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GastroGuide-User: Shaneymac
hat Da' Nico Sonnenterrasse Holzofen in 82490 Farchant bewertet.
vor 1 Monat
"Dolce Vita mit Bergpanorama"
Verifiziert

Geschrieben am 06.10.2019 | Aktualisiert am 06.10.2019
Besucht am 19.08.2019 Besuchszeit: Mittagessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 71 EUR
Unser letzter Tag in Garmisch sollte in diesem Jahr rein kulinarisch betrachtet fest in italienischer Hand sein - und es sollte uns rundum gut damit gehen, los geht es mit einem kleinen, mittäglichen Imbiss mit herrlicher Aussicht.
 
Nach dem Frühstück stand zunächst entspanntes Shopping an, es gibt in der kleinen Fußgängerzone eine hinreichende Zahl inhabergeführter Mode-Geschäfte, die für solch einen touristisch geprägten Ort einerseits faire Preise haben, andererseits aber auch meist recht ansprechende Sortimente.

Fußgängerzone Garmisch
 
Ich mag diesen Ort, es weht noch ein wenig der Geist der mondänen, alpinen Sommerfrische vergangener Zeiten, es gibt das Kasino und das Café Krönner mit seinem herrlichen 50er Jahre Look, der Mohrenplatz lädt zu einer kleinen Rast, rundherum grüßen die Werdenfelser Gipfel: einfach schön.
 
Währenddessen freute ich mich bereits auf das Mittagessen, wir waren mit Obacht! verabredet, die uns einen etwas versteckt, abseits der Touristen-Hauptstraßen liegenden Italiener zeigen wollte, den sie und Herr Obacht neben solider Küche nicht zuletzt auch wegen seiner idyllischen Lage sehr schätzen.
 
Gegen 12:30h machten wir uns mit dem Vehikel auf nach Farchant und als Obacht! dort von der Hauptstraße abbog und wir kurz darauf das Gefährt parkten, fragte ich mich kurz, wo denn hier bitteschön ein Restaurant sein könnte.

Außenansicht
 
Ich weiß nicht mehr genau, wie man an der Hauptstraße auf sich aufmerksam macht, am Restaurant prangt zwar ein Schild an einer Hecke, aber auch dieses sieht man nur, wenn man am Lokal vorbeifährt, wendet und wieder Richtung Hauptstraße fährt – so macht man sich wohl zum Geheimtipp.

Gleis 9 3/4
 
Der Geheimtipp-Plan ging auf jeden Fall auf, obwohl der Ort voller Touristen war und die Gastronomen sicher allesamt gut gelaunt waren, war das „da Nico“ an diesem Montagmittag nur äußerst spärlich besucht, auf der Terrasse war nur ein weiterer Tisch besetzt.



die Terrasse
 
Eine sympathische Dame Ende Fünfzig war für den Service zuständig, herzlich wurden wir begrüßt und uns die freie Tischwahl angeboten.
 
Es war ein heiterer Tag, sonnige Abschnitte wechselten sich mit bewölkten ab, es sollte zwar trocken bleiben, dennoch setzten wir uns sicherheitshalber unter die Markise und genossen erst einmal die Ruhe und den idyllischen Ausblick.
 
An einem lauen Sommerabend mit zirpenden Grillen im Hintergrund, netter Gesellschaft, gegrilltem Fisch und kaltem Weißwein muss es hier einfach herrlich sein.
 
Die gepflegten, sauberen Karten überraschten mit ihrem Umfang, die Auswahl ist recht groß und wird neben saisonalen Angeboten auch noch von einer ganzen A4 Seite umfassenden Wochenkarte (die rechte Seite auf dem Foto) ergänzt, eine Menge Holz für den landläufigen „Ristorante-Pizzeria-Standard“.


 
Da galt es mit Bedacht zu wählen und zunächst ein paar Getränke zu ordern, neben 0,5l Alpenfels Wasser (3,90€) auch eine Holunderblüten-Schorlen zu 3,40€, eine Cola Light zu 2,60 €, sowie für den Herrn der Schöpfung einen Aperol Spritz zu 5,80€.
 
Letzter kam mit einem vorbildlich umweltfreundlichen, hochfestem Papierstrohhalm auf einem Extra-Tellerchen, fand ich putzig – und wie ich meine auch hübscher anzuschauen als die Makkaroni-Variante, die sich ja zunehmender Beliebtheit erfreut.

Aperol Spritz
 
Ein fröhliches Anstoßen, noch ein wenig ratloses Abwägen bei wachsendem Appetit, aber alle sind schlussendlich fündig geworden und wir gaben unsere Bestellung auf.
 
| Vorspeise |
 
Crostini con Ricotta al tartufo – 8,80€
 
Crostini con Ricotta al tartufo

Nach kurzer Wartezeit wurde meine Vorspeise serviert, das Gericht verströmte eine dezente Trüffelnote und wurde eher rustikal angerichtet.
 
