Pfaffenberg
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Pfaffenberger Weg 284, 42659 Solingen
Restaurant Bistro Cafe Ausflugsziel
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GastroGuide-User: Shaneymac
hat Pfaffenberg in 42659 Solingen bewertet.
vor 3 Wochen
"Süppchen mit Ausblick (ต้มข่าไก่ with a view)"

Geschrieben am 23.06.2019 | Aktualisiert am 24.06.2019
Ein sonniger Freitagmittag ist eine feine Sache, denn freitags erfreut sich Herr Shaneymac - als unfassbar moderner Vorzeigearbeitnehmer - meist an einer ebenfalls nicht unfeinen Errungenschaft des heutigen Arbeitslebens: dem Home Office.

Neben gesparter Lebenszeit durch Entfall des Pendelns ermöglicht es mir auch, mittags in meinem Viertel eine nette Lunch-Pause einzulegen und dabei gezielt bewährte, genussversprechende Restaurants anzusteuern.

Die Kombination aus „in meinem Viertel, bewährt und genussversprechend“, sowie „nette Terrasse und durchgehend geöffnet“ generiert in einer Stadt wie Solingen nicht gerade 87 Treffer auf der internen Gastro-Suchmaschine und somit fiel die Wahl an diesem Freitag eher leicht, das Pfaffenberg Bistro sollte es wieder mal sein.

Seit dem Weggang des Chef de Cuisine Dominic Gerberding – der es sich dem Vernehmen nach mit seiner sympathischen Herzensdame in NZL hat gut gehen lassen, inklusive spannender Work & Travel Episoden – war ich nicht mehr dort gewesen, insofern war ich neugierig auf etwaige Veränderungen.

Nach wenigen Minuten Anfahrt ergatterte ich auf dem Bistro-Parkplatz den letzten Stellplatz, was verwunderte, da ich früher auch an sonnigen Freitagen mittags oft nur einer von wenigen Gästen war, ich witterte bereits eine geschlossene Gesellschaft.

Dem war Gott sei Dank nicht so, der vordere Teil der Terrasse war allerdings komplett belegt mit der ur-typischen Pfaffenberg Bistro Gästeschar: Da sind zum einen die Geschäftsleute, meist im „smart casual“ Look (die Banker brillieren in meist schlecht sitzenden Anzügen mit passenden Krawatten und schwitzen), eher sehr selten Genussmenschen. Zum anderen aber gerne bodenständige Pärchen im Rentenalter, für die der Besuch des Bistros eine hochinteressante, gesellschaftliche Ausnahme-Veranstaltung zu sein scheint, deren jedes noch so klitzekleine Detail gebührend aufgesaugt  werden muss.

Das wiederum hat zur Folge, dass man sich auf dem Weg zur bzw. über die Terrasse mitunter fühlt, wie Howard Carpendale auf einer Konzertbühne, man wird von neugierigen, gerne auch bergisch-argwöhnischen („wat kann de Jung hier seten und freten um die Tied, mut de net arbieden?“) Blicken geradezu durchbohrt; da hilft nur Lächeln, freundliches Nicken, Kopf oben halten und möglichst selbstverständlich zum Tisch seiner Wahl schreiten.

Letzteres war leider nicht möglich, der hintere Teil der Terrasse war noch geschlossen und der riesige, schattenspendende Sonnenschirm ebenso. Ich ging somit kurz hinein ins Gebäude, und erspähte neue, freundliche Gesichter im Service, aber auch altbekannte Eindrücke: Der wohlsituierte Solinger Unternehmer, der Eigentümer und „Mäzen“ des Restaurants, war vor Ort, plauderte mit dem Personal, labte sich an einem kühlen Pils und grüßte freundlichst.

Ich bat höflich darum, doch den hinteren Teil der Terrasse zu öffnen, weil auch ich gerne draußen sitzen würde, dem kam man gerne nach und ein junger Mann begann umgehend damit, die Tische gastfein zu machen. Dabei machte sich wieder bemerkbar, das es sich um ein technisch hochwertig ausgestattetes, junges Gebäude handelt, denn die beiden riesigen Sonnenschirme auf der Terrasse lassen sich – den Wundern der Home-Automation sei Dank – bequem per Tablet & App öffnen und schließen.

