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GastroGuide-User: marcO74
hat Krone · Pfälzer Stube in 76863 Herxheim bei Landau/Pfalz bewertet.
vor 1 Monat
"Italienische Genussmomente, die den tristen Corona-Alltag kulinarisch aufwerteten"

Geschrieben am 18.03.2021 | Aktualisiert am 18.03.2021
Besucht am 22.01.2021 Besuchszeit: Abendessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 104 EUR
Schon vor dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 hatten sich die Betreiber der Haynaer Krone etwas Besonderes einfallen lassen. Damals ließ sich der talentierte Küchenchef Fabio Daneluzzi einen original neapolitanischen Steinofen bauen, der fortan das Herzstück seiner neu konzipierten „Kroneria“ im Hof des Südpfälzer Traditionshauses bildete. Zusammen mit seiner Frau Erika Kuntz, der Tochter des langjährigen Sternekochs Karl-Emil Kuntz, hat der Pfälzer mit italienischen Wurzeln ein ganz besonderes Take-Away-Konzept auf die Beine gestellt.
 
Der frischgebackene Pizzaiolo und Vater einer kleinen Tochter machte Nägel mit Köpfen und ließ sich gleich noch eine ansehnliche Holzhütte um den kapitalen Vulkansteinofen zimmern. So war auch bei schlechter Witterung der pandemiebedingte To-Go-Betrieb gewährleistet. Und so kam es, dass wir im April letzten Jahres erstmalig zu einer bei über 500°Celsius, in rund 80 Sekunden fertig gebackenen Pizza aus Hayna kamen. Und gleich vorweg: es sollte nicht die letzte bleiben!
 
Kenner der regionalen Teigfladenszene erinnern sich vielleicht noch an die erste örtliche Pizzeria in den späten 70er Jahren, als ein freundlicher Italiener namens „Angelo“ die Haynaer Hauptstraße regelmäßig in Knoblauchdunst hüllte und dort eine erste Institution in Sachen italienischer Esskultur schuf. So gesehen hat das Pizzabacken selbst im ehemaligen Tabakdorf Hayna eine gewisse Tradition.
 
Nun hat die Corona-Krise wieder eine Trattoria – wenn auch nur für Daheim – hier entstehen lassen. Mit Fabio Daneluzzi, der im letzten Jahr bei den Best-Chef-Awards des Rolling Pin Platz 64 belegte, steht einer vor dem mit Pfälzer Buche angeheizten „Forno“, der seinen hohen Qualitätsanspruch auch bei den Rundlingen neapolitanischer Provenienz geltend macht.
 
Das fängt schon beim Pizzateig an, den Daneluzzi 26 Stunden lang fermentieren lässt. Sein selbstgezüchteter Lievito Madre (=milder italienischer Sauerteig) mutiert beim Backvorgang zu einer extrem fluffigen Scheibe, die besonders von Freunden des dicken Pizzarandes sehr geschätzt wird. Neben der wunderbar luftigen Teigbasis ist es aber der charaktervolle Tomatensugo, der den Rundfladen zu einem nicht alltäglichen Geschmackserlebnis werden lässt.
 
