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GastroGuide-User: Shaneymac
hat Pizzeria Bei Pina in 42653 Solingen bewertet.
vor 6 Monaten
"Every cloud has a silver lining – geglückter Start im neuen Domizil"

Geschrieben am 23.02.2020 | Aktualisiert am 23.02.2020
Besucht am 21.02.2020 Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 12 EUR
Es muss zunächst eine wahre Hiobsbotschaft gewesen sein, welche die Familia La Blunda Ende 2015 ereilte: Der seit 20 Jahren vertraute und etablierte Standort an der Schlagbaumer Straße, in einem Gebäude auf dem Gelände eines Autohauses, direkt vis-a-vis des jetzigen „Steakhaus Wasserturm“, musste aufgrund von Umgestaltungsplänen der Besitzer – das Gebäude wurde abgerissen – schweren Herzens aufgegeben werden.
 
Und das, obwohl man erst unlängst in einen Anbau investiert hatte um den als Imbiss gestarteten, gut gehenden Betrieb mit ca. 40 Sitzplätzen den Charakter eines Restaurants zu verleihen und das Geschäft seitdem geradezu aufblühte.
 
Man fürchtete um die Stamm- und Laufkundschaft, die Belegschaft des Autohauses aß gerne bei den La Blundas zu Mittag, die nahe Bushaltestelle sorgte zusätzlich für Frequenz, man wohnte im gleichen Gebäude, war zufrieden und hätte aus eigenen Stücken wahrscheinlich nie den nun folgenden Schritt gewagt.
 
Da sich unmittelbar an der Schlagbaumer Straße keine passende Immobilie fand, schaute man sich in etwas weiterem Umkreis um und wurde schließlich auf der nahen, weitaus ruhigeren Lützowstraße fündig, wo man einen alten Friseursalon in monatelanger Renovierungsarbeit in ein modernes mediterranes Ristorante inklusive einladender Außengastronomie verwandelte.
 
Im Sommer 2017 eröffnete man schließlich an der Lützowstraße 30, die Stammgäste blieben den La Blundas treu und die Befürchtungen um den verlorenen Platz an der Hauptstraße wurden durch die Wirkung der nunmehr direkt am Gebäude befindlichen, ausreichenden Gästeparkplätze schnell zerstreut.

Außenansicht
 
Mittlerweile ist neben Pina und Luigi La Blunda auch der Sohn Antonio mit im Betrieb, wer ihn in Aktion erleben und sich einen Eindruck von der Atmosphäre im Gastraum bzw. auf der Terrasse machen möchte, dem empfehle ich den Besuch der ansprechenden Website
 
https://www.pizzeria-pina.de/
 
Dort gibt es auf der Startseite einen formatfüllenden Video-Hintergrund der wieder einmal zeigt, warum manches Handwerk in die Hände von Profis gehört; die Räume, die Speisen, die Menschen: alles wird sehr ästhetisch in Szene gesetzt, ohne jedoch allzu dick aufzutragen.
 
Wie schon erwähnt ist der Betrieb als Imbiss gestartet, wohl auch deshalb, weil sich am Wasserturm an dieser Stelle schon seit den 70er Jahren eine der selten gewordenen „Pommesbuden“ der ganz alten Schule befand, Currywurst, Schaschlik, halbe Hähnchen - keine Experimente!
 
Da man seine Gäste auch auf diesem Feld zu überzeugen wusste sind Imbissgerichte auch bis heute fester Bestandteil der Karte.
 
Und so kommt es, dass sich Gyrosteller und Schnitzel in dieser neben Tages-Offerten wie mit „Steinpilzen gefüllten Tortelloni (die Pasta ist hausgemacht) an Austernpilzsoße“, „Lachssteak mit frischem Gemüse und Rosmarinkartoffeln“ oder „argentinischem Entrecôte mit Gorgonzolasoße“ wiederfinden.
 
Eine leicht skurrile Mischung, aber die Gäste kennen es und ich erlebe bei meinen Besuchen, das es auch so angenommen wird; da wird an Nebentischen oft kreuz und quer geordert und auf den Tischen treffen sich dann Currywurst-Pommes, Pizza Prosciutto und Linguine mit Garnelen zum friedlichen Stelldichein.
 
Aufgrund der am späten Mittag meist entspannten Parkplatzsituation und des für mich stimmigen Gesamtpaketes inklusive sehr netter Bedienung bin ich hin und wieder gerne zu Gast im „Bei Pina“, nicht zuletzt auch wegen der ständig wechselnden Tagesangebote aber in erster Linie wegen der Pizza.
 
