sonne gnadenlos vom Himmel scheint. So gemütlich die Zimmer ausgestattet sind, so aufgeräumt aber doch gastlich ist das Restaurant.

Wer in das Restaurant möchte, muss an der Rezeption vorbei. Kurz gefragt, herzlich hereingebeten. Essen zu bekommen war ebenfalls trotz unseres frühen Eintreffens kein Problem. Die Platzwahl war auch uns überlassen worden, nur die reservierten Tische waren logischerweise tabu.

Getränke wurden bei der Kartenübergabe bestellt, ein kleines Wasser (VIO still, 0,25 l, 2,60 €), zwei MezzoMix (0,33 l, 3,10 €) sowie ein Aperol Spritz zu 5,50 € sollten es werden. Ich bin mir bewusst, dass wir in einem Hotel speisten, die Preise waren somit wie erwartet höher als ortsüblich. Bei Minerwasser geht nach der Mineralwasserverordnung Mineralwasser eben auch nur aus der Flasche. Akzeptiert. Aber, warum muss ein Hotelrestaurant, welches eindeutig den Wert auf gehobeneres Ambiente legt, einen Softdrink in Flaschen an den Tisch bringen? Schade, das stört das Bild schon. Aber, das ist jammern auf hohem Niveau.

Die gebundene Karte wurde an unseren Besuchstag um eine Spargelkarte ergänzt, aus welcher wir uns zuerst jeweils ein Pfund Spargel (13,90) und ein Rumpsteak dazu (um die neun Euro) aussuchten. Leider mussten wir erfahren, dass Spargel nicht mehr zu haben sei. Jetzt könnte ich  natürlich meckern und sagen, dann solle man sowas auch nicht auf die Karte stellen. Ich denke aber, da es der letzte Öffnungstag war, ging der Küchenchef kein Risiko mehr ein, die teure Rohware nach dem Ruhetag in den Abfall werfen zu müssen. Und bevor ich einen zusammengesuchten, vielleicht schon mehrere Tage gelagerten, Rest bekomme - gute Entscheidung. Zumal die Karte auch so noch ein zwar überschaubares, dafür aber ausgesuchtes Repertoire zu bieten hat.

Aus der Tages-Menükarte entschieden wir uns für das Rinderfilet (siehe Bild) mit kleinem Gemüse, medium, dazu wahlweise Bratkartoffeln oder Pommes. Je 24,50 € sollten dafür später auf der Rechnung erscheinen.

Die Wartezeit war einer frischen Zubereitung angemessen, zwei Servicedamen haben gleichzeitig die Teller gebracht, welche einen Gaumenschmaus versprachen.

Das Rinderfilet war vom Geschmack her sehr gut, leider etwas über der Zeit, sodass nur ein kleiner Kern medium war. Ich kenne die Schwierigkeit, auch ein Rinderfilet medium zu bekommen, somit sei dem Koch verziehen. Gebettet war das Steak auf Keniabohnen, Zuckerschoten, ein wenig Paprika und etwas Kirschtomaten. Auf dem Teller fanden sich weiterhin etwas sehr gute Kräuterbutter und zwei verschiedene Würzöle. In weiteren Schalen wurden einmal Pommes frites im groben Cut und für mich Bratkartoffeln geliefert. Die Pommes dem Vernehmen nach gut, wie die (dem Klientel eines Kurhotels wohl geschuldeten) restlichen Speisen leider sehr salzarm gewürzten Zutaten aber richtig lecker. Meine Bratkartoffeln waren - DANKE dafür - sehr fettarm, aus Pellkartoffeln (nicht wie die hier immer mehr umsich greifende Unsitte der Tütenkartoffeln), mit Halbringen aus roten Zwiebeln, sehr knusprigen Speckwürfelchen und etwas "Schlutten", wie der Franke sagt. Also Ringe vom Grün der Zwiebelgewächse. Geröstet, mit Kümmel abgeschmeckt, SO müssen Bratkartoffeln sein.

Zwei Dinge sind mir dann doch noch aufgefallen.
1. Wir kamen von einem Reitturnier. Auf solchen ist eher robuste Kleidung (Jeans, Sneakers, T-Shirt) üblich. Was also bedeutet, dass man (und Frau) leger unterwegs ist. Sauber, aber locker. Auch diese Kunden werden vielleicht nicht gerne mit "Kann ich Euch noch was bringen" angeredet. In unserem Fall ist das auch egal, aber nicht jeder Kunde sieht das so locker.

2. Wenn diese leger (bitte nicht mit nachlässig verwechseln!) gekleideten Menschen zum Essen kommen, dann muss das nicht bedeuten, dass diese kein Geld für hochwertige Speisen haben. In unserem Fall waren es ja zwei mal Rinderfilet, wir hätten gerne auch Vorspeise und Dessert genossen, was leider aufgrund einer Kalorienbeschränkung nicht möglich ist. Nachzufragen, ob diese Gäste einen Gutschein haben, ist zwar nicht falsch, impliziert aber, dass die Gäste so eingeschätzt werden, als kämen sie nur, um ein Essen abzustauben. Ich finde so etwas eher lustig, aber empfindlichere Naturen sind da vielleicht etwas pikiert.

So, mein Fazit.

Wer eine gediegene Restauration sucht, Wert auf nettes Servicepersonal legt, gerne auch flexibel bei der Speisenbestellung ist, sich auch abseits der Gutscheinhefte ein ordenliches Stück Fleisch leisten kann - der ist hier richtig aufgehoben.

Wer ein Jägerschnitzel sucht, nur schnell einen Happen einwerfen möchte, keinen Wert auf Ambiente legt, ein Rinderfilet durchgebraten möchte und auf Zusatzstoffe aus der Tüte steht - der möge bitte in eines der vielen anderen Lokale in der Umgebung fahren.

Wir kommen in jedem Fall wieder, es hat uns gefallen. Vielleicht das nächste Mal auch in Abendrobe ;-)
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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Wastel und 5 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.