Gourmetrestaurant Zur Post
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Altenberger-Dom-Straße 23, 51519 Odenthal
Restaurant Hotel Sternerestaurant Ausflugsziel
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GastroGuide-User: kgsbus
hat Gourmetrestaurant Zur Post in 51519 Odenthal bewertet.
vor 6 Monaten
"Für uns das Maß der Dinge"
Verifiziert

Geschrieben am 01.06.2020 | Aktualisiert am 01.06.2020
Besucht am 24.05.2020 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 251 EUR
Allgemein

Die „Post“ in Odenthal öffnete auch wieder nach der Corona-Sperre ihre Tore. Durch geschicktes Tische verschieben blieben von früher 14 Gruppen nun noch neun bestehen.
Aber für das Haus sind neben den Restaurants auch der Festsaal und das Hotel wichtig. Alle Hochzeiten, Geburtstage oder Feste wurden abgesagt. Einige Dutzend Events wurden so nicht durchgeführt.
Ob sich unter diesen Umständen das Unternehmen zur Zeit wirtschaftlich lohnt, ist noch nicht entschieden.
Doch der Anfang war wohl ordentlich; jedenfalls konnten wir den letzten Tisch für uns buchen. Als wir schon auf unserem Platz saßen, klingelte das Telefon ständig und die Chefin musste die Anrufer vertrösten oder auf eine Warteliste setzen – Pfingsten wird das Haus also wohl – im Rahmen des möglichen – ausgebucht sein. Bei gutem Wetter auch draußen (wenn man da bucht, kann man jedoch bei schlechtem Wetter nicht unbedingt nach drinnen, wenn nicht Plätze frei sind).
An den aktuellen Tischen können bis zu vier Personen Platz finden und haben auch den geforderten Abstand zu den Nachbarn.
Aber meist kommen nur zwei Personen; jedenfalls sah es heute so aus.

Ambiente

Durch die ungewohnte Tischaufstellung mit den großen Abständen wirkte das Lokal etwas anders. Die Beistelltische waren mit Besteck und Tellern versehen und wirkten dadurch auch etwas seltsam im Raum.
Aber nach kurzer Zeit waren wir daran gewöhnt und konnten uns entspannt auf das Essen konzentrieren und dabei wie sonst unbeschwert unterhalten (auch über andere Themen als Corona oder „Risikogruppe“ - für mich übrigens das Unwort des Jahres).

Sauberkeit 

Weiße Tischdecken und Servietten aus Stoff wirken auf uns einfach stilvoll und gemütlich. Und der makellose Glanz bringt auch das Gefühl von Sauberkeit.

Sanitär

Wie gewohnt im Aussehen; jedoch nun mit Hinweisen zu den Regeln versehen.

Service

Alle Damen und Herren trugen Mund- und Nasenschutz und Handschuhe. Die Ansagen der weiblichen Kräfte konnte ich jedoch akustisch meist nicht so recht verstehen; aber das war nicht weiter schlimm, sondern eher etwas lustig oder irgendwie komisch – wie ein Running Gag.
Da die Weine nicht am Tisch eingeschenkt werden durften, hat uns Frau Wilbrand die Namen aufgeschrieben, ebenso einige Käsebezeichnungen; denn die mündliche Ansage klappte eben kaum.
Ich hoffe, dass wir dies gegenseitig in Ordnung fanden und als eine heitere Einlage gesehen haben.

Die Karte(n)

Die verkosteten Speisen 

Degustationsmenü am Mittag in vier Gängen (79 €)

Die Gerichte konnten auch einzeln bestellt werden. Es gab im Menü fast immer eine Alternative, sodas es eigentlich zwei Angebote waren. Ebenso gab es ein Tagesmenü in drei Gängen. Beim großen Menü am Abend wird auch noch ein Fischgang angeboten.

„Kleiner Gruß aus der Küche“

Wachtelterrine | Sellerie | Krustentierbisque

Brot wird oft als nebensächlich betrachtet. Aber die Auswahl in der Post hebt sich geschmacklich weit vom Weißbrot in vielen Gasthäusern ab.
Es ist knusprig und frisch und hat Geschmack nach Sauerteig und Körnern.
Die beiden Aufstriche dazu haben einen buttrigen bzw. cremigen Geschmack.

Die Terrine war köstlich gewürzt und angenehm im Mund. Die „Meeressuppe“ war wieder köstlich. Die Aromen und der Duft deuteten auf Hummer-Anteile.

Pavé von der Entenleber
Joghurt | Rhabarber | Brioche
23 Euro
oder
Bretonische Makrele geflämmt
Bete x 3 | Ziegenkäse
23 Euro

Wir haben uns jeweils eine Portion ausgewählt. Da ich Leber-Gerichte sehr schätze und meine Frau davon gar nichts hält, war die Aufteilung sehr einfach.
Der Teller war hübsch angerichtet und war mit allerlei Würfel- bzw. Quaderstücken und Halbkugeln dekoriert. Der Rhabarber war als eine Art Paste der Untergrund. Obenauf waren feine Brotkrümmel drapiert worden.

Die Makrele war nur oberflächlich leicht geröstet und erinnerte mich fast an Sashimi. So kam der Eigengeschmack voll zu Tage. Auf dem Teller dominierte im übrigen die Bete in Stückchen, als Törtchen und als cremige Suppe. Meine Frau war recht angetan; eigentlich ist sie kein Fan der Richtung japanischen Küche.

