Nachfolger für Restaurant gesucht

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Howpromotion
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Nachfolger für Restaurant gesucht

Beitrag von Howpromotion » Sa 18. Nov 2017, 09:57

Raum Hamburg-Nordwest; Subzentrum im Kreis Pinneberg

http://www.gastroguide.de/restaurant/15 ... /tornesch/

Eines unser Lieblingslokale muss aus familiären Gründen schließen. Hier der Versuch auch über das Forum ggfs. einen geeigneten Nachfolger zu finden - vielleicht findet sich im Kreis der Leser ja ein Gastronom mit Ambitionen (bitte ggfs. weiterleiten):

Etabliertes und gut frequentiertes Crossover-Restaurant mit badischen Wurzeln, mediterraner, moderner und kreativer Küche von fein bis bodenständig sucht neuen Betreiber, der sich quasi ohne Renovierungsstau ins gemachte Nest eines liebevoll eingerichteten und modern ausgestatteten Betriebes mit vielen Stammgästen setzen möchte. Über 13 Jahre hat sich das Lokal mit vielschichtigem Angebot deutscher Küche vom Gourmetmenü bis zu kreativen Pizza- und Pastagerichten zu einem einmaligen hochwertigen und konkurrenzlosen Mittelpunkt in einer aufstrebenden Kleinstadt entwickelt. Wer das Erarbeitete bewahren und mit Spaß eigene Wege im gehobenen gutbürgerlichen Gastronomiesegment beschreiten möchte, sollte sich bei Fam. Metzler melden: http://www.restaurant-metzlers.de/

Ein treuer und über Jahre stets zufriedener Gast.

Weitere Informationen/Links mit Einzelheiten/Konditionen stelle ich gern per PN zur Verfügung
"Es ist besser, zu genießen und zu bereuen, als zu bereuen, dass man nicht genossen hat." (Giovanni Boccaccio)
LG Howpromotion

Jenome
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Re: Nachfolger für Restaurant gesucht

Beitrag von Jenome » So 19. Nov 2017, 22:12

Leider schließen auch bei uns immer mehr richtig gute Lokale, auch welche die weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt sind, und das nur da sich keine Nachfolger finden.
Scheinbar möchte heute niemand mehr in der Gastronomie arbeiten. Ja auch ich nicht, ich sitze lieber vor dem Tresen statt dahinter zu stehen. So ist bereits vor 20 Jahren eine regional gut gehende Gaststätte bei uns geschlossen wurden, da beide Mädels(meine Frau + Schwester) meines Schwiegervaters nicht bereit waren die Gastronomie zu übernehmen.
Wenn ich heute sehe wie die Gastwirte um ihr Überleben kämpfen, sagen wir , ja wir haben alles richtig gemacht. Aber wenn das alle so machen.... :roll:
Schade eigentlich.

BR Jenome

Lobacher
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Re: Nachfolger für Restaurant gesucht

Beitrag von Lobacher » Mo 20. Nov 2017, 09:57

Ein Grund für das Lokal – Sterben ist sicherlich auch das Fastfood:

„90 Prozent der Bundesbürger besuchen zumindest ab und zu
ein Fastfood-Restaurant. Über 60 Prozent essen mindestens
einmal im Monat dort und rund ein Viertel der 14- bis 30-Jährigen
geht sogar wenigstens einmal pro Woche zu McDonalds, Burger
King und Co. Zwei von drei Deutschen sind zudem überzeugt,
dass die Qualität von Fastfood nicht schlechter ist als das Essen
in der Gastronomie insgesamt.“
Quelle: Focus online

Aber auch andere Ursachen tragen dazu bei, allein die Bürokratie
macht es bald notwendig eine Personalstelle nur für dokumentieren
und prüfen einzurichten. Auch die unorthodoxen Arbeitszeiten
tragen zu Personalnot bei. Dann kam auch noch das Rauchverbot,
das manchmal seltsame Blüten treibt:
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX ... 11927.html
Irgendwann ist das Fass dann voll und läuft über, verständlich, dass
der Betreiber zuschließt.
Eigentlich wurde ich gut erzogen. Keine Ahnung was danach passiert ist. :?

