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GastroGuide-User: DerSilberneLoeffel
hat Maximilians · Kurhotel in 96476 Bad Rodach bewertet.
vor 4 Jahren
"Menü? Können wir....."
Verifiziert

Geschrieben am 04.09.2016 | Aktualisiert am 06.01.2017
Besucht am 02.09.2016 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 83 EUR
Der Jahrestag steht vor der Tür. Zeit, die Herzallerliebste zu verwöhnen. Da ich nicht selber kochen wollte (soll ja auch was Besonderes sein), war nur ein Restaurantbesuch möglich. Wohin, wenn es in Ruhe und abseits der wenigen guten, aber gleichzeitig sehr gut besuchten Restaurants in Coburgs Innenstadt gehen soll? Blieb in näherer Umgebung nur Bad Rodach mit dem Maximilians im Kurhotel übrig.

Am Tag vorher reserviert, gleich das Genuss-Menü im Nachgang zu den Oberfränkischen Genuss-Tagen geordert und auf gutes Wetter gehofft. Der Guten habe ich erzählt, dass ich eine Tragehilfe bräuchte und wir danach zu McDonalds einen Salat essen gehen würden, um mir sicher zu sein, dass sie auch Hunger hat.

Gesagt, getan.

Die Fahrt über ein paar Schlenker in die Richtung von einfachen Dorfkneipen gemacht, immer mit diffusen Andeutungen und der Frage, ob sie auch Innereien essen würde. Nun ja, die Konfusion war perfekt, als wir das Lokal quasi durch den Hintereingang erreichten. Umso größer war die Überraschung und Freude darüber, kein Gekröse verspeisen zu müssen.

Die Dame des Hauses empfing uns gleich am Eingang mit unserem Namen und fragte, ob wir lieber innen oder auf der Terrasse speisen würden. Der Außenbereich war unsere Wahl, flugs wurde ein Tisch zu einer kleinen Tafel umgestaltet. Flexibilität, wie ich sie liebe. Über die Barrierefreiheit im Inneren habe ich mich bereits ausgelassen, diese erweitere ich nun auch auf die Terrasse.

Die Aussicht toll, über das abendlich-ruhige Bad Rodach, schön getaucht in das Licht der untergehenden Sonne. Geschützt und doch auch ein wenig luftig, sehr angenehm nach den fast schon heißen Tagestemperaturen. Ein perfektes Umfeld für einen besonderen Tag.

Nachdem das Menü bereits vorbestellt war, oblag uns nur die Auswahl des Aperitifs. Meine Begleiterin wählte einen Apfelwein, extrem frisch. Oder auch krachsauer. Aber gut gekühlt und deutlich nach Apfel schmeckend, ohne irgendwelche Zusätze. Als Autofahrer gab es für mich einen Apfelsaft aus der naheliegenden Kelterei.  Ebenfalls auf Eis und deutlich milder.

Der Gruß aus der Küche
Die Küche stellt sich mit einem Gruß vor. Dieser besteht aus Scheiben von frischem Weißbrot. Nicht diese unsäglichen Dinge, die sonst aus einem Supermarkt gezerrt und im Backofen erhitzt werden. Nein, hier ist innen nichts matschig, sondern luftig, die Kruste kross und knusprig und der Geschmack stößt nicht durch ein penetrantes Industriebrothefeteigaroma ab. Das Bild wird rund durch das reichen von Gänse-/Entenschmalz. Dieses trägt einen Schleier von Pfeffer und benötigt - trotz der gereichten Menage - keine weitere Würze. Die Küche grüßt, der Gast nimmt es wohlwollend auf.

Rote Bete-Carpaccio mit Brunnenkressevinaigrette
Bete schmecken nach Erde, sind ein Billiglebensmitten und gehören in einen Borschtsch. Soweit die landläufige Meinung. Ich mag diese Sorte von Erdknolle gerne, auch den manchmal recht burschikosen Geschmack. Meine Bedenken waren, dass diese Zutat jede andere Beigabe auf dem Teller überlagern wird. Was dann an den Tisch gebracht wird, ist eine ganz andere Welt. Immer perfekt von rechts eingehoben, das gibt schon einmal Pluspunkte gegenüber den Gaststätten, bei denen die Gulaschsuppe im Eimer über den Tisch gereicht wird. Hier soll der Kunde das bekommen, was er in einer gehobenen Gastronomie erwartet.
Die Rote Bete waren hauchdünn gehobelt, von erdigem Geschmack keine Spur. Im Gegenteil, die roten Gesellen hielten sich geschmacklich im Hintergrund und ließen den anderen Aromen einen Platz. Neben den Meersalzkristallen und dem frisch grob gemahlenen Pfeffer (meiner Ansicht nach auch die einzigen nicht regionalen Zutaten) lagen sie unschuldig und verführerisch auf dem Teller. Kleine Schirmchen von der Brunnenkresse, umspielt von einer sehr feinen Vinaigrette. Perfekt aufeinander abgestimmt, hat dieses Gemüse das Zeug für die gute Küche.

