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GastroGuide-User: Obacht!
hat Romer in 69117 Heidelberg bewertet.
vor 5 Jahren
"Das Leben durch eine rosarote Brille gesehen - das Essen ist sehr empfehlenswert, aber es schadet nicht, wenn man eine Sonnenbrille mitnimmt :-)"
Verifiziert

Geschrieben am 20.11.2015 | Aktualisiert am 20.11.2015
Besucht am 12.11.2015
Wenn einer eine Reise tut….dann tun ihm die Füße weh :-( Nach stundelangem Power shoppen in der Heidelberger Altstadt verspürte ich herzlich wenig Lust, auch noch sehr weit für ein Abendessen zu laufen. Ein bißchen Recherche im Web und schon wurde ich fündig: Restaurant Romer im Arthotel, die Entfernung zu unserem Hotel gerade noch vertretbar.

Der erste Eindruck beim Eintreten (das Restaurant verfügt über einen eigenen Eingang), stilvoll, modern, wenig los hier,  aber oh Schreck:  PINK-Alarm!! Die fiesen Verursacher in Form von Bodenstrahlern, die die Fenster anleuchten, tauchen nicht nur unseren Tisch, sondern auch weite Teile des Restaurants in ein rosanes Licht. Das muß man erst einmal verkraften!!!  Als farbliche Disharmonie prangt auch noch ein knallrotes Bild an der Wand neben uns, das angebrachte Preisschildchen ruft 1.000 Euro dafür auf. Die Kunst liegt wohl darin, jemanden zu finden, der so viel dafür ausgeben will….

Doch wenden wir uns dem Grund unseres Besuchs zu. Die junge Dame, die uns den Abend über betreut, ist fachlich gut ausgebildet und verfügt auch noch über angenehme Umgangsformen. Das lassen wir uns sehr gerne gefallen!! Während sie uns die Karten reicht, weist sie auch noch auf die auf einer Tafel aufgeführten Tagesgerichte hin, die uns dann kurz darauf von einem Kollegen präsentiert wird. Von der Tafel merke ich mir schon mal mein Dessert: Maronentarte mit Portweinbirne und Quarkeis (€ 8.50). Den Rest finden wir in der Karte:

Schatzl wählt das Vier-Gang-Menü zu € 52,--: Geräucherte Brust von der Barberie Ente / Lackierter Rochenflügel / Kalbsfilet im Kräutermantel / Auswahl französischer Rohmilchkäse…………für mich sollen es die hausgemachten Ricotta Ravioli mit sautierten Steinpilzen, Ringelbeete und Parmesan (€ 18,50) sein.

Und gegen die trockene Kehle hilft sicher ein Glas Roederer brut (€ 9,80) viel besser als das von Schatzl bestellte große Mineralwasser (Fachingen 0,75 l. € 5,90). Frisches Baguette (hell und dunkel), Butter und Kräuterquark und im Anschluß ein Gruß aus der Küche beglückt unseren Tisch: eine kleine Gemüsequiche. Der Boden zu dick und nur lauwarm – hoffentlich kann die Küche mehr…

Schatzls Kehle ist schon wieder trocken, er wählt aus der umfangreichen Weinkarte einen 2010er Weißburgunder von Bernhard Huber, Baden (€ 33,--). Kommt in einen Sektkühler, und unser Fräulein vom Service ist stets rechtzeitig präsent zum Nachschenken.  Aber nur bei Schatzl. Nach meinem ersten Schluck stelle ich fest, wir trennen uns sofort wieder. Der modrige Geruch, der meine Nase erreicht, erinnert mich an alte dunkle, schlecht gelüftete Verliese in mittelalterlichen Burgen. Der Kellermeister ist wohl eher ein Kerkermeister ;-) Wie kann das Schatzl nur schmecken??? Verstehe einer die Männer….. Ich schwappe den Schreck mit einem Glas Sekt vom Schloß Vaux Cuvée brut (€ 6,--) runter und halte mich fortan ans Wasser.

Während ich bei Schatzls Ente noch ruhig ausharre - mein Herzblatt ist hochzufrieden – möchte ich beim zweiten Gang den Rochen probieren. Angenehm festes Fleisch, sehr zart aber doch kompakt, der Gang hätte mir auch geschmeckt. Meine Ravioli sind allerdings auch vorzüglich. Obwohl der Teller in das rosa Licht getaucht ist, wirkt alles appetitlich und frisch. Steinpilze und Ringelbeete sind jetzt zwei Kontrahenten, die ich ad hoc nicht zusammen in den Ring geschickt hätte, aber die Steinpilze konnten sich geschmacklich erstaunlich gut gegen die zur Dominanz neigenden Ringelbeete behaupten. Im Gegenteil, die Kombination gab dem ansonsten harmonischen Gefüge einen kleinen Kick, und die Ravioli waren schön locker und gut gefüllt. Eine Portion, die nicht nur satt macht, sondern glücklich.

Obwohl, so richtig glücklich bin ich erst beim Nachtisch. Wer Vermicelles aus der Schweiz kennt, der ahnt, wie die Maronentarte schmeckt. Das Süßliche der Kastanien eignet sich prima als Belag auf dem dünnen Mürbeboden, das Quarkeis ist perfekt gelungen und die Birne? Nicht zu fest und nicht zu weich, gerade so, daß man sie gut schneiden kann. Der Portweingeschmack bleibt etwas hinter meinen Erwartungen zurück, es hätte auch ein x-beliebiger Rotwein sein können. Sei’s drum, für vier Sterne reicht es allemal.

Einen Espresso (ambitionierte € 2,60) und die Rechnung bitte.

Zur Toilette quert man einmal den langen Gastraum, durchläuft die Lobby an der Rezeption vorbei und biegt in einen Gang ab. Man ist eine Weile weg, kann aber auf dem Weg allerlei Kunst bestaunen und sich vom pinken Licht erholen.

Fazit: Service gut, Essen gut, Ambiente…je nun,  wenn man nicht gerade Paulchen Panther heißt, sollte man bei der Reservierung um einen Tisch ganz weit weg von den Bodenstrahlern bitten.
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DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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