Zurück zu Aachener Brauhaus/Degraa am Theater
GastroGuide-User: x2x
hat Aachener Brauhaus/Degraa am Theater in 52062 Aachen bewertet.
vor 5 Jahren
"Christmas Market oder Brauhaus ?"
Verifiziert

Geschrieben am 05.12.2016 | Aktualisiert am 06.12.2016
Besucht am 03.12.2016 6 Personen
* Weihnachtsmarkt-Tour durch NRW. Gemeinsam mit Freunden hatten wir uns vorgenommen mal Weihnachtsmärkte in NRW zu besuchen, die wir noch nicht kannten. Los ging's mit Aachen. Wobei unsere Damen nur unter der Bedingung zustimmten, dass vorher eine Shopping Tour durchgeführt wird. Nicht überzeugt aber überredet stimmten die Herren zu, verbunden mit dem Hintergedanken sich rechtzeitig abzusetzen. Egal wohin, Hauptsache kein Shopping. 

* Das Wetter war nicht nur gut, sondern winterlich ideal. Ganze 3 Grad Plus, ein strahlend blauer Himmel, keine Wolken - schön. Die Aachener Innenstadt voll, der Weihnachtsmarkt noch voller. Gefühlt 50% der Besucher kamen aus dem nahen Belgien und Holland. Also ein Mix aus Touristen, Printenkonsumenten, Glühweinvernichter und natürlich die Dombesucher, die in den 1.200 Jahre alten Dom strömten, dort wo Karl der Große im goldenen Schrein schlummert. - Am Nachmittag machte sich Hunger und Durst breit. Ich machte deutlich, dass ich zur Sättigung keine steinharten Printen, keine Zimtsterne, keine Weihnachtsmarkt-Fischbrötchen, keine Würstchen, oder schlimmer noch Poffertjes benötigen würde. Ebenso wehrte ich mich innerlich dagegen, meinen Durst mit Glühwein oder Eierpunsch (bäh) etc. zu bekämpfen. Auch der Geruch nach Anis-Bonbons verliert irgendwann seinen Reiz. Ich sehnte mich nach einem simplen Wirtshaus mit rustikalem Essen, wo man gemütlich sitzen konnte und nicht draußen 3 Grad Plus ertragen muss. Nicht nur die Herren stimmten zu, auch die Damen. Das Erlebnis Shopping mit Citybummel ist eben grenzwertig. Wir hatten uns vorab über Restaurants in der Nähe des Weihnachtsmarktes nicht informiert, aber an einem Printenstand hatte man uns das Brauhaus empfohlen, wenige hundert Meter vom Weihnachtsmarkt entfernt.

* Der erste - äußerliche Eindruck - überzeugte nicht besonders. Vor dem Haus standen gefühlt 10 oder noch mehr junge Damen, die ihr Haupt mit Weihnachtsmann-Mützen (in rot+weiß) bedeckt hatten. Offensichtlich günstig im 1,- Euro-Shop gekauft, made in Pakistan. Jede der Mädels hatte sicherlich schon mehrere Glühwein inhaliert, meine Dame schaute etwas pikiert. Ich gab den Hinweis, dass Friseusen, Praxishelferinnen und Bäckerei-Fachverkäuferinnen im allgemeinen solche Weihnachtsmärkte so oder ähnlich auslebten. Hasimausi schaute mich vorwurfsvoll an. -   Die Fassade des Brauhauses wirkte auch nicht eben einladend, trotzdem traten wir ein. Sofort erhielt ich drei Volltreffer. Einen auf die Augen, denn die Rustikalität der 60er Jahre war unverkennbar. Dann einen auf die Ohren, denn die Geräuschkulisse war ordentlich. Der dritte Treffer traf meine Nase, in Form eines strengen Geruchs nach Sauerkraut. Eigentlich wollte ich unseren Freunden zurufen, "näh hier bitte nicht", aber da wurden wir schon von einer Mitarbeiterin des Hause robust angesprochen. Sie stürmte auf uns zu und formulierte den ausführlichen Satz "Ja, bitte". Nun wir bilden uns ein, optisch ordentlich auszuschauen. Auch hinterlassen wir kaum den Eindruck, dort "umsonst" als Weihnachtsmarktbesucher mal die Toiletten nutzen zu wollen. Insofern konnte ich mit diesem Fragesatz nicht viel anfangen. Höflich fragte ich nach einem Tisch für 6 Personen. Die Antwort kam prompt: "Ja aber nur wenn Sie essen, nur was trinken geht nicht." Ich bestätige unseren Wunsch zu essen. Darauf meinte die Dame, weiter hinten wären noch ein oder zwei Tische frei, wo genau - dazu kein Wort. Inzwischen hatte sich meine Meinung verfestigt, dass dieser Restaurant-Besuch nicht glücklich enden würde. Trotzdem, wir fanden einen Tisch. Warum wir nicht das Brauhaus umgehend wieder verlassen haben, ich weiß es nicht. Vermutlich keine Lust nach einer Alternative zu suchen und glücklich nach 1,5 Stunden Shopping, plus 1,5 Stunden Citybummel und Dombesichtigung, endlich wohlig zu sitzen und etwas ordentliches zu essen zu trinken serviert zu bekommen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

* Es dauert auch nicht lange und ein "Brauhaus-Ober" erschien. Anstatt nach unseren Wünschen zu fragen, wollte er zunächst sicherheitshalber feststellen, ob wir auch etwas essen würden. Mein Reizschwelle war erreicht ! "Nee" gab ich zur Antwort, "wir möchten uns nur kurz aufwärmen und gehen in 10 Minuten wieder". Die Aussage zeigte Wirkung, der Knabe war irritiert. Bevor seine Schnappatmung einsetzte, entschärfte ich die Situation und bat um die Karten. Die kamen dann auch schnell. Das Angebot war umfangreich, wie erwartet rustikal. Salate, Suppen, diverse Bratwürste, Eisbein, Haxe, Schnitzel, Steaks, Sauerbraten, Matjes, Fischfilet (ohne Angaben von welchem Fisch) usw. usw. usw. Geschätzt gut 50 Gerichte. Die (Tiefkühl) Vorratskammer dürfte die Ausdehnung einer (Doppel ?) Garage haben. Erfrischend das Bier-Angebot. Drei bekannte Markenbiere und ein Lagerbier aus Aachen.