Kürbissuppe mit gerösteten Kernen.
Ich mag keinen Kürbis. Diese Strafe des Himmels ist nur genießbar, wenn der nicht vorhandene Geschmack dieser orangenen Ballons von Zutaten überdeckt wird, die sich beim Schmackhaftsein mehr Mühe geben. Suppe mit Knoblauch. Suppe mit Speck. Suppe mit anderem Gemüse drin. Akzeptiert, wenn auch weder gemocht, noch gar geliebt. Aber, was solls, auch diesen Gang werde ich überleben. Tja, da kam dann die Suppe. Der erste Kontakt erfolgt über die Augen. Eine kräftigorangefarbene Suppe, mit Croutons und Kürbiskernöl. Laaangweilig, tausendmal gesehen, tausendmal geschmeckt. Bei genauere Hinsehen aber, da entpuppen sich die Croutons als frische Ware. Pluspunkt. Der Löffel furcht durch die Suppe, die Konsistenz ist irgendwie seidig, angenehmer als bisher. Ein Crouton auf den Löffel, etwas Suppe, ein Kern verirrt sich auch und eine Spur des Öls springt den Anderen bei. Und da ist sie: Die erste Kürbissuppe in meinem 46jährigen Leben, welche mir auch schmeckt. Nach Kürbis, nicht nach sonst irgendeiner Zutat. Feine Suppenbasis (Gemüse?), mit einem pürierten Kürbis, und einer cremig machenden Zutat. Ist da ein wenig Weißbrot mit eingearbeitet? Die Kerne sorgen für eine Abwechslung, so lässt sich die Suppe nicht einfach in den Rachen schütten, der Gast muss sich damit beschäftigen. Und er wird es gerne machen. Ich mag es nur ungern zugeben, aber die Suppe hat überzeugt. Im Winter wäre das der Renner nach einem Spaziergang an kalter und frischer Luft.

Saiblingsfilet auf dem Graupenbeet mit Weißwein und Petersilienkartoffeln.
Da liegt er, der heimische Fisch. Keine Regung von seiner Seite ist zu erwarten. Die Röstaromen scheinen kräftig zu sein, abzulesen an den dunklen Stellen. Und da ist der erste Kritikpunkt: Das Filet liegt NEBEN dem Beet, nicht AUF. Mal unter uns: Egal, es schmeckt trotzdem. Ach ja, hab´ ich ja noch gar nicht beschrieben. Die Graupen sind in einer Art Gemüsebrühe gegart, kleine Stückchen Wurzelgemüse sind mit dabei, die Masse wurde mit etwas Küchensahne gebunden. Sehr gut gewürzt, so lassen sich sicher auch Skeptiker von dem Thema "Kriegsessen" überzeugen. Die Graupe hat in der deutschen Küche zu Unrecht eine stiefkindliche Position. Die Küche hier räumt gründlich mit dem Vorurteil auf. Der Fisch ist auf der Hautseite perfekt gegart, nur ein oder zwei kleine Gräten sind am Tier verblieben, fallen aber aufgrund der sehr geringen Größe nur dem auf, der seinen Fisch immer skeptisch und übervorsichtig kaut. Die Weißweinsauce wurde aus einem passenden Wein gezogen. Nicht diese Kracher aus Mengen von Riesling und auch nicht die verweichlichten Saucen aus möglichst lieblichen, manchmal fast schon süßem Wein. Gut abgestimmt, ich hätte davon gerne einen Löffel mehr gehabt, auch wenn das Gesamtbild gelitten hätte. Man kann eben nicht alles haben im Leben. Die Kartoffeln waren eben Kartoffeln. Gegart, in Butter geschwenkt, mit grob gehackter glatter Blattpetersilie verfeinert. Ein oder zwei Stückchen hätten noch eine Minute Hitze gebraucht, waren aber auch so gut genießbar. Ein Koch kann natürlich nicht jedes einzelne Kartoffelstückchen abstechen, um nachzusehen. Somit auch hier: Volle Zustimmung zum Gang.

Vanillesorbet an glacierten Pflaumen
OK, die Vanille wird auch nicht aus der Umgebung kommen. Aber: Sie ist hier verarbeitet worden. Was bedeutet, dass kein unsäglicher Vanillingeschmack aus einem Industriesorbet mit aufgenötigter Cremigkeit durch den Chemiebausatz vor uns steht. Auch haben sich die Zutaten nicht getrennt, ebensowenig, wie das Sorbet eher einem Klumpen Hartgefrorenem entsprach. Ein kleiner Traum, mit dem die Küche gerne auch wuchern darf. Fein abgeschmeckt, eine Melange von Aromen, die gut zusammenspielen. Die Pflaumen waren noch schön fest, nicht diese verkochte Masse, welche sonst gerne in der Standardgastronomie serviert wird. Erkennbare Früchte, angenehm im Biss und mit Zuckerglasur gekocht. Hier allerdings, hier waren die Pflaumen zu lau. Ein bisschen Zimt, ein Tropfen Rum, vielleicht eine Zeste von der Orange. Irgendetwas, was das gute Essen vollendet hätte. Aber das ist meckern auf einem Niveau, welches sich in und um Coburg nur noch selten finden lässt.

Fazit: Jeder Cent war gut angelegt. Das Menü aus regionalen Zutaten ist ein Leistungsbeweis, der den Kunden zum nachdenken anregen sollte. Wir haben hier einen Landstrich mit den besten Metzgereien, den hervorragendsten Bäckern, Landwirten und Brauereien der besonderen Art. Und doch ziehen wir im Alltag oft den schnellen Kick dem guten und nachhaltigen Essen vor. Zeit, umzudenken. Zeit, solche Gastronomien zu unterstützen, die auf die Region setzen. Wir werden jedenfalls die Internetseite unter Beobachtung halten und bei der nächsten sich bietenden Menü-Gelegenheit wieder als Gast vorbei kommen.

Bleibt nur noch zu nennen, was an diesem Abend vertilgt und getrunken wurde:
Aperol Sprizz - 5,50 €
Mineralwasser 0,7 Liter - 5,70 € (Bad Brambacher)
Mineralwasser 0,2 Liter - 2,60 € (Bad Brambacher still)
Cappuccino - 2,80 €
Regionalmenü - 32,80 €/Person.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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