Zurück zu San Sushi
GastroGuide-User: Shaneymac
hat San Sushi in 58095 Hagen bewertet.
vor 4 Jahren
"Where Bento meets Bibimbab… - überraschend gutes Sushi und andere pan-asiatische Leckereien in Hagen (!)"
Verifiziert

Geschrieben am 24.07.2015 | Aktualisiert am 25.07.2015
Besucht am 20.07.2015
Spätestens seit dem unermüdlichen Wirken der geschätzten Ingolstädter Kritikerlegende „manowar“ weiß der aufmerksame Ex-RK und GG Forist, daß sich das Tragen von Old-School Metal Shirts und kulinarische Ambitionen nicht immer ausschließen.

So ist es auch im Falle dieser Restaurant-Empfehlung meines gerne in Schwermetall-T-Shirts und Stone-Washed-Jeans gehüllten Arbeitskollegen Stefan, dem man seinen ureigensten Vorurteilen folgend zunächst eher eine Vorliebe für das tägliche Mettbrötchen als eine tiefe Zuneigung zu Sashimi und Bento Boxen attestieren möchte.

Herr S. tut sich bisweilen schwer mit der Rezension asiatischer Küchen, wohlwissend das einen das Verfolgen von Anthony Bourdain´s TV-Wirken und das Lesen von Food-Literatur mitnichten zu jemand macht, der diese Küchen auch nur im Ansatz fundiert bewerten kann. Denn schauen wir der Wahrheit ins Auge, selbst in deutschen Großstädten ist es oft schwierig, richtig gut asiatisch zu essen wenn man die gelegentlichen Geheimtipps nicht kennt – und ob die Speisen authentisch sind, ist da noch lange nicht gesagt. Will heißen: Sollte man nicht beruflich viel in Asien weilen und die Landesküchen schätzen ist es schwierig, sich alleine hierzulande Kompetenz anzufuttern.

Aber wenn es mich denn so überzeugt hat wie an diesem Montagmittag, dann möchte ich gerne auch ein paar bescheidene, empfehlende Worte finden dürfen, auch wenn ich die Authentizität meines Gerichtes beispielsweise nur sehr theoretisch beurteilen kann.

Das Restaurant sansushi liegt zentral in Hagen, unweit des Bahnhofs und hat sich in einem sanierten Gebäudekomplex aus den 50er Jahren bequem gemacht, der als „Elbcenter“ firmiert und über einen netten begrünten Innenhof verfügt. Das Parken ist eine einzige Freude, rundum genügend Platz für das Vehikel, auffallend jedoch für eine bettelarme Stadt wie Hagen, die sich eigentlich über jeden konsumfreudigen Besucher freuen sollte, sind die vergleichsweise recht strammen Parkgebühren.

Das Entrée des sansushi ist denkbar unauffällig, Laufkundschaft wird so sicher eher selten in die Räumlichkeiten finden und es sieht ehrlich gesagt nicht sonderlich einladend aus. Außen wie innen empfinde ich die Kombination von westfälischer Nachkriegsarchitektur und asiatischer Bambus-Deko als etwas gewollt, aber mir ist ein wenig Klischee lieber als die völlig minimalistischen New-Age Asiaten, auch wenn es ein wenig wirkt wie eine Tiki-Bar im Herzen von Prypjat.

Es war ein schwüler Tag mit ca. 24 Grad, wir nahmen daher im recht nett gemachten Innenhof Platz und wurden von einer Dame – mutmaßlich einer Koreanerin – mittleren Alters bemerkt und hinreichend freundlich nach Getränkewünschen gefragt während man die Karten reichte. Ja, die Karten, das ewige Lied bei den Asiaten, mich überfordert die Auswahl weniger intellektuell als emotional, immer diese Entscheidungen, jede Auswahl bedeutet ja auch gleichzeitigen Verzicht auf andere, womöglich noch bessere Leckereien, schrecklich.

Das sansushi bietet eine große Vielfalt an Sushi und Sashimi Varianten (einen Hinweis auf Running Sushi gibt es nicht auf der Karte obwohl ich im Innenraum ein entsprechendes Laufband erspäht habe) die jedoch in Teilen den absoluten Mainstream wohltuend verlassen, zudem bietet man auch eine Vielzahl an warmen Gerichten:  es gibt Ramen, gebratene Nudeln und vielfältige Don(buri)s, ein japanisches Reisgericht serviert in einer Schüssel mit vielfältigen „Topping-Optionen“ aus Fisch, Fleisch und Gemüse. Gut, das meinen beiden Mitstreitern die Entscheidung nicht leichter fiel als mir, obwohl diese hier schon Veteranen-Status besitzen, trotzdem wurde bereits nach ca. 5 Minuten angestrengten Blätterns bestellt, da ist Kollege First meist noch bei der haptischen Beurteilung des Einbandes.

Im Gegensatz zu den Softdrinks meiner Kollegen wurde mein Bitter Lemon – 0,2l zu € 2,40 - nicht in der Gastroflasche serviert, zudem ohne Eis und Zitrone, auch etwas arm an Kohlensäure, das gepflegte Getränk unserer Träume sieht anders aus. Das Essen ließ dann auf sich warten, zunächst wurde mein Kollege falsch beliefert, statt einen Hühnchen Spieß servierte man ihm Garnelen im Tempura Mantel mit Teriyaki Sauce, was ihn zunächst wunderte ihn aber dann aufgrund akuter Unterzuckerung nicht lange vom Verzehr abhielt.