Hat man das Vehikel vor dem, bedingt durch Anbau und Terrasse in stattliche Breite angewachsenem Gebäude, abgestellt empfängt den Gast innen ein geschmackvolles, modernes Ambiente mit genau der richtigen Dosis Dolce-Vita Folklore, u.a. ein Lambretta-Motorroller – Baujahr 1957 – im Bestzustand lässt die Zeiten wieder aufleben, in denen Italien das Sehnsuchtsland von Wirtschaftswunder-Deutschland schlechthin war.

Gastraum
 
Im Sommer sitze ich gerne auf der ruhigen, gut beschatteten Terrasse, was bei meinem letzten Besuch am vergangenen Freitag naturgemäß keine allzu gute Idee gewesen wäre.
 
Auch den dort in der Sonnen-Saison gerne bestellten Crodino mit einem begleitenden Wasser (ich mische ihn gerne mit eiskaltem, feinperlendem Mineralwasser) sparte ich mir an diesem grauen, regnerischen Tag und hielt mich an mein obligatorisches Mittags-Wässerchen, das 0,25l Apollinaris zu fairen 2,00€.

sommerliche Mittagspause
 
Die Pizzen kommen hier aus einem gasbefeuerten Steinofen – das Video auf der Website hat auch hierzu schöne Bilder parat – und man geht auf Wunsch gerne auf die Gäste ein, was den gewünschten „Backgrad“ angeht.
 
Sollte man keine besonderen Wünsche äußern, sieht ein typischer Rundling bei Pina meist in etwa so aus:


Pizza mit Garnelen & Spinat
 
Äußert man, wie im Falle von Madames Margherita im Spätsommer 2018, den Wunsch nach „gerne etwas dunkler bitte“, erhält man dieses appetitliche Ergebnis:


Pizza Margherita
 
Meine persönliche Königsklasse aber betritt man mit dem verschwörerisch vorgetragenen Wunsch nach einer Pizza wie im Mutterland der runden Teigfladen aus dem Ofen; „Per favore, il modo italiano, non il modo tedesco!“ … „Nessun problema signore, ne sarei felice!“:
 
Pizza Sazizza klein – 8,90€
 
Pizza "Sazizza"
 
Diese in der Karte eigentümlich geschriebene Pizza mit frischer Salsiccia und Spinat soll auch exemplarischer Gegenstand dieser Kritik sein, ich werde allerdings noch einige Gerichte als buntes Potpourri der letzten 18 Monate mit hochladen.
 
Das Besteck und die Servietten stehen auf den Tischen in kleinen Holzkisten bereit, die Pizzen kommen – für einen garantiert knusprigen Boden bis zum ersten Biss – auf einem Pizzamesser aufliegend zum Gast.
 
Übrigens: Diese Messer mit ihrem extrem bauchigen Klingenblatt und scharfer Schneide sind perfekt für Pizza, eigentlich sollte man jede Pizzabude dazu verdonnern, diese zu verwenden.
 
Peperoncini- und Anti-Vampir-Öl bringt man gerne noch dazu, beide Tuning-Werkzeuge verstehen sich auf ihren Job, soziale Interaktionen nach Genuss von letzterem sollte man vorab durchaus bedenken, was mich aber heute nicht interessierte – ahh, the joys of working from home.
 
Insbesondere in der gut durchgebackenen Variante überzeugt der Boden mit Standfestigkeit, die sich im Verlaufe des Verzehrs dann etwas relativiert, durch sich das zwischen Teller und Boden sammelnde Schwitzwasser – ich vermisse die hölzernen Pizzateller immer noch.
 
Der Teig geschmacklich gut, durchaus Charakter, wenn auch einen kleinen Hauch weniger als in der jüngst von mir bewerteten Osteria in der Innenstadt, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
 
Recht sparsam geht man hier mit der Pizzaiola um, diese bleibt geschmacklich eher im Hintergrund und lässt den anderen Zutaten den Vortritt, was gerade im Falle der Salsiccia Variante von Vorteil war.
 
Denn die frische italienische Bratwurst, deren Brät man wie üblich zu kleinen Klößen formte und auf die Pizza gab, kam in der „al finocchio“-Variante und ich liebe den Fenchel in ihr sehr.
 
Die herzhaft-typisch gewürzte Wurst zusammen mit dem frischen Blattspinat und dem heißen Käse war ein kleiner Hochgenuss, genau der kleine erquickende Imbiss, den ich mir erhofft hatte, Freude kann so simpel sein.
 
Eine hübsche junge Dame aus dem Land, wo die Zitronen blühen, hat in der Regel den Service inne und leistet dies freundlich und zugewandt, wenn auch bisweilen recht unkoordiniert. Aber mir ist Freundlichkeit ungleich wichtiger, als ein perfekt durch den Gastraum wuselnder Service-Zombie mit eingefrorenem Plastik-Lächeln, auch, wenn mein Crodino dann eben ein paar Minuten länger auf sich warten lässt als nötig.
 
