Zurück zu phaedra
GastroGuide-User: kgsbus
hat phaedra in 50677 Köln bewertet.
vor 4 Monaten
"Kostas griechisches Fischmenü"
Verifiziert

Geschrieben am 11.10.2019 | Aktualisiert am 11.10.2019
Besucht am 29.09.2019 Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 89 EUR
Das kleine Lokal in der Elsaßstraße in der Kölner Südstadt kannte ich noch als „Rocios“. YouDinner präsentierte dort spanische Weine und peruanische Küche. Nun hat es Konstantin Tzikas unter dem Namen „Phædra“ übernommen.
Der sympathische Koch hat sein Handwerk bei namhaften Lehrmeistern gelernt und nun zusammen mit seiner Gattin ein eigenes Lokal eröffnet.
Schnell wurde es in der Presse gelobt und ebenfalls von Bekannten empfohlen.
Da traf es sich gut, dass YouDinner dort einen Lunch angeboten hat.
Sofort habe ich den Sonntag gebucht.

Service

Kurz vor 13 Uhr trudelten die Gäste pünktlich zum Start ein. Wir wurden von der Chefin und Catharina Boll von YouDinner herzlich begrüßt und sofort mit einen erfrischenden Cocktail begrüßt.
Dann nahmen alle einen Platz an der langen Tafel ein und plauderten erwartungsfroh mit den Sitznachbarn.
Nach kurzer Zeit kamen dann schon die ersten Gerichte und Getränke.
Der Koch ließ es sich nicht nehmen, die Gerichte selber zu präsentieren. Zuerst kamen kleine Speisen auf Tellern für etwa vier Personen an den Tisch. Brot und Wasser standen schon bereit. Und da zu einem griechischen Essen unbedingt Ouzo gehört, waren mehrere kleine Flaschen mit dem Anis-Schnaps und kleine Eimerchen mit Eiswürfeln in Griffweite. So konnte sich jeder selber mit Ouzo (Hersteller Kazanisto) versorgen und seine eigene Mischung herstellen bzw. ausprobieren. Meistens füllt man eine Portion mit Eis und Wasser auf: Der eine nimmt mehr Wasser, der andere mehr Ouzo.

Kostas Fisch-Menü

1: Ouzo-Mezze

1.1: weiße Creme Tarama – Schnittlauch – Frühlingszwiebeln

Tarama oder Taramosalata ist eine kalte Vorspeise bzw. Meze aus gesalzenem Fischrogen, meistens vom Karpfen, aber auch vom Kabeljau, sogar Hering, hergestellt. Der Fischrogen wird mit Weißbrot, Olivenöl und Zitrone wie eine Mayonnaise zu einer Paste verarbeitet.
Die Paste schmeckte sehr aromatisch und nach Meer. Das Aussehen erinnerte entfernt an einen Weichkäse in zylindrischer Form. Schnittlauch, Frühlingszwiebeln und Chili-Röllchen dienten als Verzierung und zusätzlichen Geschmacksgebern. Zusammen mit Brot schmeckte das ganz gut.

1.2: Frittierte Alici – Basilikum-Mayonnaise - Zitrone

Die Europäische Sardelle ist ein kleiner Fisch aus der Ordnung der Heringsartigen. Sie waren mit einer Panade versehen und kurz frittiert worden. Die Happen waren sehr aromatisch und haben mir besonders gut geschmeckt. Ich habe sie mit und ohne die Mayonnaise verkostet und sie schmeckten mir pur am besten.

1.3: Räucheraal mit Lardo – Fava-Santorinis – Kapern – Zitrus-Vinaigrette

Auf dem Teller war eine Zitronensauce aufgetragen worden. Darauf befand sich die Hauptzutat. Die Paste, die aus verschiedenen Bohnen- und Erbsenarten hergestellt wird, bildete eine weiche helle Masse. Sie schmeckte sehr ansprechend und erinnerte mich auch etwas an Humus. Auf der Oberfläche waren Kapern, dünne Frühlingszwiebeln und Chili-Röllchen verteilt.
Ein Stück milder Räucheraal war längs über die Fava gelegt worden und oben befand sich ein schmaler Längsstreifen Lardo.
Da auch dieser Teller für etwas vier Personen zum Teilen gedacht war, fiel es schwer den fetten Speck und den Aal in kleine Portionen zu teilen. Mit der Fava war dies deutlich einfacher. Ich habe die Paste wiederum auf Brotstücke geschmiert und als Happen verzehrt. Das war sehr aromatisch und frisch.

