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GastroGuide-User: Minitar
hat Landhotel Reindlschmiede · Die Tafernwirt vom Tölzer Land in 83670 Bad Heilbrunn bewertet.
vor 7 Monaten
"Echt guad!!"
Verifiziert

Geschrieben am 10.08.2020
Besucht am 08.08.2020 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 41 EUR
Für alle Nicht-Bayern (respektive Nicht-Österreicher) vorneweg: der, die, das (?) Reindl bezeichnet eine Kasserolle oder einen Bräter, in dem sich deftige Köstlichkeiten zubereiten lassen, die sich in der Wirtshausbezeichnung „Reindlschmiede“ schon vage erahnen lassen. Was im heutigen Bad Heilbrunn offenbar vor ca. 350 Jahren als Handwerksbetrieb auf dem Weg zum Kloster Benediktbeuren begann, hat sich inzwischen zu einem kulinarisch-gastronomischen Kosmos aus Rundum-Wohlfühlbetrieb mit eigener Metzgerei, Landgasthof, Biergarten, Sonnenterrasse, Tagungshaus und Hotel entwickelt. Vermutlich könnte man auf diesem Areal mehrere Tage hintereinander ganz ohne Langeweile zubringen. Für zahlreiche Ausflügler und Wochenendtouristen (mich eingenommen) ist es auf jeden Fall ein attraktiver Ort, um eine Pause einzulegen und sich mit einer herzhaften Mahlzeit zu stärken. Das Lokal gehört zu den „Tafernwiren im Tölzer Land“, einer Gemeinschaft traditioneller Gaststätten der Region.

An einem Samstagnachmittag Anfang August, zur besten Essenszeit gegen 13 Uhr, ist es auf jeden Fall nicht ganz einfach, noch einen schattigen Parkplatz zu finden. Glücklicherweise bietet der weitläufige Gastgarten mit altem Baumbestand neben und hinter dem Gasthof auf verschiedenen Ebenen noch genügend freie Plätze, allesamt mit genügend Sicherheitsabstand zwischen den Tischen. Da der Laden brummt, wird es nicht ungern gesehen, wenn man sich selbst einen Tisch sucht und sich es gemütlich einrichtet. Der (durchgehend weibliche) Service ist gut besetzt, sehr fleissig und emsig – und kann einiges stemmen. Das ist auch notwendig beim hiesigen Speisenangebot. Neben landläufigen Gerichten wie Schweinebraten mit Semmelknödel und Salat (11,60 Euro) oder Leberkäse mit Kartoffelsalat (7,60 Euro) oder Weisswürstchen (4,90 Euro das Paar) oder Obazda mit Zwiebeln (7,20 Euro) staunt man auch über kulinarische Besonderheiten wie Kalbsbriesmilzwurst aus der hauseigenen Metzgerei (10,50 Euro) oder einem veganen Zucchinisteak (au weia, das stell ich mir lieber gar nicht erst vor) oder einem Semmelknödel-Carpaccio in Essig-Öl-Marinade (7,10 Euro). Auf jeden Fall ist sowohl für ausgewiesene Carnivoren wie Vegetarier das Angebot beeindruckend und riesengross. Vom montäglichen Ruhetag abgesehen kann man ganztägig und durchgehend mit warmer Küche rechnen. Mit einer kalten Brotzeit aber offenbar nicht. Nach einem nicht ganz durchschaubaren Regelwerk werden zumindest kurz nach 13 Uhr keine Vesper serviert. Schade, aber verkraftbar.

So fällt die Wahl auf eine hausgemachte Bratspätzlesuppe (3,90 Euro) die so herzhaft und würzig ausfällt, dass es einem glattwegs die Schweissperlen auf die Stirn zaubert. Einzigartig und grosse klasse!! Die kleine Portion des Pfeffersteaks mit Rösti (16,90 Euro) sieht auf den ersten Blick zwar etwas mickrig aus, überzeugt aber handwerklich und aromatisch. Das auf Wunsch medium servierte Steak von der Rinderlende ist scharf angebraten, aber innen rosa und herrlich zart. Ein Gedicht an sämiger Pfefferrahmsauce! Der Beilagensalat erfrischt mit Blattsalaten, Kresse, Rettich, Gurke und einer Tomate, die endlich mal nach etwas schmeckt. Aber statt des Sahnedressings hätte eine Balsamico-Vinaigrette vielleicht besser gepasst? Das grosse Johannisbeerschorle (3,70 Euro) ist gut gekühlt, der Willi (2,40 Euro) noch etwas jung und daher recht sprittig im Geschmack. Dafür der Espresso ohne Tadel (2,10 Euro).

Mehrere Servicedamen schwärmen im fliegenden Wechsel aus – die jüngste noch so genant, dass sie bei jeder Frage sacht errötet. Aber die gewünschte Zahlung mit Kreditkarte mit Bravour meistert. Dabei habe ich die Chance, die weitläufigen Innenräume in Augenschein zu nehmen: sehr gemütlich und hell eingerichtet, mit viel Holz und entsprechendem Lokalkolorit. In der Reindlschmiede kann man übrigens auch gepflegt übernachten, falls man dem örtlichen Weissbier oder den Spirituosen allzu sehr zugesprochen hat. Ob man unmobilisiert den Landgasthof erreicht, kann ich nicht mal sagen. Fast alle Gäste kommen im eigenen Auto, einige wenige tragen zwar Radlerdress, aber das kann eine modische Variante sein. Das Altersspektrum der Gäste bewegt sich zwischen 30 -70 Jahren, viele Paare, viele Freundeskreise, viele Grossfamilien. Der Maskenpflicht wird beim Personal zwar konsequent nachgekommen, ansonsten aber schon mal vergessen. Die Toiletten sind etwas eng bemessen, so dass sich schon mal Schlangen davor bilden. Ich habe mich jedoch während des gesamten Besuchs sicher und wohlbehütet gefühlt.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


Lodda und 4 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Carsten1972 und 4 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.