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GastroGuide-User: tischnotizen
hat phaedra in 50677 Köln bewertet.
vor 2 Monaten
"Lockdown Stories - Kein Karneval in Köln, aber Stimmung auf dem Teller an Aschermittwoch"

Geschrieben am 24.02.2021
Besucht am 17.02.2021 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 98 EUR
Mit einem sehr ungewöhnlichen Konzept begegnet Kostas Tzikas der zwangsweisen Schließung. Während andere Restaurants wahlweise à la Carte-Gerichte oder ganze Menüs zum selbst Fertigstellen anbieten, wird das „phaedra“, Ort für gehobene, kreative griechische Küche jenseits von Gyros und Kreta-Platte in der Kölner Südstadt immer ab donnerstags zur „Pitaria“. Dann werden mit Sepia-Tinte, Spinat oder Tomate gefärbte Teigfladen zu üppig gefüllten Pitas mit Zutaten wie Oktopus, Lamm oder Feta und originellen Beilagen.
 
Zum Valentinstag und zu Aschermittwoch allerdings hat Tzikas Menüs mit verschiedenen Mezze zusammengestellt, die einen Querschnitt durch mediterrane Vorspeisen zum Teilen bieten.
Die Gerichte sind dabei fast ausschließlich kalt und fertig vorbereitet, so dass der Aufwand in der heimischen Küche denkbar gering ist. Lediglich das Pitabrot, die Teigtaschen sowie der Hauptgang müssen nur für wenige Minuten im Backofen erwärmt werden.
 
Die Komponenten
 
Ich kann mich ja bereits an Kleinigkeiten erfreuen und so macht es schon Spaß zu sehen, wie liebevoll das Pita-Brot eingepackt ist. Es handelt sich um zwei Sorten, mit Sepia und Tomate gefärbte Teige, die nur knapp 3 Minuten im Ofen brauchen, um die richtige Temperatur zu bekommen.
 
Pita verpackt
Zweierlei Pita 
 
Die acht herzhaften Gerichte teilen wir in zwei Partien auf. Zur Pita passt perfekt die weiße Tarama Creme. Üblicherweise ist die Fischrogencreme in griechischen Restaurants von unnatürlicher rosa Farbe und oft auch von ebenso unnatürlichem Geschmack. Hier ist sie deutlich feiner und bekommt mit Forellenkaviar und Schnittlauch eine elegante Unterstützung.
 
Weiße Creme Tarama mit Forellenkaviar, Schnittlauch und Frühlingszwiebeln
 
Die weiteren drei Gerichte widmen sich Gemüsegerichten. Relativ einfach, aber dafür überraschend köstlich präsentiert sich der knapp gegarte Blattspinat mit Büffelmozzarella. Vor allem die Rauchmandeln geben dieser Kombination den nötigen Twist.
 
Lauwarmer Blattspinat mit Büffel-Mozzarella und Rauchmandeln
 
Zu den klassischen Antipasti der italienischen Küche und Dauerbrenner auf so ziemlich jedem Party-Buffet gehören gegrillte und marinierte Gemüse. Nun gehöre ich, bei aller Liebe zu Gemüse, nicht gerade zu den größten Fans, weil mir das meistens zu ölig und zu langweilig gewürzt ist. Und meistens sind es auch Gemüsesorten, die ich eh nicht besonders spannend finde. Hier sind es sauber gehäutete Paprika und Zucchinischeiben, die zwar für meinen Geschmack in der Tat etwas geschmacklich blass bleiben, aber dafür noch angenehmen Biss haben und nicht im Öl ertrinken. Mit etwas Salz und Pfeffer ist das auch für mich sehr schmackhaft.
 
Mediterranes Gemüse, gegrillt und mariniert
 
Eine echte Überraschung ist allerdings, was Kostas Tzikas aus Auberginen macht, die auf meiner persönlichen Gemüserangliste eher auf den hinteren Plätzen rangieren. Hier kommen sie als stückiges, bissfestes Ragout, das mit Basilikum und vor allem dem grob geriebenem Parmigiano außerordentlich würzig daher kommt. Mein Mann liebt das marinierte Gemüse, ich bin schockverliebt in das Auberginenragout. Also ist klar, wie wir die Reste auf den Tellern aufteilen.
 