Zum getrüffelten Ricotta gesellten sich Bresaola, Parmesan, Kirschtomaten und ein paar Tupfer Crema di Balsamico, wobei man dankenswerter Weise auf naive Tellermalerei verzichtete.
 
Da wir quasi unter uns waren und das Brot trocken und nicht mit Essig oder Öl beschmiert, entschied ich mich zum pragmatischen Verzehr à la Sandwich.
 
Ein erster Biss machte viel Freude, das Brot war einfach perfekt geröstet, leicht rösch aber noch weich und nicht krümelig, dabei mit ehrlich-rustikalem Eigengeschmack, köstlich.
 
Der cremige Ricotta besaß eine solide, aromatische Trüffelnote, beim Hinschauen entdeckte ich recht viele kleine Trüffelstückchen, ob man dieser Note noch etwas mit Trüffelöl künstlich auf die Sprünge geholfen hat ist manchmal schwer zu sagen.
 
Hier glaube ich dies aber nicht, der Ricotta war kein Mü ölig und der Geschmack in keiner Weise künstlich, ich glaube an gehackte Trüffel im Glas, auf den ich seit Jahren für einige Rezepte baue.
 
Dieser kann wirklich hocharomatisch sein wenn man nicht mit der Qualität geizt, ich habe im Mai ein Glas davon aus Italien mitgebracht und wir stellen damit Trüffelbutter her, dabei reichen zwei Teelöffel für 250 Gramm gute Butter um ein intensives Trüffelaroma zu erreichen.
 
Zusammen mit dem salzigen Käse und Rinderschinken (den ich normalerweise nicht so schätze), der Frische und Säure der Tomaten, der leicht senfigen Schärfe der Rauke und der süßlich-sauren Crema ergab sich ein umami-lastiges geschmackliches Gesamtbild, das unter dem Strich als sehr gelungen bezeichnet werden kann.
 
Keine spektakuläre Kochkunst und auch das Auge ward schon mehr entzückt, dennoch eine den Gaumen äußerst beglückende Vorspeise!
 
 
| Hauptgericht |
 
Costata alla griglia – 18,80 €
Pizza Margherita – 6,60 €
 
Eigentlich habe ich von Steaks im Restaurant in letzter Zeit zunehmend Abstand genommen, denn was ich in Sachen Zubereitung und Qualität daheim besser bekomme, brauche ich mir nicht im Lokal geben, zumal wenn ich selbiges noch nicht kenne - die Kombination von bestem Fleisch, Sous Vide und Beefer ist einfach schwer zu schlagen wenn man den Dreh raus hat.
 
Aber da ich im Urlaub war und mein traditionelles Samstag-Abend-Steak damit ausfiel, war ich latent „unterbeeft“ und ich konnte der Versuchung nicht wiederstehen, obwohl mich der günstige Preis sehr misstrauisch machte; ich schraubte meine Steak-Erwartung also auf ein sehr basales Niveau herunter.
 
Der Teller machte Freude, die Penne rigate in der arrabiata Version dufteten verführerisch, auch das Steak machte einen guten Eindruck, optisch (wenn ich eines nicht mag, sind es blasse Steaks) und olfaktorisch, appetitlich angerichtet mit kleiner Garnitur und einer Scheibe Kräuterbutter.
 
Costata alla griglia

Das Fleisch hatte ich wie stets medium rare bestellt und war daher schwer irritiert als ich mit der Gabel zur Tat schritt um einen beherzten Mittelschnitt anzusetzen, das Steak fühlte sich komplett roh an.
 
Eigentlich hätte ich da schon unsere nette Service-Dame rufen können, schnitt das Steak dennoch durch und war beruhigt, mein Eindruck hat mitnichten getäuscht, das Steak war noch fast komplett roh – und Carpaccio in dieser Stärke ist leider nicht meins.
 
Ich blickte zur Türe um nach dem Service zu schauen als Nico, der Wirt auf den Plan trat, ein ruhiger, nicht sonderlich großgewachsener Herr um die 50.
 
Ob er selber gegrillt hat weiß ich nicht, ob er Gedanken lesen kann auch nicht, erstaunlicherweise wusste er aber um mein Anliegen, noch bevor er am Tisch war: „ist das Fleisch noch zu roh?“ hörte ich in einem bedauernden Tonfall. „Ja, leider, ich mag es ja gerne blutig aber das ist dann selbst mir zu heftig…“. Ich zeigte ihm die Schnittflächen und unter vielfachen Entschuldigungen verschwanden Steak und Wirt wieder im Gebäude.
 