Das Angebot an Pizzen ist nicht ausufernd. Hatte man im letzten Jahr noch abgefahrene Kombinationen wie „Trüffel & Gänseleber“ oder saisonal beeinflusste Beläge wie „Spargel & Hollandaise & Bärlauchpesto“ zu bieten, so beschränkte man sich in den vergangenen Wintermonaten auf Klassiker wie z.B. „Margherita“, „Diavola“ oder mit Thunfisch und Schalotten.
Pizza mit Thunfisch, Schalotten und Peperoni
Zuletzt zählte ich sieben verschiedene Varianten, von denen mir eine besonders gut in Erinnerung ist. Die mit italienischer Salami und frischen Peperoni-Schnipseln geschärfte „Diavola“ (9,50 Euro) macht ihrem Namen nämlich alle Ehre.
Teufels-Pizza
Sie brannte sich bestimmt schon ein halbes Dutzendmal in unser Gaumengedächtnis.
A piece of the "Devil"
Aber auch die mit gegrillter Zucchini, Aubergine, Paprika und Champions belegte, vegane Version (12 Euro) sorgte bei meiner Liebsten schon mehrfach für Zufriedenheit.
Pizza mit gegrilltem Gemüse
Unter dem Motto „Krone-Zauber“ bot man dem erneuten - und leider immer noch währenden Lockdown trotzig die Stirn. Italienisches Pastahandwerk hielt im November bzw. in der Vorweihnachtszeit in Hayna Einzug, denn man hatte das To-Go-Angebot um hausgemachte Nudelklassiker erweitert.
 
Tagliatelle mit schwarzem Alba-Trüffel, Ravioli in Steinpilzvelouté, Fusilli mit Salsiccia & Radicchio, Spaghetti Vongole und Paccheri mit Basilikumpesto – so lauteten nur einige der aus hochwertigen Zutaten bestehenden Pastakreationen aus dem Hause Daneluzzi.
 
Vorweg fuhr man ein klassisches Antipasti-Programm, das von Rindercarpaccio, Pulposalat, Vitello Tonnato und Grillgemüse kündete und das auch dem italienischen Salat seinen angestammten Platz im Vorspeisenkatalog sicherte.        
 
Für Süßschnäbel hielt man neben einem üppig portionierten Tiramisuhügel und nicht minder delikaten Profiteroles mit Schokofüllung – echte „Herxheimer Windbeutel“! – auch diverse hausgemachte Sorbets bereit. Besonders das zitronig-herbe Kalamansi-Sorbet hatte es uns angetan. Damit löschten wir auf erfrischende Weise das von der Pizza „Diavola“ zuvor entfachte Gaumenfeuer. Das harmonierte übrigens ganz prima mit den Zartbitterschokoladen-Nips von Rausch, denn herb und herb gesellt sich gern.
 
Auch erinnerten wir uns noch gut, an das kurz nach der letztjährigen Wiedereröffnung dort genossene Erdbeer-Sorbet. Dies hatte man auf einem Bett aus zerstoßener, dunkler Schokolade serviert.
Erdbeer-Sorbet
Eine Idee, die sich auch daheim beim aromatisch duftenden Halbgefrorenen von der „Zitrone der Philippinen“ bewährte.
 
Ergänzend sei noch erwähnt, dass man neben der Italo-Palette auch diverse Adventsspecials, wie etwa gefüllte Milchkalbsbrust, Rindergulasch mit handgeschabten Spätzle oder sanft geschmorte Rinderroulade, im vorweihnachtlichen Wochenrhythmus anbot. Die bei Niedertemperatur gegarte Gänsekeule aus dem Holzofen, die man ganz klassisch mit Rotkohl, glasierten Maronen, Kartoffelknödel und Gänsejus ausstattete, ist uns als generös portioniertes Novembergericht noch in guter Erinnerung.
 
Ende Januar war es dann mein Geburtstag, den wir im ganz kleinen Kreis zu feiern gedachten. Drei Personen, zwei Hausstände – die gelebte Corona-Konformität sollte wenigstens kulinarisch ein wenig belohnt werden. Die Aussicht auf eine gemischte Vorspeisenplatte nach Gusto des Küchenchefs ließ mich an diesem nasskalten Januarabend mit reichlich Vorfreude nach Hayna tuckern.
 
Zusätzlich hatten wir noch Spaghetti aglio oglio (9 Euro), Fusilli Salsiccia & Radicchio (15 Euro) und eine Pizza „Diavola“ (9,50 Euro) als „Secondi“ auf dem Bestellzettel, der von einem Tiramisu (7 Euro) und ein paar Profiteroles (6 Euro) komplettiert wurde. Eine Order, die auch locker vier hungrige Mäuler zu sättigen vermocht hätte. Dass wir von der Pasta und dem Tiramisu noch am Folgetag profitierten, war von nicht zu verachtender Nachhaltigkeit.
 
