Gosch · Alte Bootshalle
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Restaurant Schnellrestaurant
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GastroGuide-User: hbeermann
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"Gosch und Corona, ein wenig zum Abgewöhnen"

Geschrieben am 28.06.2020 | Aktualisiert am 01.07.2020
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Besucht am 27.06.2020 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 92 EUR
Heute waren wir im so genannten Mutterschiff, der nördlichsten Fischbude Deutschlands. 

Wir waren gespannt, welches Hygienekonzept Gosch realisiert hatte. 


Herr Gosch sagte meiner Frau, es sei viel Arbeit gewesen, nun habe es aber geklappt. 


Es gibt nur noch einen Eingang, der auf beiden Seiten bewacht wird. Niemand kommt hinein, der sich nicht in die Listen einträgt oder nicht mit Mund-Nasen-Schutz angetan ist.  Dabei sind die Listen nicht DSGVO-konform, denn jeder kann sehen, wer sich vor ihm eingetragen hat. Eine Ankuftszeit wird erwartet, vom Abschied nimmt niemand Notiz. 


Innen sind umfangreiche Stehräume eingerichtet, die langen Tische mit den Barhockern sind verschwundeen. Man kann also mit gebührendem Abstand an der Fischtheke anstehen. Besteck und servietten nimmt man sich nicht mehr selbst, es wird mit dem Essen an den Tisch gebracht, eingewickelt auf der Griffseite in eine Serviette. Unsere Seezungen wurden uns ja auch meist gebracht, weil amn uns kennt. Jetzt haben alle den Service. Nun sind Fischverkäufer natürlich keine gelernten Servicekräfte, aber schleppen können sie eine Menge. 


Ich bestellte zwei Sezungen, einmal mit Specksalat, einmal mit Bratkartoffeln. Da es zwei recht gewaltige Zungen waren (578 und 498 g) zahlte ich 92 Euro. Dies ist neuerdings auch per NFC oder Kredit-/EC-Karte möglich. 


Meine Frau hatte einen Platz an einem Dreier-Tisch in einem allseits verglasten Séparée gesucht. Während ich unseren Claim bewachte, leitete meine Frau unseren

Tellerträger zu unserem Tisch, als alles fertig war. Wie in jedem Jahr, hatten sich die Beilagen verändert. Es gab für uns gemeinsam einen bunten Salatteller für die Tischmitte. Es war ein Gemisch aus Frisée, Radicchio, Mais, Möhren mit einem guten Klecks Dressing darüber. Die Bratkartoffeln waren in diesem Jahr etwas trocken und ohne Speck. Der Specksalat für meine Frau wurde vergessen, so dass sie sich ein Schälchen nachholte.  


Getränke gibt es nicht mehr neben der Frischfischtheke. Dafür musste ich ans andere Ende der Fischbude. Der Gosch-Riesling trocken ist passabel, aber kein Highlight. Wie immer wurde er aber gut gekühlt und bis zum Stehkragen eingeschenkt.  


Unsere Seezungen waren – auch wie immer – perfekt knusprig gebraten. Leider schwammen sie ein wenig im Fett. Das ist wohl der Eile geschuldet wegen der Corona-Änderungen. Der zu jeder Seezunge gehörende Gurkensalat schmeckte wie immer, angemacht mit Branntweinessig. Die drei Zitronenachtel auf dem Teller waren frisch und ausreichend.  


Insgesamt haben wir die Ablaufänderungen bei Gosch als heftiger und störender empfunden als bei jedem Restaurantbesuch bisher.  


Nach dem Essen waren wir noch in der Tonnenhalle gegenüber und nahmen den unendlichen Expansionswillen des Gosch-Imperiums wahr. Der ganze linke Teil ist jetzt nur noch unter der Goschregierung mit der Backstation, dem Frischfischverkauf, dem Getränke- und Konservenvekauf. Innen gibt es jetzt auch einen großen Canapée-Berich, der vorher nur außen vor der Tonnenhalle mobil angesiedelt war. 




 




                                                                                                                 Ergänzung 1.7.20, 14:30 Uhr, 80.- 


 


Da hier bei meinen Freunden (faule Bande) mangelhafte Bereitschaft zu erkennen war, sich Seezungenfotos aus dem Vorjahr oder Vorvorjahr von mir

anzusehen, schiebe ich heute etwas nach. Dazu sei gesagt, dass dieser eigentümliche Fisch sich ja im Laufe der Evolution von einem symmetrischen Senkrechtschwimmer umgewandelt hat zu einem asymmetrischen Plattfisch mit Augen auf einer Körperseite. Das hat eine sehr lange Zeit gebraucht. In zwei jahren passiert da nichts. Die Seezungen von 2018 sehen genau so aus wie die von 2020. 


Der große Vorteil dieser Wandlung liegt darin, dass man auf der realen Oberseite ein dickes Rückenfilet und ein dünneres Bauchfilet vorfindet. Wenn man beides gegessen hat, dreht man den Fisch um und findet dasselbe nochmals auf der realen Bauchseite vor.  


Wäre die Evolution nicht so gründlich gewesen, wäre die Seezunge verdammt, immerfort im Kreis zu schwimmen, weil sie auf der einen Seite (platt liegend) kräftige Muskulatur, auf der anderen Backbordseite dagegen bescheiden dünnere. Nun hat die Natur dieser dünneren Schicht einfach mehr Muskelzellen verschafft durch größere Fläche, so dass der Fisch ohne Gegenlenken gerade von einem Punkt zu einem anderen gelangen kann.  


An der Fischtheke äußerte ich den Wunsch nach einer kleinen und einer einer größeren. Der höchst erfahrene Verkäufer (kenne ich seit mindestens zehn Jahren) meinte, klein sei schwierig, alles ziemliche Lorbasse. Trozdem fischte er mit sicherem Griff ein Exemplar mit nur 412 g heraus. Meine größere wahllos heraus gegriffene hatte 520 g. Das waren dann 80,10. Beilagen wie immer: Specksalat für meine Frau, Bratkartoffeln für mich. Kurioserweise

bekamen wir wie beim vorigen Mal die Nummer 81. Bei der Frage, wo wir denn säßen, brauchte ich nur auf meine Frau zu deuten, die hinter der Glasscheibe einen wild gestikuliernden Hampelmann machte. Er meinte dann: gut, zwanzig Minuten dauert das, und ich bringe Euch dann den Kram. 


Im Innenbereich ist nun eine weitere Getränkestaion, von der meine Frau zwei Gläser unseres Standard-Rieslings holte.  


Zur Speisequalität kann ich nur sagen, dass die Seezungen noch besser waren als beim ersten Mal, wahrscheinlich,

weil sie kleiner waren.   


Draußen fielen ein paar Regentropfen, so dass die meisten aus dem Außenbereich nach drinnen  drängten. Prompt kam die Frage, ob neben uns noch frei sei. Meine prinzipiell eher ungeselleige Frau vertrieb die Fragenden mit der Bemerkung, die 1,5 m Mindestabstand seien so nicht einzuhalten.  


Wiederum höchst zufrieden verließen wir die nördlichste Fischbude Deutschlands.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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