Titus
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Wiehbergstraße 98, 30519 Hannover
Restaurant Sternerestaurant
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GastroGuide-User: hbeermann
hat Titus in 30519 Hannover bewertet.
vor 2 Jahren
"Beim Altmeister im Süden Hannovers"
Verifiziert

Geschrieben am 17.09.2017 | Aktualisiert am 18.09.2017
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Besucht am 16.09.2017 Besuchszeit: Abendessen 6 Personen
Eine Patientin mit ihrem Mann hatte ihren erfolgreichen Operateur, einen Professor der Neurochirurgie mit seiner Frau und ihren Hausarzt, also mich, mit Frau zum Feiern der gelungenen Lebensverlängerung ins Titus geladen. Wenn das kein Grund ist, was dann?

Über die Gesamtrechnung kann ich nicht viel sagen, weil ich sie nicht gesehen habe. Ich vermute ca. 800 Euro für uns sechs.

Mit unserem Taxifahrer (polnische Wurzeln) hatten wir Glück. Vor der vorbestellten Zeit da und flüssig gefahren. Somit waren wir sehr pünktlich um 18:58 Uhr im Süden Hannovers in der Wiehbergstraße. Herr Schafnitzel, der Gegenpart im Service zu Herrn Grubert am Herd, empfing uns wie immer sehr freundlich. Die Patientin hatten wir schon von außen durch die großen Scheiben entdeckt. Gemäß dem Anlass begrüßten wir uns mit Umarmung und berieten dann die Sitzordnung am stilvoll eingedeckten Sechsertisch.
Unser Tisch
Das{Restaurant ist mit ca. 20 Plätzen sehr intim und weist einige Eigenwilligkeiten auf. So gibt es hier Leuchten, die per Federgelenkarm wie bei einer Schreibtischleuchte sehr beliebig positioniert werden können. Das Besteck wird beim Eindecken grundsätzlich auf kleine Schieferquader gelegt. Die Blumendeko besteht immer aus einzelnen orangefarbenen Gerbera in dickwandigen roten Vasen (Stil Holmegaard cocoon). Die Sauberkeit ist in jedem Bereich tadellos.
Deckenschreibtischleuchten
Der Prof und seine Frau waren per Öffis angereist und trafen kurz nach 19:00 Uhr ein. Ich freute mich sehr, ihn endlich einmal leibhaftig zu sehen nach Dutzenden von Telefonaten und Mails.

Nun war der Aperitif an der Reihe. Die Damen entschieden sich für Rosé Champagner, die Männer für Geheimrat J Rheingauer Riesling Sekt. Sechsmal Prickel kam schnell in beschlagenen  Gläsern . Taunusquelle schenkte uns Herr Schafnitzel in die bereit stehen dickwandigen Wassergläser ein. Insgesamt pflegt Herr Grubert ein Konzept wie das Basil: Speisen hochwertig und nicht ganz billig, Getränkepreise äußerst moderat. Es wird mit Faktor 2,0-2,5 kalkuliert.

 Zwei Brotkästen und gesalzene streichfähige Butter kamen auf den Tisch. Ich schätze es sehr, wenn es ausschließlich wohlschmeckendes Baguette gibt und keine Albernheiten mit Nüssen, Oliven, Paprika oder Vollkorn. Dem Kollegen, meiner Frau und mir gefiel das Brot so gut, dass später noch einmal zehn kleine Scheiben gebracht wurden.