Auch aus der Abteilung Imbiss und Pasta habe ich schon einiges probiert, weil ich jedoch ausschließlich Mittags hier aufschlage habe ich von den Fleischgerichten von den Tageskarten bislang noch nichts verkostet, es wäre mir schlicht zu viel, meine Hauptmahlzeit ist das Abendessen.
 
Meine klare Empfehlung nach diesen Erfahrungen bleibt die Pizza, der Rest war immer solide, immer lecker und ehrlich, aber doch sehr gewöhnlich ohne geschmackliche Alleinstellungsmerkmale oder sonstige herausragende Eigenschaften, das Metaxa Gyros (das Gyros genießt einen legendären Ruf, Probieren war erste Kritikerpflicht!) empfand ich in Machart und Geschmack sogar als unterdurchschnittlich. Auch die Paccheri waren mir deutlich zu wuchtig in ihrer „Wandstärke“ und das Ragù im Vergleich zur Pasta Fresca Russo Benchmark Version geradezu banal (und auch die Carbonara kommt laut Karte mit Sahne daher…).
 
Aber wie hieß es einst und heißt es weiterhin, „De gustibus non est disputandum.“, in diesem Sinne lasse ich noch einige Bilder sprechen und ziehe ein Fazit


Metaxa Gyros


Spaghetti al ragù


Paccheri al ragù
 
 
Fazit
 
Das Essen alleine ist durchaus als solide zu bezeichnen, die fehlende Raffinesse und die obig angesprochenen Kritikpunkte abseits der Pizza stellen das Lokal für mich als kulinarischen Italien-Imbiss-Melting-Pot dar, ideal für die Mittagspause mit Arbeitskollegen oder für das einfache abendliche Essen mit der Familie: Oppa - wie Omma im rheinischen immer mit doppeltem Konsonanten! :-) - bekommt sein Schnitzel, Mutti eine leichte Pasta, Papa seine Pizza Salami oder ein Steak - und wenn Kinder in so einer Karte nicht fündig werden, dann wo sonst?
 
Für den italophilen Gourmet sicher keine allzu heiße Adresse, aber bei akuten Streetfood Gelüsten ist die schöne Pizza immer einen Blick wert, wenn auch im örtlichen Kontext sportlich bepreist, s. PLV. In Summe komme ich durch die leicht gehobenen Preise auf faire 3,5 Sterne – nur die Pizza zu bewerten würde das Bild zu sehr verzerren.  
 
Das Ambiente ist gelungen, bedingt durch die wunderbare Terrasse im Sommer freundliche 4 Sterne hierfür, man fühlt sich wohl.
 
Dazu trägt auch das Team bei, Freundlichkeit mit italienischem Charme wohin man blickt auch die junge Signora im Service macht stets eine bella figura, 4,5 Sterne für diese Leistung im einfachen Metier.
 
Diese lässt man sich allerdings auch durchaus bezahlen, die Preise sind teilweise im Vergleich mit dem Wettbewerb vor Ort doch als stramm zu bezeichnen, die Portion Lasagne zu 9,90€, Bruschetta zu 6,50€, Spaghetti al Pesto 8,90€ oder eben die mich immer ärgernden Preise für die kleinen Pizzen.
 
Diese sind, obschon ein spürbarer Größenunterschied zur „Normalgröße“ besteht, alle nur einen Euro günstiger, was angesichts des überschaubaren Durchmessers der kleinen Variante zu teilweise doch sehr „wirtsfreundlichen“ Kalkulationen führt.
 
Paradebeispiel die Salsiccia Pizza oder die Variante mit Lachs und Spinat: in klein 8,90€, in groß 9,90€, das muss man nicht verstehen und ist für Leute wie mich, die Mittags eher wenig essen und auch keine Lust haben, jedes Mal eine halbe Pizza mit nach Hause zu nehmen, einfach großer Mist.
 
Außerdem kann ich mir vorstellen, dass es nicht selten vorkommt, dass Gäste sich meist die große Variante bestellen, weil der Euro Unterschied eben so gering ist und Reste auch gerne zurückgehen lassen, Lebensmittelverschwendung vorprogrammiert.
 
Aus der Perspektive eines eingefleischten „Kleine Pizza Kunden“ mit Blick auf das Solinger Pizza Preisgefüge daher nur 2,5 Sterne für das Preis-Leistungs-Verhältnis.
 
Trotzdem werde ich jederzeit gerne wiederkommen, 25 Grad, ein Crodino auf der Terrasse, dazu eine gute Pizza frisch aus dem Ofen: Es gibt Dinge, die lassen einen sehr schnell bisweilen unglücklich gestaltete Preise vergessen.
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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