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hat Schlosshotel Hugenpoet · Hugenpöttchen in 45219 Essen bewertet.
vor 6 Jahren
"Tolles Ambiente -oder: Mehr Schein als sein, mit durchaus lichten Momenten"

Geschrieben am 16.02.2015 | Aktualisiert am 21.02.2015
Besucht am 23.02.2014
Der folgende Text wurde bereits bei Restaurant-Kritik.de veröffentlicht, dort jedoch, wie auch meine Profildaten, bereits gelöscht. Trotzdem können entsprechende Daten noch im Cache einiger Suchmaschinen auftauchen, dies sollte aber lediglich ein temporäres Phänomen sein…

 
 
Anlässlich eines sehr runden Geburtstags durfte es etwas netter sein. Die gehobeneren Anbieter in Düsseldorf waren entweder geschlossen, bereits voll reserviert oder in der Preisgestaltung überambitioniert. Also fiel die Wahl auf das Hugenpöttchen in Essen-Kettwig. Die Reservierung über die Homepage des Schlosshotels gelang problemlos und professionell. Auf Nachfragen wurde sofort reagiert und spezielle Wünsche kundenorientiert umgesetzt. Zu dem, über die Außendarstellung vermittelten, eigenen Anspruch des ’Krötenpfützchens’ passt das gut und unsere Erwartungshaltung stieg.
 
Wider Erwarten ging die Anreise sehr zügig vonstatten, Parkplätze vor dem Schloss gibt’s reichlich und so sahen wir uns zunächst ein wenig um. Das äußerst gut in Schuss befindliche Wasserschloss verströmt gerade in der Dämmerung einen dezent mittelalterlichen Charme, der aufkommende Dunst in Verbindung mit der geschickten Ausleuchtung lässt an alte Edgar-Wallace-Streifen denken. Über eine Torburg gelangt man in den Innenhof (ideal für sommerliche Empfänge) und von dort über eine Brücke direkt in die imposante Eingangshalle des Schlosses. Ein großer Kamin und ein Marmortorbogen beherrschen die Szene, rechts befindet sich die Hotelrezeption mit dahinter liegender Garderobe.
 
Freundlich von der Rezeptionistin angesprochen wurde unsere Garderobe versorgt und wir, geradeaus an der Bar vorbei, ins Restaurant an unseren Tisch geleitet. Bereits jetzt war der Gastraum gut gefüllt und im Nebenraum schien eine größere Gesellschaft zu tafeln. Dementsprechend schien der recht junge Service (ø 4,8) breit aufgestellt, was allerdings keine Auswirkungen auf dessen Verfügbarkeit hatte. Die Holztische zurückhaltend eingedeckt mit Sets, Gläsern, Brottellern, Salz, Olivenöl Windlichtern und Blümchen. Das bestellte Gesteck war für unser Empfinden hübsch bunt aber überdimensioniert, da ist wohl die Gier mit dem Hausfloristen durchgegangen….
 
Zunächst gab ’s etwas chiabattaähnliches Baguette und Vollkornbrot nebst einer sehr kleinen Scheibe Butter. Das Baguette war anscheinend in Erwartung des hohen Gastaufkommens zu einem erheblich früheren Zeitpunkt  (vielleicht vom Frühstücksbuffet?) geschnitten worden, jedenfalls waren die Schnittflächen trocken und die Kruste leicht pappig, sehr schade. Das vorab bestellte stille Wasser (6,50 Euronen 0,75L) und drei Tages-Aperitif (á 5,50 Euronen) wurde zügig serviert, fehlende Besteckteile nach der Bestellung komplettiert und eine Pfeffermühle gab ’s nach Anfrage. Auf Hilfestellung zur Weinauswahl warteten wir vergebens und die Befragung des Kellners (Azubi?) half nicht wirklich. Also zu den Vorspeisen einen 2012er Verdejo; nettes Bouquet aber wenig Geschmack und etwas zu warm, für 33,50 Euronen ambitioniert bepreist. Zusätzlich gab’s noch das amuse-gueule, ein Scheibchen sautierten Kräuterseitlings auf Weizensalat, sehr zurückhaltend gewürzt aber eine nette Geste. Nach längerer aber noch akzeptabler Wartezeit folgten
 
| Die Vorspeisen |.
 
KALBSZUNGE IM MERGUEZ-SUD MIT PAPRIKABULGUR                 13,50 Euronen
 
Goldrichtig fürs Geburtstagskind, zart gegarte Zunge mit aromatisch schaumiger Sauce, getrockneten Merguezscheiben und ein kleines Timbale Paprikabulgur ein schöner Auftakt.
 
GEBRATENE ENTENLEBER MIT BRIOCHE UND KIRSCHEN                         11,- Euronen
 
Ordentlich die leicht rosa gebratene Entenleber auf Brioche, lediglich die unter/in der Brioche versteckten Kirschen fielen mehr durch Farbe als Geschmack ins Gewicht.
 
Zweimal CONSOMMÉE MIT ENTENMAULTASCHEN                                   à 10,- Euronen
 
Prima hingegen wieder die locker gerollten Maultaschen mit schönem Aroma in kräftiger Brühe.
 
 
Auch wenn wahrscheinlich gerade die Gesellschaft im Nebenraum bedient wurde, die Wartezeit bis zum Servieren der Hauptgänge war definitiv zu lang. Der zu den Hauptspeisen gewählte Tempranillo half da auch wenig, anscheinend unmittelbar aus dem Keller war er viel zu kalt. Den verwegenen Gedanken, ihn deshalb dekantieren zu lassen haben, wir unter Berücksichtigung des Ausbildungsstandes des Kellners doch wieder verworfen. Es gab ja Zeit genug die Gläser mit der Körperwärme auf Temperatur zu bringen. Mit 56,- Euronen für unser Empfinden ebenfalls überzogen.
 