„Na dann mal schnurstracks zur Vorspeisung!“ So oder so ähnlich klangen wohl meine Worte bei der Eröffnung des abendlichen Geburtstagsmahls. Und was sich da alles auf der rechteckigen Edelstahlplatte tummelte!
Vorspeisenplatte für drei Ausgehungerte
Gegrilltes Gemüse (Zucchini, Auberginen), gebratene Champignons, in Öl eingelegte Paprikastreifen und mit Käse überbackene Auberginenscheiben repräsentierten den großzügig bemessenen Gemüseanteil.
Gegrillte Champignons
Eingelegte Grillpaprika
Überbackene Aubergine
Der schön säuerlich angemachte Pulposalat glänzte dagegen mit maritimer Frische. Er kam mit kleinen Kartoffelwürfeln, etwas Staudensellerie, Knoblauch und einem ordentlichen Spritzer Zitrone auf die Platte. Die kleingeschnittenen Arme des Meeresbewohners gerieten genauso zart wie sie müssen und sorgten bei ihren Verkostern für längst vergessene Urlaubserinnerungen.
Pulposalat 
Ein „Bisschen“ Mallorca, das konnte ja auch im pandemiegeprägten Monat Januar nicht schaden. Oh, wie vermisse ich diese Tapas-Abende in südlichen Gefilden. Mit guten Freunden, kühlem Weißwein und einer ganzen Armada herrlich duftender Cazuelas auf dem Tisch. Teilen kann so schön sein!
Vitello meets Pulpo
Egal, diese Zeiten werden schon irgendwann wiederkommen. Zurück zur Vorspeisenrealität unserer Januar-Platte. Zwischen den beiden imposanten Pulposalathügeln hatte sich das wesentlich schüchterner portionierte Rindercarpaccio versteckt. Dieser mit Basilikum, Parmesan und einer Zitronenvinaigrette verfeinerte Hauch von Rind zerging förmlich auf der Zunge. Für ein paar Scheiben mehr hätte ich sogar auf das ein oder andere Stückchen Krakenarm verzichtet.
 
Das in unverschämt sämiger Konsistenz daherkommende Vitello Tonnato übernahm derweil den süffigen Part auf der Platte. Die dünnen, von einer hervorragend abgeschmeckten Kapern-Thunfisch-Crème überzogenen Scheiben vom Milchkalb begeisterten nicht nur Frau Mama am Tisch.      
Wie Scheibchen vom Milchkalb so zart...
Quer durch die Plattenlandschaft verlief der feinge“berkel“te Parmaschinken-Limes, der zusätzlich mit drei Cantaloupe-Melonenspalten befestigt war. Eine Schneise des guten Geschmacks, die sich da scheibchenweise auftat. Der mildwürzige Geschmack des luftgetrockneten Schinkens und die Fruchtsüße der Melone sind eben eine unschlagbare Kombination, die schon so manchen Grillabend aufgewertet haben. Und was im Sommer funktioniert, kann auch im Winter nicht falsch sein.      
 
Im vorgeheizten Ofen wartete da bereits die Teufelspizza, während wir die beiden Pastagerichte kurz auf dem Herd erwärmten. Besonders die schlicht mit Knoblauch und Olivenöl verfeinerten Spaghetti hüllten unsere Küche in einen appetitanregenden Dunst. Nie war Italien – rein olfaktorisch betrachtet – so wertvoll wie an diesem Abend.    
Gemischter Nudelteller
Und so wie sie rochen, schmeckten sie auch. Natürlich war der „Al-Dente-Grad“ nach dem Erwärmen etwas weiter fortgeschritten. Aber das wussten wir ja schon im Vorfeld, da die Nudeln aus der Warmhaltebox und eben nicht direkt aus dem kochenden Salzwasser gefischt wurden. Dennoch fiel ihre Konsistenz keineswegs unangenehm weich aus.
 