Doppelte Kraftbrühe vom Odenthaler Freilandhuhn
Limonenblätter | Gemüse
11 Euro

Auch die klare Brühe erinnerte an asiatische Küche. Ich hätte sie nicht als „Hühnersuppe“ erkannt. Sie hatte viele Aromen, die ich nicht direkt zuordnen kann; aber recht interessant im Mund. Die Limonenblätter erzeugten auf jeden Fall frische Noten. Das helle Gemüse erinnerte mich auch nicht direkt an bestimmte Pflanzen.
Im Mittelpunkt war ein Teiggebilde mit einer Füllung – vielleicht etwas Huhn. Es erinnerte mich insgesamt an eine übergroße Spätzle-Form.
Nach diesem ersten Teller kann ich noch nicht sagen, ob die Kreation in meine Lieblingssuppen-Topliste einziehen kann. Ich liebe vielerlei Richtungen von „dicker“ Gemüsesuppe der Art Minestrone oder Kartoffelsuppe bis hin zu Cremesuppen oder eben Fischsuppen und Rindfleischsuppe mit Markbällchen aber ohne Nudeln.

Williams-Birnensorbet

Die frische kühle Eisnocke machte den Gaumen frei für den Hauptgang. Und lecker war sie auch.

Rücken vom bergischen Maibock
Gegrillte Melone | Lakritzjus | dicke Bohnen
41 Euro
oder
Filet vom bergischen Weiderind unter der Kräuterkruste
Deutscher Stangenspargel | neue Kartoffeln | Morchelsauce
41 Euro

Wir buchten wieder beide Versionen einmal. Wegen der Pilze und dem Spargel wählte ich das Rind. Morcheln sind für mich mit die besten Pilze, die ich kenne. Daher war es eine Freude sie auf dem Teller zu haben. Die weißen Spargelstangen waren relativ bissfest gegart. Das bevorzuge ich auch gegenüber weichen Zubereitungsarten. Die Erdäpfel waren ebenfalls schnörkellos gekocht und konnten so die Sauce gut aufnehmen.
Das Filet war wie gewünscht medium gebraten und die Kruste auf dem Fleisch war tatsächlich auch kross und keine weiche Haube.
Es war also ein sehr guter Teller.

Aber meine Frau ließ mich auch ein Stück Bock probieren – und das weckte schon Neid; denn dieses Fleisch war einfach eine Wucht: zart, saftig, aromatisch, köstlich.
Die Lakritzsauce war auch eine neue Erfahrung: leicht süß, starke Süßholzaromen, cremig – passte zum Fleisch. Auch die anderen Beilagen waren recht apart – allerdings ist meine Frau keine Freundin von Püree oder Stampf. Aber die gegrillte Melone fand sie köstlich.

Käseauswahl vom Käsehaus Wingenfeld
Früchtebrot | Feigensenf
19 Euro
oder
Dessertvariation „Zur Post“
19 Euro

Wir kennen die großartigen Dessertvariationen im Hause recht gut und sind absolute Fans davon. Aber heute wollten wir beide noch lieber Käse. Und die Produkte kamen schließlich aus dem vielleicht besten Käsehaus in ganz Köln.
Auf dem Teller waren Camembert, Ziegenkäse, Karamell- bzw. Braunkäse, Comte, Munster und Fourme d’Ambert.
Alle Stücke waren gut gereift und ergaben eine breite Palette an Aromen. Da die Happen im Restaurant natürlicherweise nicht übergroß ausfallen – sie sollen ja Spaß machen und nicht den Magen überfüllen – schmecken sie oft in einer größeren Menge ganz anders. Daher habe ich mir die Namen so gut ich konnte gemerkt und beim Markthändler meines Vertrauens in Bergisch Gladbach mittwochs drauf nachgekauft. Natürlich hatte Käse Fuchs auch alle Sorten vorrätig – außer dem Karamellkäse. Die Chefin erzählte mir, dass dieser Käse aus Skandinavien vor einigen Jahren recht im Mode war. Da er aber relativ süß ist, ließ die Nachfrage rasch nach. Sie könnte ihn mir natürlich besorgen, aber ich müsste schön das ganze Stück erwerben, da sie den Rest sicher nicht verkauft bekäme. Das war also ein Beispiel dafür, dass eine kleine Portion überrascht, aber mehrere Scheiben auch keine Freude mehr machen. Aber Munster, der Schimmelkäse und Camembert waren pur und zu Brot einfach Klasse. Und eine Portion Époisses musste auch mit.

Zum Kaffee
Praline | Schokoladenbrownie

Eine feine Tasse Espresso Macchiato rundete den Mittag ab. Dazu schmeckten die Petit Fours recht gut und auch die Waldhimbeere war erfreulich.

Getränke

Hauscocktail – eine Gin-Tonic-Kreation mit viel Limettenaromen

Taunusquelle medium

Weinbegleitung (42,00 €)

Kracher 2017 Beerenauslese (Cuvée: 60% Welschriesling, 40% Chardonnay)
Poss Weißburgunder 2017 Nahe
Dominio do Bibei Lalama 2014 (Cuvée: Mencia, Brancellao, Mouraton, Souson, Garnacha)
Taylor's Late Bottled Vintage Port 2014 (Rebsorten: Touriga Franca / Touriga Nacional / Tinta Barroca)

Espresso

Hausbrennerei Roth Waldhimbeere (muss ich mir unbedingt besorgen)

Fazit

5 – unbedingt wieder. Die Post war und ist genau das Restaurant bzw. das Paket, das uns einfach zusagt.
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 24.05.2020 – mittags – 2 Personen

Meine Genießer-Erlebnisse stehen auch bei http://kgsbus.beepworld.de/archiv.htm
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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