Gast im Haus
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Re: Nachfolger für Restaurant gesucht

Beitrag von Gast im Haus » Di 21. Nov 2017, 13:56

Lokalsterben ist ein derart großer Überbegriff für eine „normale“ wirtschaftliche Entwicklung von Angebot und Nachfrage, verstärkt durch gesetzliche Auflagen, die im Zuge gesellschaftlichen Wandels zum Teil bewusst „provoziert“ wurden (bzw. gesteuert erscheinen) und alle Bürger in allen Lebensbereichen betreffen.

Meiner Meinung nach gibt es kein „Massensterben“ gastronomischer Betriebe.

In den Siebziger/Achtziger Jahren starben damals z.B. mit der Einführung der bargeldlosen Lohn-und Gehaltszahlung die Betriebe, die sich zur Aufgabe gemacht hatten, dem Lohntütenempfänger das Tragen einer schweren Lohntüte zu erleichtern. Auch hier fanden Eigner wie Kunden gewisse Umgehungsvarianten. Inzwischen ist der Gebrauch der Kontokarte und gegebener Kreditlinien durch die Nutzer scheinbar nicht mehr skrupelbehaftet – woraus sich zumindest Teile dieser „Tragehelfer“ inzwischen sogar wesentlich besserer wirtschaftlicher Zeiten erfreuen.

Mit dem Rauchverbot hat sich eine Teilung der Betriebe in jeder Hinsicht ergeben – Die typische Feierabendbierkneipe mit Qualm und Buletten-Brötchen hat ihre Klientel teilweise mit Raumtrennung halten können. Auch etliche Gastwirtschaften konnten dies Konzept erfolgreich nutzen. Und ehrlich – mir als Nichtraucher (früher militant, habe Kettenraucherin geheiratet) war das Rauchverbot von Anbeginn an recht – selbst meine Frau findet es sehr angenehm, ohne Qualm speisen und genießen zu können. Viele Betriebe haben sogar gar keine Raucherbereiche mehr – es sei denn der externe Großaschenbecher draußen vor der Tür.

Was stirbt bzw. bereits gestorben ist, sind Betriebe im ländlichen Bereich, die rein lokale Gäste hatten und sich keinen Kultstatus (und damit oft Massenbetrieb) erarbeitet haben. Zu solchen Kultbetrieben, die da „right in the middle of nowhere“ liegen und großen Zuspruch erleben, gehört für mich z.B. ein (mexikanisches) Steakhaus neben einen ebenso gelegenen Möbelgeschäft – ca. 25km westlich von Bautzen gelegen, oder ein Gasthaus in Oberfranken, dass in den Sechzigern einem gesamten Ort einen seitdem im größeren regionalen Umfeld immer noch gebräuchlichen Namen gaben: Geggerlasreuth – einen Begriff, den Google nicht findet, aber jeder Einheimische kennt, so als wäre es ein im Dialekt üblicher Ortsname.

Kommen wir zum Thema der Dokumentationspflicht und Prüfung: Da gibt es zwei Gründe – die eine ist aus den USA direkt importiert das wunderbare selbsterfüllende Geschäftmodell der Zertifikats-Industrie, die jemanden in 8h zu 8.000€ zum „Spezialisten“ macht – das begeisterten Anklang in der Wirtschaft gefunden hat – weniger in Wirtschaften, aber: auch wir in D haben den früher „Hackfleischschein“ genannten, heute sogar in EU-Recht Version. Diesbezüglich ist eine Gastwirtschaft bzw. Restaurantbetrieb eben kein so einfaches Geschäftsmodell, wie man es uns als Gast in einem guten Betrieb empfinden lässt. Es gehört da einiges an „Witz“ (kommt von Wissen) dazu, einen erfolgreichen Gastrobetrieb aufzubauen und zu halten.