* Das Ambiente: Nichts gegen Rustikalität, nichts gegen Brauhaus-Atmosphäre, aber hier müsste mal gewaltig renoviert werden. Das Haus hat auf zwei Ebenen geschätzt gut 200 Plätze. Erinnerungen an Kantinen oder Jugendherbergen der 60/70er Jahre kamen bei mir auf. Erinnerungen an Zeiten als auf den Straße noch der Ford 17 M oder der Opel Admiral fuhr. Nichts gegen Nostalgie, aber die muss man pflegen. Und dazu noch der Sauerkraut-Geruch ! - Nun wir waren es selber Schuld und mussten jetzt dadurch. Unsere Erwartungshaltung war inzwischen sehr tief angesiedelt, aber unsere Laune trotzdem immer noch exzellent. Die Lager-Biere wurden serviert. Ordentlich gezapft, richtige Temperatur, wie geschaffen den immer noch vorhandenen Glühweingeschmack endlich zu verdrängen. Lecker !

* Schnell hatten wir unsere Wahl getroffen. Für Hasimausi Schweinemedaillons (18,- Euro) und für mich ein Rumpsteak (20,- Euro). Unsere Freunde bestellten quer durch die Karte. Rumpsteak, Schnitzel, Matjes, Haxe und Kasseler. Der gute Brauhaus-Kellner wurde zunehmend freundlicher, er agierte flott obwohl er erkennbar gut zu tun hatte. Der Laden brummte, der Lärm war entsprechend, der Sauerkraut-Geruch hielt sich penetrant. Die mit Glühwein gefüllten "Friseusen-Weihnachts-Engel", hatten das Haus wohl nicht betreten oder waren an der Eingangskontrolle gescheitert. 

* Unsere Essen wurden serviert. Nicht alle 6 Essen zeitgleich, sondern etwas gestreckt auf 10 Minuten. In solchen Fällen wird dann gerne über den Tisch gerufen: "Fangt doch schon an, sonst wird es doch kalt". Da das Essen für Hasimausi und mich erst gegen Ende des "10 Minuten-Zeitfensters" serviert wurde, hatte ich Gelegenheit die servierten Gerichte visuell zu checken. Das was ich erspähte überzeugte optisch nicht. - Hasimausi erhielt ihre 3 Schweinemedaillons. Nach 2 oder 3 ersten gehäuften Gabeln brachte es meine liebe Dame auf den Punkt. Das Fleisch war relativ trocken, die Tüten-Sauce sehr dünn. Die Champignons sicherlich irgendwann mal frisch, aber das lag schon etwas zurück. Die Kroketten stammten ganz sicher aus einem großen Convenience-Beutel. Der Salat war abseits jeder kulinarische Erfüllung. Das Dressing stammte aus einer Industrieproduktion - Punkt ! Genießbar ja, aber weder mit Spaß im Mund noch mit Freude.  -  Nun zu meinem Rumpsteak. Das Fleisch, na ja ! Optisch soweit in Ordnung. Den Garpunkt einigermaßen getroffen, aber kein überzeugender Fleischgeschmack. Röstaromen, nicht vorhanden. Die Pfeffersauce dünn. In diesem Zusammenhang das Wort Konsistenz zu verwenden, wäre sträflich. Und die Kroketten ? Ich würde sie als pappig bezeichnen. Bei unseren Freunden sah es nicht viel besser aus. Die Kommentierungen reichten von "unterer Durchschnitt", über "die Küche hat noch Nachholbedarf", bis hin zu der Aussage: "Mein Schnitzel hat sehr lange in einer pampigen Panade gebadet". Einzig die Matjes wurden gelobt, sogar hoch gelobt. Da war wohl alles stimmig, inklusive der Bratkartoffeln.

* Wir nahmen es mit Humor. Pech gehabt. Hätten wir uns vorher informiert oder auch nur die hier vorhandene einzige Kritik gelesen oder wenigstens die diversen Signale bereits beim Eintritt beachtet, wäre es dazu nicht gekommen. Unsere Erwartungshaltung war so oder so schon gering. Aber selbst die wurde kaum erfüllt. Auf das Dessert verzichteten wir, ebenso auf den Absacker. Uns zog es nun auf den abendlichen sehr schönen Weihnachtsmarkt am Dom und vor dem historischen Rathaus.

Fazit: Für das Essen 2 Sterne und für das Ambiente 1,5 Sterne. Der Service am Tisch verdient 4 Sterne, insgesamt aber nur ganze 2,5 Sterne, da der "Empfangsdame" jede Sensibilität im Umgang mit Gästen fehlte. Der Gesamteindruck ist mit 2,5 Sternen gut bewertet.

Abschließend sei die Bemerkung erlaubt, dass die Verantwortlichen des Aachener Weihnachtsmarktes sich sehr viel Mühe gegeben haben. Wir erlebten sehr viel Freundlichkeit, einen immer bemühten Service und eine spürbare Gästeorientierung. Davon könnte das Brauhaus noch viel lernen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


Jens und 22 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Lodda und 22 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.