schier unglaubliches ...

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DerBorgfelder
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von DerBorgfelder » So 1. Okt 2017, 13:33

CurEater: So steigert man die Qualität...

Gast im Haus
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von Gast im Haus » Mo 2. Okt 2017, 07:43

So einen Anbieter hatten wir doch hier schon mal, der behauptete 80% aller Rezensionen seien falsch und er habe ein System entwickelt, dass eine "richtige" Bewertung mit positiver Ausrichtung garantiert - klar gegen Bezahlung - lol.

Ich finde sowas wie "CurEat" einfach klasse, weil wenn ein "Gastronom" sein Geld für so etwas ausgibt, es nötig hat, für Bewertungen zu bezahlen, dann weiß ich, dass ich da vermutlich so gut wie sicher keine Qualität von Speisen, Getränken und Service finden werde, weil die mit erkauftem Zertifikat nur auf Papier dokumentiert wird, das Geld bei Wareneinsatz und Personal fehlt. Eine verlässlichere (miese) Bewertung kann es tatsächlich nicht geben!

Lobacher
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von Lobacher » Mo 2. Okt 2017, 09:07

Gast im Haus hat geschrieben:
Mo 2. Okt 2017, 07:43
Ich finde sowas wie "CurEat" einfach klasse, weil wenn ein "Gastronom" sein Geld für so etwas ausgibt, es nötig hat, für Bewertungen zu bezahlen, dann weiß ich, dass ich da vermutlich so gut wie sicher keine Qualität von Speisen, Getränken und Service finden werde, weil die mit erkauftem Zertifikat nur auf Papier dokumentiert wird, das Geld bei Wareneinsatz und Personal fehlt. Eine verlässlichere (miese) Bewertung kann es tatsächlich nicht geben!
Genau so ist es!
Eigentlich wurde ich gut erzogen. Keine Ahnung was danach passiert ist. :?

Lobacher
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von Lobacher » Mi 1. Aug 2018, 10:03

Wie Sie als Gast manipuliert werden

Wenn Sie im Restaurant etwas bestellen, denken Sie natürlich, dass Sie sich das Gericht ausgesucht haben – und auch beurteilen können, ob der Preis dafür angemessen ist. Aber ganz so ist das nicht. Denn Gastronomen steht ein kleines Arsenal an Methoden zur Verfügung, mit dem sich Ihre Entscheidung beeinflussen lässt - vom Preisanker bis zur Salzfalle. Ein Überblick.

Findige Gastronomen (vor allem in teureren Restaurants) lassen auf der Karte gerne das Währungszeichen weg. Statt "Carpaccio di manzo – 13 Euro" oder "13 €" steht da dezent nur eine klein gedruckte 13. Klar, aus dem Kontext erschließt sich schon, dass Sie sich letztlich von Geld werden trennen müssen, wenn Sie hier etwas bestellen. Aber diese Aussicht tut nachgewiesenermaßen weniger weh, wenn man das nicht schon beim ersten Blick auf die Karte sieht: Je dezenter der Hinweis, desto besser (für den Wirt). Es gibt sogar Speisekarten, auf denen noch nicht mal Zahlen stehen, sondern nur kleingeschriebene Wörter: "sechsneunzig" oder "fünfzehnneunzig". Wer denkt da noch ans Bezahlenmüssen?

Preisgefüge sind natürlich eine eigene Kunstform. In der Regel gilt im Restaurant, was auch beim Einkaufen gilt: Die meisten Kunden bewegen sich im mittleren Bereich. Wenn die Gerichte also zwischen 10 und 20 Euro kosten, wird ein Gericht für 15 Euro eher als okay wahrgenommen, als wenn die Preise durchgängig bei 10 bis 16 Euro lägen. Naheliegend also für den Wirt, noch ein oder zwei Gerichte mit auf die Karte zu nehmen, die den Rahmen nach oben erweitern. Auch wenn sie selten bestellt werden, steigt damit der Absatz der Gerichte, die vorher den oberen Rand markiert haben. Dieser Ankereffekt funktioniert natürlich nicht nur im Restaurant, sondern auch im Einzelhandel.

Anordnung: Auch bei der Komposition der Speisekarte überlässt ein kluger Wirt nichts dem Zufall. Wer schlau ist, schreibt das teuerste Gericht nach oben. Im Vergleich wirken die anderen Speisen dann preiswerter. Wer zuerst liest, dass die Jakobsmuscheln 20 Euro kosten, dem kommt danach die 9-Euro-Brokkolisuppe fast schon wie ein Schnäppchen vor. Oder vielmehr: Die "Brokkolisuppe (neun)". Wenn die Preise dann noch nicht tabellarisch untereinander stehen, sondern versetzt angeordnet sind, wird der Überblick ein bisschen erschwert, und das Finanzielle verliert sich im Kulinarischen. Generell wird ein Wirt das Gericht, das er am liebsten verkauft, rechts oben auf die Karte schreiben.