Teilansicht Terrasse

Diese Minuten nutzte ich, um in einem schattigen Bereich der Terrasse zunächst den wunderschönen Ausblick zu genießen und online die aktuelle Karte zu überfliegen, mir war nach etwas Kleinem, Leichten.

Ausblick Terrasse

Thailands Suppen-Exportschlager Nr.1, Tom Kha Gai, klang vor diesem Hintergrund wie eine gute Idee, Suppen gibt es löblicherweise in drei Größen: Probierportion, kleine Portion, Hauptgangportion; ich wählte die mittlere Variante zu 7,20 €, dazu ein Wasser, die 0,25l zu nach wie vor moderaten 2,10 €.

Mit dem Wasser kam etwas hausgebackenes Brot mit einer Bärlauch-Crème, das Brot herausragend und aromatisch, die Crème eher belanglos und flach (dafür aber garantiert massenkompatibel…).

Hausgebackenes Brot / Bärlauchcrème

Kurze Zeit später rauschte mein fernöstlicher One-Pot Klassiker heran, zeitgeistig im notorischen Weck-Glas, die Garnele dekorativ obenauf drapiert.

Tom Kha Gai

Von ihrem Deckel befreit verströmte die Suppe überaus appetitliche, zu erwartende Düfte: Kokos, Zitronengras, ein feiner Fond, ein Hauch Ingwer – das machte Lust auf den ersten Löffel.

Und dieser sollte nicht enttäuschen, in ihrer samtigen Konsistenz glich sie durchaus der von mir in meiner letzten Kritik bewerteten Krustentiersuppe.

Alles, was diese Suppe ausmacht war vorhanden, Fischsauce sorgte für geschmackliche Tiefe, Limettensaft für die nötige Säure, etwas Chili für Schärfe und liebliche Kokosmilch umschmeichelte alles im Abgang. Am Boden des Glases eine gut bemessene Einlage der verwendeten Gemüse, u.a. Champignons und dünne Galgant-Scheibchen wurden erspäht.



Das Brot, das ich soeben noch sehr lobte, wurde auch zur Suppe gereicht, passte zu dieser allerdings in etwa so gut wie Pumpernickel zu Gambas al Ajillo.

Die sauber entdarmte, hübsch drapierte Garnele, musste man in Ermangelung von Messer und Gabel zwangsläufig mit den Fingern essen, da sie im hinteren Bereich noch nicht von ihrer Schale befreit war.

Das gelang zwar hinreichend würdevoll und machte mir nichts aus, ich tunkte sie dabei leicht in die Suppe, was in Kombination köstlich war. Dennoch glaube ich, dass die Klientel, die zum Lachen in den Keller geht und jedes Haar in der Suppe sucht, mit dieser Lösung nicht wirklich glücklich sein dürfte.

Alles in allem eine sehr schmackhafte Sache, etwas mehr Chili und einen Hauch weniger Dominanz des Zitronengrases hätte mir persönlich besser gefallen, was ich auch meinen sympathischen Kellner wissen ließ.

Er lächelte und nickte beipflichtend „wir mussten sie leider sehr mild abschmecken, die älteren Gäste haben sich alle beschwert…“.

Seufz. Selbige waren auf der Terrasse mittlerweile in den Betriebsmodus „Kaffee & Waffel“ gewechselt, ich hoffte der Milchreiß sei nicht zu weiß und die Waffel nicht zu waffelig.

Ich werde hier in den nächsten Wochen Freitagsmittags wieder regelmäßig zu Gast sein, wenn es meine Zeit erlaubt, denn im Wortsinne von „Restaurant“ fühlte ich mich in jeder Hinsicht gut erholt und wiederhergestellt nach meiner kleinen Mittagspause am Pfaffenberg


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