Zurück zu Braceria da Mamma Lucia
GastroGuide-User: Minitar
hat Braceria da Mamma Lucia in 53111 Bonn bewertet.
vor 2 Jahren
"Azzzzurrrooo!!"
Verifiziert

Geschrieben am 20.02.2018
Besucht am 18.02.2018 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 17 EUR
Nach dem üppigen, gestrigen, bajuwarischen Abendessen, steht mir heute der Sinn eher nach etwas Leichterem, vielleicht sogar Mediterranem? An der Braceria sind wir gestern abend schon vorbeigekommen, doch was eine Braceria sein soll, muss ich zuhause erst mal googeln. Offenbar so was wie ein Grillhaus oder Steakhaus?? Die Inneneinrichtung suggeriert es auf jeden Fall schon mal erfolgreich visuell: warme Farben, viel dunkel gebeiztes Holz, Schieferböden, großflächige Fotografien und Bilder. In den riesigen Hallen könnte man sich fast verirren, doch innenarchitektonisch hat man überall gemütliche Nischen gezaubert und viele Tische direkt ans Fenster gestellt. Das ist gleich doppelt reizvoll: die Gäste können dem Treiben draussen entspannt zuschauen – und die Passanten werden von dem warmen Ambiente förmlich angezogen. Im Lokal ganz hinten erspäht man durch ein grosses Fenster übrigens die Arbeit in der hellen, weiss gekachelten Küche. Hier wirbelt und knetet der Koch formvollendet an Pizzen, die einen Teil der Speisekarte ausmachen. Aber auch Fisch- und Fleischgerichte, diverse Bruschetta-Varianten, etliche Salate, einige Pastagerichte und natürlich Dolci (alles zu angenehmen, nicht überzogenen Preisen) sind im Angebot zu finden.

Gegen 18 Uhr ist das Lokal noch relativ leer. Ich wähle einen rustikalen Tisch am Fenster, recht nahe beim üppigen, überaus attraktiven Büffet (dazu später mehr). Am Tisch brennt schon einladend ein Teelicht in einem ausgehöhlten Baumstamm. In einem Korb stehen Olivenöl, Weinessig, Balsamico-Creme, Ketchup- und Mayonnaise-Portiönchen bereit. Alles sehr adrett und einladend.

Bedient werde ich von einem ganzen Team, in dem jeder eine einzelne Aufgabe hat. Der komplett schwarz gekleidete „Eintänzer“ mit exquisiten Manieren und ebensolchem Wortschatz erläutert mir das Angebot, lässt einige wertschätzende Bemerkungen fallen und lobt meinen außergewöhnlichen Geschmack. Dabei fühle ich mich nur vom wirklich beachtlich arrangierten Büffet angezogen. Man verspricht mir gerne eine Auswahl davon – die richtet allerdings nicht der Schwarzgekleidete, sondern ein extra herbeigerufener Kellner im weißen Hemd an. Auf Wunsch vegetarisch oder mit Fleisch, warm oder kalt. Ich nehme die warme Variante, die mir schließlich auf einem tiefroten Keramikteller, überbacken mit kräftigem Käse und Knoblauch und noch mehr Olivenöl serviert wird. Fast zu viel Öl… Aber habe ich nicht mittags während der Führung durch die Sizilien-Ausstellung im LVR-Landesmuseum gelernt: das ganze römische Reich roch schon immer nach Olive (okay, auch nach Garum, aber das wollen wir eher nicht vertiefen). Serviert wird mir die Büffet-Auswahl dann von einer Dame, die dazu schon im Vorfeld einen Brotkorb mit Baguettescheiben und Fladenbrot, sowie einen flachen Teller mit Olivenöl (siehe oben) und Balsamico-Creme reicht. Apart!

Auf meinem tiefroten Teller befinden sich, köstlich überbacken und gewürzt: knackige grüne Bohnen, nicht zu lätschige, dafür sehr knofelige Auberginenscheiben, aromatischer und bissfester Fenchel, Broccoli im Al-dente-Zustand, gedünstete rote und gelbe Paprikascheiben, gegrillte Champignons und so manches mehr. Was eigentlich nur mal eine Vorspeise sein sollte, sättigt mich dann allerdings so nachhaltig, dass ich auf ein Hauptgericht verzichten muss. Dabei hatte ich schon von der ganzen Dorade, überbacken mit Oliven, Kapern, frischen Tomaten und Knoblauch-Spinat (13,90) aus der Sonderkarte geliebäugelt. Für das prickelnd-frische, leicht gekühlt servierte Rotweinschorle (3,50 Euro) braucht man hier übrigens nicht extra einen Barkeeper. Der vom Schwarzgekleideten empfohlene, kräftige Montepulciano (den ich sonst nie trinke) war tatsächlich die richtige Wahl. Zum Abschluss brauche ich doch noch einen Averna (4,50 Euro). Er wird mir – großzügig eingegossen und entschuldigend in einem Ramazotti-Glas serviert – wieder von der Servicedame gebracht.

Rechtzeitig zum Tatort erreiche ich wieder mein Hotelzimmer. Obwohl ich nur vom Vorspeisenbüffet gegessen habe (Antipasti Vetrina, 9,90 Euro) fühle ich mich wundervoll satt und zufrieden.  Vielleicht ist die ganze Braceria nur eine wohlwollende, künstliche Inszenierung, das gut einstudierte Team ein gut arrangiertes Theaterstück? Egal, ich wurde zuverlässig und überaus aufmerksam bedient, das Ambiente war gemütlich und einladend, das Essen hochwertig und geschmackvoll. Und: ausnahmsweise hat mich die musikalische Untermalung köstlich unterhalten. Fast hätte ich zu Paolo Conte und Adriano Celentano ausgelassen mitgesungen!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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Carsten1972 und 2 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.