Einige Minuten später der neue Versuch, diesmal eine Punktlandung und die Röstung war naturgemäß noch eine Spur schöner:

Zweiter Aufschlag
 
Ich glaube fast, man hat die Pasta kurzerhand neu zubereitet, es war nichts angetrocknet, sie war heiß, al dente und auch die Deko auf jener fehlte beim zweiten Versuch.
 
Das führt nicht zu einem Punktabzug, es sollte nicht passieren, schon gar nicht derart eklatant, dennoch hat man gut reagiert und letztlich ein tadelloses Gericht serviert.
 
Das Ribeye, ca. 270 Gramm, war von eher gewöhnlicher Qualität, was zu diesem Preis auch nicht verwundern dürfte. Dennoch besaß es einen befriedigenden Eigengeschmack, wenn auch die Saftigkeit und Intensität der Premiumware fehlte - aber man kauft ja auch keinen Duster und beschwert sich dann darüber, dass es im Range Rover doch die bessere Soundanlage gibt.
 
Begeistert haben mich die Penne bzw. der Sugo, der versetzte einen nach Süditalien: aromatische Tomaten, nur ganz dezent mit Pfeffer, Salz und Knoblauch versehen, eine ideale Dosis Chili summte mit. Ich bekam auf Wunsch noch etwas – guten- geriebenen Parmesan auf den Tisch und genoss die italienische Hausmannskost sichtlich, was diesmal – unglaublich aber wahr - meine Garderobe unbeschadet überstehen sollte; oh Zeichen oh Wunder!
 
Die Kräuterbutter war auch eher dezent gewürzt, ob hausgemacht ist bei dieser manchmal schwer zu sagen, sie schmeckte jedoch bedeutend besser als die unsägliche Ware des Convenience-Marktführers.
 
Auch Madame war glücklich, ihre Margherita wurde auf Wunsch dunkler gebacken, war kross und schmeckte so gut, wie sie aussieht, ich sicherte mir während der „Steak-Nacharbeit“ ein Stück und war sehr angetan. Die Pizzaiola war ähnlich aromatisch wie mein Pasta-Sugo, der Käse fein-würzig und nicht allzu teutonisch überdosiert, der Knoblauch wohl dosiert.

Margherita
 
Weniger angetan war ich von der Tatsache, dass man Aglio mit 60 Cent berechnet, das finde ich kleinkariert und wenig gastfreundlich, ich finde die ideale Lösung sind nach wie vor kleine, gepflegte Gefäße für Knoblauch und Chili in Öl, aus denen man sich selber bedienen kann – ohne Extra-Berechnung versteht sich.
 
Obacht! mag maritime Pastagerichte sehr und verspeiste derweil sehr zufrieden grüne Linguine in Lachs-Sahnesoße, die Portion zu 16,90 €.
 
Da der Aperol schon recht spürbar gute Laune machte blieb ich beim Wasser und vermisste nichts, ich mag es gar nicht tagsüber angeduselt zu sein und wir hatten noch einiges vor, vielleicht ändert sich das ja im Rentenalter mit Zeit für ausgiebige Mittagsschläfchen, ich hoffe es. :-)
 
Diesmal übernahm ich die Rechnung, die Zahlung konnte problemlos per EC Karte getätigt werden.
 
Nach dem Essen ging es noch ein paar Meter auf einen nahen Waldlehrpfad um Obachts lieben Hund und uns etwas Auslauf zu gönnen, wobei sich der treue Vierbeiner beim Bällchen werfen prompt genüßlich in einem Schlammloch wälzen sollte, was für ihn wiederum mit einem Bad und kollektivem Abschrubben in einer ehemaligen Viehtränke endete.



 
Fazit
 
Ich denke 4 Sterne für die Küche sind angemessen für das Gebotene, mit kleinen Abzügen in der B-Note (nicht wegen des Steak Fauxpas!) war ich gut zufrieden mit dem Essen, wie auch meine Begleiterinnen. Mein Wunsch wäre die Option „besseres Fleisch zu einem höheren Preis“.
 
Den Service, sehe ich bei 5 Sternen, wir wurden bestens umsorgt, jeder kleine Wunsch wurde freundlichst erfüllt und die Reaktion auf meine Gargrad-Reklamation war vorbildlich.
 
Das Ambiente sehe ich bei 4 Sternen, die Lage und die Terrasse sind natürlich toll, allerdings innen eben eher bieder und typisch Wirtshaus, die Sauberkeit tadellos.
 
Das PLV sehe ich bei vier Sternen, nicht verstanden habe ich die Kalkulation von meinem Steak in Relation zu den Linguine, spricht das jetzt für den Lachs und gegen mein Fleisch? Man weiß es nicht…
 
Ein schönes Mittagessen, nur zu gerne würde ich hier bei gutem Wetter abends den Sonnenuntergang mit bodenständigen italienischen Gaumenfreuden genießen - ach, wäre doch schon wieder August!
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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