Nach ’ner guten Stunde kamen dann
 
| Die Hauptspeisen |.
 
ZWEIERLEI VOM SKREI MIT WEIßEN BOHNEN, STAUDENSELLERIE, SPITZKOHLSTAMPF UND SALZZITRONE                                                                18,50 Euronen
 
Kross, saftig und leicht glasig gegartes Skreifilet und panierte gebackene Würfel auf Weißweinsauce mit leider kaltem Bohnen-Selleriegemüse, ordentlichem Kartoffelstampf und nicht auszumachender Zitrone, schade knapp daneben.
 
ROSA GEBRATENER LAMMRÜCKEN, MOUSSAKA VON DER LAMMSCHULTER UND AUBERGINEN MIT NIGELLA UND ROMANESCO                                                23,- Euronen
 
Gerade noch rosa gegarter, immerhin zarter Lammrücken, hübsch in der Aubergine verstecktes Ragoût mit leichter Schwarzkümmelnote, auf den Punkt gegarter Romanesco und abgeschwenkte Drillinge. Leider ebenfalls alles lediglich lauwarm und die Optik wies auf eine gewisse Hektik beim Anrichten des Tellers hin.
 
Zweimal RINDERFILET MIT RAUCHPFLAUME, PAK CHOI, PASTINAKEN UND DAUPHINEKARTOFFELN                                                                                à 23,- Euronen
 
Wiederum nicht die volle Punktzahl, entgegen der Bestellung (medium rare und medium) wurden einmal medium und einmal medium-well an den jeweils falschen Gast (wir haben dann selbständig getauscht) geliefert. Witzig die Pflaumenmusstreifen mit leichtem Raucharoma, passend dazu der auf den Punkt gegarte Pak Choi, etwas langweilig die Pastinaken-Bâtonnets. Auf die Brandteig-Kartoffeln hatte ich mich eigentlich gefreut, leider waren diese nicht cross frittiert sondern weich und labbrig.
 
 
Leicht enttäuscht und wegen der übersichtlichen Portionen durchaus noch hungrig bestellten wir
 
| Die Desserts |
 
KLEINE KÄSEAUSWAHL MIT CHUTNEY                                                          9,50 Euronen
 
Drei Käseecken (Blauschimmel, Morbier und getrüffelter Camembert) schön gereift, richtig temperiert, wunderbar aromatisch und verglichen mit dem eingangs servierten Brot wenigstens eine ordentliche Portion Butter. Das Chutney hatte eher etwas Marmeladenartiges und war recht süß.
 
QUARKMOUSSE MIT APFEL, PUMPERNICKEL UND RÜBENKRAUTEIS     7,-   Euronen
 
Die Mousse sehr dezent mit Apfel aromatisiert, kräftig und sehr süß das Rübenkrauteis nette Idee das karamellisierte Pumpernickel, in Summe in Ordnung.
 
SCHOKOLADEN-ESPRESSOMOUSSE BLUTORANGENGRANITÉ UND TONKABOHNENEIS                                                                                                   7,-   Euronen
 
Die Mousse war eher ’ne Crème, intensiv und mit Schokoladenblättern geschichtet, Blutorangenfilets, ein Gläschen mit Granité und … wo war das Eis? -Fehlanzeige. Nach Reklamation wurde es (gleich mehrere Kugeln) nachgeliefert. Geschmacklich typisch rundete es das Dessert erst ab.
 
ARBORIO REIS-EIS MIT LAKRITZKUGELN, MARINIERTER MANGO
UND TAMARINDE                                                                                                7,50 Euronen
 
Das Eis störte kaum, witzig wiederum der gepuffte Reis und die Kugeln mit leichtem Lakritzaroma sowie etwas schwarzem Salz. Einen fruchtigen Kontrapunkt setzten Mango und Tamarinde, in Gänze recht ordentlich.
 
Als kleine Überraschung wurde noch ein Teller mit süßen Geburtstagsgrüßen überreicht.
 
 
Der Service war im Rahmen seiner Möglichkeiten freundlich und hilfsbereit, leider aber nicht wirklich präsent. Mutmaßlich ist mit der Neuordnung des Betriebes einiges an Know-how abhanden gekommen. Die Internet-Auftritte, insbesondere bei facebook scheinen auch nicht auf dem neuesten Stand. Die Reaktionen waren zwar richtig, wegen diverser kleiner Fehler wurden ein Dessert und ein Glas Chardonnay nicht berechnet, trotzdem hätten wir uns bei einem besseren Ablauf wesentlich wohler gefühlt. Wir hatten für 19:00 Uhr reserviert und waren pünktlich, nach drei Gängen konnten wir das Restaurant dann um 22:30 Uhr verlassen. Müßig zu erwähnen, dass wir uns zum Abholen der Garderobe hinter die Rezeption begeben durften, die zunächst überreichten Jacken waren nämlich nicht unsere.
 
Auch der Küche meinten wir eine gewisse Überforderung an diesem Abend anzumerken. War bei den Vorspeisen noch alles im grünen Bereich, sank das Niveau bei den Hauptgängen doch merklich. Jeweils für sich gesehen keine große Sache im Ganzen, angesichts des kolportierten Anspruchs aber ärgerlich.
 
Für drei Aperitifs, vier Menues in drei Gängen, zwei Flaschen Wasser, zwei Flaschen Wein, einer Tasse Kaffee und einem Blumengesteck wurden 337,50 Euronen fällig. Angesichts des an diesem Tag Gebotenen, überzogen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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