1.4: Oktopus-Salat – geschmorte Paprika – rote Zwiebel – Staudensellerie

Alle Bestandteile waren in kleine Stücke geschnitten. Die Oktupusabschnitte waren weich und zart. Stadensellerie und Paparika waren ebenfalls kurz gebraten und hatten noch leichten Biss. Die Zwiebelstücke brachten leichte Schärfe und Süße dazu. Alles war mit einer glänzenden öligen Marinade überzogen.

1.5: Garnelen „Saganaki“ - Ouzo – Tomaten – Feta – Basilikum

Die Garnelen waren als ganze Tiere gebraten und dann zusammen mit Knoblauch, Zwiebeln, Käse und Tomaten geschmort, mit Ouzo abgelöscht und mit Basilikum bestreut worden.
Diese Mischung war sehr ansprechend und vielschichtig im Geschmack. Das Garnelenfleisch war zart und weich; das Gemüse noch knackig.

1.6: Lauwarmer Spinatsalat – frische Kräuter – Zitrone

Die frischen Spinatblätter waren kurz blanchiert und dann in der Pfanne aromatisiert worden. Sie hatten noch grüne Farbe und glänzen buttrig. Eine kleine Portion davon zeigte den typischen leicht bitteren aber angenehmen Geschmack.

2: Zwischengang – Gefüllte Calamaretti mit Risotto Nero

Die Tuben waren prall mit Gemüse und Reis gefüllt und leicht gebraten worden. Die Hülle war zart und angenehm weich mit leichten Röstaromen ausgestattet. Der Reis war schön gegart und hatte noch leichten Biss. Die schwarze Farbe kam durch Tintenfischtinte zustande. Die helle schaumige Sauce rundete den Teller geschmacklich und optisch ab.

3: Hauptgang – Kabeljau in Bouillabaisse-Nage mit mediterranem Gemüse und Aioli

Das dicke Filetstück war sanft gegart worden und innen butterzart, es zerfiel wunderbar in einzelne Lamellen. Eteas Salz und Pfeffer reichten völlig als Würze. Die Grundlage auf dem Teller bildete die Fischbrühe. Sie war kräftig und mit Sahne aufgeschäumt. Darauf befand sich eine Schicht Gemüse. Nach meinem Eindruck waren es Fenchel- und Artischockenstücke. Sie waren optimal gebart und gewürzt. Noch leichter Biss aber auch schon angenehm weich.
Aioli wurde in einer separaten Schüssel gereicht. Sie war durchaus schmackhaft, aber zum Fisch und Gemüse brauchte ich sie nicht.

4: Dessert – Portwein-Feigen und Thymian-Honig mit griechischem Joghurt

Die reifen Feigen waren geviertelt und in in Portwein mit Honig verfeinert worden und auf frischem fettigen Joghurt angerichtet und mit gehackten Pistazien verziert worden.
Das sah vielleicht nicht besonders edel aus, aber es schmeckte himmlisch. - Ich habe ein paar Tage später ebenfalls Feigen auf dem Markt in Bergisch Gladbach gekauft, mit Honig, Zimt und Port einmal aufgekocht und dann ebenfalls auf Joghurt serviert. Meine Frau und ich waren darüber sofort begeistert – aber die Feigen müssen auf den Punkt reif sein, sonst sind sie hart oder werden matschig.

Getränke

Mineralwasser (still, medium, Sprudel)

Ouzo (Kazanisto)

Skinos Spritz – Skinos – Cremant – Grapefrucht - Eiswürfeln

Skinos Spirit ist ein etwas süßer Likör mit kräftigen Aromen. Basis ist ein Harz aus dem Mastix-Pistazienbaum. Die Insel Chios ist dafür größter europäischer Produzent. Das Baumharz, in Griechenland bekannt als Tränen von Chios, wird zusammen mit Alkohol destilliert, ähnlich wie bei der Ouzo-Herstellung. Mit Sekt, Grapefrucht und Eis einfach köstlich.
Dieser Aperitif war sehr erfrischend – und kommt auch auf die Liste für zu Hause.

Retsina „Tears of the Pine“ - Kechris Winery – Makedonien

Der Weißwein passte sehr gut zu den Fischgerichten und zeigte feine Aromen von Zitrus und mineralische Noten.
Zum Nachtisch hätte ich mir vielleicht einen anderen Begleiter gewünscht.

Espresso

Fazit

4 – gerne wieder. Die Speisen waren köstlich und der Service äußerst herzlich.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 29.09.2019 – 1 Person - mittags

Meine Genießer-Erlebnisse stehen auch bei http://kgsbus.beepworld.de/archiv.htm
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


Lavandula und 19 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Hund und 21 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.