Und die ausufernde Dokupflicht haben wir doch in allen Bereichen denen zu verdanken, die das System „frei und verantwortungsvoll“ zu einem „Frei machen, was ich verantwortungslos zu meinem eigenen Vorteil machen will“ umgemünzt haben – selbst wenn irgendwo steht: „Eigentum verpflichtet“.

Zum Zweiten: gut, es gibt Betriebe, bei denen kann das Preis-Leistungsverhältnis nur im reinen Familienbetrieb aller mitarbeitenden Familienmitglieder existieren. Die haben mit den bestehenden Auflagen garantiert Probleme ernster Art. Dennoch, das sind im Vergleich zur großen Masse der Betriebe nur ein kleiner Prozentsatz.

Deutlich höher liegt die Zahl der Betriebe, die mit den gesetzlichen Anforderungen „Probleme“ meldeten – dazu gehören z.B. auch etliche „Sterne“ Betriebe, die hier tonangebend darüber klagen. Sorry Jungs, aber bei den Preisen, die da verlangt werden sollte eine halbwegs faire Bezahlung der Mitarbeiter zumindest Ehrensache sein. Alles andere läuft für mich auf die Aussage hinaus, dass man nur mit Beschiss reich werden kann.

Leider bewahrheitet sich letzteres immer mehr und setzt sich durch – es geht nicht mehr um fairen Wohlstand, den man sich erarbeiten kann, sondern darum, Geld zu machen, Menschen, die tatsächlich arbeiten werden dabei verlacht, zu Bittstellern um Arbeit gemacht. So, wie die Sklaverei aus Kostengründen abgeschafft wurde – Maschinen arbeiteten zuverlässig auf Dauer billiger. Die freigesetzten Sklaven bettelten anschließend darum, Arbeiten zu dürfen, am Ende sind sie dann billiger geworden und motivierter als zuvor als es zuvor war, den Unterhalt der Sklaven und deren Aufwand sie zu Leistung zu motivieren.

Und damit bleibt immer weniger in der imaginären „Lohntüte“, die man zuvor vollstopft um sich dann daraus sehr großzügig zu bedienen. Damit bleibt immer weniger übrig, sich noch „Qualität“ leisten zu können – und wenn auch „Ramsch“ nachgefragt wird, warum dann mehr als Ramsch liefern?

Interessant dabei, dass sich aus den angestoßenen Masseneffekten auch noch Preissteigerungen ableiten lassen, die dem Nachfrageeffekt auf dem Preis genaugenommen widersprechen. Wir haben bei Eiern und Fleisch die niedrigen Preise, weil eben derart viel im Angebot ist, dass man es nur noch zu günstigen Preisen auch loswird.

Dann formuliert man ebenso nette heere Ziele wie „gute Tierhaltung“ samt „Zertifikat“ – ohne darauf hinzuweisen, dass sich die unterschiedlichen Haltungsbedingungen bei den Großbetrieben so minimal (aber sehr werbewirksam) unterschieden, dass eine reale Darstellung der Verhältnisse die Hersteller eigentlich beschämen müssten. Gezeigt wird dann immer ein nur im Kleinbetrieb realisierbares Bild – mit einer Ausstattung, die sich ein Kleinbetrieb gar nicht leisten kann, der tatsächlich einen höheren Preis wert wäre. Leider werden solche „Musterbetriebe“ dann von den Großen „preislich“ auch im Wortsinn verwurstet.

Womit sich nun der Kreis wieder schließt: was stirbt, ist der „kleine“ „erfolgreiche“ Familienbetrieb, der zumeist traditionell in ähnlichem Umfeld seine Waren bezog. Da muss der Wirt nun Chiasamen und Quinoa teuer einkaufen muss(was in den armen Ursprungsländern dann dazu führt, dass der Quinoa-bauer, der die Ware nur handelt, für dortige Verhältnisse einen schweinepreis erzielt, nicht aber die Quino-anbauer, die davon nichts abbekommen, während die lokale Bevölkerung diese hohen Preise sich nicht mehr leisten kann.