Dann, geschlagene 30-40 Minuten später (es war nicht wirklich voll, außer uns zum Zeitpunkt der Bestellung nur wenige Gäste, später deutlich voller) kamen die Hauptspeisen, hier sollte man etwas Zeit mitbringen.

Meine beiden Mitstreiter wählten jeweils eine kleine Kombo von Maki, Nigiri und Uramaki, ich ergriff endlich die Gelegenheit, ein berühmtes koreanisches Streetfood zu verköstigen, das unaussprechliche und für unsere Ohren skurril klingende Bibimbap.

Bibimbab mit in Sojasauce mariniertem Rindfleisch - 9,50 € (7,50 € als Mittagsmenü)

Zur Information des geneigten Lesers musste ich kurz schauen, was ich seinerzeit auf Wikipedia dazu geschrieben hatte*räusper* glaube das fasst es gut zusammen:

„Bibimbap (Aussprache: pibimp͈ap̚) ist ein beliebtes koreanisches Gericht, das mit Reis und verschiedenen Gemüsesorten, etwas Rindfleisch, einem rohen oder gebratenen Ei und Gochujang (einer Chilipaste) zubereitet wird.“

Das Tablett, das dem ausgehungerten Kritiker vorgesetzt wurde ließ hoffen, das Ganze sah farbenfroh aus und duftete herrlich nach fernöstlichen Ingredienzien.

Da mein Gericht auch auf der Mitagskarte zu finden ist, glaube ich, daß die Beigabe von den drei kleinen Frühlingsrollen diesem Umstand geschuldet ist, bin mir aber nicht sicher. Diese waren jedenfalls nicht aus der Tüte, knusprig und heiß - zusammen mit der recht milden Sweet-Chili Sauce und der aromatischen Füllung ergab sich ein köstlicher kleiner Starter.

Die Schüssel mit meinem Hauptgericht hatte Ausmaße die sicher eine kleine Familie satt gemacht hätte, diese war übrigens brühend heiß vorgewärmt, was ich schmerzhaft feststellte als ich den Trumm etwas verrücken wollte (danke für den Hinweis, schweigsame Lotusblüte aus dem Service…).

Auf einem Bett von beinahe ätherisch-weichen Udon Nudeln (hatte ich statt Reis bestellt) fand sich das fein geschnetzelte marinierte Fleisch, rundum verschiedene Gemüse wie marinierter Kohl, feine Karotten-Streifen, Mungobohnensprossen und einige Blätter Pak-Choi. Das Ganze wurde gethront von einem perfekt gegarten Spiegelei mit noch leicht flüssigem Kern im Eigelb und der bereits von Wikipedia erwähnten Chilisauce. „Best practice“ bei diesem Gericht ist es zumindest bei der Reis-Variante das Ganze nach dem Servieren ordentlich durchzumengen, was ich aber nicht gänzlich tat um pro Gabel entscheiden zu können, welchen Schwerpunkt ich bevorzuge, einfach damit ich einzelne Dinge besser erschmecken kann.

Das Fleisch, ich denke Hüftsteak, überzeugte mit einer butterweichen Konsistenz, wirklich unglaublich zart, zudem geschmacklich dank der Marinade u.a. bewehrt mit den Noten einer guten Teriyaki Sauce: Mirin, dunkle Sojasauce, Sesamöl, Knoblauch und eine dezente Süße begleiteten die feinen Streifen des Rindfleisches. Ein gut komponierter Löffel aus Fleisch, Chilisauce, Nudeln, flüssigem Ei und etwas Kohl versetzte einen so auch ohne touristische Vororterfahrungen nach Korea, zumindest der bescheidene Kritiker war in dieser Hinsicht zufrieden und schaffte es dennoch nicht, die riesige Portion zu bewältigen.

Der begleitende Salat lässt sich in Ermangelung eines Dressings (ich glaube obenauf gab es etwas Sesam und fein gehackte Karotte wenn ich das richtig erinnere) eher als ein nett drapiertes Rohkost-Arrangement bezeichnen, gebraucht habe ich ihn nicht wirklich.

Die Bezahlung verlief problemlos in bar, auf der ersten Seite der Karte entdeckte ich den Hinweis, dass EC Karten erst ab 15, Kreditkarten erst ab einem Rechnungsbetrag von 40 Euro akzeptiert werden.

Fazit


Mein Gericht hat mich überzeugt: Viele Details wie die vorgewärmte Schüssel, die grandiosen Frühlingsröllchen, das frische Gemüse oder die köstliche Chilisauce hinterließen einen überaus positiven Eindruck.
 
Auch das Sushi meiner Mitstreiter, das ich probieren durfte, wusste zu gefallen. Ich bin kein großer Sushi Fan und schon gar kein Experte, allerdings habe ich schon mehr als genügend davon vertilgt um dem sansushi eine umfassende Empfehlung aussprechen zu können die auch das Sushi mit einschließt.

Der Service war etwas sehr sachlich, kurzangebunden und kaum präsent, das habe ich auch in asiatischen Restaurants eine ganze Spur empathischer und freundlicher erleben dürfen, hier deutlich Luft nach oben und der Schwachpunkt bei diesem Besuch.

Auch beim Ambiente komme ich nicht wirklich ins Schwärmen, unwohl habe ich mich allerdings nicht gefühlt, gleiches gilt für die Sauberkeit, etwas in die Jahre gekommen heißt ja nicht automatisch schmuddelig!

Also, mit Fokus auf den Speisen lautet mein Fazit für das sansushi - in einer kulinarisch etwas strukturschwachen Gegend wie Hagen - nach dem Prinzip Küchenreise eine glatte 4 – gerne wieder!

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder - nach "Küchenreise")
 
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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