Gleiches galt im Übrigen auch für die Spiralnudeln, an deren herzhafter Rotweinrahmsauce man sofort merkte, dass hier die geschmacklichen Begleitumstände von Könnern arrangiert worden waren. Die fenchelwürzige Salsiccia fand in dem leicht bitteren Radicchio einen kongenialen Gegenpart. Hatte ich in dieser Kombination noch nie zuvor gegessen, würde ich mir aber jederzeit wieder einverleiben.  
Fusilli Salsiccia & Radicchio
Bezüglich der verspeisten Pizza „Diavola“ habe ich mich ja schon eingangs sehr lobend über den wohltuend luftigen Teig und den vortrefflichen Tomatensugo geäußert. Auch die Tatsache, dass man bei dieser Prachtbackware italienischer Provenienz den Zusatz „Diavola“ durchaus wörtlich nehmen konnte, machte sie zu einem nachhaltigen Erlebnis am Gaumen. Auf die kleingehackten roten Schoten war einmal mehr Verlass.
Nochmal die "Diavola"...
Eigentlich schon pappsatt ging es an die mit Schokocrème gefüllten Profiteroles, die von gelungenem Pâtisserie-Handwerk kündeten und einen nicht allzu schweren Abschluss in Süß darstellten.
Zwää Herxemer Windbeidel
Aber halt! Da lauerte ja noch ein stattlicher Tiramisu-Klotz in unserer Kühlung. Das Kalorienzählen wurde kurzerhand auf den nächsten Tag verschoben, denn die von Espresso beträufelten Löffelbiskuits unter Mascarponecrème konnten wir unmöglich unprobiert lassen. Wir schafften nicht einmal die Hälfte davon, freuten uns aber über diesen venezianischen Süßspeisenklassiker noch am Folgetag.  
Tiramisu
Mein erster Geburtstag unter Pandemiebedingungen bescherte uns ein italienisches Abendessen ohne Schwächen. Auch in der Folgezeit nahmen wir noch ein paar Mal das ToGo-Angebot der Haynaer Krone in Anspruch und waren stets sehr zufrieden.         
 
Schade, dass ein paar tolle Pasta-Pictures aus unserer regelmäßigen Abholphase im November/Dezember meiner dilettantischen Herangehensweise bei der Schaffung von Speicherplatz auf meinem Handy zum Opfer fielen. Wie gerne hätte ich auch von den formidablen Spaghetti Vongole (18 Euro) bzw. den sündhaft süffigen, mit Ziegenkäse und Walnuss gefüllten Ravioli in Steinpilzvelouté (14 Euro) die entsprechenden Bildnachweise erbracht.
 
Wenigstens die von verführerischem Rosmarinduft begleiteten Fettuccine alla Carbonara (15 Euro)
Fettuccine alla Carbonara
und die gut geschärften Penne Arrabiata (12 Euro) konnte ich als visuelle Beweismittel sichern.
Penne All'arrabiata
Erika Kuntz und Fabio Daneluzzi wünsche ich für die Zukunft das Allerbeste. Hoffentlich dürfen sie bald wieder Gäste empfangen und vor Ort verköstigen. Bemerkenswert finde ich, wie die jungen Betreiber dieses traditionsreichen Landgasthofes auf die neue „Gastrorealität“ der letzten Monate reagiert haben. Es würde mich nicht wundern, wenn die italienischen Einflüsse des Chefkochs auf dem Speisezettel der Pfälzer Stuben in Zukunft noch mehr zur Geltung kommen. Die Hardware dazu steht schließlich im Hof.
DETAILBEWERTUNG
Service
keine Wertung
Sauberkeit
keine Wertung
Essen
Ambiente
keine Wertung
Preis/Leistung


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