Alibi-Zutaten können ein Gericht immens aufwerten. Würden Sie nicht auch mehr für Ihr Steak bezahlen, wenn es nicht nur mit einer Pfeffersoße kommt, sondern mit einer "Sauce vom Andaliman-Pfeffer"? Oder mit Cumeopfeffer aus dem nepalesischen Himalaya? Oder fermentierten Kampotpfeffer (Foto) an der Rispe? Klar ist der teuer (rund 30 Euro für 100 Gramm). Aber wenn Sie für das Gericht dann fünf Euro mehr bezahlen, rechnen sich die paar Körner auf Ihrem Teller schon.

Aufwertung durch persönliche Empfehlung: Die Frage an die Servicekraft "Was ist denn Ihr Lieblingsessen?" bringt nicht immer eine ehrliche Antwort hervor. Oder zumindest könnte sie knapper ausfallen, als es eigentlich geboten wäre, weil in der Antwort der Nachsatz fehlt "... denn die Zutaten für dieses mein Lieblingsgericht müssen auch zufällig heute dringend aufgebraucht werden." Manchmal werden Mitarbeiter gezielt instruiert, welche Gerichte sie empfehlen sollen, oder es gibt eine auf eine Tafel geschriebene Tageskarte, die besondere Wertigkeit vermuten lässt, wo in manchen Fällen eher nach schnellem Umsatz gestrebt wird.

Körpersprache: Findige Kellnerinnen und Kellner kennen nicht nur den Weg in die Küche, sondern auch in Ihr Unterbewusstsein. Je nach Auslastung des Restaurants unterstreichen sie Fragen mit winzigen Gesten. Wenn etwa die Frage "Wollen Sie noch einen Nachtisch?" mit einem fast unmerklichen Kopfschütteln begleitet wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Gast tatsächlich keinen möchte. Ein Nicken hat den gegenteiligen Effekt. Je nachdem, ob Sie jetzt mal langsam Ihren Tisch für die nächsten Gäste frei machen oder lieber selbst bitte noch etwas Umsatz generieren sollen. Die wörtliche Wiederholung der Bestellung schafft Sympathie, auch eine dezente Berührung an der Gastschulter kann das Trinkgeld erhöhen - ebenso eine kleine handschriftliche Notiz mit Smiley und Namen der Servicekraft auf der Rechnung.

Die Brot- und Salzfalle: Es hat schon Gründe, warum etwa Steakhäuser eigene Gewürzmischungen bereithalten – im Pfeffer ist dann oft noch einmal extra Salz enthalten. Auf Gastronomie-Messen werben Hersteller von gesalzenen Snacks ganz offen damit, dass durch die Bereitstellung ihrer Delikatessen der Getränkeumsatz etwa an der Minibar im Hotel signifikant steigt. Das gilt natürlich auch für richtige Bars. Und Brot, das man vor dem Essen aufgetischt bekommt, ist, auch wenn es köstlich ist, allemal preiswerter als eine größere Gemüseportion. Wer die Gäste vorher schon ein bisschen sättigt, kann die Hauptgerichte verkleinern.

Die meisten Gäste finden eine dezente Hintergrundberieselung durch Musik angenehm – das gaben jedenfalls rund zwei Drittel jüngst bei einer Umfrage des Gastronomieportals Bookatable an. Allerdings gilt auch hier: Nichts ist ohne Warum. Mit Musik lässt sich das Gästeverhalten ziemlich gut steuern. Studien im Einzelhandel belegen: Flotte Rhythmen verleiten zu Impulskäufen, aber auch zu geringerer Verweildauer, was wiederum den Umsatz steigern kann, jedenfalls wenn noch weitere Gäste zu erwarten sind. Je später der Abend, desto lauter wird es, denn eine dezent hochgeregelte Beschallung macht das Gespräch mühsamer und vertreibt Gäste, die sich ewig am letzten Bier festklammern.

Eis, Eis, Baby: Wasser ist preiswerter als Limonade oder Saft, auch wenn man es einfriert. Deshalb werden Softgetränke gerne mit reichlich Eiswürfeln versehen. Und Leitungswasser wird als Tafelwasser zur Einnahmequelle: Manche Gastronomen nehmen für einen Liter Leitungswasser mehr als vier Euro. Der Genuss ist natürlich unbedenklich, die Wasserqualität in Deutschland ist erfreulicherweise sehr hoch; aber das ist schon eine ordentliche Marge, wenn man bedenkt, dass Leitungswasser hierzulande im Schnitt rund 0,2 Cent pro Liter kostet.