Und der jeweilige Staat bejubelt seine Ausfuhr- und Arbeitslosenstatistik. Hier bei uns wird das Quinoa zu „Smart- Superfood“ oder wie das auch heißt - Schweineteuer (obwohl weltweit saubillig eingekauft). Alles würde sich ordnungspolitisch sehr leicht regulieren lassen, würden mal Transportleistungen, deren Umwelteinfluß und die dort tätigen Menschen mit fairen Arbeitsbedingungen fair bepreist.

Solange es billiger ist, einen Bund Radieschen oder ein halbes Pfund Erdbeeren im November um die Welt fliegen zu lassen, und das insgesamt zu Eurobruchteilen, die nicht mal Einkaufspreis des Samens für den eigenen Balkonkasten decken würden, so lange wird sich dieses „irgendwo lässt sich immer billiger produzieren“ sfortsetzen.

Und das fördert dann wiederrum die überteuerten Klebfleisch-Nuggets im heißen billigen, urwaldrodendem Plantagenfett ersäuft, mit einer Legende von guter Ernährung, schnell und billig - versehen, an Stelle von Koteletts mit Kartoffeln und Gurkensalat zu fairen Preis.

Howpromotion
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Re: Nachfolger für Restaurant gesucht

Beitrag von Howpromotion » Di 21. Nov 2017, 15:30

Eine schöne Glosse mit viel Realität!
Lediglich die deutsche -uns schützende- Bürokratie wird nicht aufs Korn genommen: Fettabscheider, Lüftungen modernster Güte, regelmäßig verschärfte Bau-, Ordnungs- und Steuerbestimmungen, Personal- und Behindertentoiletten, Umkleide-, Ruhe- und Lagerräume die immer Investitionen nach sich ziehen, machen Betreibern das Leben schwer, verhindern unternehmerische Kreativität und Freiheit sowie Sinn und Verstand wie das simple dänische Smiley-Modell.
Deutsche Bürokratie schützt uns eben auch vor der Gastronomie, die wir eigentlich gut finden...
Was ich auch architektonisch im gastronomischen (europäischen) Ausland genießen durfte ist sicher z.T. das andere Extrem.
Kinder - schaut mal nach Österreich - von denen können wir diesbezüglich lernen: Der Wirt bestimmt, was er wie anbietet (inkl. Rauchen) und der Gast bestimmt, ob er kommt oder nicht...

Ich wäre übrigens noch für ein Namenschildverbot beim Personal - damit die datenschutzrechtlich unbedenklich ihre Privatsphäre gewährleisten können. Aber den Namen erfährt man sowieso, wenn man sich beim Rauchen trifft... Die Angestellten rauchen mehrheitlich - Wie soll man den schlecht bezahlten Stress sonst aushalten?
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Gast im Haus
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Re: Nachfolger für Restaurant gesucht

Beitrag von Gast im Haus » Di 21. Nov 2017, 16:30

Klar ist Manches oder sogar Vieles im deutschen gesetzlicchen Regelungswahn entsprechend sinnig - allerdings sind da immer sehr viele "Vorurteile" - Deutschlad - Hochlohnland - viele gesetzliche Regelungen und Vorschriften - überall ist es wonders billiger, einfacher etc..
Nur gehört zu unseren Eigenheiten, die wir uns allgemein (pünktlich, sorgfältig etc.) eine Menge Vorurteile zueigen machen - unter anderem auch, dass wir etwas leichtgläubig gegenüber Erklärungen sind: VW ist ein schönes Beispiel für das, was dann tatsächlich ist. Und glaub mir, in meiner langjährigen Lebensbahn hab ich genug mit solchen oft verbreiteten Vor-urteilen aufräumen können - nur, solang man nicht ins Detail geht und umfassend betrachtet, ist es anderswo "einfacher", "leichter" etc. und in Deutschland "überregelt". Andere Länder kochen auch nur mit Wasser, und das manchmal sehr viel umständlicher ale wir glauben gemacht bekommen.

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