Das Essen musste nun geordert werden. Weglassen einzelner Menübestandteile oder Verschieben zwischen den verschiedenen Menüs war kein Problem. Ich nahm das große 6-Gang Menü (90 Euro), ließ den Käsegang weg und tauschte das Dessert. Wir alle entschlossen uns, ausschließlich Weißwein zu trinken. Meine Frau, der Kollege und ich nahmen einen Riesling von Weil (ca. 30 Euro). Die anderen drei hatten einen Sauvignon blanc im Bocksbeutel. Beide Dreiergruppen benötigten im Verlauf des Abends eine zweite Flasche. Wieviel Taunusquelle in uns allen verschwand, weiß ich nicht. Auf jeden Fall war keine Blase groß genug, um den Abend ohne Toilettengang durchzuhalten. Diese sind klein und gut gepflegt. Braune Frottéetücher liegen bereit, und ein Dyson-Händetrockner kann seinen Orkan entfachen.
Amuse gueule nackt
Das Aufgießen
Unser Amuse gueule bestand aus Trompetenpilzen, Pak Choi, Popcorn, gummiartig festem Mozarella  und  einer Galia-Melonenkugel . Hokaido-Kürbissuppe goss Herr Schafnitzel bei allen aus einer Kaffeekanne auf. Pilze und Kürbis bestimmten die Aromatik. Sehr schön. Natürlich bekam ich den Teller meiner Frau auch, obwohl die Pilze durch Erbsen ersetzt waren. Hier ist anzumerken, dass das Titus das einzige mir bekannte Restaurant ist, in dem ausgezeichnete eingefrorene Zuckererbsen Verwendung finden. Diese mehligen Dosenerbsen finde ich grauslich.
Amuse komplett
Ich hatte vergessen, meinen ersten Gang, die gebraten Gänsestopfleber gegen Rotgarnele zu tauschen. Der Prof nahm meinen etwas unglücklichen Gesichtsausdruck wahr und bot spontan den Tausch gegen seinen ersten Gang an. Er esse Stopfleber sehr gern, habe sich nur nicht getraut, sie als einziger zu bestellen.
 Stopfleber gebraten
Vor mir standen nun also zwei Prachtexemplare von Rotgarnelen mit Mango-Chutney, ein wenig Wasabi, Wakame-Algen, Kokosraspeln, Krabbenchips und ein perfekt eckiger panierter Quader fetten Schweinbauches, frisch frittiert und knusprig.  Ein wenig Tom Ka Gai bildete einen kleinen Spiegel unter dem Gemüse.
Rotgarnelen
Mein zweiter Gang war Kabeljau, sehr saftig, aber blättrig zerfallend auf Pak Choi und einem satten Tom Ka Gai- Spiegel. Das angekündigte Raucharoma beim Fisch war nicht wahrnehmbar, und meiner Frau war er zu grob. Ein edlerer Fisch wäre ihr lieber gewesen. Ich fand die Kombination sehr gelungen.
Kabeljau
Gang drei war ein Stück Flußsaibling auf einem knusprigen Raviolo mit ein wenig Blumenkohl, Physalis und einer tollen Soße.  Das war ein  sehr schmackhafter Fisch, perfekt gegart
Flußsaibling
Als Viertes hatte ich Lammrücken, rosa auf Fregula sarda mit Röhrenpilzen, diversem Gemüse mit einem tollen Jus. Die Lammstücke zergingen bei mir auf der Zunge.
Lammrücken
Nun folgte eine zu lange Durststrecke. Drei von uns hatten den Käsegang serviert bekommen, und so dauerte es eine geschlagene halbe Stunde bis zum Dessert.
Baba au Rhum
Das war allerdings richtig gut: Baba au Rhum mit Heidelbeereis, eingelegten Weintrauben und Panacotta.  Den nach Art eines Gugelhupfs saftig gebackenen Zylinder auf dem Teller, teilte Herr Schafnitzel der Reihe nach bei allen durch einen mittigen Längsschnitt und goss bei seinem zweiten Rundgang um den Tisch bei jedem ein Honig-Rum-Gemisch auf den Teig. Das war für mich zum Reinsetzen, für meine Frau zu sehr geballte Süße.
Ich nahm zum Abschluss noch einen Espresso, der mit prachtvoller Crema kam. Gegen 23:00 Uhr waren wir fertig und baten, uns ein Taxi zu rufen. Wie sich herausstellte, wohnt der Kollege nicht sehr weit von unserem Haus entfernt, so dass wir seine Frau und ihn mitnehmen konnten.

Es war ein sehr schöner Abend mit gutem Essen, schönem Wein und interessanten Gesprächen. Eingeladen zu sein, war natürlich die Krönung.  Unser Taxifahrer war noch besser als der auf der Hinfahrt.  Glück muss man haben.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung
keine Wertung


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