Quelle: Manager Magazin 01.08.2018
Eigentlich wurde ich gut erzogen. Keine Ahnung was danach passiert ist. :?

simba47533
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von simba47533 » Mi 1. Aug 2018, 15:25

Den Kommentaren der GG-Kollegen Gast im Haus und Lobacher schliesse ich mich gerne an; ein Großteil der in dem Manager-Magazin-Artikel gemachten Ausführungen deckt sich mit meinen im Gastro-Bereich gemachten Erfahrungen. Und dass es in vielen Bereichen gekaufte Bewertungen gibt ist eine Tatsache. Bei GG habe ich diesen Eindruck bisher nicht gehabt. Natürlich gibt es auch hier die ein und andere vom Gastronomen unter diversen User-Namen selbstgestrickte "Bewertung" für den eigenen Laden. Die ist dann aber meistens à la Trump so strunzdämlich und plump abgefasst, dass sie sich selbst entlarvt.
Zuletzt geändert von simba47533 am Fr 3. Aug 2018, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.

x2x
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von x2x » Fr 3. Aug 2018, 09:25

@Lobacher

Schier unglaublich ? Manipulation ?

Nein nur der Beleg dafür, dass ein gut geplantes Marketingkonzept für den Um-und Absatz förderlich ist. Das was @Lobacher in dem Artikel aufzeigt, findet täglich in der gesamten Handels-und Dienstleistungs-Szene so oder so ähnlich statt. Wobei manche das (Absatz) Marketing durchschnittlich und andere eben sehr gut beherrschen.

Das der Kunde, Verbraucher, Konsument, Gast, Klient, Patient, Mandant beeinflusst wird, ist nicht neu und haben schon die alten Ägypter und danach die Römer so praktiziert. Nur ist man im Laufe der Zeit immer kreativer geworden. Nicht der der schneller oder besser ist, ist am Ende der Sieger. Der Clevere ist vielfach der Sieger. Der der mit seinen Ideen und Vermarktungskonzepten den anderen einen Schritt voraus ist, der der Aufmerksamkeit erzeugt, der der anderes ist als sein Wettbewerb und der der es versteht sein Produkt in Szene zu setzen, der wird am Ende als Sieger vom Platz gehen.

Durchschnitt kann jeder ! Durchschnitt ist langweilig ! Durchschnitt schafft keinen Vorsprung zum Wettbewerb.

Wer sich nicht verändert, wird verändert. Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.

Dumme Sprüche ? Nein, die Realität im Handel und im Bereich der Dienstleistungen !

Lobacher
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von Lobacher » Fr 31. Aug 2018, 13:00

Natron.jpg

Es ist tröstlich, wenn es doch noch Leute gibt,
die an den gesunden Menschenverstand glauben!
(Der Aufdruck wurde auf einer Packung Natron gefunden.)
Eigentlich wurde ich gut erzogen. Keine Ahnung was danach passiert ist. :?

Lavandula
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von Lavandula » So 30. Dez 2018, 17:00

Es gab ja mal irgendwann Anfragen an GG, ob man nicht auch österreichische Restaurants/Gaststätten bewerten könne. Nein, antwortete GG, man wolle sich zunächst nur auf Deutschland konzentrieren.

Es ist unglaublich, aber wahr! Man kann! Zumindest eines seit dem 07.11.2016, das sich selbst angemeldet hat und das in 2 Jahren immerhin 27 mal aufgerufen wurde, allerdings 1033 Fotos eingestellt hat.

http://www.gastroguide.de/restaurant/24 ... t/lambach/

Und nun klickt mal fleißig drauf, damit GG etwas davon hat und auch das Restaurant! ;)

DerBorgfelder
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von DerBorgfelder » So 30. Dez 2018, 22:49

Wie bist du da denn drauf gekommen???

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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von DerBorgfelder » So 30. Dez 2018, 22:52

Ich hab’s dann mal (kurz-)bewertet!

Lavandula
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von Lavandula » Mo 31. Dez 2018, 09:03

Ich bin gar nicht draufgekommen, es war wohl reiner Zufall, dass es sich mir präsentierte. Der Beitrag von Dir erscheint allerdings nicht auf meiner Startseite. Die Entfernung ist wohl zu groß. ;)

kgsbus
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von kgsbus » Mo 31. Dez 2018, 20:04

Nur zu finden, wenn es ausdrücklich gesucht wird. Es erscheint >(natürlich :D ) nicht bei D - und A gibt es eben nicht. Auf jeden Fall lustig - und sehr viele Bilder - Spitzenreiter?

Lobacher
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von Lobacher » Mo 19. Aug 2019, 12:38

regional.jpg
Eigentlich wurde ich gut erzogen. Keine Ahnung was danach passiert ist. :?

Lobacher
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Re: schier unglaubliches ...

Beitrag von Lobacher » Mo 19. Aug 2019, 15:01

Kein Wunder dass die Gastro Probleme mit dem Personal hat,
scheint inzwischen ein Risikoberuf zu sein:
https://www.merkur.de/welt/paris-mann-e ... gn=webpush
Eigentlich wurde ich gut erzogen. Keine Ahnung was danach passiert ist. :?

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