Auberginenragout mit Basilikum und Parmigiano Reggiano
 
Nach einer kleinen Pause geht es mit der zweiten Runde weiter und jetzt kommt – es ist schließlich Aschermittwoch – richtig Fisch ins Spiel.
Die Meeresfrüchtefüllung für die Filoteig-Taschen erinnert zwar ein wenig an fein gezupften Thunfisch, aber geschmacklich ist da noch etwas mehr. Zusammen mit der Sauce Tartare ist das ein süffiger Spaß.
 
Filo-Teigtaschen mit Meeresfrüchten und Sauce Tartare
 
Die bunten Bete im nächsten Gericht sind angenehm mariniert und von schönem Biss. Der gebeizte Lachs dazu von ausgezeichneter Qualität und auch dazu gibt es eine nicht näher definierte, schmandartige Creme.
 
Marinierte bunte Bete mit gebeiztem Lachs
 
Sehr aromatisch auch der Oktopussalat mit Estragon, Senfkörnern und geschmorter Paprika. Der Tintenfisch ist zart, aber nicht zu weich, der Salat nur ganz leicht cremig und das ganze Gericht atmet pure Mittelmeerluft.
 
Oktopus-Salat mit geschmorter Paprika und Estragon
 
Nur ganz kurz wird der bereits vorgegrillte Thunfisch erhitzt. Von den vier Stücken sind zwei perfekt auf den Punkt gegrillt, die anderen beiden knapp darüber. Aber das macht kaum etwas aus, denn durch die kurze Zeit im Backofen ist das Gericht kaum lauwarm und so ist auch dieser Gang eher wie ein Salat zu essen. Die Unterlage von Tomaten und Kalamata-Oliven ist erstaunlich aromatisch angesichts der Tatsache, dass man im Februar eigentlich keine geschmackvollen Tomaten erwarten sollte. Aber hier ist der Sud von so klarem Tomatengeschmack und die Oliven so intensiv, dass man sich fast wie im Sommer wähnt.
 
Thunfisch - medium gegrillt - mit geschmolzenen Tomaten und Kalamata Oliven
 
Spätestens an dieser Stelle sind wir so pappsatt, dass wir vor dem Dessert eine größere Pause einlegen müssen. Aber mit angemessenem Anlauf machen wir uns dann an das kompakte Gebilde aus Pistazien- und Orangencreme, in das knuspriges Engelshaar, also hauchdünne Kataifi-Teigfäden, gearbeitet sind. Obenauf thronen noch Rotweinkirschen. In Summe klingt das mächtiger als es ist. Zwar ist die Creme schon recht füllig, aber da das Ganze nicht zu süß ist und alle Komponenten gemeinsam einfach nur lecker ineinander greifen, ist auch das noch zu schaffen.
 
"Ekmek" - Krosses Engelshaar, Pistazien- und Orangencreme und Rotweinkirschen
 
Das war ein durchgehend köstliches Mahl, das viel Abwechslung und eine mediterrane Küche präsentierte, der man die Sorgfalt in jedem Element anmerkte. Meine bessere Hälfte wird nicht müde, ununterbrochen zu betonen, was für eine gute Idee es gewesen sei, sich dieses Menü zu sichern. Und ich kann das nur unterschreiben. Wenn so die Fastenzeit beginnt, die bei uns ja gewohnheitsmäßig sowieso nicht besonders asketisch ausfällt, dann könnte das ganze Jahr Fastenzeit sein.
 
#supportyourlocalrestaurants
 
 
Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/phaedra-koeln-2/
DETAILBEWERTUNG
Service
keine Wertung
Sauberkeit
keine Wertung
Essen
Ambiente
keine Wertung
Preis/Leistung


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